Forum: Leben und Lernen
Spickzettel 4.0: Streit um Schummel-Uhren
AFP

Lehrer vs. Technik: Firmen haben eigens Uhren mit Mini-Computern entwickelt, die Schülern beim Spicken helfen sollen. Die "cheating watch" hat einen besonderen Clou - und sorgt in Großbritannien für Ärger.

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morph2k8 07.03.2016, 10:51
10. Kommt auf das Fach drauf an...

Ich selbst habe Elektrotechnik studiert und da waren in so gut wie jedem Fach sämtliche schriftlichen Unterlagen erlaubt. Man durfte mitnehmen, was man wollte. Durchgefallen sind immer noch genug.
Dennoch gibt es auch im Jahr 2016 Fächer, wo auswendig lernen sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig ist. Ich möchte in einem Notfall jedenfalls nicht von einem Arzt behandelt werden, der erst nach irgendwas googlen muss, um mein Leben zu retten...

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klima66 07.03.2016, 10:54
11. Ich muss leider draußen bleiben !!

In den 90er Jahren gab es ähnliche Probleme bei der Erkennung von programmierbaren Taschenrechnern. Daraufhin wurden in den Prüfungen (Dipl. Ing / Uni) einfach alle Taschenrechner verboten.
Die Aufgabe wurden entsprechend angepasst - bei Folgeaufgaben war das Zwischenergebnis angegeben.
Das hat prima funktioniert.

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dave_t 07.03.2016, 10:54
12. Zusammenhänge verstehen und Lösungen finden

"Es sei sowieso an der Zeit, dass man bei Prüfungen Bücher zulasse, schrieb zum Beispiel Deepak Panjmani. "Es geht in Prüfungen nicht mehr darum, alles auswendig zu wissen. Es geht darum Begründungen zu kennen, Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu finden."

Das ist für viele Fächer sicherlich zutreffend. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß man sich komplette Klausurtexte per Podcast diktieren lassen darf.

Und bei anderen Fächern würde ich durchaus Wert darauf legen, daß tatsächlich auch "stumpfes Faktenwissen" in den Köpfen der Studenten vorhanden ist, und dieses auch abgefragt wird - Medizin zum Beispiel. Da fände ich es nicht besonders lässig, wenn der Arzt bei einem Notfall erst Professor Google fragen muß ...

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mr.andersson 07.03.2016, 10:58
13.

Zitat von dermirko
Ich unterrichte an einer Uni: auch wenn ein Student solche Uhren nutzt, wird das nicht helfen bei der Prüfung. An Schulen, wo man auswendig lernen muss, einfach verbieten.
Genau so ist es.

Und irgendwo muss man die Grundlagen auswendig lernen, sonst fehlt einem das Werkzeug für die Zusammenhänge und Lösungswege, denn sie sind die Fortsetzung der Grundlagen.

Das dieses Grundverständnis bei einigen fehlt, ist erschreckend genug.

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MADmanOne 07.03.2016, 10:59
14. Naja...

Zitat von noalk
"Die Empörung richtet sich dabei allerdings mehr gegen die Firmen, die solche "cheating watches" anbieten, als gegen die Prüflinge selbst." --- Genau das ist der falsche Ansatz. Verantwortlich für den Gebrauch ist selbstverständlich und ausschließlich der Anwender. In unserer Gesellschaft greift es immer mehr um sich, anderen die Schuld zuzuschieben.
Grundsätzlich stimme ich ihnen schon zu, was die Schuldfrage angeht. Dennoch finde ich es aber hochgradig lächerlich, ein Produkt mit einer Funktion zu bewerben von der man als Anbieter weiss, das deren praktischer Nutzen sich nur in verbotenen Situationen entfaltet. Man stiftet die Käufer dadurch zu verbotenen Verhalten an, distanziert sich aber gleichzeitg alibimäßig davon. Würden alle Käufer sich daran halten, würde wahrscheinlich kein Exemplar verkauft. Und das weiss der Anbieter.

Aber in der Praxis sehe ich dennoch kein Problem. Zwar bin ich auch der Meinung, daß das stupide Auswendiglernen aufhören sollte, aber bis es mal soweit ist kann immer noch jeder Lehrer/Dozenz/Professor alle elektronischen Geräte im Prüfungsraum verbieten. Wem das nicht passt, der bekommt halt gleich ein ungenügend/durchgefallen, daher regelt sich das schon.

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florian123 07.03.2016, 11:04
15. Klingt irgendwie..

Zitat von noalk
"Die Empörung richtet sich dabei allerdings mehr gegen die Firmen, die solche "cheating watches" anbieten, als gegen die Prüflinge selbst." --- Genau das ist der falsche Ansatz. Verantwortlich für den Gebrauch ist selbstverständlich und ausschließlich der Anwender. In unserer Gesellschaft greift es immer mehr um sich, anderen die Schuld zuzuschieben.
Klingt irgendwie nach nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen. Was ich persönlich für eine schlechte Argumentation halte.

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MaxNichtmustermann 07.03.2016, 11:08
16.

Zitat von jonashof
Mit universellem Zugang zum Internet und somit dem gesammeltem Wissen der Menschheit ist das schlichte Auswendiglernen und Niederschreiben schon lange keine vernünftige Prüfungsmethode mehr. Das Erkennen von Zusammenhängen und das Finden eines Lösungsweges unter Zuhilfenahme gegebener Informationen wäre wesentlich sinnvoller und wertvoller für den Schüler / Studenten.
ok, Sie lassen sich dann sicher gerne von einem Chirurgen operieren, der nebenbei auf wiki-Anatomy sich die funktionelle Anatomie für den Eingriff anschaut? Oder lassen sich von einem Piloten fliegen, der das Manual der Maschine auf dem Knie liegen haben muß, damit er die richtigen Schalter findet?
Sorry, es ist ein großer Irrglaube, daß der Wert von Auswendiggelerntem dank wiki etc. gegen Null geht - nur, wer ein solides Hintergrundwissen in den jeweiligen Fächern hat, kann die online-Quellen richtig einordnen, gewichten und bewerten.
Abgesehen davon - wenn man sich mit einer Sache intensiv auseinandergesetzt hat, kann man sie auswendig.
Zu Ihrem zweiten Absatz - ja, das ist sinnvoll, aber genau das wird ja auch en passant abgeprüft.

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Umbriel 07.03.2016, 11:09
17. google, der Rollator der Möchtegerne

das Problem ist, dass Prüfungen im System zum Selbstzweck geworden sind statt in einem gesunden Verhältnis zu den Möglichkeiten zu stehen.
Man versucht Probanden hereinzulegen und ist auf Konfrontationskurs.

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TS_Alien 07.03.2016, 11:11
18.

Zitat von mat_1972
Zitat: "Es geht in Prüfungen nicht mehr darum, alles auswendig zu wissen. Es geht darum Begründungen zu kennen, Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu finden." Ja, genau das ist das Problem. Die Maßstäbe an die Schüler sind die, einer modernen Welt im Jahr 2016.... aber die Wissenvermittlung und die Art und Weise wie dieses abgefragt und vermittelt wird ist oft aus dem vorletzten Jahrhundert. Ist es echt so schwierig einfach mal ein paar sinnvolle Reformen auf den Weg zu schicken? Muss wohl.
Die Wissensvermittlung wird sich nicht großartig ändern, weil sie gut funktioniert. Zumindest gilt das für Lerngruppen, die nicht zu heterogen sind. Die Lehrer können nichts dafür, dass ihnen ihr Dienstherr viele Vorgaben bezüglich der Aufgabenstellungen macht. Mit Auswendiglernen kann man auch heute noch ordentliche Noten schaffen. Der gute Schüler wird jedoch anders lernen und auf Dauer wesentlich erfolgreicher sein.

Ich kenne nur zwei gute Reformvorschläge: Kleinere Klassen und ernstzunehmende Eingangsprüfungen für weiterführende Schulen.

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MaxNichtmustermann 07.03.2016, 11:14
19.

Zitat von ed_tom_bell
Ich muss gestehen, dass ich mir früher, in der Schule, auch ein paarmal Spickzettel gemacht habe. Das war auch sehr effektiv, denn alles was ich auf den Zetteln hatte speicherte sich beim Verfertigen der Zettel auch in meinem Kopf, so dass ich die Zettel gar nicht mehr brauchte. Leider dennoch keine Win-Win-Situation, denn die Zettel erwiesen sich oft als unvollständig. Die Moral von der Geschicht: Auch Betrügen will gelernt sein und kann lehrreich sein, vor allem wenn man sich selbst betrügt. Vielleicht hat unser Freiherr zu Googleberg ja eine ähnliche Lektion gelernt.
EXAKT - ich habe da sehr schicke Dinge gebaut, mit Gummizügen etc., so daß das Teil superschnell im Ärmel verschwand. Der ganze Aufwand stand in keinem Verhältnis zu den auf dem Zettelbüchlein gespeicherten Informationen, aber nachdem ich das liebevoll in Zwergenschrift niedergelegt hatte, war es auch in meinem Kopf :-)

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