Forum: Leben und Lernen
Spielen unter Daueraufsicht - sind Eltern zu vorsichtig?

Kinder toben heute kaum noch durch Straßen und Wälder. Der Trend geht zur Käfighaltung, Abenteuerspielplätze sind umzäunt und von Eltern bewacht. Der Neurobiologe Gerald Hüther spricht über Kinder unter Daueraufsicht - sind Eltern heute zu vorsichtig?

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Tobhecht 25.11.2008, 16:32
1.

Zitat von
"Oh, hast du einen schönen Turm gebaut! Aber guck mal, der Papa kann einen noch größeren!" So etwas ist tödlich.
Na na! Also jetzt wolln wirs mal nicht übertreiben! Kinder lernen bekanntlich auch durch Nachahmung ihrer Vorbilder. Sie sind begeistert, wenn Papa oder Mama ihnen etwas zeigen und ihnen neue Möglichkeiten vorleben.

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Hercules Rockefeller 25.11.2008, 16:38
2. Nette Utopie

Natürlich hat Herr Hüther recht!
Aber Aufgabe von Eltern ist nunmal nicht nach dem neurobiologischen Ideal zu erziehen, sondern anhand der gegebenen Umweltbedingungen.
Solange unsere Bildungsinstitute und die Wirtschaft keinen gesunden, selbstdenkenden und selbstzufriedenen Menschen die Türen öffnet, solange muss man die Kinder eben zu soziopathischen, ängstlichen Klugscheißern erziehen.

Was bringt es denn, wenn man da eine Fackel heranzieht, die dann nur einen Notendurchschnitt von Drei oder schlechter auf dem Papier hat. So jemand kommt nicht auf die Uni und auch garnicht erst zum Vorstellungsgespräch-so sieht es nunmal leider aus.
Und die meisten von uns sind nunmal auf Erwerbsarbeit angewiesen bzw. haben nicht das Geld, gleich mit eigenen Ideen durchzustarten. Es gibt also keine Wahl bei der Erziehung.

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freedomofspeech 25.11.2008, 16:39
3. Geduckte Eltern - geduckte Kinder

Die Eltern können nur das weitergeben, was Sie selbst sind. Und da bundesdeutsche Eltern zum großen Teil selbst nur Haustiere sind, die glücklich über ihre erworbenen Kunststückchen sind, geben sie die dafür notwendige Unterwürfigkeitshaltung an ihre Kinder weiter. Die können ja auch gar nicht anders. Wer Dankbarkeit über die Gnade zivilisatorische Kunststückchen beigebracht bekommen zu haben empfindet, geht mit dieser Dankbarkeit an die Dressur der eigenen Kinder. Und weils im eigenen Leben nicht viel mehr gibt, als die Weitergabe der Demut, gehört natürlich ein ausgepräger Drang dazu, diesen Lebnssinn zu hüten und in Form des gegängelten Nachwuchses auch so weit es geht zu beschützen. Mehr als funktionierende Marionetten müssen in der Konsumgesellschaft ja auch nicht herauskommen. Ein paar Alphatiere als Ausnahmeerscheinungen reichen ja aus.

Mein Vorschlag: Ganztaqshelmpflicht für alle Kinder!

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Hercules Rockefeller 25.11.2008, 16:41
4.

Zitat von Tobhecht
Na na! Also jetzt wolln wirs mal nicht übertreiben! Kinder lernen bekanntlich auch durch Nachahmung ihrer Vorbilder. Sie sind begeistert, wenn Papa oder Mama ihnen etwas zeigen und ihnen neue Möglichkeiten vorleben.
Also ich würde so jemanden als "Arschloch" bezeichnen, Vater hin oder her.
Ist ja nix anderes, als wenn Ben Johnson zu den Paralympics geht und ruft "Guckt mal ihr Nasen, ich kann noch schneller!".

Davon hat ein Kind überhaupt nix, ausser einem kaputten Selbstbewusstsein. Es lernt dadurch nur, das egal was es macht, es reicht nicht aus. Am Ende macht es dann garnix mehr. Oder alle anderen sind Konkurrenten. Da wird der "Minderleister Papa" dann eben ins Altenheim aussortiert, wenn er nicht mehr die Leistung bringt...

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simie 25.11.2008, 16:52
5. besorgniserregende Entwicklung

Das Problem sind nicht nur die Eltern. Wo können denn Kinder heute noch spielen? Wenn selbst Kitas gerichtlich vorgeschrieben wird, wann die Kinder im Garten spielen können, da sie angeblich eine störende Lärmquelle sind.
Der öffentliche Raum ist doch zu großen Teilen für Kinder zur Tabuzone erklärt worden. Entweder ist er für Kinder nicht geeignet oder er wird stark reglementiert.

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Klampfe 25.11.2008, 16:56
6.

Zitat von Tobhecht
Na na! Also jetzt wolln wirs mal nicht übertreiben! Kinder lernen bekanntlich auch durch Nachahmung ihrer Vorbilder. Sie sind begeistert, wenn Papa oder Mama ihnen etwas zeigen und ihnen neue Möglichkeiten vorleben.
In dieser Situation hat der Vater die Leistung des Kindes zerstört und ihm nichts gezeigt. Die Nachahmung wird darin bestehen, dieselbe Verhaltensweise bei anderen Menschen zu zeigen und nicht den höheren Turm zu bauen!

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totiVII 25.11.2008, 16:59
7. eltern sind ZU vorsichtig!

hier spricht wieder mal der Gruppenführer in mir. Zurzeit ist es so,dass diverse der Jungs,die ich in einer Jugendgruppe habe nicht kommen dürfen,wenn es dunkel ist und sie nicht von ihren Eltern an den Gruppenraum gebracht werden können. höchstes wenn einer von uns Führern sie zu Hause abholt. Sie könnten ja geklaut werden oder ihnen könnte etwas passieren...das alles wegen einer Strecke von knappen 150 bis 400m in einem Dorf,wo sich Hund und Katz gute Nacht sagen. Es kommen auch teilweise die Jungs nicht auf Freizeiten,weil ihnen dort ja etwas passieren könnte. Anderseits entsteht dann aber rauch durch diese dauerhafte Anwesenheit der Eltern eine Art Abhängigkeit für die Eltern(es kommt erstaunlich öfters vor,dass sie Heimweh bekommen,wenn sie noch nicht mal einen Tag von dem elterlichen Haus weg sind)
und zu allerletzt: scheinbar haben die Eltern auch durch ihre dauerhafte vorsicht keine Ahnung,was ihre Kinder können. Einer der Jungs aus meiner Gruppe hat es einfach drauf: er ist selbstständig, vorsichtig,handelt klug und durchdacht und könnte(wenn er schon älter wäre) bestimmt auch Verantwortung für eine Gruppe übernehmen. Seine Eltern lassen ihn aber noch nicht mal aus dem Haus wenn kein Erwachsener draußen ist...
mich stört diese übervorsicht der Eltern-sie lassen sich aber auch nicht da kritisieren
Liebe Grüße
toti

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mehrwert 25.11.2008, 17:10
8.

Zitat von sysop
Kinder toben heute kaum noch durch Straßen und Wälder. Der Trend geht zur Käfighaltung, Abenteuerspielplätze sind umzäunt und von Eltern bewacht. Der Neurobiologe Gerald Hüther spricht über Kinder unter Daueraufsicht - sind Eltern heute zu vorsichtig?
Ich bin Jahrgang 1966 und in einer Kleinstadt aufgewachsen. Was mir so auffällt im Vergleich früher - heute:
a) Wir hatten nur rechteckige LEGO-Steine, haben damit aber alles gebaut - Fluzeuge, Hochhäuser, Schiffe - OK sahen scheiße aus, aber wir wusten was gemeint war und es gab unendlich viele Möglichleiten.
Heute: LEGO-Kasten " Bauernhaus" mit vielen Spezialsteinen und Figürchen und Anleitung wie das genau zusammengebaut werden soll. Das schränkt schon ganz schön ein.

b) Wir früher von der Schule heim - Hausaufgaben machen - und dann waren wir weg, raus auf Wiesen und Wald. Da hat uns kein Erwachsener mehr gesehen.
Heute: Nach der Schule gehts Montags zum Klavierunterricht, Dienstags zu Tennis, Mittwochs zum Golf, Donnerstag ist NAchhilfe, etc... Ich beobachte wirklich das Kinder schon jeden einzelnen Tag der Woche verplant sind. Immer unter Aufsicht, immer was nützliches tun. Arme Schweine...

So das waren nur mal ein paar Bespiele. Wir hatten noch richtige Freiräume. (Ab und zu mußten wir aber auch "hart Arbeiten": Hasenstall ausmisten, Garten gießen, Heu machen helfen, etc..) Nachträglich bin ich meine Eltern unendlich dankbar für diese schöne Kindheit und Jugend. Ich weis nicht ob ich dass meinen Kindern alles erlauben würde, wg. der Gefahr und so....

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Patina 25.11.2008, 17:13
9.

Zitat von Hercules Rockefeller
Natürlich hat Herr Hüther recht! Aber Aufgabe von Eltern ist nunmal nicht nach dem neurobiologischen Ideal zu erziehen, sondern anhand der gegebenen Umweltbedingungen. Solange unsere Bildungsinstitute und die Wirtschaft keinen gesunden, selbstdenkenden und selbstzufriedenen Menschen die Türen öffnet, solange muss.....
Was für ein resignierter, rückgratloser Quark!
Meine Kinder versuche ich, zu "Fackeln" zu erziehen. Es ist nämlich überhaupt nicht gesagt, dass gesunde, selbst denkende und selbstzufriedene Menschen nicht in der Lage sind, das nötige Maß an Anpassung aufzubringen, um ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften.

Wer sich so dem (nur von sich selbst wahrgenommenen) Zwang unterordnet, hat schon verloren! Es ist wie mit der Freiheit, wer sie der Sicherheit opfert, hat sie schon verloren.

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