Forum: Leben und Lernen
Spon-Leser zur Leseschwäche von Grundschülern: "Damit man sich mit den Blagen nicht s
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Hunderte Kommentare auf Facebook und Dutzende Seiten im Forum: Die Ergebnisse der Grundschul-Lese-Untersuchung beschäftigen die Leser von SPIEGEL ONLINE sehr. Eine Auswahl der Vorschläge und Kritik.

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ahofmann668 06.12.2017, 17:02
10. Lesen lernen

Ich habe bei meinen Kindern im Alter von 3 und 5 begonnen, ihnen das Lesen beizubringen nach folgender Methode: Man nehme ein Kartenspiel mit großen Buchstaben (gab es damals), wer ein Wort mit dem Buchstaben nennt, bekommt die Karte. Dann habe ich im Kinderzimmer neben dem Bett ohne Kommentar eine Tafel aufgehängt mit Groß- und Kleinbuchstaben. Nach einiger Zeit habe ich ihnen gezeigt, wie man Buchstaben verbindet. Dann habe ich sie wieder mit ihrem Wissen alleingelassen. Sie haben selbst versucht, überall, wo sie Buchstaben gesehen haben, diese zu verbinden und gefragt, wenn sie das Wort nicht verstanden haben. Dann durften sie abends im Bett lesen, wenn sie tagsüber keinen allzugroßen Blödsinn gemacht haben. Nicht lesen dürfen war eine Strafe. Meine Kinder haben mit 5 und 6 Jahren abends schon dickere Bücher gelesen, meine 6jährige Tochter sogar Märchenbücher in altdeutscher Schrift. Wenn sie auch später nicht mehr so viel gelesen haben, sie konnten fehlerfrei schreiben und sich gut ausdrücken. Ich kann diese Methode nur weiterempfehlen. Mein Einsatz war minimal.

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Grummelchen321 06.12.2017, 17:07
11. Die Grundschullehrer bekommen in

Zitat von Stillerbeobachter
Das liegt einfach daran, dass unsere Lehrer halt vollkommen unterbezahlt sind. Das Einstiegsgehalt eines Gymnasiallehrers entspricht in der freien Wirtschaft (beim selben Nettogehalt aber schlechterer Altersversorgung) halt nur dem Hungerlohn von 4.800 EUR monatlich. Unser armer Staat vergütet einen Junglehrer halt nur so gut wie 1. Richter, 2. Staatsanwalt, 3. Arzt, 4. Korvettenkapitän, 5. Major oder 6. Polizeirat. Auch die Karriereaussichten sind miserabel. Hat man es geschafft einen Durchschnittskariere (A15) am Dienstende zu erreichen, hätte man genausogut 1. Fregattenkapität, 2. Bundesbankdirektor oder 3. Polizeidirektor (oder Vorsitzender Richter am Landgericht) werden können. Selbst wenn man Leiter eines Gymnasiums wird, erwarten einen die elenden Bezüge eines Botschafters oder Leitenden Polizeidirektors (oder Kapitän zur See). Angesichts diese leistungsfremden Vergütung kann man von Grundschullehrern die noch tiefer vergütet werden (Einstiegsbesoldung entspricht einem Polizeihauptkommisar oder einem Hauptmann) doch keine Leistung erwarten, die zu besseren Ergebnissen führt als in Russland, Polen, Lettland oder Bulgarien. Die dortigen Schulen sind garantiert besser ausgestattet und die Lehrerschaft erheblich besser vergütet (so verdient ein Gymnasialllehrer in Polen fast 3.200 PLN, oh sorry das sind ja nur 800 EUR). Immerhin sind wir besser als Kasachstan (um einen Punkt). (und nein, das sind keine Fake News - nachzulesen im Bundesbesoldungsgesetz)
in der Tat zu wenig Geld und sind generell unterbesetzt.Aber daran das schlecht lesen können eines Kindes herzuleiten?
Da sind dann doch wohl eher die Eltern und Familie gefragt die das Kind dazu fordern und fördern müssen.

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Trollfrühstücker 06.12.2017, 17:07
12. Nehmt den Eltern die Smartphones weg

Es ist noch nicht untersucht worden, aber ich habe Indizien für eine These:

Heutige Eltern verbringen mehr Zeit mit ihrem Smartphone als mit ihren Kindern.

Gestern abend im Bus sah ich wieder mal, wie weit es geht:

Eine junge Mutter mit Smartphone und Kinderwagen, darin ein ca. zweijähriges Kind, das geradezu verzweifelt um Aufmerksamkeit bettelte, vergeblich. Als es quengelte, bekam es von der Mutter eine Ohrfeige, und Mama spielte dann weiter mit unveränderter Miene auf dem Telefon während ihr Kind heulte.

Wie werden diese Kinder wohl als Erwachsene werden?

Nehmt den Eltern die Smartphones weg!

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toc-ra 06.12.2017, 17:13
13. 2 wichtige Sachen fehlen

1. Die Inklusion von lernschwachen Förderkinder.
2. Integration von Kindern ohne oder sehr wenig Deutschkenntnissen.

Das macht unterrichten mit 28er Klassen unmöglich. Hilfe die man bekommt, besteht aus 2 Wochenstunden Unterstützung einer Förderschullehrerin. Das ist ein Witz. Leider ist das aber mein Alltag.

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mime-sis 06.12.2017, 17:22
14. Viele Kommentare

Viele Kommentare waren ja auch nach dem Motto: Früher war alles besser und Digitale Medien sind schlecht. Na ja, so einfach ist das, glaube ich aber nicht. Meine Oma (Jahrgang 1910) konnte nach 6 Jahren Volksschule zum Beispiel nur schlecht lesen und schreiben. Es wurde ihrer Aussage nach nicht darauf wertgelegt, dass alle in der Schule mitkommen. Zweitens unser Sohn (6) nutzt digitale Medien und er konnte schon vor der Schule lesen. So wie er das Tablet verwendet, muss man schon etwas lesen können.

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Rick73 06.12.2017, 17:24
15. SEK I nicht besser

Bei 20 % meiner Schülerschaft, die ich über die Jahre beschulen durfte (Gesamtschule), würde ich eine befriedigende Orthographie attestieren. 80% sind nur noch bedingt in der Lage Inhalte aus Texten zu filtern, geschweige denn daraus sinnvolle Inhaltswiedergaben anzufertigen. Lesen ist ebenfalls nicht mehr flüssig und klingt eher so als würde man dabei ein Brötchen kauen. 20 Jahre sind nicht mal eben gut zumachen. Die Verfehlungen sind einfach zu heftig. Folglich bleiben alle auf der Strecke!

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GustavN 06.12.2017, 17:29
16.

Es ist aber auch nicht immer nur der Staat, das Schulsystem oder die soziale Schere an allem schuld. Meine Freundin ist Grundschullehrerin und es ist erstaunlich, dass bestimmte Kinder aus gewissen Milieus zwar keinerlei Erziehung oder schulische Unterstützung von zu Hause bekommen - aber merkwürdigerweise zu Hause genug Zeit ist, das Kind dahingehend zu indoktrinieren, sich von Frauen nichts sagen lassen zu müssen. Aber was schreibe ich, wird ja eh zensiert...

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vera gehlkiel 06.12.2017, 17:32
17.

Mein Vater hat unheimlich viel gelesen. Eher zur Entspannung als Hochliteratur, aber dass kein Buch bei uns rumlag, und zwar aufgeklappt, nicht nur als Beistelltisch-Deko, gab es gar nicht. Er lass lauter dicke Wälzer, und ich konnte mich nicht darüber einkriegen, wie flott das bei ihm ging. Später war mit mein Wichtigstes mein kleiner Ausweis für die winzige Stadtbücherei bei uns, es gelang mir manchmal, wenn auch selten, ein Buch, was als Erwachsenenliteratur klassifiziert war, dort rauszuschmuggeln, ich weiss noch genau, wie die alte Dame aussah, die immer so zerstreut war, dass es bei ihr klappen konnte. Noch heute ist dieses anarchistische Abenteuergefühl in mir, wenn ich im Buchladen ein bestelltes Buch abhole und nach Hause trage, die Tonnen von Fachliteratur in Beruf und Studium, die Megatonnen von Büchern auf dem Markt, die wirklich grausam sind, all das hat meine geheimnisvolle Liebe zu den absonderlichen Stellen in Romanen und Gedichten nicht schmälern können. Zum ersten Mal gefummelt mit einem Jungen habe ich übrigens auch wegen einer Buchstelle, es war was in Sartres "der Ekel", eine Stelle, die irgendwie eher abstossend wirkte, deren Geheimnis wir uns aber plötzlich nicht mehr entziehen konnten, es war mehr schrecklich als schön, mehr angsteinflössend als erregend, wir fühlten uns komplett absurd und hilflos, aber es eröffnete nicht nur eine Tür zu einer anderen Welt, sondern eine komplett neue Welt fiel an diesem bewussten Nachmittag vom Himmel herunter. Geht es den jungen Leuten, die ihre Sexualität heute über YouPorn entdecken, auch noch so unter die Haut? Ich hoffe es nur, denn was ich alles aufgrund von Büchern erlebte, ist schlicht nicht in Worte zu fassen.

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victoria101 06.12.2017, 17:37
18. So einfach ist das nicht...

... ich bin Ärztin, mein Mann ist Physiker. Unser Keller platzt vor Büchern, wir sind beide absolute Leseratten.
Natürlich haben wir ganz früh damit angefangen, unsere Tochter zu fördern und ihr vorgelesen. Aus allen möglichen altersgemäßen Büchern.
Sie hat es gehasst. Sie wollte alles andere, nur nicht Vorlesen.Spiele hat sie grundsätzlich abgelehnt, da sie lieber nicht spielte, als zu verlieren. (Ab dem Alter von 4 Jahren!) Wir haben es irgendwann aufgegeben. Wie sich herausstellte, hat sie eine schwere Ausprägung einer Legasthenie.Unsere zweite Tochter musste sich das Vorlesen regelrecht erkämpfen, weil wir das gar nicht mehr in der Routine hatten. Sie hat ohne Schwierigkeiten Lesen gelernt, allerdings sind Tablet und Nintendo interessantere Attraktionen und für sie mindestens gleichwertig, rauben somit Lesezeit. Entsprechend liest sie schlechter bzw. weniger komplizierte Texte als ich in dem Alter. Dafür zieht sie sich alle möglichen Bastelvideos bei YouTube, daddelt an der Englisch-App herum und weiß genau, dass ihr ein eigener YouTube-Channel viel zu aufwändig wäre. Das sind auch Kompetenzen. Halt andere. Aber nicht unbedingt weniger wichtig.

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widower+2 06.12.2017, 17:45
19. Da haben Sie Recht

Zitat von muunoy
Das habe ich auch mal gedacht, bin aber inzwischen zu einem anderen Ergebnis gekommen. Die Anzahl der Bücher ist nicht entscheidend. Es geht eigentlich nur darum, ob überhaupt Bücher im Haus sind und konsumiert werden.
Wichtig ist, dass es überhaupt Bücher gibt. Und die gibt und gab es in meinem Haushalt und auch in meinem Elternhaus immer. Allein bei meinem letzten Umzug habe ich aber ca. 800 Bücher entsorgt, verkauft oder gespendet.

Ich geh tatsächlich davon aus, dass ich persönlich im Moment etwas weniger als 100 Bücher besitze. Nicht bedacht habe ich bei meiner Schätzung allerdings die Bücher, die sich (zum Glück) noch in den Zimmern meiner Kinder befinden. Zusammen landen wir da in der Tat wohl weit über hundert.

Ich war übrigens selbst für eine gewisse Zeit auf ALG II angewiesen und habe festgestellt, dass Bücher (wenn man nicht allzu wählerisch ist) heute im Gegensatz zu früheren Zeiten kein wirklicher Kostenfaktor mehr sind. Leihbüchereien sind oft kostenlos, gebrauchte Bücher bekommt man oft ab 50 Cent pro Stück. In meinem Wohnort gibt es zudem im Vorraum des Edeka-Markts ein Bücherregal, wo man kostenlos Bücher entnehmen oder auch einstellen kann. Die Bandbreite dort ist übrigens erstaunlich. Von Sachbüchern über Kinderbücher bis zu Belletristik der bekanntesten Bestsellerautoren findet man da alles.

Da sich das gedruckte Buch etwas auf dem Rückzug befindet, war es wohl nie so billig ein Buch zu lesen wie heute. Der wichtigste Faktor ist und bleibt wohl die Vorbildfunktion der Eltern. Wenn diese lesen und vorlesen, ist der Grundstein für ein Interesse des Nachwuchses an Büchern gelegt.

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