Forum: Leben und Lernen
Sprachtest für Jurastudenten: "Das Ergebnis war teils verheerend"
Jantita Nord

"Vollumfänglich", "übervorteilt", "verlustig" - Juristendeutsch kann grausam sein. Doch Juraprofessorin Jantina Nord fand heraus, dass ihre Studenten nicht nur an Fachvokabeln scheitern, sondern an grundlegenden Grammatikregeln. Vor allem der Konjunktiv ist ihnen nicht geheuer.

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Xan1973 27.05.2013, 10:27
1. Was wird heute eigentlich in Schulen gelehrt?

Das Auswendiglernen von Pisa-Tests oder was? Die geschilderten Begriffe gehören zum Allgemeinwissen, auch wenn sie umgangssprachlich eher selten benutzt werden.

Nja, vielleicht liegts aber auch nur daran, dass vielen Studis angesichts von Frau Professor die Worte ausgehen...

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BeBeEli 27.05.2013, 10:28
2. Das Ergebnis

Das ist das Ergebnis der Schulpolitik. Die Leistungsanforderungen werden immer weiter abgesenkt, um auch jedem das Abitur schenken zu können. Die Lehrer, die aus Gewissensgründen nicht mitmachen können, werden unter Druck gesetzt.

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eigene_meinung 27.05.2013, 10:29
3. noch früher ansetzen

Bei den Juristen, die ich bisher erleben musste, fehlt es an elementarem logischen Verständnis. Massive Denkfehler, gepaart mit falschem Deutsch, ergeben dann Beschlüsse (z.B. von Staatsanwälten oder Richtern), über die man eigentlich nur lachen könnte, wenn diese nicht so verheerende Folgen hätten (Freiheitsentzug, finanzielle Verluste, Entmündigung, ...).

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jhea 27.05.2013, 10:30
4.

Aber es liegt nicht nur am 'Vollumfänglich' oder 'Verlustig gehen'. Meine Hassphrase ist 'auf jeden Fall' die wenigstens 70% der Deutschen nicht richtig benutzen können.

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coyote38 27.05.2013, 10:30
5. Kein alleiniges Juristenproblem

Man braucht nicht zwingend Jura zu studieren, um zu erkennen, dass die deutsche Sprache - ich bitte, den metaphorischen Ausdruck zu entschuldigen - "den Bach runtergeht".
Eine Generation, deren Schriftgebrauch und Lektüre sich auf Akronyme und Emoticons bei täglich hunderten sinnentleerter SMS beschränkt, ist mit einem sprachlich so "feinen Skalpell" wie dem "Deutschen" natürlich überfordert.
Tragisch an der ganzen Angelegenheit ist nun nicht, dass unsere Jugend systematisch "verblödet" (daran gewöhnt man sich und die Hoffnung auf Besserung habe ich ohnedies längst aufgegeben), sondern lediglich, dass die Bildungspolitik diesem Trend FOLGT und nicht etwa ENTGEGENsteuert: Die Rechtschreibreform hat schließlich DAS als verbindlich erklärt, was man vor 15 Jahren noch als Legasthenie ärztlich behandelt hätte. Das Problem ist hausgemacht ... und wie IMMER beginnt der Fisch AM KOPF zu stinken.

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apollo10 27.05.2013, 10:36
6. Es wundert mich nicht

dass mangelnde Sprach- und Grammatikkenntnisse beklagt werden. Als ehemaliger Sprachenlehrer stelle ich fest: Kolleginnen und Kollegen, die keine Sprachen unterrichten, haben kaum oder nie Sprachfehler angestrichen. Wieso denn auch? Es kommt auf den Inhalt an, wurde mir immer wieder gesagt. Und die Deutschlehrer? Genauso schlimm, vermutlich weil sie selbst nichts Besseres gelernt haben. Berichtigungen bei Jugendlichen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben? Um Gottes willen! Das ist zu viel verlangt, die haben es doch schwer genug! Man braucht sich also nicht zu wundern, dass es um die deutsche Sprache so schlecht bestellt ist. Nebenbei gesagt, ich habe auch nicht Deutsch als Muttersprache gehabt.

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pp0813 27.05.2013, 10:39
7. Das hätte ich so schreiben können.

Twitter -- die Saat geht auf.

Meine Studenten können sich auch nicht vernünftig ausdrücken. Um das zu überspielen, bauen sie bewußt besonders komplizierte Konstruktionen; offenbar wollen sie damit Eindruck schinden. Ich bemühe mich normalerweise um einen einfachen Ausdruck, stelle aber immer wieder fest, daß die Studenten mich nicht verstehen. Wenn ich dann nachbohre, kommt zu meiner Verblüffung heraus, daß sie irgend ein Alltagswort nicht kennen. Ein passendes Seminar wäre ein Segen (wenngleich es unrealistisch ist, darauf zu hoffen). Wenn sie wenigstens einen einfachen Stilratgeber wie z.B. von Wolf Schneider lesen und anwenden würden!

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WolfHai 27.05.2013, 10:40
8. Verlagerung zu audio-visueller Kompetenz

Zitat von sysop
"...Juraprofessorin Jantina Nord fand heraus, dass ihre Studenten nicht nur an Fachvokabeln scheitern, sondern an grundlegenden Grammatikregeln.
In meinem Bekanntenkreis, sowohl hier in Deutschland als auch in den USA, sah ich ein Abnehmen der Fähigkeit zu textlicher Darstellung, aber eine enorme Zunahme an audio-visueller Fähigkeit verglichen mit vorherigen Generationen. Kein Wunder, bei der Verfügbarkeit von erschwinglichen Kameras und Ton- und Videobearbeitungsprogrammen am Computer, die es vor 30 Jahren gar nicht gab.

Für Fächer, der Schwergewicht in verbaler Kommunikation liegt - Jura ist da ein Prototyp - ist das natürlich schlecht, und man muss sich natürlich überlegen, was da zu tun ist. Zu allgemeinem Kulturpessimismus sehe ich aber keinen Anlass.

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mischamai 27.05.2013, 10:43
9. völlig überbewertet

Immer wieder erkenne ich auf Berufswegen die mangelnden Sprach und Rechtschreibschwächen der Juristen.Nicht allein die Formulierungen,Satzbildungen,auch ganz einfach Grundkenntnisse der deutschen Rechtschreibung werden nicht richtig dargestellt.
Grundsätzlich ein Beruf der ständig überbewertet wird,hier wird durch lautstarkes argumentieren versucht die eigene Meinung ins richtige Licht zu setzen,ganz gleich ob es richtig oder falsch am anderen Ende rüber kommt.Das konnte man erst unlängst bei Günther Jauch WWM feststellen als unqualifiziertes Wissen einer Jurastudentin einen Kandidaten 125000 euro kosteten.

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