Forum: Leben und Lernen
Sprachtest für Jurastudenten: "Das Ergebnis war teils verheerend"
Jantita Nord

"Vollumfänglich", "übervorteilt", "verlustig" - Juristendeutsch kann grausam sein. Doch Juraprofessorin Jantina Nord fand heraus, dass ihre Studenten nicht nur an Fachvokabeln scheitern, sondern an grundlegenden Grammatikregeln. Vor allem der Konjunktiv ist ihnen nicht geheuer.

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juliuss 27.05.2013, 11:26
40. Staatsexamen Deutsch

Wer Lust auf ein echtes Schockerlebnis hat, kann gerne einen Blick in die halbjährlichen Türme des bayerischen Staatsexamen Deutsch versuchen. Geschätze 70%, gefühlte 95% der Klausuren sind dunkelrot zu korrigieren und weit unter jeglichem Anspruch, den man an angehende Deutschlehrer/innen stellen könnte. "Ich geh Weimar", alles klahr alter??!!

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spontifex 27.05.2013, 11:26
41. Fliegende Spaghettimonster auf getretenem Quark

Zitat von sysop
"Vollumfänglich", "übervorteilt", "verlustig" - Juristendeutsch kann grausam sein. Doch Juraprofessorin Jantina Nord fand heraus, dass ihre Studenten nicht nur an Fachvokabeln scheitern, sondern an grundlegenden Grammatikregeln. Vor allem der Konjunktiv ist ihnen nicht geheuer...

Dieses Programm ist ein Parteien und Legislaturperioden übergreifendes Parteienstaatsprogramm. Der Dativ ist dem Genitiv sein Feind. Der Rechtspositivismus ist dem Konjunktiv sein Feind, und das Sein ist dem Sollen sein Feind.

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capote 27.05.2013, 11:27
42. Geistige Haltung

Ich selber habe etwas Naturwissenschaftliches an einer Universität studiert. Der Bau war uralt (vermutlich ein Relikt aus dem deutschen Kaiserreich). In den Toiletten war im Laufe der Jahrzente etwa 1/3 aller Kacheln von den Wänden gefallen, die waren schwerst renovierungsbedürftig, aber "Klosprüche" und Vandalismus suchte man vergeblich. Ich weiss den Anlass nicht mehr, jedenfalls bin ich einmal im neu erbauten, noch nicht 10 Jahre alten "Rechtshaus", d.h. Fachbereich Jura gewesen und habe die Toiletten aufsuchen müssen. Es sah schlimmer aus als jedes Bahnhofsklo, wie die Jurastudenten die Räumlichkeiten verwüstet hatten. Sprachtest hin- oder her, die alles überwiegende Mehrheit der Jura-Studenten gehört überhaupt nicht auf eine Universität!

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panzerknacker51 27.05.2013, 11:29
43. Systematische Sprachverarmung

Zitat von coyote38
Man braucht nicht zwingend Jura zu studieren, um zu erkennen, dass die deutsche Sprache - ich bitte, den metaphorischen Ausdruck zu entschuldigen - "den Bach runtergeht". Eine Generation, deren Schriftgebrauch und Lektüre sich auf Akronyme und Emoticons bei täglich hunderten sinnentleerter SMS beschränkt, ist mit einem sprachlich so "feinen Skalpell" wie dem "Deutschen" natürlich überfordert. Tragisch an der ganzen Angelegenheit ist nun nicht, dass unsere Jugend systematisch "verblödet" (daran gewöhnt man sich und die Hoffnung auf Besserung habe ich ohnedies längst aufgegeben), sondern lediglich, dass die Bildungspolitik diesem Trend FOLGT und nicht etwa ENTGEGENsteuert: Die Rechtschreibreform hat schließlich DAS als verbindlich erklärt, was man vor 15 Jahren noch als Legasthenie ärztlich behandelt hätte. Das Problem ist hausgemacht ... und wie IMMER beginnt der Fisch AM KOPF zu stinken.
Meine Tochter entgegnete mir mehrmals, als ich sie auf den richtigen Gebrauch des Genitivs anstatt des Dativs hinwies, die Lehrer bemängelten sowas in der Schule auch nicht. Und seien wir ehrlich - wer "ging" denn heute noch, alle "sind gegangen", auch wenn es schon Tage oder sogar Jahre zurückliegt, von der korrekten Zeitenfolge ganz zu schweigen.

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ra666 27.05.2013, 11:30
44. Sogar im Interview Fehler

Als Jurist stimme ich dem Interview inhaltlich zu. Peinlich aber, dass das Interview selbst einen Fehler enthält: Will ich als Jurist/Rechtsreferendar den unstreitigen Sachvortrag eines Rechtsstreites mitteilen, brauche ich eben keinen Konjunktiv, sondern den Indikativ. Der Konjunktiv findet auf die Darstellung des streitigen Teils eines Sachverhaltes Anwendung. Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...

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aloisleertastekumpf 27.05.2013, 11:31
45. Es gibt ja nur noch Bilder!

Längst wird Text (fast) überll durch Bilder/Icons ersetzt. Auf meinem "Smart"phone erscheinen nur noch Bilder und ich habe Mühe zu verstehen, was sie bedeuten könnten. Ein Textmenu wäre mir lieber und eindeutiger. Genauso nerven mich die vielen Icons auf modernen Computerprogrammen.
Vielleicht sollten wir für die Jugend chinesische Schriftzeichen übernehmen, aber ob sie die besser lesen können?

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holdensturm 27.05.2013, 11:33
46. Sprachmisere = Bildungsmisere

Die permanente (politisch gewollte) Reform der Bildungssysteme in Deutschland (in fast jedem Bundesland - der Süden der Republik mit wenigen Regierungswechseln bildet hier eine angenehme Ausnahme) führt zu einem Bildungschaos ohne gleichen, dass sich auch in den Leistungen der Studenten bemerkbar macht. Es fängt in der Grundschule an und endet in einem billig produzierten Massenabitur. Darunter leidet nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch das logische Denken inklusive Abstraktionsfähigkeit und Aufklärung. Dafür macht sich unter Schülern und Studenten der in Politik und Gesellschaft allseits zu bestaunende "Verleugnungsmechanismus", das heißt das nicht anerkennen einer objektiven Realität, sondern das Spinnen von subjektiv geschönten Realitäten, breit. Modern und fortschrittlich sind keine sich ergänzenden Begriffe mehr; nein, sie sind ganz und gar Gegensätzlich. Deshalb wird Deutschland immer mehr zu Mittelmaß in der Welt werden und Wohlstand und Fortschritt anderen überlassen. Vielleicht im Hinblick auf die deutsche Historie völlig zu recht...

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Berg 27.05.2013, 11:33
47.

Zitat von Pkaul030
Es ist eigentlich schade, dass unsere deutsche Sprache immer mehr verhunzt wird. Die Orthographie ist nach einer Rechtschreibreform und deren Reform auch nicht besser geworden. Wir haben eben nicht mehr die Sprache der Dichter und Denker, finden wir uns damit ab!?
Nein, "wir" finden uns nicht damit ab! Jeden Morgen zeigen wir uns gegenseitig die falsche Schreibe in der Zeitung oder solche Mode-Formulierungen, wie z.B. "Wir sind Papst" oder "ich kann Kanzler". Tun kann man allerdings wenig. Es gibt nunmal den Unterschied zwischen Sprechen und Schreiben. Und reden kann nunmal jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist - die Worte verfliegen; erst beim Schreiben kommt heraus, was richtig oder falsch ist.

Zur Erheiterung hier ein Video zur "schweren deutschen Sprache":
Deutschsong Nr 1. Deutsch ist schwer - YouTube

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thomas_gk 27.05.2013, 11:36
48. optional

Zitat: " Besonders schlimm ist es beim Konjunktiv. Jeder zweite Teilnehmer beherrschte die indirekte Rede nicht sicher. Die ist aber wichtig, denn wenn sie als Juristin schildern sollen, was in einem Fall unstreitig ist, brauchen sie den Konjunktiv"
Wenn ich etwas schildern möchte, was unstreitig ist, brauche ich den Konjunktiv? Was genau haben Konjunktiv und indirekte Rede miteinander zu tun? Was genau möchte uns der Artikel sagen?

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heineborel 27.05.2013, 11:36
49. ???

Zitat von mitverlaub
der Satiriker Oliver Weltke: "Bildung wird überschätzt" ;-) Bei unserem Bildungssystem, mit der dämlichen Rechtschreibreform und die Tatsache, daß in Grundschulen in einer Klasse oftmals 80% der Schüler aus verschiedenen Nationen, ohne ausreichende Sprachkompetenz sitzen, muß man sich doch nicht mehr wundern. Der satirische Slogan von Weltke ist doch bei unseren Bildungsministern in allen Bundesländern Tatsache. Schon in den 70-er Jahren wurde in den Grundschulen das Auswendiglernen abgeschafft, weil man die armen Kleinen nur ja nicht überfordern wollte. Kinder sind wißbegierig und lernen spielend, doch diese Chance des leichten Lernens hat man ihnen genommen.
Was genau war an der Rechtschreibreform dämlich? Dass man früher z.B. "Kuß" schrieb und "Gruß", jetzt aber (nach klaren Regeln) "Kuss" und "Gruß" (kurzer Vokal, langer Vokal)? Und dann schreiben Sie implizit, dass Kinder mehr auswendig lernen sollten, da diese ja spielend lernen. Klingt für mich etwas widersprüchlich, weil auswendig lernen und spielend lernen doch koplett unterschiedliche Dinge sind.

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