Forum: Leben und Lernen
Strategie zur Studienwahl: Alles, was ich will, ist alles

Medizin, Altorientalistik,*Jura*oder doch Bühnentanz? Junge Menschen können zwischen rund 7000 Studiengängen wählen. Für viele ist das eine Qual. Helfen kann ein Studium generale - ein einjähriger intellektueller Selbstfindungstrip.

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querollo 07.01.2012, 13:14
1. Damals

Zitat von sysop
Studium generale
Mein Studium liegt schon weit zurück, in einer Zeit, da sich die Studenten ihre Vorlesungen noch selbst zusammenstellen konnten. Damals gab es in jedem Fach auch eher fachferne Angebote. Sozialpädagogen konnten sich so mal einen Eindruck in Finanzwirtschaft verschaffen und Wirtschaftswissenschaftler konnten in Philosophie lernen, was ein Kategorischer Imperativ ist. Die Welt wäre vermutlich eine andere, hätten künftige Banker und Präsidenten dieses Angebot angenommen.

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kimba2010 07.01.2012, 14:01
2. ...

Zitat von querollo
Mein Studium liegt schon weit zurück, in einer Zeit, da sich die Studenten ihre Vorlesungen noch selbst zusammenstellen konnten. Damals gab es in jedem Fach auch eher fachferne Angebote. Sozialpädagogen konnten sich so mal einen Eindruck in Finanzwirtschaft verschaffen und Wirtschaftswissenschaftler konnten in Philosophie lernen, was ein Kategorischer Imperativ ist. Die Welt wäre vermutlich eine andere, hätten künftige Banker und Präsidenten dieses Angebot angenommen.
Studenten solcher "Orchideenfächer" müssen in der kommenden schweren Wirtschaftskrise damit rechnen, nirgendwo unterzukommen. Dann bleibt statt "Alt-Orientalistik", "Sinologie" oder "Bühnentanz" nur noch die Arbeit beim Burgerbrater, Putzfrau oder als Taxifahrer, wenn überhaupt.
Denn um diese Jobs werden sich in wirtschaftlich schweren Zeiten Horden von Studenten und Arbeitslosen prügeln.

Man kann jedem jungen Menschen nur empfehlen nicht nur dass zu studieren, was einem liegt, sondern auch das, womit man später gute Einstellungschancen hat.

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dickebank 07.01.2012, 14:04
3. ja aber ...

Zitat von querollo
Mein Studium liegt schon weit zurück, in einer Zeit, da sich die Studenten ihre Vorlesungen noch selbst zusammenstellen konnten. Damals gab es in jedem Fach auch eher fachferne Angebote. Sozialpädagogen konnten sich so mal einen Eindruck in Finanzwirtschaft verschaffen und Wirtschaftswissenschaftler konnten in Philosophie lernen, was ein Kategorischer Imperativ ist. Die Welt wäre vermutlich eine andere, hätten künftige Banker und Präsidenten dieses Angebot angenommen.
... bei so viel akademischer freiheit sind die Abschlüsse ja überhaupt nicht mehr vergleichbar ...

Wie soll denn der moderne HR-Manager, der nicht einmal den unterschied zwischen Dreher, Fräser und Zerspanungsmechaniker kennt, seinen Job machen? Nee, so was geht gottlob im Zeitalter universitären Bolognese-Fixes nicht mehr.

Das ist doch das Schöne, dass sich jeder über Krümmungsradien von Salatgurken (heute übrigens keine EU-Vorschrift mehr sondern Handelsklassifizierung) aufregen kann, nicht aber über die Ausbildungswege von normierten Studienabschlüssen. Ob da wohl heilige Einfalt Pate steht?

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LeToubib 07.01.2012, 14:22
4. Ein verlorenes Jahr!

Da soll nun die deutsche Jugend ihr Abitur nach 12 Jahren absolvieren (was ich persönlich für richtig halte, die Oberprima bestand bei uns nur aus Vorbereitung zum Abitur, also wurde nichts Neues mehr gelehrt, sondern nur repetiert, was sehr, sehr langweilig war), um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können und nun soll sie ein Jahr "Selbstfindung" studieren? Als ob man in ein paar Vorlesungen die Komplexität eines ganzen Studiums überblicken könne ...

Das erinnert mich an den "Schnuppertag" der Universität Freiburg, den ich aus zwei Perspektiven kennenlernen durfte: Als Schüler, der die Vorlesungen ganz toll fand und als Student, der dann sehen mußte, daß diese für der "Schnuppertag" extrem gut gehalten wurden, zum Teil mit ganz anderen, namhafteren Dozenten, zum Teil auch völlig lehrplanfern (die "Mensch-Maus-Somazellmethode" der "Schnuppervorlesung Physiologie" begegnete mir während des ganzen Studiums niemals).

Eigentlich sollte man von einem jungen Menschen nach 8-9a Gymnasium erwarten können, daß er weiß, wo seine Fähigkeiten und Neigungen liegen.

Als Tipp für den zukünftigen akademischen Nachwuchs:
Studieren Sie das, was sie wirklich wollen und nicht, was der Markt angeblich fordert, mit vermeindlicher Arbeitsplatzgarantie, vorgeblich pekuniär luktariver. Lieber Historiker mit Herzblut als Betriebswirt aus Berechnung!
Diejenigen, die Karriere gemacht haben, zumindest die ich kenne, taten das so. Die "Mainstreamer", die "Mitläufer", wurden allenfalls Mittelmaß.

Aber wem das genügt ...

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LeToubib 07.01.2012, 14:32
5. Aha!

Zitat von kimba2010
[...] Man kann jedem jungen Menschen nur empfehlen nicht nur dass zu studieren, was einem liegt, sondern auch das, womit man später gute Einstellungschancen hat.
Und woher wissen Sie, was in ca. 5 Jahren "gute Einstellungchancen" bietet?

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ASDFZUIOP 07.01.2012, 14:44
6. Praktikum besser

Zitat von LeToubib
die Oberprima bestand bei uns nur aus Vorbereitung zum Abitur, also wurde nichts Neues mehr gelehrt, sondern nur repetiert, was sehr, sehr langweilig war),
Kann ich nicht bestätigen. Kommt natürlich aufs Fach an, in Geschichte ja, in Mathematik, Biologie, Chemie sicher nicht.

Zitat von LeToubib
Eigentlich sollte man von einem jungen Menschen nach 8-9a Gymnasium erwarten können, daß er weiß, wo seine Fähigkeiten und Neigungen liegen.
Manche wissen das am Ende des Studiums noch nicht...


Das Problem, das ich beim Studium generale sehe: Studium und Berufsleben sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Ein Praktikum ist wesentlich sinnvoller als ein Studium generale. Man sollte nämlich nicht das Studienfach wählen, das die unterhaltsamsten Seminare bietet, sondern das, das am Ende zum interessantesten Beruf hinführt. Was bringt etwa ein wahnsinnig spannendes Medizinstudium, wenn man Nachtdienst oder eigener Praxis wenig abgewinnen kann? Dann lieber ein hartes oder langweiliges Studium, wenn es der Beruf am Ende wert ist.

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soylentyellow1 08.01.2012, 00:13
7. Was immer geht

Zitat von LeToubib
Und woher wissen Sie, was in ca. 5 Jahren "gute Einstellungchancen" bietet?
Das kann sogar ich:

Alles was einen konkreten Mehrwert (in Euro) bietet, eine konstant hohe Nachfrage hat und als "schwer" gilt, also:

Medizin, alles mathematische (Mathe, Informatik,...), alles naturwissenschaftlich-technische (also MINT ohne Bio & Chemie, Finger weg v.a. von Biologie), so etwas wie Geologie Fachrichtung Erdöllagerstättenfindung, Elektrotechnik, Maschinenbau, alles womit man als Firma Geld sparen und den gesparten Betrag berechnen kann (Controlling, Steuern, Fertigungsstraßenbau...).

Finger weg von allem was geisteswissenschaftlich ist, von Kunst & Theater sowieso, außer Fremdsprachen, da kann man nicht viel falsch machen. Jura (überlaufen, Notenfetischisten) und Sozialwissenschaften (man kann den Mehrwert schlecht in Euro und Cent ausdrücken) sind auch keine sooo gute Wahl. Obwohl natürlich so ein bisschen (aber nur ein bisschen!) Philosophie so manchem Ingenieur oder Banker helfen würde...aber nicht zu viel, nur eine Prise!

Natürlich kann es sein dass nach Studienabschluss plötzlich Theaterwissenschaftler doch händeringend gesucht werden, das ist aber eher unwahrscheinlich und die Nachfrage nach Steuerexperten dürfte deutlich weniger volatil sein. Klar kann es auch sein dass von einer "Ärzteschwemme" oder einer "Ingenieurswelle" die Rede ist, das ist dann aber meist nur temporär und dann auch auf einem ganz anderen (sprich: niedrigeren) Niveau als das bei Germanisten beispielsweise der Fall ist.

Wichtig ist neben den Einstellchancen natürlich auch das Gehalt. Da ist man beispielsweise als Ingenieur wesentlich besser aufgestellt als besagte Theaterwissenschaftler - und das nicht nur am Anfang des Berufslebens.

Was man auch versuchen sollte ist ob einen die Flugsicherung als Fluglotse (100 000+ im Jahr + Rente mit 55) oder die Lufthansa als Pilot nimmt.

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catcargerry 08.01.2012, 12:42
8. Stimmt

Zitat von querollo
... Sozialpädagogen konnten sich so mal einen Eindruck in Finanzwirtschaft verschaffen und Wirtschaftswissenschaftler konnten in Philosophie lernen, was ein Kategorischer Imperativ ist. Die Welt wäre vermutlich eine andere, hätten künftige Banker und Präsidenten dieses Angebot angenommen.
Aber das haben auch damals die wenigsten getan. Weniger als es Schlaumeier gab, die sogar innerhalb des Faches, zu dessen Wipfeln sie erst noch klettern wollten, besser als als jeder Prof. wussten, was praxisrelevant war und was nicht; und sich zu meinem Amüsement fürchterlich über "praxisfremden Ballast" aufregen konnten. Für mich hat es sich sehr bewährt, möglichst viel "Drumherum" als Backgroundwissen mitzunehmen.

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catcargerry 08.01.2012, 13:09
9. Human Resources aus Büchern synthetisiert?

Zitat von dickebank
... Wie soll denn der moderne HR-Manager, der nicht einmal den unterschied zwischen Dreher, Fräser und Zerspanungsmechaniker kennt, seinen Job machen? Nee, so was geht gottlob im Zeitalter universitären Bolognese-Fixes nicht mehr.
Ein Personalsachbearbeiter, der in einem Betrieb, der Dreher, Fräser und Zerspanungsmechaniker beschäftigt, den Unterschied zwischen diesen nicht kennt, ist eine Pflaume und schon gar kein HR-Manager. Und nicht nur die Formalqualifikation, sondern auch die individuellen Ausbildungs- und Studieninhalte sowie die Erfahrungen zu berücksichtigen, ist heute ein Muss, war aber schon immer State of the Art.

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