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Strategiepapier der Regierung: Liebe Forscher, kommt zurück
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Viele deutsche Wissenschaftler gehen zum Forschen ins Ausland - und kehren nicht zurück. Die Bundesregierung will das ändern. Sie hat eine Strategie für mehr internationalen Austausch in der Wissenschaft verabschiedet.

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Msc 01.02.2017, 12:43
1.

Das einzige Papier das Forscher zurückholen kann, ist das bunte rechteckige mit den Zahlen drauf. In Deutschland bezahlt man Peanuts und lässt Wissenschaftler ständig auflaufen (befristete Verträge en masse, häufig massiv unterbezahlt, Wissenschaftszeitvertragsgesetz...). Private Firmen nutzen das natürlich aus und drücken das Lohnniveau. Zudem werden Wissenschaftlern, die gerade von der Uni kommen nur extrem wenige Chancen geboten sich überhaupt zu beweisen. Bitte unter 30, Promotion und mind. 5 Jahre Berufserfahrung, okay? Es ist kein Wunder, dass man jetzt in Länder der Dritten Welt schaut um wissenschaftliches Personal zu finden. Die arbeiten für ein Appel und ein Ei und wollen auch nur ganz selten wieder zurück.

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2flower 01.02.2017, 12:44
2. Weiß den wirklich keiner...

wieso die Forscher nicht zurückkommen? Hat sich mal jemand umgeschaut auf deutsche Unis? Gibt es da Tausende unbesetzte Professuren? Ich glaube eher nicht. Wie z.B. am 26.2.2014 im Spiegel bemerkt, wollen viele gerne zurück! Aber es klappt einfach nicht, weil nicht genügend Stellen da sind. Alle deutsche Forscher im Ausland werden Ihnen das Gleiche sagen.

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dasdondel 01.02.2017, 13:02
3. Bezahlung

wirkt Wunder.

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kleschne 01.02.2017, 13:21
4. Naja

Viele Worte, wenig Info.

1. Es kommen 6 von 10 Forscher aus dem Ausland zurück. Der Titel sagt was anderes!

2. Wenn ein Land mit einem Bevölkerungsanteil von 1% an der Welt weniger als 10% des Weltwissens erforscht ...
Nun dann ist diese Info nutzlos. Wer würde etwas anderes erwarten?

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brunellot 01.02.2017, 13:28
5. Top Forscher brauchen Top Rahmenbedingungen...

und da ist Deutschland, trotz aller Bemühungen, bei weitem noch nicht Spitze. Um das zu ändern müssten die universitären Strukturen massiv verbessert werden (Föderalismus ist da eine große Bremse) und es müssten attraktive Jobs mit einer langfristigen Perspektive geschaffen werden (ich denke da zum beispiel an die prekäre Situation vieler Nachwuchswissenschaftler) und, und und. Das alles kostet sehr viel Geld, welches wir, statt in die Zukunft (=Bildung und Forschung) zu investieren, lieber verwenden um Klientelpolitik zu machen (Rente mit 63 a la SPD, verringerte MWSt für Hoteliers a la FDP und nicht konsequentes Schließen von Steuerlöchern a la CDU/CSU). Schade eigentlich, denn das Potential wäre eigentlich da!

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DrFrank 01.02.2017, 13:36
6.

Das Handeln und die Aussagen der Regierenden sind ein Hohn für die deutschen Wissenschaftler. Kaum bis keine unbefristeten Forschungsstellen bei gleichzeitigem Verbot länger als 12 Jahre unbefristet angestellt zu sein. Und sich dann beschweren, dass die Wissenschaftler nicht zurück kommen, da kann man nur den Kopf schütteln...

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auweia 01.02.2017, 13:56
7. Internationaler Austausch, sehr gerne.

Ich hätte aber nicht unbedingt China zu einem zentralen Baustein gemacht. Die hauen in einem Jahr mehr Ingenieure raus als Deutschland Studenten im ganzen Jahr hat. Da braucht es keine Extraunterstützung.
Wenn denn doch chinesische Studenten in Masse kommen sollen dann doch bitte in erster Linie in Fächern wie Jura, Philosophie, Sozialpädagogik, Journalismus, Theaterwissenschaften, Kunst. Vielleicht nutzt es ja vor Ort was - hier gibt es - gefühlt - genug Absolventen.
Parallel lernen wir von den Chinesen und teilen Studienplätze künftig nach Bedarf zu. Die in Jura nicht berücksichtigten deutschen Abiturienten dürfen gerne - und gerne gefördert - MINT-Fächer studieren. ;-)

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ideenmaschine 01.02.2017, 14:08
8. WissZeitVG & Entwicklungsland Deutschland

Ich fordere als erste Maßnahme die ersatzlose Streichung des WissZeitVG - des Gesetzes also, dass ursprünglich sichern sollte, dass nach 5-jährigem Vertrag an einer Uni eine Festanstellung erfolgt. Soviel zur Absicht. In der Praxis werden die Leute nach dem 5 Jahresvertrag auf die Strasse gesetzt, um die Dauerkosten einer unbefristeten Beschäftigung abzuwenden. Mit "dem Arsch gedacht", liebe Bundesregierung.

Was also tun, wenn man an der Uni, also im Auftrag der Steuerzahler, sinnvolle Grundlagenforschung betreiben möchte und sich nicht zur Arbeit in rein gewinn- statt gemeinwohlorientierten Pharmakonzernen prostituieren will? Ist doch klar: Abwandern ins Ausland! Damit sind die Staatsinvestitionen (= Steurgelder) in Studiengänge dann am aber Ende im Ausland zu Früchten geworden. Wirklich "clever", liebe hoffentlich vom baldigen Aussterben bedrohten "Saurier" in Berlin...

Entfernt endlich dieses Gesetz! Dann gibt es zwar keine Festanstellungen mehr (was in der Praxis eh kaum auffällt, da es auch so kaum welche gibt und wenn, dann haben diese Feststellen die Sesselfurzer (!) der Verwaltung inne), aber man kann als Forscher durch ordentliche Arbeit und eigenständige Einwerbung von Fördergeldern durchaus ein Leben lang an der Uni wirken.

Heutzutage ist es zudem so, dass man Fördergelder nicht bewilligt bekommt, wenn man über die beantragte Projektlaufzeit keinen an der Uni gesicherten Arbeitsvertrag nachweisen kann. Bedeutet: Obwohl man sogar selbst für mehr Stellen sorgen könnte, wird man auch hier durch Formalvorgaben behindert! Die Uni "schiesst sich also selbst ins Knie".

Einen ganz neue Marotte: Wissenschaftl. Hilfskraftstellen mit Abschluss werden seit 2017 grundsätzlich nicht mehr an Promovierte vergeben. Man sollte zwar meinen, sowas sollte es ohnehin nicht geben müssen. In der Praxis ist es für nicht wenige inzwischen aber leider oft die einzige Möglichkeit, nicht bei der Arbeitsagentur vorstellig zu werden.
Das ist das Entwicklungsland Deutschland! Präkariat bei den Arbeitern (Hartz-Gesetze, Gängelung, menschenunwürdiges Vegetieren von Staatsseite mitverursachen), Präkariat bei den Selbständigen (aus den 70ern stammende Gestzgebung hat zur Folge, dass kaum einer von denen sich heute noch Sozialabgaben leisten kann, dabei wäre eine einfache Änderung der Bemessungsgrundlage eine hinreichende Lösung zumindest in diesem Bereich; man vergleiche mal den "Ich-AG"-Ansatz der Bundesregierung vor eingen Jahren, der ohne Ende Menschen in den wirtschaftlichen Abgrund getrieben haben dürfte...) und nun noch Präkariat unter den Akademikern, selbst das habt ihr in Berlin inzwischen geschafft.

Leute, wenn ihr das in Berlin nicht in Bälde grundlegend neu reguliert, dann geht uns höchstwahrscheinlich die Demokratie flöten. Altersarmut, Rente nicht sicher, minimale Einkommen, uvm. "Laffo" schrieb mal: "Die Wut wächst." Ich fürchte, er hatte Recht. Der Akademiker kann wenigstens noch ins Ausland abwandern, da er sich normalerweise leichter tut mit Sprache und neuer Umgebung. Aber was ist mit der großen Mehrheit der Leute?

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tysi2007 01.02.2017, 14:29
9. Die Gruende sind doch seit Jahrzehnten bekannt!

Ich bin selber promovierter Naturwissenschaftler und seit rund 20 Jahren Gastarbeiter. Ich habe Deutschland den Ruecken kehren muessen, weil ich einfach keine Anstellung in der Industrie fand (mit 30 zu alt, damals war es g'rad Mode die 24jaehrigen PhD Studenten aus UK einzustellen). Dann 2 Post-Docs, jeweils 2 Jahre, und dann nix. Schliesslich USA. Anstaendige Bezahlung und die Option bleiben zu koennen, wenn man einen guten Job macht. Hier in Deutschland Maximalbefristung fuer eine Anstellung an Unis/assoz. Instituten, 1- oder 2-jaehrige Vertraege, unterbezahlt und keine Option irgendwann im Mittelbau einer Uni zu landen, auch wenn sich voll reinhaengt. Absolut demotivierend (http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-12/zeitvertraege-wissenschaft-reform-kommentar). Die wenigsten Kollegen/-innen starten mit solchen Rahmenbedingungen eine Familie, weil sich einfach nix laenger als ein paar Monate im voraus planen laesst.
Und dann seit Jahren das heuchlersche Klagen der Industrie/Regierung ueber den "Brain Drain" und fehlendem Nachwuchs. Die staerkste Waffe der USA ist das H1B Visum fuer im Ausland ausgebildete Facharbeiter und Wissenschaftler (https://www.youtube.com/watch?v=GhiV3SxEltY). Aber offensichtlich hat das in den letzten Jahrzehnten niemand in D. interessiert.

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