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Strategiepapier der Regierung: Liebe Forscher, kommt zurück
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Viele deutsche Wissenschaftler gehen zum Forschen ins Ausland - und kehren nicht zurück. Die Bundesregierung will das ändern. Sie hat eine Strategie für mehr internationalen Austausch in der Wissenschaft verabschiedet.

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qoderrat 01.02.2017, 15:51
20.

Zitat von Msc
Das einzige Papier das Forscher zurückholen kann, ist das bunte rechteckige mit den Zahlen drauf. In Deutschland bezahlt man Peanuts und lässt Wissenschaftler ständig auflaufen (befristete Verträge en masse, häufig massiv unterbezahlt, Wissenschaftszeitvertragsgesetz...). Private Firmen nutzen das natürlich aus und drücken das Lohnniveau.
Genau so waren meine Erfahrungen im wissenschaftlichen Bereich, weshalb ich ganz schnell in die Wirtschaft gewechselt (und aus der Forschung...) gewechselt bin, Selbstausbeutung kam für mich nicht in Frage.

Wer Forschern nur prekäre Stellen ohne Zukunftssicherheit bietet, darf sich nicht wundern wenn diese sich anderweitig orientieren und damit natürlich auch weniger geforscht wird. Offen gestanden wundert mich eher, dass überhaupt noch so viele zurückkehren, aber Familie und Umfeld ist halt auch oft ein Argument.

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ideenmaschine 01.02.2017, 15:57
21. Forschungsausstattung / -förderung mangelhaft

Ich möchte nochmal einen anderen Aspekt anreißen: Aus meiner Sicht gibt es in der BRD keine Forschungsförderung, die aber ein wichtiges Argument für universitäre Forschung und eine Rückkehr in dieselbe wäre. Stattdessen haben wir einzig ein Ausgabenerstattungssystem. Erst wenn ich oft sehr umfangreiche "Vorarbeiten" vorlegen kann, ist überhaupt daran zu denken, einen Förderantrag zu stellen. Bedeutet, dass man immer erstmal einen Grundfinanzierungsposten benötigt, um die "Vorarbeiten", die zumeist schon 3/4 des Projekts darstellen, liefern zu können. Es gilt das Motto: Wer hat, dem wird gegeben. Auf diese Weise wird aber gerade innovative und damit oft einhergehend risikoreiche Forschung blockiert.

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Hänschen Klein 01.02.2017, 16:04
22.

Ich glaube gar nicht, dass es am Geld liegt. Es mag zwar einige gierige Hälse unter den Wissenschaftlern geben, aber die meisten sind es nicht. Ich denke eher, dass es mit Anerkennung zu tun hat. Wer eine Stelle an renommierten Einrichtungen oder Unis in den USA, in GB oder der Schweiz ergattert, ist stolz darauf. Bei deutschen Einrichtungen und Unis ist das nicht der Fall. Die Anerkennung durch Ausländer ist wichtiger als die durch Landsleute. Ist ähnlich wie bei der Musik. Wer English singt und in den USA oder in GB in die Charts kommt, hat einfach mehr erreicht als Heino ^^
Deutschland ist einfach nicht sexy, sozusagen. Es wirkt auf mich wie eine große Behörde.

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ackergold 01.02.2017, 16:04
23.

Das völlig unsinnige Wissenschaftszeitvertragsgesetz verhindert genau das, nämlich eine Rückkehr. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade Höchstqualifizierte werden gezwungen, das Land zu verlassen, weil sie es nicht 6 Jahren nach der Promotion auf eine feste Stelle geschafft haben, da die Dauerstellen an allen Hochschulen immer weiter abgebaut werden, zugunsten von befristeten Stellen. Das ist billiger und man muss keine längeren Verpflichtungen eingehen. Dass dadurch gerade die Besten verschwinden, ist daher ein gewünschter Nebeneffekt. Kein anderes Land hat eine vergleichbare gesetzliche Akademikerdiskriminierung.

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marie02 01.02.2017, 16:17
24. Volle Zustimmung

Zitat von DrFrank
Das Handeln und die Aussagen der Regierenden sind ein Hohn für die deutschen Wissenschaftler. Kaum bis keine unbefristeten Forschungsstellen bei gleichzeitigem Verbot länger als 12 Jahre unbefristet angestellt zu sein. Und sich dann beschweren, dass die Wissenschaftler nicht zurück kommen, da kann man nur den Kopf schütteln...
... zu diesem Beitrag! (Wird ja leider kein Politiker lesen ...)

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ospudd 01.02.2017, 16:25
25. nicht nur naturwissenschaftler

vielleicht sollte sich der zustaendige bundesminister mal fragen, ob nicht auch vernuenftige angebote an geisteswissenschaftler organisiert werden koennen und nicht nur an naturwissenschaftler die etwas fuer die industrie verwertbares 'bringen' koennten . es ist das ganze universitaere forschungsspektrum, das beruecksicchtigt werden sollte. ....sprachforscher, soziologen, historiker usw. wenn sie diese vielfalt beruecksichtigen bei der rueck-lockung, und zwar mit vernuenftigen vertraegen, dann schaffen sie auch wieder ein klima der gemeinsamkeit an den forschungsstellen und anderen institutionen.

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martin.selmansberger 01.02.2017, 16:45
26. Ignorat und traurig

Ich fühle mich als promovierter Nachwuchswissenschaftler, der derzeit in der Mühle der Zeitverträge gemahlen wird, von solchen scheinheiligen und ignoranten Initiativen der Gesetzgeber schwer hintergangen. Auch an meinem Forschungszentrum wird sich auf die Fahnen geschrieben, dass "nur die besten 10% der Doktoranden am Zentrum gehalten werden soll". Ich weiß dich ob ich solche Aussagen zum Lachen oder Weinen finden soll. In der Realität kann die deutsche Wissenschaft maximal die 10% "Schlechtersten" (die keinen Job in der Industrie oder in ausländischer Forschung ergattern) und ein paar Überzeugungstäter halten. Alle anderen wandern für angemessene oder übermäßige Bezahlung in die Wirtschaft ab, oder nehmen Forschungsaufträge mit ordentlichen Bedingungen im Ausland an. Es ist meiner Meinung nach zudem nicht vermittelbar, wie der (Sozial-) Staat sich selbst Regulierungen schaffen kann, die wohlgemerkt in der Privatwirtschaft gesetzlich untersagt sind, die es erlauben junge, gut ausgebildete Bürger derart zu diskriminieren und mit der Zeitvertragsunsicherheit jegliche Zukunfts- und Familienplanung zu unterbinden. Das diese Rahmenbedingungen (Zeitverträge, Publikationszwang, Hautsache Veröffentlichung, muss nicht richtig sein.....) auch alles andere als Spitzenforschung fördern, ist auch jedem klar, der ernsthaft an den Kernaufgaben eines Wissenschaftlers interessiert ist, nämlich: "Wissen schaffen"
Ich persönlich bin momentan desillusioniert und fast ratlos in Bezug auf meine berufliche Zukunft und somit auch meine private.....
Noch ein Wort zu Kooperationen mit ausländischen Hochschulen, vor allem China: Wie naive, ja sogar dumm, kann man sein, dass man das in Jahrzehnten/Jahrhunderten erworbene bzw. aufgebaute und erforschte Wissen, freiwillig und auch noch subventioniert nach China u.ä. weiter bzw ab zu geben?? Ich versteh nichts von dieser Wissenschaftspolitik.......... Ich bin, wie auch schon vorher erwähnt, der Überzeugung, dass wir genügend Absolventen haben, die potentiell die deutsche Wissenschaft wieder zur Spitzenforschung aufblühen lassen könnten, man müsste "nur" die Bedingungen bzw. den gesetzlichen Rahmen ändern

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gaseousclay 01.02.2017, 17:43
27.

Beitrag
Stimme allem obengesagten zu . Bin zwar kein Wissenschaftler per se aber :
Ich schloss mein Medizinstudium 1991 ab , damals sollten wir 18 Monate Arzt im Praktikum machen für DM 1500 / Monat .
Gefolgt von lebenslanger Knechtschaft für peanuts in assi Zeitverträgen .
Ich ging schweren Herzens erst nach GB und 1996 in die USA .
Deutschland muss verstehen dass hochqualifizierte ein kostbares gut sind das es schnell verlieren kann und nicht mehr zurückbekommt .
Ich vermisse D und bin dankbar für die kostenlose Ausbildung , aber dort arbeiten würde ich auf keinen Fall.

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deKok 01.02.2017, 17:44
28. 6 versus 19 %

Bei 19% auslaendische PhD Kandidaten sind nur 6% wissenschaftliche Mitarbeiter nicht aus Dld angestellt an euren Uni's. Dld's Investierungen kommen eure Studenten nicht zur gute. Und das schon seit Decennia.
Glueck fuer Euch, Ihr habt die DDR Generation 1970-1980 noch mitbekommen. Dieses Kontigent ist aber der letzte Schub gewesen. Statt fleissige Polen und Ungarn, sucht Irh euch Hirn woanders. Glueck mit Suchen. Wir haben da noch nichts gefuenden, dort wo ihr jetzt herumfischt.

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dipl.inge83 01.02.2017, 18:00
29. Der Artikel verhöhnt die Betroffenen

Ein ehem. Schulkamerad hat in D Bio-Informatik studiert, super Noten, mangels Alternativen irgendwann promoviert und ist nach über 10 Jahren des Durchhangelns über Befristungen und ewiger Versprechungen schließlich nach USA abgehauen. In Boston gab es 60k Einstiegsgehalt, unbefristet. Er betont stets, dass er beruflich niemals wieder einen Fuß in dieses Land setzen möchte.

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