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Streik an Schulen: Ich bin Lehrer, und so viel verdiene ich
GEW-Berlin

Tom Erdmann bezeichnet sich als Gutverdiener - trotzdem streikt er für mehr Gehalt. Warum? Hier verraten angestellte Lehrer, was sie verdienen.

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johnny_b 06.03.2015, 15:14
190.

Zitat von organic2000
Im Vergleich zu anderen akademischen Berufen sind die Lehrer wirklich relativ mittelmäßig bezahlt. Kein Arzt in D. würde für 50000€ Jahresgehalt arbeiten, die bekommen in der Regel das 3-4 fache. Man muss auch bedenken, daß die Ausbildung relativ lang ist (mind. 5-6 Jahre, ohne Einkommen!). Und außerdem geht es um unsere Kinder, da wünscht sich doch jeder hoch qualifiziertes Personal?!
Vielleicht sollten Sie sich mal mit den Ärztetarifen im ÖD bekannt machen...
Sicher gibt es Ärzte, die als Selbständige das 3-4 fache verdienen, aber die Regel ist das wohl eher nicht, und hier sollte man als Vergleich dann bitte auch den ÖD verwenden.

2700€ netto sind für einen Akademiker Anfang 30 bereits überdurchschnittlich, ich kenne viele, die selbst in MINT Fächern mit Promotion nicht besser dran sind.

Ich habe allerdings auch Schwierigkeiten, die 2700 netto für einen angestellten Lehrer zu glauben, nach welchem Tarif werden die in Berlin denn bitte bezahlt? Für den Betrag braucht man schon mindestens E14 Stufe 4.
Ich sehe den Sinn der Verbeamtung vor allem beim Streikrecht. Ich denke nicht, dass die Begeisterung sehr hoch ist, wenn jedes Jahr für ein paar Tage die Schule ausfällt wegen Lehrerstreik und die häufig berufstätigen Eltern dann sehen müssen wie sie ihre Kinder betreuen.

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Tostan 06.03.2015, 15:16
191.

Zitat von Kappy
ich arbeite 40h pro woche und verdiene 1000,- netto. dafür gibts aber auch herzattacken und schlaganfälle am laufenden band im kollegenkreis auf grund des stresses. jetzt weiß ich was jammern auf hohem niveau bedeutet (was eigentlich immer vorgeworfen wird).
Tja, hätten sie mal was richtiges Studiert und nicht Philosophie oder ähnliches, dann müssten Sie heute nicht Taxi fahren.
(wer den Sarkassmus findet darf ihn behalten, aber Vorsicht, der is etwas bissig)

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mr.foofighter 06.03.2015, 15:16
192. Der Streik ist gerechtfertigt

Was bei dieser Diskussion häufig außer acht gelassen wird, sind die langen Studienzeiten. Selbst wenn man das Studium in Regelstudienzeit durchziehen kann und danach sofort eine Stelle im Vorbereitungsdienst bekommt, hat man 8 Jahre lang am absoluten finanziellen Minimum gelebt und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit, aufgrund von Bafög und eventuellem Studienkredit + gestundete Studiengebühren mit mindestens 10000 Euro verschuldet. (gilt für fast alle Studenten)
In dieser Zeit war es vielen, die den Weg der Ausbildung gewählt haben möglich ihren Lebensstandard deutlich höher anzusiedeln. Das muss erstmal aufgeholt werden. Zudem ist die Annahme, dass man nur die ersten Jahre viel Arbeit investieren muss völlig überzogen. Ist man z.B. Berufsschullehrer, so muss man sich ständig an der Wirtschaft orientieren und Neuerungen in den Unterricht aufnehmen. Zudem kann es passieren, dass man von einem aufs nächste Schuljahr eine ganz andere Berufsgruppe unterrichtet und sich dann in Eigenarbeit den Stoff von neuem beibringen muss. Für alle gilt, dass ein motivierter Lehrer immer viel Arbeit und Aufwand auch abseits seiner üblichen Lehrertätigkeit investiert. Die Gesellschaft verlangt schließlich von einem Lehrer neben der Vermittlung von Inhalten auch die Erziehung und das vermitteln von Kompetenzen damit am Ende mündige Menschen stehen. Diese Belastung wird nicht entlohnt. Man hat auch nicht den klassischen 9 to 5 Job wo man Abends seine Verantwortung an der Tür des Betriebes abgibt.
Zudem sind die Unterschiede zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern völlig unverständlich, da sie die selbe Arbeit leisten müssen und die nicht verbeamteten häufig noch höhere Unsicherheiten ertragen müssen (Kündigung vor den Sommerferien etc.)
Desweiteren entsprechen die Einstiegslöhne schon fast dem Gehalt, welches man nach 35 Jahren Arbeit bekommt. Dies ist im übrigen ein Motivationshemmnis.

Am Ende muss man zu dem Schluss kommen, dass es einfach erscheint Lehrer als faul und überbezahlt darzustellen. Die Wahrheit aber so aussieht, dass viele Arbeitnehmer mit der gleichen Ausbildung und dem Arbeitsaufwand ähnlich bis besser entlohnt werden und die Verantwortung welche die Lehrer für die Gesellschaft tragen unterschätzt wird.

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Pless1 06.03.2015, 15:16
193. Kein Streikrecht für Qualifizierte?

Wenn ich manche Kommentare hier so lese kann ich nur den Kopf schütteln. Natürlich gibt es viele Menschen, die wesentlich weniger Geld verdienen als Lehrer. Aber das ist doch überhaupt kein Argument. Unterschiedliche Leistungen werden unterschiedlich vergütet, und das ist auch voll gerechtfertigt.

+ Lehrer sind ausnahmslos Akademiker, haben ein langes, selbst finanziertes Studium absolviert und eine zusätzliche Zeit als Referendar.

+ Sie haben extrem starre Arbeitszeiten und müssen zudem Heimarbeit leisten, die nicht vergütet wird.

+ Die Arbeit ist extrem wichtig für unsere Gesellschaft

+ Sie haben persönliche Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendliche

+ zunehmend werden Mängel in den Elternhäusern Lehrern angelastet und müssen von diesen aufgefangen werden

+ trotzdem sind sie permanenter Lehrerschelte ausgesetzt und genießen eine vergleichsweise geringe soziale Anerkennung bzw. Stellung.

Wenn ich mir die Gehälter ansehe, die im Artikel genannt sind, dann verdient ein Abteilungsleiter in der Industrie in der Regel mehr, ohne all die oben genannten Punkte. Mehr Geld für Lehrer ist absolut gerechtfertigt!

Aber auch der Vergleich mit den beamteten Lehrern hinkt. Ja, diese sind finanziell besser gestellt - vor allem als Pensionäre. Aber Beamte unterliegen eben auch deutlichen Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Das ist aus meiner Sicht mit Geld nicht aufzuwiegen.

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obergandi 06.03.2015, 15:17
194. Schule

Leider wird der Bericht über den Lehrerstreik wiedereinmal auf eine Neiddebatte reduziert.

Nicht erwähnt wird, dass Lehrer viel mehr Stunden leisten müssen als früher.
In der heutigen Zeit sind alle Lehrer überfordert, durch große Schülerzahlen pro Klasse, durch Erziehungsaufgaben die von den Eltern auf die Lehrer abgewälzt werden, durch zu hohe Erwartungshaltung der Eltern, durch überbordenen Bürokratismus und vieles mehr.
Ich beneide keinen Lehrer um seinen Job und bewundere Jeden der sich heute noch für den Lehrerberuf entscheidet, denn Bildung ist wichtiger denn je und dazu brauchen wir motivierte und gut bezahlte Lehrer.

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alles-was-recht-ist 06.03.2015, 15:18
195. Nix Neues im Öffi

Der Dienst-nach-Vorschrift-Schieber wird vglsw. hoch entlohnt bzw. besoldet, die die wirkliche Arbeit bewältigenden Kräfte dagegen... So isses auch in der Justiz. RichterInnen werden EU-weit nur noch in Rumänien schlechter besoldet. Ob Rumänien ein Vorbild sein sollte lasse ich offen. In Hessen (und demnächst sicher auch in anderen Bundesländern) dürfen RichterInnen zum Ausgleich noch den Müll rausbringen. Frage: Welche Güte der Rechtsprechung darf ernsthaft erwartet werden?

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noexit42 06.03.2015, 15:19
196. die übliche zerfleische

anstatt sich generell an der ungerechtigkeit der einkommensverhältnisse abzuarbeiten, wird wieder eine berufgruppe als sau durchs dorf getrieben, weils ein paar hundert euro mehr sind im monat. an die bestverdiener u sogen. "leistungsträger" traut man sich nicht, is ja auch vieeeel zu komplex für ein paar Zeilen online. Managergehälter, bankenrettung, finanz-und geldsystem? rafft credi&pledi eh nicht. also wieder die Arbeiter u Angestellten gegeneinander aufhetzen! und streiken is ja per se teufelszeug, wo kommen wir da sonst noch hin, wenn hier ein jeder streikt. sollen alle schön still sein, mir gehts viieel viel schlechter als den anderen....Ergo:Alles wie üblich!

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kratzdistel 06.03.2015, 15:20
197. der trend gerht zu den angetellten wegen der eu

der beamte hat nach den alt hergebrachten grundsätzen des berufsbeamtums Anspruch auf eine amtsangemessene Alimentation. dafür unterliegen sie einer dienst- und treuepflicht mit gesetzlichen rechten und pflichten, während angestellte dem tarifvertragsrecht unterliegen. in der EU sollen nur noch kernaufgaben des staates von beamten wahrgenommen werden. dazu zählen die Lehrer nicht. streiken dürfen nur die angestellten. dieses recht nehmen sie jetzt wahr. auch in der freien wirtschaft steigen die löhne und damit auch die Steuereinnahmen für bessere Entlohnung. auch die beamten profitieren durch die streiks, da deren gehälter dann auch amtsangemessen angepasst werden.auf beiden seiten gibt es vor-und Nachteile, aber die löhne sind auskömmlich.

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Glisch@gmx.de 06.03.2015, 15:20
198. Ja

Zitat von Tostan
Das war aber ihre eigene Wahl oder? Auch ein Beamter kann sich gesetzlich Krankenversichern, auf freiwilliger Basis. Ok, zugegeben, das gilt heutzutage, ich weiss nicht wie es war als Sie verbeamtet wurden.
aber dann muss er den Gesamtbeitrag selber aufbringen, es gibt keinen 50 %igen Zuschuss wie bei Angestellten. Und wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, ist die PKV evtl. wieder günstiger. Auf keinen Fall ist es so, wie immer wieder behauptet wird, dass der Beamte nichts für seine KV tun muss. Einziger, gravierender Unterschied ist die Rentenversicherung. Aber das ist eher für den Arbeitgeber/Staat von Vorteil

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markus_wienken 06.03.2015, 15:21
199.

Zitat von Bondurant
mal ein Geheimnis: es gibt viele Akademiker, die weniger verdienen als ein klassischer Facharbeiter, etwa bei Daimler. Nur hat sich das noch nicht so rumgesprochen.
Richtig
Es gibt auch schlechte Akademiker.

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