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Streit am Max-Delbrück-Centrum: Wie ein Patentstreit zwei junge Wissenschaftler die U
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Es geht um ein Patent, viel Geld und die Existenz: Ein Doktorand und ein Postdoc beschweren sich am Max-Delbrück-Centrum mehrfach über einen renommierten Krebsforscher. Jahre später sind die Fronten verhärteter denn je.

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quercusuevus 21.01.2019, 17:22
70.

Zitat von cs9
Es geht hier doch nicht um dieses Patent und um Geld. Es geht um Zeit! Diese klugen Wissenschaftler haben vielen Menschen Zeit genommen. Lebenszeit, Zeit mit geliebten Menschen ... Zeit, um noch bessere oder sicherere Methoden zu Entwickeln. Vielleicht sollte ich die beteiligten Leute anzeigen, wegen mehrfacher Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassung.
Das ist Unfug. Der Antikörper wurde in Mäusen getestet, und es gibt keine Garantie dafür, dass er auch in Menschen funktioniert. Bekanntes Beispiel für einen Antikörper, der in Tierversuchen sehr erfolgreich war, in Menschen aber lebensbedrohliche Immunreaktionen auslöste, ist TGN1412 (https://de.wikipedia.org/wiki/TGN1412).

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wally76 21.01.2019, 17:24
71. Zuerst die Diss!

Natürlich ist es ein Fehler im System und es ist unfair gegenüber dem Nachwuchs. Aber es gibt doch nun genug Beispiele, dass eitle und missgünstige Doktorväter Karrieren zu Fall bringen, indem sie „Querulanten“ die Promotion torpedieren. In einem Fall sogar nach Abgabe, der Betroffene ist auch hier und im Heiseforum unterwegs. Also beißt man die Zähne zusammen und schließt die Diss ab. Danach kann man den Chef angreifen. Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem jemand erfolgreich einen zweiten Promotionsversuch abgeschlossen hat. Ja, es ist zum K..., aber im Moment läuft es in Deutschlands Lehrstühlen leider oft so.

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ohminus 21.01.2019, 17:29
72. Ganz so einfach, wie es sich einige hier machen, ist die Sache nicht.

Der Chef hat immer noch die Verantwortung im Labor. Und was im Schlechten gilt (Mittel werden ggf. gekürzt bzw. nicht verlängert, weil nichts Vernünftiges erreicht wurde), das muss natürlich auch im Guten gelten. Im Übrigen dürfte das Institut selbst den Löwenanteil bekommen, oder aber (z.B. bei Max Planck Instituten) die Betreibergesellschaft - aus analogen Gründen.
Ich war selbst an so einem Institut und habe die entsprechenden Regelungen von Anfang an gekannt - ich wusste, dass außer "Ruhm und Ehre" allenfalls noch Peanuts anfallen.

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ThS 21.01.2019, 17:30
73. Klassische "Die-da-oben-Denke"

Die meiste Doktoranden und leider auch viele PostDocs, Habilitanden und Junior-ProfessorX bekommen nie eine Professur oder gar einen Lehrstuhl, auch, wenn sie darauf hinarbeiten. Es fällt dann sehr schwer, sich einzugestehen, dass der Grund bei der eigenen mangelnden Begabung, den zu stark begrenzten analytischen Fähigkeiten, dem schlechten Riecher für Zukunftsthemen usw. zu suchen ist.

Es ist das System! Die Professoren! Die Macht der anderen! Das ist so viel bequemer, aber leider in den meisten Fällen - so meine Beobachtung - weder korrekt noch hilfreich.

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viwaldi 21.01.2019, 17:30
74. Hirn für Intercoolet?

In meinem Beitrag ging es gar nicht um irgendwelche Prozente ( einfach noch mal lesen), sondern um seine Unterschrift. Hinterher nachtreten ist immer leicht, aber vorher ins Risiko gehen schon schwerer. Es wurde ihm doch ein fairer Deal angeboten, welcher Ingenieur bei Siemens bekommt schon soviel? Rumgeheuele nervt.

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austromir 21.01.2019, 17:42
75. Risko

Zitat von cs9
Im Gegenteil. Für mich stellt es sich so dar, dass JEDER Mensch ein Recht auf medizinischen Fortschritt hat, wenn es ihn denn gibt. Das von mir erwähnte Mädchen starb, kurz bevor sie ein Medikament testen konnte, welches umständlich aus den USA geholt wurde. Sie hatte sich bewusst dafür entschieden. Und wer weiß, was ihr eine Medikation gebracht hätte, die eventuell zur Verfügung gestanden hätte, wenn dieser Patentstreit nicht alles blockieren würde.
Es ist en Risiko darauf zu antworten, aber es scheint notwendig.

1. ein Recht auf Fortschritt gibt es insofern nicht als es den Fortschritt per se nicht so gibt, wie es saubere Luft oder Wasser auf dieser Erde gibt. Es macht auch keinen Sinn "den Fortschritt" einzufordern so als würde alle x Jahre ein Wunder vom LKW der Wissenschaft fallen und dieses Wunder müsste nur noch gerecht verteilt werden.
2. es ist völlig unkar ob die Arbeiten je zu einem Ergebnis geführt hätten. Die Aussage "kann beweisen" nach drei Jahren im Labor ist nicht identisch mit "wirkt beim Menschen". Es ist also unklar, was durch den Patentstreit blockiert wurde. Der Artikel suggeriert nur, dass es eine Lösung hätte sein können. Vielleicht wäre der Ansatz - wie sehr viele andere - in frühene Testphasen gescheitert.
3. es ist ethisch immer extrem schwierig davon zu sprechen, dass ein todkranker Patient sich "bewusst" für eine Behandlung entscheidet. Er/sie steht unter der Androhung des Todes. Die Angehörigen stehen unter dem Druck eines Verlustes eines geliebten Menschen. In so einer Situation gibt es keine wirklich freie Entscheidung.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass die Wissenschaft leider nicht Wissen produziert wie der Bäcker Brötchen. Vieles ist mühsam und der Zufall ist mitunter ein wichtigerer Faktor als der Mensch. Manches erweist sich als "ähnlich" und damit relativ gut kontrollierbar. Anderes sträubt sich gegen jedes aktuelle Modell der Wissenschaft. Vieles wartet auf eine neue Idee - aber neue Ideen kann man nicht bestellen.

Dass Menschen heute nicht mehr so qualvoll sterben müssen wie meine Großmutter (Unterleibskrebs) ist eben keine Garantie, dass wir durch die Wissenschaft grundsätzlich immer dieses Sterben verhindern werden können.

Wenn wir also als Wissenschaftler natürlich getrieben davon sind dieses Idealziel zu erreichen müssen wir andererseits immer zugeben, dass wir auch begrenzt sind.

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austromir 21.01.2019, 17:46
76.

Zitat von Actionscript
Wie jemand schon erwähnte, muss ein Autor einer Publikation einen Anteil an der Arbeit haben. Bei einer wissenschaftlichen Publikation gibt es Regeln, die jeder kennt. Der erste Autor auf der Publikation hat die Arbeit nicht nur geistig sondern auch die experimentelle Arbeit zum wesentlichen Teil durchgeführt, es sei denn die Arbeiten wurden von technischen Assistenten durchgeführt.
Falsch Die Reihenfolge der Autorenschaft ist abhängig von den Gepflogenheiten im jeweiligen Fachgebiet. Manchmal steht der wichtigstes Autor vorne. Manchmal steht er hinten.

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ThS 21.01.2019, 17:46
77. Praxis in der Forschung

Der erfahrene Gruppenleiter oder der Prof wählen - auf Basis von Erfahrung, analytischen Fähigkeiten usw. - aus 1000 Pfaden / Lösungsmöglichkeiten / Ideenräumen 10 aus, setzen 10 Doktoranden dran, um die Pfade (meist leider sehr mechanistisch und den Fähigkeiten eines Masteranden entsprechend) abzuarbeiten - dann stellt sich ein Pfad als der richtige heraus. Für den Doktoranden ist klar, wer der Urheber ist, er kennt die anderen 990 ausgeschlossenen Ideen-Pfade nicht. Das ist eher die Regel als die Ausnahme.

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austromir 21.01.2019, 17:54
78. Risiko

Zitat von ThS
Der erfahrene Gruppenleiter oder der Prof wählen - auf Basis von Erfahrung, analytischen Fähigkeiten usw. - aus 1000 Pfaden / Lösungsmöglichkeiten / Ideenräumen 10 aus, setzen 10 Doktoranden dran, um die Pfade (meist leider sehr mechanistisch und den Fähigkeiten eines Masteranden entsprechend) abzuarbeiten - dann stellt sich ein Pfad als der richtige heraus. Für den Doktoranden ist klar, wer der Urheber ist, er kennt die anderen 990 ausgeschlossenen Ideen-Pfade nicht. Das ist eher die Regel als die Ausnahme.
und wenn dann einer der 990 aussortierten doch der richtige war, schreibt irgendein "Experte": eh klar. Die Wissenschaft ist zu blöd um es zu erkennen.
Wenn er aber deshalb lieber 20 Pfade untersuchen will schreibt der nächste Experte: die Effizienz in der Wissenschaft muss aber gesteigert werden.

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ThS 21.01.2019, 18:07
79. Risiko!

Wer glaubt, es gäbe in der Wissenschaft primär Zufall, der wird Schwierigkeiten haben, mit den verfügbaren Ressourcen effizient umzugehen.

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