Forum: Leben und Lernen
Streitthema Behinderte in Schulen: "Inklusion ist keine Utopie"
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Behinderte und nichtbehinderte Kinder in einer Klasse sind ein schwerer Fehler, sagen Kritiker. Diese Haltung ist gefährlich und schlicht falsch. Das gemeinsame Lernen gelingt, wenn es nur konsequent umgesetzt wird.

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mosquitojg 17.07.2014, 17:04
160. Kernaufgaben der Schulen

Zitat von roland.rothenstein
Bevor wir Schulen mit Computern, Internet und Smartboards aussatten sollten wir uns wirklich überlegen was wirklich wichtig ist. Soziale Kompetenz, Menschlichkeit und Verständnis für die Unterschiedlichkeit von Menschen (auch mit Behinderung) sind Werte die unsere Gesellschaft wirklich zukunftsfest machen könnten.
Und Sie meinen, dass man diese Werte durch Zwang adäquat vermitteln kann, indem man Eltern und Schüler dazu zwingt, mit Leuten zusammen lernen zu müssen, die sie augenscheinlich behindern und vom Lernen ausbremsen? Ich sage Ihnen vorraus, dass dieses Experiment viel mehr Ablehnung produzieren wird als Verständnis für die Behinderten. Denn Verständnis ist eine freiwillige Reaktion begründet auf Einsicht, nicht aufgrund politischer Verordnungen, die ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt werden.

Ausserdem tun wir so, als ob unsere Gesellschaft im globalen Vergleich besonders aggressiv und unmenschlich im Umgang mit anderen wäre und daher diese Spezialerziehung nötig hätte? Ist das so? Warum kommen dann so viele Leute aus anderen Ländern in dieses Land, wenn es so schlecht ist hier?

Auf der anderen Seite sehen wir die Defizite des deutschen Bildungssystems, das im Vergleich mit dem angelsächsischen und asiatischen zunehmend abfällt.

Nein, nein, es wäre wünschenswert, wenn sich die Schulen auf den Kern ihres Auftrages konzentrieren würden, nämlich fachliche Bildung zu vermitteln, anstelle die Schulen als Orte der Gesprächs- und Gruppentherapie für immer mehr Gestörte umzufunktionieren.

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misterknowitall 17.07.2014, 17:08
161.

Zitat von miss_moffett
Entschuldigen Sie dass ich mich ungefragt einmische, aber ich glaube, dass sich nicht die Kinder als Sonderlinge fühlen sondern deren Eltern. Integrationsklasse klingt nun mals besser als Förderschule. Mein Problem mit diesem neuen Unterrichtsansatz ist, dass ich nicht verstehe wie es ablaufen soll. Während die einen sich die Photosynthese erarbeiten, versuchen die anderen ein Bäumchen zu malen? Der Mehrwert erschliesst sich mir nicht, aber ich bin kein Pädagoge.
Naja, ich kenne ein Downmädel, die sich durchaus über ihre Behinderung bewusst ist, und eben auch merkt, dass sie immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrückt wird. Dabei war sie eigentlich immer ein fröhliches Mädchen. Nachdem man sie aber systematisch von Ihren Freunden separiert hat, indem sie auf eine Behindertenschule musste, im Sportverein nicht mitmachen darf, usw. hat das arg nachgelassen.

Im Unterricht versuchen alle das Gleiche zu bearbeiten. Bei geistig behinderten wird das natürlich nicht immer direkt zum Erfolg führen, deswegen bekommt es Extrabetreuung und idealerweise auch Hilfe von den Mitschülern. Wenn das nicht reicht, dann ist es eben auch nicht schlimm, das die Photosynthese nicht verstanden worden ist. (Also wie bei 80% der normalen Schüler eben auch)

Der Mehrwert liegt in der Sozialen Kompetenz die die Schüler erwerben und darin, dass wir Menschen mit Behinderung ein Leben wie bei anderen auch ermöglichen und das der Umgang mit Behinderten normaler wird.

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garfield007 17.07.2014, 17:10
162. Keine Vorbereitung

Da ich selbst Lehramt für Mittelschulen studiere, kann ich hierzu nur sagen, dass man im Studium überhaupt nicht drauf vorbereitet wird. Bevor sich das nicht ändert, sollte man mit der Inklusion ein bisschen vorsichtig sein. Viele Lehrer sind eh schon überfordert mit den Schülern, da viele Eltern die Erziehung an die Schule abgeben und sich dann noch zusätzlich um ein behindertes Kind zu kümmern, welches doch einfach mehr Hilfe benötigt sehe ich sehr problematisch. Ohne fachgerechtes Personal, ist das meiner Meinung nach nicht der richtige Weg.

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misterknowitall 17.07.2014, 17:25
163. @ Mac_Beth

Im Fall von Henry sehe ich das ähnlich wie sie. Die Mutter hat übertrieben mit Ihren Forderungen für Ihren Jungen. Allerdings, wie gesagt, muss diese Diskussion ja irgendwann von irgendwem angestoßen werden.

Und sie stellen zurecht die Frage, ab wann KANN ein geist. beh. Kind überhaupt das Gymansium schaffen. Da wir vorher keine Inklusion hatten, ist diese Frage nicht zu beantworten. Ich glaube, dass müssen wir empirisch erfassen. Es würde doch niemanden schaden, wenn so ein behindertes Kind mal in einem Klassenverband mitläuft, - ohne Noten und Druck etc., damit man daraus lernt, wie weit kann Inklusion überhaupt gehen. Ohne den Versuch werden wir in der Hinsicht nicht weiterkommen.

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austenjane1776 17.07.2014, 17:57
164. Schule heute - G8

Zitat von misterknowitall
Es würde doch niemanden schaden, wenn so ein behindertes Kind mal in einem Klassenverband mitläuft, - ohne Noten und Druck etc., damit man daraus lernt, wie weit kann Inklusion überhaupt gehen. Ohne den Versuch werden wir in der Hinsicht nicht weiterkommen.
Sie haben doch keine Ahnung von G8 - da muss Ruhe sein und konzentriert der Stoff gemacht werden. Jede Störung schadet der Konzentration der anderen - die sind doch nicht zum Spass da.
Die Schule ist der Beruf der Kinder - und da kann man Leute nicht gebrauchen, die völlig aus dem Rahmen fallen.
Sonst schicken Sie die doch auch mal in den OP oder ins Oberlandesgericht - oder zur Autorin Frau Prof. Allmendinger - die sollte dann auch geistig Behinderte zur Promotion führen oder es versuchen - die Pharisäer!!
Immer alle Probleme in die Schulen schicken - das geht nicht mehr!
Die Schulen sind dicht mit Problemen.
Glaubt es doch endlich.

Bei dem von Ihnen gewünschten "Versuch" sind meine Kinder nicht dabei - die müssen lernen.

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divStar 17.07.2014, 18:23
165. Die Idee ist nachvollziehbar..

.. aber sie wird ohne immensen finanziellen Aufwand nicht funktionieren. Das Problem ist doch, dass dann Schüler, die zu mehr in der Lage wären, nicht gefördert werden würden. Außerdem würde es einiges bedürfen zu beweisen und zu belegen, dass die anderen, nicht irgendwie behinderten Schüler, nicht schlechter lernen oder insgesamt abschneiden bzw. dass eventuelle Parallelklassen, die möglicherweise keine behinderten Schüler haben, nicht besser abschneiden. Ich glaube insbesondere letzteres dürfte sehr schwer werden - weil es einfach nachvollziehbar ist, dass dem so sein würde.

Was Eltern und Schüler angeht, so kann man zwar von Inklusion viel halten; wenn es dann aber um einen selbst oder seine eigenen Kinder geht, ist sich jeder selbst am nächsten. Das Ergebnis wären Privatschulen oder gezielt Schulen an denen zumindest derzeit keine Inklusion stattfindet.

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chalchiuhtlicue 17.07.2014, 18:43
166. Bei der Personallage ...

... an vielen deutschen Schulen sowie bei fehlenden Budgets für Schuleinrichtung ist es ein Fehler, Inklusion zu erzwingen. Wie soll das bitte gehen? An etlichen Schulen ist ausgrund von Lehrermangel schon der Regelbetrieb nicht problemlos möglich, die Schüler müssen mit zum Teil 30 Jahre alten Stühlen und Tischen und nicht viel jüngeren Büchern auskommen, Lehrpläne sind nicht mehr zeitgemäß, aber Inklusion muss durchgesetzt werden. Wie wäre es erst einmal mehr Lehrer zu beschäftigen, die Schuleinrichtungen zumindest auf den Stand der 2000er Jahre zu bringen und die Lehrer zu schulen, damit sie mit Inklusion klarkommen und DANN mit Inklusion zu beginnen? Mir erscheint das vernünftiger. Aber Political Correctness und überzogene Philanthropie sind ja viel wichtiger als Realismus und Pragmatismus. Dummerweise kommt man halt mit den Letzteren weiter als mit den Erstgenannten.

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cat.incognito 17.07.2014, 18:49
167.

Zitat von austenjane1776
Sie haben doch keine Ahnung von G8 - da muss Ruhe sein und konzentriert der Stoff gemacht werden. Jede Störung schadet der Konzentration der anderen - die sind doch nicht zum Spass da.
Ich habe selbst das "Turbo"- Abi hinter mir und kann bei solchen Sätzen nur müde schmunzeln.

In dem Alter war uns vieles wichtiger als der Schulstoff und die allermeisten von uns haben trotzdem die Hochschulreife mit (vielleicht nicht perfekten aber) passablen Noten erlangt.

G8 ist sicher nicht der Grund, warum manche Schüler schlecht sind. Da spielen andere Faktoren (Lehrplan, Lehrer, Schüler, Elternhaus usw.) eine nicht minder schlechte Rolle.

Welchen Grund gegen Inklusion von Menschen mit Behinderung würden Sie denn ohne G8 anführen?

Mal ganz grundsätzlich: Schule ist wichtig, aber nicht das Wichtigste im Leben junger Menschen. Auch ein vergeigtes Abi (aus welchem Grund auch immer) ist noch lange kein Weltuntergang. Stichwort zweiter Bildungsweg.

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na!!! 17.07.2014, 19:09
168. niemals funktioniert das

Ich werde mein Kind lieber zusätzlich privat fordern lassen, als das es durch störungen von Kinder mit Handicap am weiterkommen gestört wird..... So hart es klingt, aber bei aller rücksicht auf kinder mit Handicap.... Die ohne haben auch rechte
Auf lernen und vorankommen.... Zum Glück kann ich finanziell es machen, schade um die wo es nicht können.... Es gibt Grenzen auch in der tolleranz.

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roland.rothenstein 17.07.2014, 19:13
169. Welche Schule wollen wir?

Zitat von mosquitojg
Und Sie meinen, dass man diese Werte durch Zwang adäquat vermitteln kann, indem man Eltern und Schüler dazu zwingt, mit Leuten zusammen lernen zu müssen, die sie augenscheinlich behindern und vom Lernen ausbremsen? Ich sage Ihnen vorraus, dass dieses Experiment viel mehr Ablehnung produzieren wird als Verständnis für die Behinderten.
Ich habe nie von Zwang gesprochen und glaube auch nicht das Zwang hier weiterhilft. Sondern ich spreche auch von Einsicht. Meine Hoffnung ist diese Einsicht mit Hilfe von Argumenten zu erzeugen.
Es ist aber doch ein spannendes Phänomen, dass Ausländerfeindlichkeit meist in den Regionen am größten ist, in denen am wenigsten Ausländer leben. (siehe Abstimmung über Ausländerfreizügigkeit in der Schweiz)
Ausgehend von diesem Fakt, behaupte ich das Gegenteil von ihrer Vorraussage, nämlich das dieses Experiement viel mehr Verständnis als Ablehnung für Behinderte produzieren wird.
Sie sehen, dass wir auf dieser Ebene in der Diskussion nicht voran kommen werden, da Behauptungen eben keine Argumente sind.

Ich habe übrigens auch nicht behaupte, dass "unsere Gesellschaft im globalen Vergleich besonders aggressiv und unmenschlich im Umgang mit anderen wäre". Hier ist ja doch die Frage zu stellen mit welchen Ländern sie sich vergleichen wollen?
Laut Statistischem Bundesamt sind 2013 per Saldo 437.000 Menschen nach Deutschland eingewandert. Die meisten davon kamen aus Polen und Rumänien. Außerhalb der EU kamen die meisten aus Syrien. Sind das die Länder mit denen sie sich vergleichen wollen?

Zitat von mosquitojg
es wäre wünschenswert, wenn sich die Schulen auf den Kern ihres Auftrages konzentrieren würden, nämlich fachliche Bildung zu vermitteln, anstelle die Schulen als Orte der Gesprächs- und Gruppentherapie für immer mehr Gestörte umzufunktionieren.
An dieser Stelle kommen wir nun aus meiner Sicht doch wieder Nähe an den Kern der Diskussion. Nämlich die Frage, was Schule leisten soll. Und nun Frage ich Sie mal ganz persönlich:
- Können Sie noch eine Kurvendiskussion?
- Wissen Sie noch welche Gliederung eine Inhaltsangabe haben muss?
- Können Sie noch den Zitronenzyklus und die Photosynthese erklären?
- Und kennen Sie noch die Geschichte der Einwanderer in die USA?

Und wenn Sie als dies noch aus ihrer Schulzeit wissen...Gratulation dazu... dann frage ich Sie: Ist das Ihnen wirklich wichtiger als gelernt zu haben wie man in einer Gruppe zusammenhält und als Team (auch mit benachteiligten Personen) etwas auf die Beine stellt? Wie man Schwierigkeiten überwindet?

Und damit sie mich nicht wieder absichtlich Missverstehen stelle ich nochmal klar:
Ich bin dafür, dass an Schulen viel gelernt wird und Kompetenzen erworben werden. Und ich halte dies auch für unerlässlich für die Zukunft der Erde. Aber lassen Sie uns diesen Begriff nicht auf das reine Faktenwissen beschränken. Wissen und Kompetenz umfasst so viel mehr.
Ich bin der Überzeugung, dass wir in Deutschland um ein Vielfaches erfolgreicher wären, wenn in unseren Schulen mehr soziale Kompetenzen gelehrt werden würde. Und das natürlich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis!!

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