Forum: Leben und Lernen
Streitthema Ehrenrunde: "Sitzenbleiben ist peinlich"
Corbis

Wenn Schüler Glück haben, schadet ihnen Sitzenbleiben nicht. Aber sinnvoll ist das einfache Wiederholen einer Klassenstufe nicht, sagt Bildungsforscher Ingmar Hosenfeld. Man könne Kindern und Jugendlichen auch anders klarmachen, dass sie im Unterricht mehr Gas geben müssen.

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fatherted98 20.02.2013, 09:57
20. Eine Schulklasse...

Zitat von lafrench
Die Bildungsforscher sind häufig Forscher geworden, weil sie sich entweder zu schlau fanden, um Lehrer zu werden oder weil sie wussten, dass sie es vor einer Klasse nicht aushalten würden. Wie ein Lehrer die Wilde Klasse disziplinieren soll beim Krach, den Kifs heute im Unterricht machen, wenn er nicht einmal mehr mit dem Sitzenbleiben drohen kann..
...disziplinieren Sie nicht mit Drohungen vom Sitzenbleiben...das nimmt keiner ernst. Hier müßten ganz anderen Maßnahmen greifen, die sich kein Politiker bei der heutigen Streichelpädagogik traut durchzusetzen. Schon ein Störer reicht um eine ganze Klasse zu terrorisieren und um Längen im Stoff zurückzuwerfen.
Sanktionierungen müssen anders laufen als jetzt...Schulunterricht muss zum Privileg werden...wer stört wird ausgeschlossen...so einfach ist dass...dass dadurch die Dummen natürlich noch dümmer werden ist klar...nur warum sollen sie durch ihr Verhalten die anderen Schüler stören dürfen und deren Weiterkommen behindern.
Ausschluss heißt ja nicht das sie nach Hause gehen dürfen...sondern raus aus der Klasse in eine kontrollierte Aufbewahrung in der sie NICHTS zu tun bekommen (auch kein Handy, MP3 Player oder sonstiges...einfach nur abhängen...von mir aus auch chillen...nach 3-4 Stunden nichts tun werden sich die meisten danach sehnen wieder in den Unterrricht zurück zu dürfen...und der Rest geht eh unter und kann weiterschlafen bis Hartz 4.

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spasssbremse 20.02.2013, 09:57
21. Kuschelpaedagokik

Ich habe die zwoelfte Klasse selbst wiederholt und habe meinen Notendurchschnitt um 1,5 gesenkt.
Es hat mir naemlich gut getan, in ein neues soziales Gefuege zu kommen.

Alles bis zum Abitur durchzuschleppen, bringt doch nichts. Dann werden die Leute halt an der Uni und FH ausgesiebt.
Und das ist dann schon reichlich spaet.

Ich denke, dass die Schule frueher nicht schlechter war als heute. Aber es muss ja alles geaendert werden, damit die Kultusministerien Aktionismus vorgaukeln koennen.

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lillykatze 20.02.2013, 10:10
22. Wiederholen kann sehr hilfreich sein

Unser Kind (ADSler) wurde pünktlich eingeschult, obwohl wir Bedenken hatten. Erst hatte der Kindergarten gegen und gearbeitet, dann die Schule. Die Diagnose wurde nicht anerkannt.
Nach der 3. Klasse hat unsere Tochter freiwillig wiederholt. Sie hatte sich innerhalb von einem Schuljahr in allen Fächern um eine Note verschlechtert, kam nicht mit den Klassenkameraden und nicht mit dem Lehrer klar.
Im Wiederholungsjahr hat sie sich in allen Fächern um eine Note verbessert. Bekam in der 4. Klasse gerade noch Realschulempfehlung und arbeitet mit den Noten jetzt in Richtung Gymnasium hin. Sehr erfolgreich. Da wären wir aber nicht, hätten wir das Kind in der Grundschule weiterhin frustriert. Wiederholen ist sinnvoll im Rahmen eines komplexen Förderungs und Erziehungsprogramms. Und das kostet viel weniger als mitschleifen ...

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hador2 20.02.2013, 10:14
23.

Zitat von sysop
Wenn Schüler Glück haben, schadet ihnen Sitzenbleiben nicht. Aber sinnvoll ist das einfache Wiederholen einer Klassenstufe nicht, sagt Bildungsforscher Ingmar Hosenfeld. Man könne Kindern und Jugendlichen auch anders klarmachen, dass sie im Unterricht mehr Gas geben müssen.
Das Sitzenbleiben alleine relativ wenig bringt ist nichts Neues. Die Frage ist aber was ist die Alternative. Hier bleibt bezeichnenderweise auch der Herr Bildungsforscher die Antwort schuldig und verweist nur schwammig auf viele Wege, die man nicht einzeln wissenschaftlich auswerten könne. Was ist das denn bitte für eine Antwort?

Dabei ist gerade das der eigentlich wichtige Punkt: Was sind die Alternativen zum Sitzenbleiben und vor allem wer BEZAHLT die? Natürlich wäre es für die Schüler sinnvoller wenn sie anstatt einfachem wiederholen einer Klasse individuell gefördert würden. Bloß dafür braucht es dann Lehrpersonal, Räume und Ausstattung in den Schulen....und daran herrscht im Moment überall sowieso schon ein Mangel. Wenn die Politik das zahlt eine Supersache....bloß wird sie das mit 99.9% Sicherheit eben nicht tun.

Und dann die Idee mit dem Versetzen auf Probe: Wie geht es denn dem Kind, wenn es dann nach ein paar Monaten heißt "Du hast die Probezeit leider nicht bestanden!" und was macht man dann mit dem Schüler? Mitten im Jahr doch wieder eine Klasse zurückstellen?

Wie gesagt: Ich bin auch kein Freund von Sitzenbleiben, bloß im Moment sehe ich nicht, dass irgendjemand eine realistischerweise umsetzbare bessere Idee hat. Denn ein Wolkenkuckucksheim hilft niemandem und die Lösung das Sitzenbleiben abzuschaffen, aber ansosnten am Schulablauf nichts zu ändern wäre IMO noch deutlich schlechter als das aktuelle System.

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mnbvc 20.02.2013, 10:16
24. Gegenbeweis?

Zitat von b.koepke
Nehmen Sie den Artikel überhaubt zur Kenntnis? Oder gehen nach dem Lesen der Überschrift die Preußischen Reflexe mit ihnen allen durch, so dass sie hier trotz gegenteiliger Meinung aller Experten und trotz der Tatsache das der Gegenbeweis in der Realität bereits erbracht wurde (Skandinavien), Schein sie nicht anderes zu kennen als ihr Gebell von zuch und Ordnung, und das sohnst die Welt oder aber zumindest das Abendland untergeht.
Tja, da haben Sie aber so gar kein gutes Argument: die Realität in Skandinavien, die beweisen soll, dass Dreigliedrigkeit schlimm sei und Sitzenbleiben etc. natürlich auch. Skandinavien ist mit D schlecht vergleichbar, denn dort ist der Migrationsanteil in der Bevölkerung deutlich niedriger und zudem sind dort auch Migranten aus anderen Kulturen als bei uns. In D machen gemessen am Bevölkerungsanteil mehr Vietnamesen und Ukrainer Abitur als Deutsche. Bei Türken, Arabern und anderen sieht das aber schon ganz anders aus.

Wenn Sie schon die Realität wahrnehmen wollen, dann schauen Sie auf die Realität in D: zwei Länder zeigen seit Jahrzehnten die besten Ergebnisse in allen Vergleichstests innerhalb D's. Beide haben ein dreigliedriges Schulsystem, Sitzenbleiben und überdurchschnittliche Anteile an Migrationsbevölkerung. Es sind Bayern und BaWü. Zudem sind das die zwei größten der drei verbliebenen Geberländer im Länderfinanzausgleich, die Wirtschaft leidet also offenbar nicht unter den "enorm hohen Kosten des Sitzenbleibens"(was wiedermal die Hauptsorge ssein dürfte). Was schließen Sie daraus? Dass dort alles schlechter ist als im Rest der Republik?

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mnbvc 20.02.2013, 10:21
25. Systemisch

Zitat von Allegorius
Auch als Logopäde mache ich die Erfahrung, dass es nur selten am Schüler selbst liegt. Manchmal liegt eine Lernbehinderung vor, häufig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, aber viel zu oft ist das Kind Opfer systemischer Prozesse, sprich: Die Erziehung hat bei Einschulung nicht einmal begonnen.
Ich sehe auch immer wieder, dass das, was Sie hier beschreiben, das reale Problem ist. Die größten Chancenvernichter sind nicht Bildungssysteme oder Lehrer oder sonstwas - es sind die Eltern. Das muss man aber auch so benennen und nicht die Schuld in den unangreifbaren Strukturalismus eines "Systems" schieben. Denn die Eltern bilden das Lebensumfeld, aber kein gesellschaftliches System.

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pixie48 20.02.2013, 10:25
26. Leider

Zitat von sysop
Wenn Schüler Glück haben, schadet ihnen Sitzenbleiben nicht. Aber sinnvoll ist das einfache Wiederholen einer Klassenstufe nicht, sagt Bildungsforscher Ingmar Hosenfeld. Man könne Kindern und Jugendlichen auch anders klarmachen, dass sie im Unterricht mehr Gas geben müssen.
gehts oft anders herum. Mein Sohn konnte mit vier ihm nicht bekannten Text fliessend lesen; ein halbes Jahr spaeter half er seinem 3 Jahre aelteren Geschwisterteil bei the Matheaufgaben. Sechs Wochen nach der Einschulung wollte er Junge nicht mehr in die Schule; er meinte er hatten geglaubt er wuerde in der Schule was lernen. Ich bekam dann mehrere Vorladungen in die Schulen; es wurde mir klar gemacht, ich muesse meinem Sohn klar machen, er duerfe keine Fragen stellen. Irgendwann hat das Kind dann abgeschaltet; musste zwei Ehrenrunden drehen, wurde "abgeschult" hat die Hauptschule mit Mueh und Not geschafft. Nach ein paar Jahren Arbeitswelt ging er zurueck in die Schule, hat ein 1er Abitur hingelegt und anschliessend ein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen. Die Ehrenrunden waren reine Zeitverschwendung; das Kind, der Jugendliche haette gefordert werden muessen. Die Lehrer wissen aber natuerlich alles besser.

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sw-grisu 20.02.2013, 10:27
27. Druck kann auch helfen.

Ist meine eigene Erfahrung. Im Prinzip bis heute. Unter Druck funktioniere ich am besten. Das war auch während der Schulzeit nicht anders. Ich hasste die Schule vom ersten Tag an und wollte nur raus um endlich arbeiten zu können. Und die einzige Motivation das Lernen nicht zu sehr schleifen zu lassen war die Horrorvorstellung einer Ehrenrunde. So konnte ich nach 9 Jahren (in der vierten entschied ich mich bewußt für die Hauptschule) mit einem guten, aber nicht sehr guten Notenschnitt die Schule verlassen. Die Schulentlassung war für mich einer der schönsten Tage meines Lebens. Bis heute hatte ich nicht einen sentimentalen Gedanken an diese schrecklichen neun Jahre.

Was habe ich daraus gelernt: Gewisse Dinge muß man einfach durchziehen, auch wenn sie einem nicht gefallen, wenn man vorwärts kommen will.

Fazit 1: Die Hauptschule (zumindest die damalige) hat mir nicht geschadet. Wurde beruflich dennoch sehr erfolgreich, gehöre mit meinem Einkommen (zumindest wenn man der Statistik glaubt) zu den oberen 25 % der Bevölkerung.

Fazit-2: Ohne die Keule des "Sitzenbleibens" wäre mir die Schule sicher noch mehr am A.... vorbei gegangen.

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copyright17 20.02.2013, 10:27
28. Grundlegendes Problem

Ich glaube, dass es am Ende nicht darum gehen sollte, ob man Schüler heute bis zum Abschluss irgendwie mit durchschleift. Was bringt es einem Jugendlichen einen tollen Abschluss zu besitzen (oder überhaupt einen Abschluss zu besitzen) und am Ende in der Berufsschule oder im Studium auf die Nase zu fallen? Das eigentliche Problem ist doch, dass die Klassen viel zu voll sind, was auch zu meiner Zeit schon so war und mittlerweile 10 Jahre her ist. In Klassen mit 30 und mehr Schülern wird es schwierig für überforderte Lehrer sich auf einzelne Schüler zu konzentrieren, die evtl eine Lernschwäche haben, unter Null-Bock-Stimmung leiden, oder einfach überfordert mit der Geschwindigkeit sind, mit der der Stoff jedes Jahr behandelt wird. Wenn schon in frühen Jahren die Grundlagen fehlen, wird es in höheren Klassen schwierig ohne diese mitzuhalten.
Für mich ist das Thema eine Verschiebung des eigentlichen Problems. In kleineren Klassen, kann besser auf einzelne Schüler eingegangen werden, der Stoff sicher auch intensiver behandelt werden und die Lehrer sind allgemein entspannter und haben sicher auch die Möglichkeit den Stoff ganz anders zu gestalten.
Auf der anderen Seite benötigt man dazu auch mehr freie Lehrerstellen, das kostet Geld, Geld was den Ländern nicht zur Verfügung steht. Stattdessen werden immer mehr Stellen abgebaut und nun sollen die Schüler auch noch mitgeschliffen werden, um noch mehr Geld einzusparen. Da läuft irgendwas in die komplett verkehrte Richtung!

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Buggybear 20.02.2013, 10:31
29. Macht es doch gleich richtig in NRW und...

...schafft die Noten ab. Motiviert eh niemanden und ist bekanntermassen nicht aussagekräftig. Ohne Noten kann man echt viel Geld sparen. Und erst die Nerven im Lehrerkollegium. Alle gewinnen dabei! Schule wird entspannt und zur billigen Freude für alle. Wie kann man das überhaupt nicht abschaffen?

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