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Student packt aus: "75 Prozent meiner Uni-Leistungen sind Betrug"
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In Klausuren spickt er, in Hausarbeiten plagiiert er, selbst sein Praktikumszeugnis hat er verändert: Hier berichtet ein 25-Jähriger, wie er sich durchs Studium an einer großen deutschen Uni schummelt - und warum.

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Amadís 17.01.2017, 12:11
160.

Zitat von luke_skiwalker
So kann man Auslandssemester verwenden, um vollkommen sinnlose und übertrieben leichte Fächer für die schwierigen in Deutschland anrechenn zu lassen (Deutsch als Fremdsprache für Thermodynamik zum Beispiel). Des Weiteren hat man heutzutage eine freie Fächerwahl. Das führt dazu, dass man gezielt Fächer wählt für welche sehr viele Altklausuren vorhanden sind oder welche nur aus einer Präsentation bestehen. Ich habe seit 3 Jahren keine einzige Vorlesung mehr besucht und meine Freizeit dafür genutzt zu Arbeiten und eigene Projekte voran zu treiben. Ich bin außerordentlich erfolgreich und Kommilitonen, welche das Studium ernst nehmen weit voraus was meinen Wissensstand und meine Berufserfahrung angeht. Und genau das kann eigentlich nicht das Ziel unseres Bildungssystems sein. Aber glauben Sie ruhig weiter, dass es irgendwelche elitären Studiengänge gäbe. Das System ist kaputt, dabei kommt es nicht auf das Fach an.
Das Anrechnen von Fächern aus dem Auslandssemester ist ein Krampf. Selbst wenn man im Ausland genau das gleiche Fach belegt hat, wie man es zu Hause belegt hätte. Da werden Inhalte verglichen, wieviel Zeit musste für das Fach aufgewendet werden etc.

Wenn Ihre Uni das so lasch handhabt, und angeblich Deutsch für Thermodynamik anrechnet, dann ist Ihre Uni, Verzeihung, scheiße.

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caro1234 17.01.2017, 12:12
161. Schade SPON

hier zeigt SPON mal wieder deutlich, dass es sich dem Niveau der Klatschpresse nähert. Dem Spiegel der 60iger wäre so ein Artikel nie unter gekommen.

Dem Studenten der hier stolz berichtet wie er betrügt:
Räumen sie den Platz für Kommilitonen die das Privileg zu studieren wertschätzen. Finden Sie heraus wo ihre Talente und Begeisterungsfähigkeit geblieben sind. Weil sie ein mieses Abi gemacht haben, betrügen Sie sich jetzt durchs Studium? Die Lehre aus dem schlechten Abi hätte gewesen sein sollen, sich mehr reinzuhängen und zu engagieren für die Dinge die Ihnen wirklich etwas bedeuten - was wollen Sie wirklich sein? Straßenmusiker? Opernsänger, Chemieprofessor? Tun sie es und!

Beruflich erfolgreich werden Sie in ihrem Nicht-Fachgebiet kaum sein können, denn Erfolg basiert auf Motivation und Talent, auf Wiederaufstehen, nicht darauf nach einem Mißerfolg es Guttenberg et al. gleich zu tun...

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pitti49 17.01.2017, 12:12
162. In den Laberfächern...

...sicher ein typisches Vorgehen. Und diese Leute lavrieren sich dann genauso wie gelernt durchs Leben. Besonders günstig kommt das in Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaften ect. Gern zu finden sind sie in öffentlichen Verwaltungen, da wird Blasensprech weiter honoriert.
Als Ingenieur dürfte man mit dieser Methode schnell eine Bruchlandung erreichen.

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Demokrat7 17.01.2017, 12:13
163. Es geht auch anders

Wer MINT-Fächer oder Medizin studiert hat, weiß, dass es auch ohne Schummeln geht. Hausarbeiten als Leistungen zu bewerten, sollte nicht zulässig sein. Alle 2 Wochen prüft ein Assistent (Kolloquium, Testat) die Kenntnis der Studenten mündlich (Biologie, Medizin, Chemie) oder in Form von Rechenaufgaben (Mathematik, Ingenieursfächer). Klausuren müssen nicht in Form von Kästchen ankreuzen durchgeführt werden, obwohl solches schneller zu korrigieren. Wer solch ein Studium absolviert hat, wird mit der obrigen Kritik nicht angesprochen. Noten bei Fächern wie Jura, BWL, Politik, Soziologie und anderen vergleichbaren leichten Fächern sagen hingegen wenig aus. Entsprechend sind dann auch die Leistungen im Beruf.

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karin_mainz 17.01.2017, 12:15
164.

Zitat von dukeofwellington
Ich bin Dozent in einem MINT-Fach. Das was der Student hier für eine geisteswissenschaftliche Fakultät beschreibt, geht bei uns nicht. Bei uns gibt es auch Klausuren, bei denen man alles benutzen darf. Auswendig lernen oder Spicken hilft nicht. Dass in den Geisteswissenschaften einiges schief läuft erfahre ich aber leider immer wieder. Dafür finden unsere MINT-Studenten dann auch gut bezahlte Jobs.
Ich habe die "Kofferklausur" in E-technik geliebt, die Klausuren der letzten 15 Jahre vor der Prüfung gelöst und mitgenommen, in der Klausur selbst dann die passende (die wiederholten sich nämlich) rausgesucht; nur bei 2 Aufgaben musste ich aufgrund anderer Werte neu rechnen, aber da der Lösungsweg bekannt war, konnte ich auch diese Aufgaben innerhalb kürzester Zeit "bewältigen".
Und das in MINT Fächern Mogeln und Spicken pauschal nicht möglich sei...ein Ammenmärchen.

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spiegelleser83963 17.01.2017, 12:16
165. Dünkel

Ich finde den Dünkel einiger Kommentierenden unerträglich. Gewissen Disziplinen (nicht MINT-Fächern) den wissenschaftlichen Wert abzusprechen, zeugt zum einen von einem unangenehmen Dünkel und zum anderen von einem m.E schädlichen utilitaristischen Weltbild (Was bringen die denn der Wirtschaft?). Was den Autor des Artikels angeht, so halte ich ihn nicht unbedingt für einen Einzelfall aber definitiv für in der Minderheit. Das deutsche Bildungssystem bringt eben nicht nur Reproduzierer hervor und (noch) hat eben nicht jeder das Abitur. Wer sich die Abiturklausuren anschaut, wird erkennen, dass normalerweise nur ein kleiner Teil Reproduktion ist. Es müssen analytische Anteile und in manchen Fächern persönliche Stellungnahmen enthalten sein, die eigenes Denken und eine eigene Haltung abverlangen.

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karin_mainz 17.01.2017, 12:19
166.

Zitat von santoku03
"Ich lerne in der Regel nicht:" Spicken, gut und schön, aber was spräche denn dagegen, aus reinem Eigeninteresse trotzdem zu lernen?
Dass jemand komplett ohne Lernen sich ganz durchs Studium mogeln kann glaube ich nicht wirklich.


Was das Mogeln angeht:
Stellt sich die Frage, ob man das was man in einzelnen Fächern lernt später im Beruf wirklich benötigt...insofern werden viele (sicher nicth alle) Schüler/Studenten ab und an, mal mehr mal weniger "nachgeholfen" haben.
Auch eine Frage der Ressourcen und Notwendigkeiten.

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rs-quant 17.01.2017, 12:19
167.

So stellt sich Klein-Erna mit den Plagiaten vor:
"... Wie immer gilt: Jeder Gedanke, jeder Satz, der nicht von einem selbst stammt, braucht eine Quellenangabe."

Ganz so einfach ist es auch nicht. Der Satz "Der Himmel ist blau" braucht keine Quellenangabe, auch wenn das mit Sicherheit ein Gedanke ist, den schon mindestens ein Autor zuvor aufgeschrieben hat.
Auch bei "Wer gegen den Wind pinkelt" kann man versuchen einen Autor zu finden oder man schreibt als Quellenangabe "chinesisches Sprichwort" (oder war es ein deutsches?)
Was in der Diskussion immer übersehen wird: Ein Plagiat setzt voraus, dass es einen Gedanken gibt, der gestohlen werden kann. Trivialitäten und allgemein Bekanntes kann man nicht plagiieren.
Vielmehr geht es darum, wer den Gedankengang entwickelt und ausformuliert hat. Aber in einer Welt, die sich nur an Formalitäten festhält, spielt so ein wissenschaftliches Gedöns keine Rolle mehr.

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GFR 17.01.2017, 12:20
168.

In fast jedem Studium muss man sich bestimmten Gegebenheiten anpassen. In meinem Medizinstudium war fast alles Multiple Choice... klar kann man dort die ein oder andere Prüfung durch reine Altfragen bestehen. Letztendlich wird man sich im Berufsleben bewären... da wird sich zeigen was ein so erworbener Studienabschluss in einer Sozialwissenschaft wert ist. Es geht eben nicht nur darum in irgendwas irgendwie einen Abschluss zu erreichen... außer man macht den "Taxischein" gleich mit.

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a'bunadh 17.01.2017, 12:21
169. Lächerlich und nicht repräsentativ

Ich studiere seit 2011 in geisteswissenschaftlichen Studiengängen. Jede Klausur, die ich geschrieben, wurde sorgfältigst von Dozenten überwacht, es musste soviel Raum zwischen den Studierenden sein, dass Abschreiben eh ein Ding der Unmöglichkeit wurde und Hausarbeiten, sowie Zeugnisse jedweder Art werden sehr genau überprüft. Bzgl der Klausuren lockerte sich die Strenge erst etwas, als diese nur noch aus umfangreichen Essayfragen bestanden, welche eh nicht abgeschrieben werden können und selbst dabei wurde noch sehr gut aufgepasst. Wie Betrug bei Hausarbeiten möglich sein soll, erst recht durch reines Übersetzen, erschließt sich mir nicht im Geringsten. Im Übrigen kenne ich sehr viele Studenten mit gutem 1er Schnitt von denen keiner, wirklich keiner, auch nur auf die Idee kommen würde, zu plagiieren. Mag vielleicht sein, dass man sich damit durch die ersten paar Semester in einem der großen Studiengänge schummeln kann; auf lange Sicht und speziell bei Abschlussarbeiten kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen.

Aber okay, machen wir ein bisschen Stimmung gegen Studenten, am Besten noch Geisteswissenschaftler. Denen geht's ja so gut. Möchte der Spiegel vielleicht auch mal den Bericht eines Studenten veröffentlichen, der täglich hart und ehrlich arbeitet, um gute Noten zu bekommen? Aber das ist wahrscheinlich nicht interessant genug...

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