Forum: Leben und Lernen
Studenten im Altenheim: Mein Mitbewohner, der Opa

Sie zeigen der Generation 80-Plus, wie Facebook funktioniert, helfen im Haushalt, organisieren Arzttermine: Studenten ziehen ins Altenheim und jobben dort ein paar Stunden im Monat - dafür müssen sie*eine geringere*Miete zahlen. Funktioniert das Modell Generationen-WG?

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chocochip 13.11.2011, 17:18
10. Wie immer...

Zitat von DanielaMund
- keine Großeltern mehr - keine pflegebedürftigen Großeltern - die Großeltern benötigen professionelle Pflege - die Großeltern wollen nicht von ihren Enkeln gepflegt werden - Großeltern wohnen in keiner Uni-Stadt - wer sagt denn überhaupt das man bei den Großeltern ist, wenn man weiterhin zuhause wohnt?
1. Sind die wenigsten.
2. Die Eltern können durchaus gepflegt werden, oder man hilft bei der Kinderbetreuung der Geschwister, die keinen Krippenplatz bekommen.
3. Generationen übergreifendes Wohnen ist doch in, warum nicht in der eigenen Familie

Aber Ausreden gibt es immer wieder den Familienzusammenhalt negativ darzustellen.

Übrigens: Großeltern freuen sich auch über regelmäßige Besuche, wenn eine Pflege nicht nötig ist, ehrlich...

Na ja, pflegt halt lieber die kinderlosen Alten, anstatt die eigenen Vorfahren. Ist ja gesellschaftlich so gewollt.

Wie sagte neulich eine Polin zu uns: Die Deutschen sind asozial, wir pflegen unsere Großeltern selber.

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chocochip 13.11.2011, 17:22
11. Eine Win-Win-Situation innerhalb der Familie...

Zitat von Layer_8
...haben Sie alles auf den Punkt gebracht. Hier in D gibts für Berufsanfänger nichts mehr zu verdienen, außer man ist Zockerbanker. Auswandern ist da die beste Alternative. Hatten wir schonmal vor 150-200 Jahren. Nur ist Amerika nicht mehr die ideale Destination, ich würde eher China vorschlagen. Denk ich an Deutschland über Nacht...
Wir haben bewußt kein Haus gekauft - 120qm Schuppen mit Mini-Garten wie derzeit üblich für junge "Familien" - sondern warten bis unsere Mutter pflegebedürftig ist.

Dann haben wir vereinbart ihr Haus zu verkaufen und uns allen zusammen ein großes Haus zu gönnen mit einem Garten, der den Namen verdient. Vorteil:

1. Weniger Erbschaftssteuer
2. Das Zusammenlegen der Einkünfte führt zu einem höheren Lebensstandard für Alle, als die Kohle ans Pflegeheim abzudrücken
3. Die eigenen Kinder lernen soziale Verantwortung
4. Das Pflegegeld wird zwar weitaus weniger ausgezahlt, eine privat angestellte Pflegehilfskraft kann sich aber auch gleich mit um die Kinder und den Haushalt kümmern.
5. Eine Win-Win-Situation innerhalb der Familie!

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harpy 13.11.2011, 18:07
12. Klagt nicht...

Zitat von titurel
Wieder so ein Ding, wo sich Sozialunternehmer (zu denen de facto längst die Wohlfahrtsverbände und öffentlichen Träger zählen) billiges Personal rekrutieren unter dem Deckmäntelchen des karitativen Engagements. Im Grunde gehts da um Profit, Kostensenkung, Lohndrückerei. Wenn das so weitergeht, besteht der soziale Arbeitsmarkt in einigen Jahren nur noch aus einem Rudel Sozialmanager und einem Heer von "Freiwilligen", arbeitslosen Zwangsrekrutierten, Dumpinglöhnern und Fachkräften aus dem Billig-Ausland. Oder eben wohnungslosen Studenten, denen man einredet, sie täten etwas Sinnvolles.
Und möchten Sie etwa höhere Pflegesteuerbeiträge bezahlen, damit die vielen benötigten Stellen durch (sowieso schlecht bezahlte) Fachkräfte besetzt werden?
Ich finde so eine Klage wirklich verletzend. Wie können die Leute nur mit so einer Doppelmoral leben?
Auf der einen Seite sollen es die Alten gut haben, auf der anderen Seite wünschen sich alle möglichst weiten Abstand und tabuisieren das Thema "Wohin mit den Alten?".
Im Grunde geht es um den Erhalt der Würde und die Übertragung von Verantwortung auf diejenigen, die durchaus zu helfen bereit sind. Es ist wirklich eine gute Idee, dass der Wohnraummangel für Studenten mit der Behebung der Altersheimunterversorgung gelöst wird. Natürlich ist das kein Zuckerschlecken 8 Stunden für eine 20 m² Wohnung zu bezahlen. Vergessen Sie auch nicht, dass ein Altersheim ein Unternehmen ist, dass hohe Betriebskosten verursacht. Außerdem finde ich Ihre Vorstellung gut, Arbeitslose für Altenhilfe zwangsrekrutieren zu lassen. Man sollte die Millionen Euro, die in sinnlose Weiterbildungsmaßnahmen am Computer gesteckt werden, lieber in Weiterbildungen für Altenpflege investieren. Man muss die Leute ja nicht für die Schwerbehindertenpflege verwenden. Meine Freundin arbeitet selbst in selbiger ich weiß also wovon ich rede. Aber einfache Arbeiten im Haus, Spaziergänge, soziale Gruppenstunden, das was den Menschen das Gefühl gibt, dass sie nicht vergessen werden, das ist etwas Wunderbares. Ich bin sicher, die Arbeitslosen werden sich nach einiger Zeit sogar daran erfreuen, denn auch sie werden einer sinnvollen Beschäftigung zugeführt. Gerade die Langzeitarbeitslosen ohne Perspektive hätten dann wieder einen Inhalt in ihrem sinnentleerten Leben.

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titurel 13.11.2011, 18:18
13. Was ist daran verletzend?

Zitat von harpy
Und möchten Sie etwa höhere Pflegesteuerbeiträge bezahlen, damit die vielen benötigten Stellen durch (sowieso schlecht bezahlte) Fachkräfte besetzt werden? Ich finde so eine Klage wirklich verletzend. Wie können die Leute nur mit so einer Doppelmoral leben? Auf der einen Seite sollen es die Alten gut haben, auf der anderen Seite wünschen sich alle möglichst weiten Abstand und tabuisieren das Thema "Wohin mit den Alten?". Im Grunde geht es um den Erhalt der Würde und die Übertragung von Verantwortung auf diejenigen, die durchaus zu helfen bereit sind. Es ist wirklich eine gute Idee, dass der Wohnraummangel für Studenten mit der Behebung der Altersheimunterversorgung gelöst wird. Natürlich ist das kein Zuckerschlecken 8 Stunden für eine 20 m² Wohnung zu bezahlen. Vergessen Sie auch nicht, dass ein Altersheim ein Unternehmen ist, dass hohe Betriebskosten verursacht. Außerdem finde ich Ihre Vorstellung gut, Arbeitslose für Altenhilfe zwangsrekrutieren zu lassen. Man sollte die Millionen Euro, die in sinnlose Weiterbildungsmaßnahmen am Computer gesteckt werden, lieber in Weiterbildungen für Altenpflege investieren. Man muss die Leute ja nicht für die Schwerbehindertenpflege verwenden. Meine Freundin arbeitet selbst in selbiger ich weiß also wovon ich rede. Aber einfache Arbeiten im Haus, Spaziergänge, soziale Gruppenstunden, das was den Menschen das Gefühl gibt, dass sie nicht vergessen werden, das ist etwas Wunderbares. Ich bin sicher, die Arbeitslosen werden sich nach einiger Zeit sogar daran erfreuen, denn auch sie werden einer sinnvollen Beschäftigung zugeführt. Gerade die Langzeitarbeitslosen ohne Perspektive hätten dann wieder einen Inhalt in ihrem sinnentleerten Leben.
Die Klienten in Heimen und sonstigen Einrichtungen verdienen professionelle Unterstützung und die dort Tätigen ein angemessenes Gehalt. Was ist daran verletzend?

A propos Geld: Die Schande besteht doch gerade darin, daß dieser Bereich (Pflege, Betreuung etc.) durch miese Bezahlung und zunehmende Rekrutierung von Laienpersonal (die ich nicht verunglimpfen will) gegenüber anderen gesellschaftlichen Bereichen entwertet wird. Geld für Waffen, Soldaten usw. sowie zu "Rettung der Banken" ist in Hülle und Fülle da, vergessen Sie das nicht.

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sleeperinmetropolis 13.11.2011, 18:42
14. ...

Zitat von chocochip
Warum leben die Studenten nicht einfach weiterhin zu Hause und pflegen ihre eigenen Großeltern? Wäre doch auch mal ein Ansatz.
Hm... die Großeltern meines Sohnes (20, Student) sind 60 und 61 Jahre bzw. 69 und 70 Jahre alt und stehen noch mitten im (Berufs-)leben. Sind also alles andere als pflegebedürftig, ganz im Gegenteil. Die Urgroßeltern sind schon verstorben bzw. auch noch nicht pflege- oder hilfsbedürtig, so ein Ärger aber auch.
Zudem scheint man in ihren Kreisen nicht zu wissen, dass junge Menschen allzu oft nicht am Heimatort studieren können.

Aber nun gut, mit ihrer Art der "Logik" ist klar, dass sie so etwas nicht wissen können.

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DanielaMund 13.11.2011, 19:46
15. kT

Zitat von chocochip
2. Die Eltern können durchaus gepflegt werden, oder man hilft bei der Kinderbetreuung der Geschwister, die keinen Krippenplatz bekommen.
a) Die Eltern eines Studenten dürften realistischerweise zwischen 40 und maximal 60 seien - wieviele Pflegebedürftige kennen Sie denn so in dem Alter?

b) Ein 19jähriger mit Geschwister im Krippenalter wird auch biologisch schwierig, ist dementsprechend selten.

Rechnen Sie bei den Bilanzen in Ihrem Unternehmen auch so?

Zitat von chocochip
Aber Ausreden gibt es immer wieder den Familienzusammenhalt negativ darzustellen.
Wenn man auf die biologische Realität hinweist, ist das also "den Familienzusammenhalt negativ darstellen"?

OK, dann sagen Sie mir mal, wie ich meine Oma, die heute noch ihren Rasen selbst mäht, vor 15 Jahren in Salzgitter hätte pflegen sollen, und gleichzeitig an der nicht existierenden Uni dort hätte studieren sollen. Ich kann der Frau ja nicht die Beine brechen, damit sie pflegebedürftig wird.... und tote Urgroßelten wiederbeleben geht auch schlecht.
Zitat von chocochip
Übrigens: Großeltern freuen sich auch über regelmäßige Besuche, wenn eine Pflege nicht nötig ist, ehrlich...
Man kann Großeltern auch besuchen, wenn man nicht der Meinung ist, dass man ihnen nicht zwangsweise Windeln anlegt, solange sie noch gut selbst zurecht kommen.
Zitat von chocochip
Wie sagte neulich eine Polin zu uns: Die Deutschen sind asozial, wir pflegen unsere Großeltern selber.
Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden hier zuhause gepflegt...

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chocochip 13.11.2011, 21:09
16. Immer diese Einzelfälle...

Zitat von sleeperinmetropolis
Hm... die Großeltern meines Sohnes (20, Student) sind 60 und 61 Jahre bzw. 69 und 70 Jahre alt und stehen noch mitten im (Berufs-)leben. Sind also alles andere als pflegebedürftig, ganz im Gegenteil. Die Urgroßeltern sind schon verstorben bzw. auch noch nicht pflege- oder hilfsbedürtig, so ein Ärger aber auch. Zudem scheint man in ihren Kreisen nicht zu wissen, dass junge Menschen allzu oft nicht am Heimatort studieren können. Aber nun gut, mit ihrer Art der "Logik" ist klar, dass sie so etwas nicht wissen können.
In meinen Kreisen weiß man das, weil ich selber studiert habe. Aber manchmal ist es eben eine Frage, ob man woanders studieren will, oder nicht.

Die meisten aus "meinen" Kreisen wollten von zu Hause raus, um jeden Preis. Schliesslich will man ein "Studentenleben" vom Feinsten.

Es kann aber auch sein, dass ich selber aus dem Prekariat komme und dann in die Oberschicht wechseln durfte, dass ich einfach sehe, wo sie Unterschiede zwischen Ober- und Mittelschicht sind.

Lasst Euch Mittelschichtler nur schön weiter spalten, damit seit Ihr gute Staats-Lemminge und immer schön abhängig.

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chocochip 13.11.2011, 21:11
17. Deutschen finden immer Ausreden...

Zitat von DanielaMund
a) Die Eltern eines Studenten dürften realistischerweise zwischen 40 und maximal 60 seien - wieviele Pflegebedürftige kennen Sie denn so in dem Alter? b) Ein 19jähriger mit Geschwister im Krippenalter wird auch biologisch schwierig, ist dementsprechend selten. Rechnen Sie bei den Bilanzen in Ihrem Unternehmen auch so? Wenn man auf die biologische Realität hinweist, ist das also "den Familienzusammenhalt negativ darstellen"? OK, dann sagen Sie mir mal, wie ich meine Oma, die heute noch ihren Rasen selbst mäht, vor 15 Jahren in Salzgitter hätte pflegen sollen, und gleichzeitig an der nicht existierenden Uni dort hätte studieren sollen. Ich kann der Frau ja nicht die Beine brechen, damit sie pflegebedürftig wird.... und tote Urgroßelten wiederbeleben geht auch schlecht. Man kann Großeltern auch besuchen, wenn man nicht der Meinung ist, dass man ihnen nicht zwangsweise Windeln anlegt, solange sie noch gut selbst zurecht kommen. Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden hier zuhause gepflegt...
Immer dieses zu kurz denken! Die Eltern sind 50 bis 60... Die Großeltern meist 75 bis 90...

Macht Nichts, lassen Sie sich weiter spalten, die Türken sind da als Zukunft dieses Landes wesentlich weiter.

Aber Deutsche finden immer ausreden für ihr eigenes asoziales Verhalten.

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chocochip 13.11.2011, 21:12
18. Als Ex-Zivi weiß ich, wovon ich schreibe.

Zitat von DanielaMund
a) Die Eltern eines Studenten dürften realistischerweise zwischen 40 und maximal 60 seien - wieviele Pflegebedürftige kennen Sie denn so in dem Alter? b) Ein 19jähriger mit Geschwister im Krippenalter wird auch biologisch schwierig, ist dementsprechend selten. Rechnen Sie bei den Bilanzen in Ihrem Unternehmen auch so? Wenn man auf die biologische Realität hinweist, ist das also "den Familienzusammenhalt negativ darstellen"? OK, dann sagen Sie mir mal, wie ich meine Oma, die heute noch ihren Rasen selbst mäht, vor 15 Jahren in Salzgitter hätte pflegen sollen, und gleichzeitig an der nicht existierenden Uni dort hätte studieren sollen. Ich kann der Frau ja nicht die Beine brechen, damit sie pflegebedürftig wird.... und tote Urgroßelten wiederbeleben geht auch schlecht. Man kann Großeltern auch besuchen, wenn man nicht der Meinung ist, dass man ihnen nicht zwangsweise Windeln anlegt, solange sie noch gut selbst zurecht kommen. Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden hier zuhause gepflegt...
Zu Hause allein gelassen und von ambulanten Diensten versorgt, würde es besser treffen.

Als Ex-Zivi weiß ich, wovon ich schreibe.

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chocochip 13.11.2011, 21:14
19. Danke!

Zitat von sysop
Sie zeigen der Generation 80-Plus, wie Facebook funktioniert, helfen im Haushalt, organisieren Arzttermine: Studenten ziehen ins Altenheim und jobben dort ein paar Stunden im Monat - dafür müssen sie*eine geringere*Miete zahlen. Funktioniert das Modell Generationen-WG?
Es ist faszinierend zu sehen, auf wieviel Hass man stößt, wenn man auf den Familienzusammenhalt hinweist.

Das sagt viel über die Deutschen aus.

Danke an alle beteiligten Diskutanten für diesen Anschauungsunterricht in Sachen soziales Verständnis und Bereitsschaft zur Diskussion und zum Springen über die Grenzen des eigenen Denkens hinaus.

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