Forum: Leben und Lernen
Studenten mit Legasthenie: Vom Fehlerteufel besessen
Nadine Klees

Er ist schlau, er studiert, er kann nicht richtig schreiben: Philipp, 25, Legastheniker, hat wie Tausende Studenten in Deutschland eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Die meisten leiden still, dabei haben sie ein Recht auf Hilfe - auch von den Unis.

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freigeist83 28.01.2014, 10:10
10. Ich bin ...

Legastheniker und ich würde auch jedem raten seine Leghastenie zu verheimlichen. Es wäre leichter gewesen in der Schule und Uni, aber wenn man in der Wirtschaft sagt das man "behindert" ist dann ist eine Jobsuche schwer. Ich bin Informatiker geworden weil ich es kann. Doch bei vielen Personalgesprächen wurde ich immer abgestempelt sobald ich diese Argument als meine Schwäche ins Spiel gebracht habe. Aber erklären sie mal ein Personaler das man mehr können muss als gut schreiben wenn man etwas programmieren will. Klar ist es schwerer , nerviger und nicht zuletzt frustrieren aber man kommt auch zum Ziel. Im Endeffekt kann man die Leghastenie überwinden mit Selbstdiziplin und Konditionierung. Und das meine Lieben Personalern, ist eine Stärke die jeden Legastheniker zu einem wertvollen Mitarbeiter macht egal in welchem Arbeitsbreich.

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jonath2010 28.01.2014, 10:14
11. Nur noch die dicken Überschriften lesen

Mehr als 8000 Studenten leiden an einer Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) oder der Rechenschwäche (Dyskalkulie), schätzt das Deutsche Studentenwerk. Und ich habe immer gedacht, dass an den Unis die Elite unserer Gesellschaft herangezogen wird. Offenbar habe ich mich gründlich getäuscht. Künftig müssen wir also damit rechnen, dass wir Schriftsätze von Rechtsanwälten oder gar Gerichtsurteile bekommen, die von Schreibfehlern nur so wimmeln. Und man sollte bloß nicht alles auf die "böse Legasthenie" schieben. Ist denn die verbreitete Lese- und Rechtschreibschwäche ein Wunder, wenn man den Schulen und Lehrern freie Hand lässt, wie sie den Schülern die deutsche Rechtschreibung vermitteln wollen? Da gibt es zum Beispiel die "Lernmethode Reichens", wonach die Grundschüler eigenständig und nach ihrem Ermessen Wörter und Sätze allein nach ihrem Klang zusammensetzen. Da kommen dann Sätze raus wie: "Er nam den stein, den dan Maden in der hant ligen hate." (Er nahm den Stein, den das Mädchen in der Hand liegen hatte). Und wenn diese Kinder einmal erwachsen sind, lesen sie in den Zeitungen bloß noch die dicken Überschriften, alles andere fällt furchtbar schwer.

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dunkelpeter 28.01.2014, 10:15
12. Was ist die Voraussetzung für Legasthenie?

Wer dumm ist und nicht schreiben kann, kann nicht schreiben, weil er dumm ist.
Wer sehr schlau ist und nicht schreiben kann, ist ein Legastheniker.
Also braucht man eine überdurchschnittliche Intelligenz, um ein "richtiger" Legastheniker zu sein.
Oder hat Intelligenz etwas mit der Fähigkeit schreiben zu können zu tun?

Viele Wissenschaftler, ... beschäftigen Sekretäre, aber kaum ein Sekretär einen Wissenschaftler, ...

Viele Legastheniker sind übrigens sehr belesen, auch wenn sie in jedem "Vorlesewettbewerb" keine Chancen hätten. Dafür können sie sehr gut diagonal lesen.

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willnich 28.01.2014, 10:19
13.

Zitat von Alme
...Meiner Meinung nach gibt es generell nur zwei Sachen, die für die Legastheniker schädlich sind: Leute mit sehr schlechter Bildung und niedrigem IQ, die ihre fehlende Rechtschreibung aus Scham gerne mit angeblicher Legasthenie begründen, und damit Legasthenikern den Ruf verleihen "doof" zu sein (Ähnlich den sehr dicken Menschen, die ihre fressbegründete Adipositas mit "Krankheiten" entschuldigen). Und zweitens die Legastheniker selber, die glauben gegen ihre Schwäche nichts ausrichten zu können. Im Gegenteil, wer zum Beispiel viel, sehr viel liest, bei dem wird sich auch eine Legasthenie merklich verbessern, obwohl sie vielleicht nie das normale Niveau erreichen wird.
Mein Bruder hat wahrscheinlich Legasthenie. Das wurde allerdings nicht psychologisch diagnostiziert (im Bayern der 80er Jahre hat man einen hibbeligen Jungen, der nicht richtig lesen und schreiben konnte, halt lieber durchfallen lassen, als mit ihm zum Psychologen zu gehen). Sein Hauptschullehrer wollte ihn auf die Sonderschule schicken (wo ihm wahrscheinlich sogar geholfen worden wäre) und dafür wurde sein IQ bestimmt, der dann doch leicht überdurchschnittlich war.

Naja, das hat ihm nichts gebracht, wenn er in Geschichtstests für jeden Rechtschreibfehler Punktabzug bekam. Somit gehört er zu den Leuten mit (zumindest formal) "schlechter Bildung", da er nicht mal den Hauptschulabschluss hat. Gerade Legastheniker, die heute Ende 30 oder älter sind, haben in ihrer Schulzeit wenig Unterstützung von ihren Familien und Lehrern bekommen, da diese LSR selbst nicht verstanden haben und dachten, das Kind sei faul oder dumm. Deswegen haben viele Legastheniker sehr niedrige Qualifikationen.

Wir sind eine lesefreudige Familie, aber auch wenn mein Bruder gerne liest, so braucht er für die Bücher, für die ich ein bis zwei Tage brauche, drei bis vier Wochen. Und seine Rechtschreibung hat das nie verbessert.
Das hält ihn nicht davon ab, auch Bücher auf Englisch zu lesen, was aber seine eigene englische Grammatik auch nicht verbessert.

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CommonSense2006 28.01.2014, 10:20
14.

Zitat von kopp
Auf gut Deutsch: Wer nicht richtig Schreiben, Lesen und Rechnen kann, muss sich fragen, ob er für ein Studium geeignet ist. Da helfen auch wohlklingende Bezeichnungen der Überschrift nicht wirklich. Bei Dysinterpunktie [Interpunktionsfehler] würde ich eine Ausnahme sehen, weil hier praktisch niemand ohne Fehler ist, was vermutlich mit einem willkürlichen, unbegründeten Regelwerk zu tun haben könnte.
Also da muss ich Sie mal korrigieren: Mein bester Freund hat Legasthenie, hat sich durch das Gymnasium gequält mit Ehrenrunde und allem drum und dran, dann Physik studiert, Doktor gemacht, für die NASA in USA gearbeitet, habilitiert und ist jetzt Professor in Deutschland.

Für's Studium nicht geeignet? Ein hoch intelligenter Mann, der sein Fach bestens versteht und nur auf Grund einer leichten Behinderung (die er heute aufgrund der automatischen Rechtschreibprüfung weitestgehend überspielen kann) sein volles Potential nicht so früh ausschöpfen konnte wie andere, den wollen Sie lieber in einen anderen Beruf abschieben?

Ich glaube, sie haben das Wesen der Legasthenie nicht verstanden.

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Martin OL 28.01.2014, 10:21
15. .

Die Forscherin, die von EYRA im Jahr 2013 mit dem European Young Researchers’ Award ausgezeichnet wurde, ist Legasthenikerin.

Abhängig von der Sprache sind 10- 20% der Bevölkerung betroffen, und wir verlieren dieses Potential als Gesellschaft, wenn wir Menschen mit Legasthenie keine Chance geben und sie nicht unterstützen.

http://www.euroscience.org/eyra-2013.html

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u.kroes 28.01.2014, 10:21
16.

Zitat von kopp
Auf gut Deutsch: Wer nicht richtig Schreiben, Lesen und Rechnen kann, muss sich fragen, ob er für ein Studium geeignet ist. Da helfen auch wohlklingende Bezeichnungen der Überschrift nicht wirklich. Bei Dysinterpunktie [Interpunktionsfehler] würde ich eine Ausnahme sehen, weil hier praktisch niemand ohne Fehler ist, was vermutlich mit einem willkürlichen, unbegründeten Regelwerk zu tun haben könnte.
Falls es Ihnen beim Lesen des Artikels entgangen sein sollte, es wird hier von einer "Krankheit" berichtet, die nichts mit Intelligenz oder Kompetenz (=> Vorraussetzung für ein Studium) zu tun hat. Krankheitsbedingt machen diese Menschen Fehler. Das tun wir aber alle. Sie z. B.: schreiben, lesen und rechnen werden in Ihrem Fall klein geschrieben, Niemand jedoch groß, da es sich hier um das Subjekt des Satzes handelt. Dysinterpunktie kennt der Duden auch nicht.
Es wundert also niemanden, dass diese Krankheit lieber verschwiegen wird.
Gute Besserung.

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Exekutiv 28.01.2014, 10:30
17. Bezeichnend ....

dass sich in verschiedensten Foren immer wieder bestimmte Foristen finden (z.B. "kopp"), die eine mit Halbwissen und einer guten Portion Ignoranz gewürzte Meinung absondern, sich jedoch der anschliessenden Kritik nicht stellen da es ihnen eigentlich an sachlichen Argumenten fehlt.

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pixie48 28.01.2014, 10:32
18. optional

Zitat von kopp
Auf gut Deutsch: Wer nicht richtig Schreiben, Lesen und Rechnen kann, muss sich fragen, ob er für ein Studium geeignet ist. Da helfen auch wohlklingende Bezeichnungen der Überschrift nicht wirklich. Bei Dysinterpunktie [Interpunktionsfehler] würde .....
Ich kann keine Zahlen lesen. Menschen wie sie, meinten ich sei deswegen zu doof Medizin zu studieren. Nun, ich habe es fertig gebracht mein Abitur in 11 Jahren zu schaffen mit einem Durchschnitt von 97%. Es ist naemlich nichts mit meiner Auffassungsgabe falsch noch mit meiner Logik (sonst koennte ich kein Computerprogramme schreiben); ich kann lediglich keine Zahlen lesen.

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Exekutiv 28.01.2014, 10:35
19. Verständnisschwäche

Zitat von kopp
Auf gut Deutsch: Wer nicht richtig Schreiben, Lesen und Rechnen kann, muss sich fragen, ob er für ein Studium geeignet ist. Da helfen auch wohlklingende Bezeichnungen der Überschrift nicht wirklich. Bei Dysinterpunktie [Interpunktionsfehler] würde ich eine Ausnahme sehen, weil hier praktisch niemand ohne Fehler ist, was vermutlich mit einem willkürlichen, unbegründeten Regelwerk zu tun haben könnte.
oder aber nur schlecht informiert ? Sie wirken nicht unintelligent. Dennoch meinen Sie von einer Lese-/Schreibschwäche auf die Intelligenz bzw. das Bildungspotential schliessen zu können. Kann ich mir irgendwie nicht recht vorstellen. Andere Frage: wie steht es mit Musikern die keine Noten lesen können, z.B. Eric Clapton. Hätte er vielleicht lieber nicht Musiker werden sollen ? Mit verständnislosen Grüßen.

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