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Studenten über Bafög: "Ich kam mir vor wie ein dumme Bittstellerin"
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Komplizierte Formulare, Monate ohne Einkommen, unhöfliche Sachbearbeiter: Drei Bafög-Empfängerinnen und -Empfänger berichten, wie es ihnen bei der Antragstellung erging.

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Kurt-C. Hose 23.01.2019, 13:50
1. Alles nicht neu

Mein Studium ist Jahrzehnte her, aber meine Mitstudenten und ich haben exakt das Gleiche erlebt. Das Bafög war unglaublich bürokratisch, aufwändig zu beantragen und wir haben alle nebenbei gejobbt.
Trotzdem finde ich es gut, dass es sowas wie das Bafög überhaupt gibt. Ist doch schön. Und immerhin ist das Studium selbst nahezu kostenlos. Das ist in vielen Ländern nicht der Fall. Mit Bafög und Nebenjob kann hier jeder studieren, der das will - find ich großartig.

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spon_7302413 23.01.2019, 14:06
2. Behördenalltag

Mir kommt das alles sehr bekannt vor. Ob beim Verkehrsamt, wo ich schon als einziger "Kunde" durch offenen Türen vier sehr beschäftigen Mitarbeitern beim Zeitung lesen, Akten sortieren und Telefonieren zusehen durfte - über einen halbe Stunde lang, oder bei Baubehörden, die die gleichen Anträge auch schon mal mehrfach anfordern und die Kosten durch Verschleppung in die Höhe treiben, oder bei Genehmigunganfragen und Antragstellungen für dies und das. Immer wieder bekommen Bürger den Eindruck, die Sachbearbeiter müssten ihr eigenes Geld heraus rücken, oder quälen sich in ihrer Freizeit aufopfernd durch die Mühen, die ihnen diejenigen bereiten, für die sie eigentlich arbeiten sollten - und von denen sie letztlich auch bezahlt werden. Insgesamt scheint es so zu sein, dass sich im Behördenalltag eine Haltung entwickelt, als ob die die Bürger Verfügungsmasse, Beschäftigungs- und Auskommensgaranten für die Behördenmitarbeiter sind, anstatt umgekehrt, die Behörden FÜR die Bürger und Antragsteller arbeiten. Das ist leider sehr viel weiter verbreitet, als dem Land und seinen Bürgern gut tut. Und nur sehr wenige Beschwerden werden nicht im Dickicht herumgescheucht, um sich zu Tode zu laufen. Ich bedaure aufrichtig jeden Menschen, der auf die Unterstützung durch diese nicht seltenen Ausnahmefälle angewiesen sind. Diejenigen, die entgegenkommend und freundlich sind, gibt es aber auch. Leider begegneten mir diese netten Behördenmitarbeiter bislang eher selten. Wundern kann das nicht. Bürokratie entwickelt ein Eigenleben und eine Selbstverteidigungs- und Rechtfertigungsmentalität. Und wer dann auch noch unkündbar ist und nicht belangt werden kann, macht eben irgendwann "sein ganz eigenes Ding". Diese Art der Bürokratie ist aber absehbar endlich. Ein paar Jahrzehnte weiter wird das alles von einer KI und online erledigt werden. Ob es dann besser wird, muss sich allerdings erst erweisen...

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meine_ansicht 23.01.2019, 14:11
3. Was genau wollen die drei Studenten?

Es wird doch nicht ernsthaft irgendwer wollen, dass man vom Staat einfach nur Geld bekommt, weil man eine Immatrikulationsbescheinigung hat? Und natürlich muss man deshalb nachweisen, dass die Eltern nicht für einen aufkommen können oder wollen. Sonst müsste keiner mehr Harz !V beantragen, sondern lässt sich in ein Fach ohne NC einschreiben und klagt über das schlecht Verhältnis zu seinen Eltern. Spätestens, wenn sich jemand, der mit über 30 noch mal anfangen will zu studieren, ungerecht behandelt fühlt, weil er von der Solidaritätsgemeinschaft immernoch nicht genug Geld bekommt, dann finde ich das nicht mehr lustig, sondern traurig. Und wenn man das Bafög elternunabhängig machen will, dann müsste man auch anfangen es zu belohnen, wenn man nebenher arbeitet und in der Regelstudienzeit bleibt. Wieso beschweren sich alle drei, dass sie neben dem Studium noch arbeiten müssen? Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jeder studiert für sich und sein Interesse an dem Thema und seiner Karriere. Der Staat leistet hier schon mehr als genug durch mehr oder weniger kostenfreie Studiengänge. Wer mehr will ist genau das was die letzte Dame aus irgendwelchen Gründen meint nicht zu sein: Ein Bittsteller. Ob die Dame sich dabei dumm fühlt ist nun wirklich ihr Problem.

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Patenting 23.01.2019, 14:14
4. Macht macht abhängig

Je komplizierter und undurchschaubarer das Verfahren, desto mehr Grösse und Macht bekommt der Staatsapparat über den einzelnen Bürger. Deshalb fordern Politiker ja auch dauernd neue Verteilungs-, Kontroll-, und Förderprogramme, deren Regeln am Ende nur noch studierte Fachleute verstehen.

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kkllaauussii 23.01.2019, 14:14
5. Bafög elternunabhängig und unbürokratisch

Es könnte so einfach sein:
Auf Antrag gibt es Bafög in einer Höhe bis zu X. Darunter frei wählbar.
Einzig der Nachweis einer Bafög würdigen Ausbildung (Studium/ Doktorand/ Meister/ Ausbildungsaufstockung etc.) ist erforderlich.
Rückzahlung des Bafög x Jahre nach dem Ende der Ausbildung.
Rückzahlungsrabatte je nach Leistung oder ähnlichen Kriterien.

Zwar würden einige "Reiche" auch in den Genuß kommen, aber so what. Weniger Bürokratie, weniger Finanzschwelle und alles in allem kostet das Ganze am Ende, verglichen mit dem jetzigen Aufwand, nicht viel mehr.

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lupo49 23.01.2019, 14:17
6. Es hat noch nie gereicht

Auch bei mir ist es Jahrzehnte her und ich war auf Nebenjobs angewiesen. Letztlich habe ich abgebrochen, was gewiss auch durch die zusätzliche Belastung mit verursacht wurde. Daher halte ich eine Erhöhung des BAföG, die auch zusätzliche Lehrmittel ermöglicht, für erforderlich. Ansonsten besteht keine Gleichheit zu Studenten aus bessergeleiteten Familien.

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Fruusch 23.01.2019, 14:20
7. ich selber

musste zum Glück nie BAFöG beantragen, da ich ein sehr günstiges Wohnheim-Zimmer hatte und mit kleinen Nebenjobs und der Unterstützung meiner Eltern ganz gut über die Runden kam - gelegentlich mal Ausgehen war drin, Urlaub oder anderer Luxus natürlich nie.
Aus den Erzählungen meines Bruders weiß ich noch, dass er gelegentlich seiner Sachbearbeiterin auf dem Flur im Amt auflauerte, weil sie nie ans Telefon ging (trotz verinbarter Sprechzeiten) und ihr Amtszimmer stets verriegelt war. Gelegentliche Fristversäumnisse deshalb wurden natürlich nur ihm angelastet ("Warum haben Sie denn nicht angerufen? Meine Tür steht doch immer für alle offen!").
Ich würde BAFöG generell allen Azubis und Studenten von den Eltern unabhängig zahlen. Auch ein Ausbildungsgehalt reicht oft nicht zum Leben (von wenigen Berufen mal abgesehen). Und der Staat würde im Endeffekt vielleicht sogar Geld sparen, wenn dieses aufgeblähte und irrsinnig teure Amtsmonster auf eine kleine Abteilung reduziert werden würde, die dafür sorgt, dass das Geld auch tatsächlich ausgezahlt wird.

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kangootom 23.01.2019, 14:23
8. BaFöG Mitarbeiter unfreundlich und inkompetent

Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht wie im Beitrag geschildert: Der Sachbearbeiter stellt erst mal alle Angaben in Frage und man kommt sich wie ein Lügner vor. Der Bafög Mitarbeiter war unfreundlich und man hatte das Gefühl, er müsse sein eigenes Geld rausrücken. Dabei ist er nur für die Verarbeitung der Anträge zuständig für eine Leistung die einem gesetzlich zustehen. Den Spruch, seine Eltern zu verklagen hatte ich übrigens auch an den Kopf geworfen bekommen. Dabei war ich meinen Eltern dankbar, das sie es mir überhaupt ermöglicht haben zu studieren und mich so gut es ging unterstützt haben. Die Einkommenszahlen vom Bafög Amt sind unrealistisch. Zum Thema Urlaub und Bafög: Das Bafög ist kein Einkommen sondern soll einem ein Studium ermöglichen. Urlaubsfahrten gehören nicht dazu. Konnte ich mir auch alleinstehend nicht leisten.

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jerrinho 23.01.2019, 14:25
9. Bürokratie ohne System

Ich habe vor einiger Zeit für mein Auslandssemester in der Schweiz Förderung beantragt. Es war eine elendig lange Antragsprozedur. Damals wurde mir nach rund 10 Nachfragen und insgesamt 3 Monaten Briefkorrespondenz mitgeteilt, dass meine Eltern zu viel verdienen. Da stellt sich schon die Frage, welcher Prozess vor Ort durchgeführt wird. 10 Mal wurde "spontan" bemerkt, dass doch noch "ein paar" Dokumente fehlen, die meistens nur mit viel Aufwand zu bekommen waren. Am Ende stellte sich heraus, dass der Prozess eigentlich schon nach der ersten Antragsseite hoffnungslos war. Ich dachte die Geschichte sei damit abgeschlossen, bis ich dann über 1 Jahr nach Ende des Semesters Post von der zuständigen Stelle bekam, man bräuchte für den Abschluss des Verfahrens noch ein Formular, es habe wohl einen Fehler gegeben. Am Ende bekam ich rund 500 Euro nachträglich ausgezahlt, weil man das besonders hohe Preisniveau im städtischen Raum Zürich nicht beachtet hatte. Effizient ist anders.

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