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Studenten über Bafög: "Ich kam mir vor wie ein dumme Bittstellerin"
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Komplizierte Formulare, Monate ohne Einkommen, unhöfliche Sachbearbeiter: Drei Bafög-Empfängerinnen und -Empfänger berichten, wie es ihnen bei der Antragstellung erging.

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cassi77 23.01.2019, 15:54
30. ...

Zitat von Margaretefan
...die hier beurteilt werden müssten. Ein nicht zahlungswilliger Vater, kann kein Grund sein, dass die Allgemeinheit dann dafür aufkommen muss. Da muss dann halt die Studentin bzw der Student entlastet werden. Die sollten unkompliziert das kriegen was ihnen zusteht und mit zahlungsunwilligen Eltern setzt sich dann das Amt auseinander. Wenn das zum Bruch der Kinder-Eltern-Beziehung führt, dann ist das halt so. Eltern, die genug haben, aber nicht zahlen wollen werde ich nie verstehen können und auch nicht wollen. Vom Gesetzgeber her, kann es leibliche Kinder oder gar deren Ehepartner böse erwischen, wenn die Eltern pflegebedürftig werden und die Rente dafür nicht reicht. Das sollte sich die Studentin, die ihren Vater nicht verklagen will - was selbstverständlich nachvollziehbar ist - auch mal durch den Kopf gehen lassen.
"Ein nicht zahlungswilliger Vater, kann kein Grund sein, dass die Allgemeinheit dann dafür aufkommen muss. Da muss dann halt die Studentin bzw der Student entlastet werden. "

Also, wenn ich so sehe, was 'die Allgemeinheit' in Form von allerlei Subventionen an allerlei 'Unternehmen und Bevölkerungsgruppen' so alles zahlt (von 'Abwrackprämie' über 'Baukindergeld' bis 'Potenzialberatung im verarbeitenden Gewerbe und im produktionsnahen Dienstleistungsgewerbe' und 'Schallschutzfenster'), empfinde ich es als wenig dramatisch, wenn Studenten (egal, ob der Vater zahlt oder nicht) ebenfalls von 'der Allgemeinheit' unterstützt oder auch vollfinanziert werden.

Es gibt genug Blödsinn, der 'vom Staat' mindestens teilweise finanziell unterstützt wird, dass es darauf, m.M.n., ziemlich sicher nicht ankommt. Und man würde den Studenten doch das Leben einigermaßen erleichtern. Finde ich nicht schlimm, im Gegenteil! Sollen sich aufs Studium konzentrieren dürfen und gut!

cassi

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der_rookie 23.01.2019, 16:02
31. Hm

Wer Bafög Formulare nicht ausfüllen kann hat keine Hochschulreife. Ja, die sind nicht trivial, aber da muss man sich mal hinsetzen.
In Behörden gibt es immer einzelne unfreundliche Sachbearbeiter - wie in jeder anderen Organisation auch. Ist leider so. Das eigentliche Problem in den 3 Geschichten war doch nicht das Bafögamt, sondern die Eltern die ihren Pflichten nicht nachkommen. Ich sehe gute Gründe darin das Konzept Elternabhängig zu belassen. Und so lange es so ist müssen sich halt alle daran halten. Allerdings würde ich in der Tat den Prozess ändern: Wenn die Studenten an Eides statt angeben, dass die Eltern nichts zahlen / nicht erreichbar sind , dann streckt das Bafögamt bei Beduerftigkeit unmittelbar die Beträge des Elternanteils vor. Dann versucht das Amt eine freundliche Kontaktuafnahme und setzt den Eltern eine Frist. Falls gezahlt wird (inkl. Verwaltungsgebühr) gut. Falls nicht bringt das Amt per Amts wegen die ausstehenden Beträge plus erhöhter Verwaltungsgebühr plus Verzugszinsen zur Anzeige.

Ausserdem koennte man solche und aehnliche Faelle von nicht geleisteten Unterhaltszahlungen (bei vorhandenem Einkommen/Vermoegen) im Wiederholungsfalle zum Straftatbestand erheben.

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kenterziege 23.01.2019, 16:05
32. Sie sind einer der wenigen, denen ich inhaltlich voll zustimme ......

Zitat von meine_ansicht
Es wird doch nicht ernsthaft irgendwer wollen, dass man vom Staat einfach nur Geld bekommt, weil man eine Immatrikulationsbescheinigung hat? Und natürlich muss man deshalb nachweisen, dass die Eltern nicht für einen aufkommen können oder wollen. Sonst müsste keiner mehr Harz !V beantragen, sondern lässt sich in ein Fach ohne NC einschreiben und klagt über das schlecht Verhältnis zu seinen Eltern. Spätestens, wenn sich jemand, der mit über 30 noch mal anfangen will zu studieren, ungerecht behandelt fühlt, weil er von der Solidaritätsgemeinschaft immernoch nicht genug Geld bekommt, dann finde ich das nicht mehr lustig, sondern traurig. Und wenn man das Bafög elternunabhängig machen will, dann müsste man auch anfangen es zu belohnen, wenn man nebenher arbeitet und in der Regelstudienzeit bleibt. Wieso beschweren sich alle drei, dass sie neben dem Studium noch arbeiten müssen? Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jeder studiert für sich und sein Interesse an dem Thema und seiner Karriere. Der Staat leistet hier schon mehr als genug durch mehr oder weniger kostenfreie Studiengänge. Wer mehr will ist genau das was die letzte Dame aus irgendwelchen Gründen meint nicht zu sein: Ein Bittsteller. Ob die Dame sich dabei dumm fühlt ist nun wirklich ihr Problem.
Ich bin Jahrgang 1942. Ich habe trotz bedürftiger Eltern (Zonenflüchtlinge) ohne Bafög studiert und bin in der Regelstudienzeit (8 Semester Maschinenbau Hochschule) fertig geworden. Eben weil es kein Bafög gab, musste ich schnell fertig werden. Natürlich haben mir meine armen Eltern 200 DM /Monat gegeben. Aber ich wusste, dass dies sehr schwer für sie war. Entsprechend habe ich mich reingehängt und in den Semseterferien hart gearbeitet.
Ich finde es toll, dass Studenten es heute leichter haben. Aber die Ansprüche sind irrwitzig hoch geworden. Auch zu meiner Zeit gab es Kommilitonen, deren Eltern genug Schotter hatten, um dick zu helfen. Die hatten aber letztendlich keine Vorteile!
Also nicht jammern, liebe Studierende. Es gibt genug von Euch.
Rein volkswirtschaftlich wäre es besser Handwerkern zu Meisterprüfung zu verhelfen. Die werden nämlich gebraucht, um den Akademikern die Wohnungen zu bauen..

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leichtmatrose70 23.01.2019, 16:06
33. Die Lösung ist eine andere!

Wer von der Allgemeinheit finanziert werden will ist ein Bittsteller. Punkt.
Ich weiss auch nicht wieso man als Student ein Auto haben muss und alle 2 Jahre ein neues Handy. Hier gibt es schon eine ziemlich verzogene Anspruchshaltung, vor allem wenn man auch noch qusi umsonst studieren darf.
Fairer ist es wie in Australien: einen Kredit vom Staat aufnehmen und später über höhere Steuern zurück zahlen. Dann darf man sich auch zurecht als Kunde fühlen. Aber das Geschrei würde gross werden...

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taglöhner 23.01.2019, 16:13
34. UTube-Tutorial

Ich frage mich, was man studieren will, wenn man mit einem Bafög-Antrag überfordert ist.

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Luemgi 23.01.2019, 16:14
35.

Das sind jetzt aber nicht gerade die typischen Studenten. Alle schon ziemlich alt und teilweise mit abgeschlossener Ausbildung. Und man kann vom Bafög nicht in den Urlaub fahren? Unfassbar. Ich war mit 24 mit dem Studium fertig (Diplom) und habe vom ersten Semester an gearbeitet. Das finde ich absolut normal. Für Urlaub hatte ich nicht nur kein Geld, sondern auch keine Zeit. Bafög habe ich nicht bekommen; vom Geld meiner Eltern hätte ich aber auch nicht leben können. Und im Studentenwohnheim konnte ich keinen Platz ergattern, darum WG-Gründung.

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mintyapple 23.01.2019, 16:31
36. Luxusprobleme

Das Bafögamt war der größte Aufreger während meines Studiums; ich kann die Erfahrungen bzgl. Bittstellertum und bürokratischer Hürden absolut nachvollziehen und könnte noch meine eigenen Anekdoten einwerfen.

Aber irgendwo muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen: das Studium ist bei uns kostenlos UND man bekommt noch ein zinsfreies Darlehen, das man nur zur Hälfte zurückzahlen muss. Studentenjobs lassen sich nutzen, um schon mal zu erkunden, in welchem Bereich man später arbeiten will. Also nicht immer nur die Schattenseiten sehen.

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haarer.15 23.01.2019, 16:32
37.

Zitat von meine_ansicht
Es wird doch nicht ernsthaft irgendwer wollen, dass man vom Staat einfach nur Geld bekommt, weil man eine Immatrikulationsbescheinigung hat? Und natürlich muss man deshalb nachweisen, dass die Eltern nicht für einen aufkommen können oder wollen. Sonst müsste keiner mehr Harz !V beantragen, sondern lässt sich in ein Fach ohne NC einschreiben und klagt über das schlecht Verhältnis zu seinen Eltern. Spätestens, wenn sich jemand, der mit über 30 noch mal anfangen will zu studieren, ungerecht behandelt fühlt, weil er von der Solidaritätsgemeinschaft immernoch nicht genug Geld bekommt, dann finde ich das nicht mehr lustig, sondern traurig. Und wenn man das Bafög elternunabhängig machen will, dann müsste man auch anfangen es zu belohnen, wenn man nebenher arbeitet und in der Regelstudienzeit bleibt. Wieso beschweren sich alle drei, dass sie neben dem Studium noch arbeiten müssen? Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jeder studiert für sich und sein Interesse an dem Thema und seiner Karriere. Der Staat leistet hier schon mehr als genug durch mehr oder weniger kostenfreie Studiengänge. Wer mehr will ist genau das was die letzte Dame aus irgendwelchen Gründen meint nicht zu sein: Ein Bittsteller. Ob die Dame sich dabei dumm fühlt ist nun wirklich ihr Problem.
Ich verstehe die Studenten. Weniger Bürokratie wäre schon angesagt. Dass z. B. der Vater keinerlei Kontakt mehr zu seiner Tochter wünscht, sollte das Amt beim ersten Mal schon schnallen - als dann ewig nachzutarocken. Unterstellungen aus dem Nichts heraus sind schon gar nicht angebracht.

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lars.nitsch 23.01.2019, 16:35
38. Bittsteller Student

Schade, dass sich da im Vergleich zu meinem Studium vor zwanzig Jahren anscheinend nichts geändert hat. Wenn mal einer meiner geschiedenen Eltern einen Nachweis verplempert hat, musste ich den Canossagang aufs Bafög-Amt antreten, wo immer die gleiche Sachbearbeiterin vor einer aufgeschlagenen Zeitung saß und mich zur Schnecke gemacht hat. Obwohl seit Jahren klar war, dass meine Eltern keine nennenswerte Kohle haben. Irgendwann wurde mir das Ganze zu blöd und ich habe mehr gejobbt und kein Bafög mehr beantragt. Kürzer wurde meine Studiendauer dadurch nicht. Ein Vorteil bleibt: Wer einmal einen Bafög-Antrag ausgefüllt hat, den kann die Steuererklärung nicht mehr schrecken.

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proeurope2016 23.01.2019, 16:46
39.

Ich kann mich den Studenten im Artikel nur anschließen .. ich habe es gehasst, so dermaßen abhängig zu sein vom Wohlwollen meiner Sachbearbeiterin.. jedes Jahr den gleichen Antrag zu stellen, macht überhaupt keinen Sinn .. warum konnte man nicht die Änderungen einfach einreichen? Dann das lange Warten bis das Geld da war, erreicht hat man dort sowieso niemanden und wehe man hat sich beschwert .. Ich war extrem abhängig vom Geld, aber das hat die dort nicht interessiert. Würden die Mitarbeiter mal einen Monat auf ihr Gehalt verzichten?
Aber bei der Rückzahlung sollte dann alles bitte schnell gehen.. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich das meinen Kindern ersparen kann!

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