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Studentin mit Selbstzweifeln: Seit dem Tod meines Vaters gelingt mir nichts mehr
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Sie will Dolmetscherin werden, startet voller Elan ins Studium. Dann stirbt der Vater unserer Autorin - und plötzlich scheint sich die ganze Uni gegen sie verschworen zu haben.

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cto74 14.04.2017, 12:56
30. Rechtswidrig

Ich bin selbst Prüfungsausschussvorsitzender an einer FH. Zur Beruhigung für alle Studierenden und Aspiranten: Wenn die Geschichte so stimmt, wie sie hier berichtet wird, so haben hier mehrere Institutionen der betreffenen Universität rechtswidrig gehandelt. Die Studentin hätte in diesem Fall direkt von jedem Gericht Recht bekommen. Das betrifft auch die Aussagen von Lehrenden zum Thema "Bachelorarbeit", auch wenn die nicht so leicht justiziabel sind. -- Normale Professoren und normale Prüfungsausschüsse handeln nicht so. Sie handeln im Interesse der Gerechtigkeit und im Interesse der Studierenden, und das müssen sie auch nach grundgesetzlicher Verpflichtung. -- Wie gesagt: Wenn die Geschichte so stimmt, wie hier berichtet.

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lu2707 14.04.2017, 13:06
31. Es geht auch anders

Mein herzliches Beileid an die Autorin. Ich habe zum Glück an meiner Uni eine andere Erfahrung machen können. Während einem Blockseminar habe ich von dem Suizid eines Familienmitglieds erfahren, hab zu meinem Sitznachbar gestottert dass ich aus dem Saal raus muss, Suizid.. nix ging mehr. Der Kommilitone gab dem Prof Bescheid nach dem Seminar. Der Professor schrieb mir von sich aus eine Mail, sagte mir dass das Blockseminar trotz der Hälfte als bestanden gilt und bot mir Hilfe an falls ich oder meine Familie psychologische Hilfe bräuchten. Die Hausarbeit hab ich einfach nicht geschafft danach zu schreiben. Er meldete sich nach Ablauf der Frist und bot mir an, sie unter der Hand fertig zu schreiben und er korrigierte sie nächstes Semester ohne Zweitversuch. Ich war sehr sehr dankbar und bin es bis heute. Ihre Dozenten waren unglaublich inkompetent und unmenschlich. Da trifft Sie absolut keine Schuld! Ich hoffe Sie können weiter ihren Weg gehen und nach vorne blicken!

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irgendeinleser 14.04.2017, 13:12
32.

Zitat von cto74
Ich bin selbst Prüfungsausschussvorsitzender an einer FH. Zur Beruhigung für alle Studierenden und Aspiranten: Wenn die Geschichte so stimmt, wie sie hier berichtet wird, so haben hier mehrere Institutionen der betreffenen Universität rechtswidrig gehandelt.
Das sehe ich auch so. Ich war ebenso jahrelang Vorsitzender eines PAs an einer Uni und meine Frau macht das an einer FH. Ähnliche Fälle konnten konnten wir immer irgendwie für den betroffenen Studierenden regeln. Der hat seine Rechte und auch darüber hinaus kann man noch eine Menge im Rahmen seiner Gestaltungsspielraum regeln.

Ich muss aber zugeben das ich an Universitäten große Spannbreiten von Servicebereitschaft gegenüber den Studierenden erlebt habe, im Positiven wie im Negativen. Zudem kennen die Studierenden als junge Menschen nicht ihre Rechte. Auch Professoren (und andere Dozenten) sind nicht immer über die Regelungen und Entscheidungsfreiräume im Bilde, selbst bei Prüfungsauschussmitglieder herrschen da manchmal vage Vorstellungen. Insofern halte ich diese extrem erscheinende Geschichte für leider nicht unmöglich.

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Robeuten_II 14.04.2017, 13:23
33.

Zitat von hagenlaw
Leider hat die Studentin hier doch vieles falsch gemacht. Bevor sie überhaupt auf Mitleid gesetzt hätte, hätte sie sich juristisch beraten lassen müssen. Dann hätte sie erfahren, dass Trauer allein kein Grund für die NIchtteilnahme an einem Seminar ist. Vielmehr muss sie schon Krankheitswert besitzen, also Depressionen. Sie wäre nach der Beratung dann zum Arzt gegangen, hätte sich krank schreiben lassen und ein entsprechendes ärztliches Attest vorgelegt. Sie hätte sich dann garnicht erst mit ihrer Dozentin auseinandersetzen müssen. Auch wenn sie dies nicht gemacht hätte, hätte sie sich nach Nichtzulssung zur Prüfung besser an einer anderen Uni eingeschrieben, dort nochmal 1 - 2 Semester studiert, sodass sie mit der befangenen Dozentin nichts mehr zutun gehabt hätte. Dann hätte sie bessere Chancen gehabt. Nun studiert sie was anderes und wer weiß, wofür das gut ist. Vielleicht wird sie damit ja glücklicher.
Absolut richtig; es sei noch die Vermutung angemerkt, daß, bis die junge Frau das Trauma nicht aufgearbeitet hat, ihr auch an einer anderen Uni in einem anderen Studiengang Ähnliches widerfahren wird....

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steffen.ganzmann 14.04.2017, 14:00
34. Tut mir leid, Herr Kollege!

Zitat von Take it or leave it
[...] Ich musste als Hausarzt diese widerlichen Schnüffelformulare schon einige Male zähneknirschend ausfüllen und habe den Studenten immer geraten, sich juristisch dagegen zu wehren.
Mir kamen diese Dinger zwar noch nie unter, aber ich hätte mich strikt geweigert, sie auszufüllen. Zufällig bin ich auch noch Jurist und weiss demnach, was das ist:
Nämlich nur bedrucktes WC-Papier ohne jede rechtliche Grundlage ...

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steffen.ganzmann 14.04.2017, 14:29
35.

Zitat von cto74
Ich bin selbst Prüfungsausschussvorsitzender an einer FH. Zur Beruhigung für alle Studierenden und Aspiranten: Wenn die Geschichte so stimmt, wie sie hier berichtet wird, so haben hier mehrere Institutionen der betreffenen Universität rechtswidrig gehandelt. Die Studentin hätte in diesem Fall direkt von jedem Gericht Recht bekommen. Das betrifft auch die Aussagen von Lehrenden zum Thema "Bachelorarbeit", auch wenn die nicht so leicht justiziabel sind. -- Normale Professoren und normale Prüfungsausschüsse handeln nicht so. Sie handeln im Interesse der Gerechtigkeit und im Interesse der Studierenden, und das müssen sie auch nach grundgesetzlicher Verpflichtung. -- Wie gesagt: Wenn die Geschichte so stimmt, wie hier berichtet.
Ich gebe Ihnen Recht. Ich absolvierte zwei Studien nacheinander und fühlte mich bei unseren Professoren immer gut aufgehoben mit meinen Problemen und Problemchen.

Ein - zugegeben kindisches, aber ich war damals auch erst holde 21 - Beispiel:
Ich hatte einen Hund, der mich überall hin mitbegleiten wollte, auch in die Uni.. Also ging ich zu unserem Dekan und bekam tatsächlich seine Genehmigung, den Hund - und das war kein kleines, possierliches Hundchen sondern einer mit über 70 cm Stockmass - mitbringen zu dürfen, wenn
1.: der Dozent zustimmte und
2: der Hund ruhig wäre und niemanden stören würde.

Die Dozenten stimmten zu, lustigerweise setzte sich meine Hündin fast immer neben den Dozenten (ich halte nichts von Hundeleinen) und hörte ihm aufmerksam zu. Einer meinte dann sogar im Scherz, eigentlich solle sie die Abschlussklausur ja problemlos mitschreiben können, sie habe besser ausgepasst als so mancher meiner Kommilitonen ...

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sinasina 14.04.2017, 15:04
36. Und was das Anzweifeln der geschilderten mehrfachen Ereignisse betrifft:

Vor einigen Jahren hat meine Freundin ihrem Enkel zwei Auslandssemester finanziert. Bei seinen Anrufen war ich oft dabei, weil seine Berichte so spannend für uns waren. Sehr beeindruckend auch die gute Betreuung durch Dozenten und Professoren, die Studenten nicht (wie in Deutschland offenbar zunehmende üblich) als lästiges Grobzeug betrachten. Sondern als zukünftige Kollegen, deren bestmögliche Förderung allen nützt.
*
Kehrseite der Medaille: Ein Studium ist dort sehr teuer, viele Mittelstandseltern schließen schon bei Geburt eines Kindes einen Art Versicherung ab, um gegebenenfalls später das Studium der Kinder finanzieren zu können. Allerdings gibt e auch sehr viele Möglichkeiten, ein Stipendium zu erhalten, so dann auch der Enkel meiner Freundin. Der zum Kummer meiner Freundin nicht mehr zurückgekommen ist - aber wenn man den Bericht der Studentin liest, kann man ihm zu seinem Entschluss nur gratulieren.
*
Und was das Anzweifeln der geschilderten mehrfachen Ereignisse betrifft:
In der Biologie sind viele ähnliche Beobachtungen beschrieben worden. In einem Rudel (sowohl Wölfe, Hunde, Affen) wird ein Rudelmitglied durch ein Ereignis (z.B. vorübergehende Krankheit) geschwächt. Die tatsächliche (oder vermeintliche) Schwäche wird von den anderen Rudelmitgliedern ausgenutzt (Tier wir beim Futter weggedrängt), was weitere Ereignisse nach sich zieht > zu wenig Futter > immer schwächer > kann Platz nicht behaupten > wird immer mehr gemoppt etc.
*
Die Dozentin ist jedenfalls ein Beispiel dafür, wer an einer Uni nichts verloren hat.
Der Studentin hingegen wünsche ich viel Kraft - denn ja, es gibt Zeiten im Leben, wo sich Negatives die Türklinke in die Hand zu geben scheint.

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touri 14.04.2017, 17:07
37.

Zitat von explorer666
....die Dame einer selbstsändingen Arbeit nachgehen würde, damit Ihren Lebensunterhalt bestreiten müßte? Würde Sie dann Ihren Kunden auch sagen das sie die nächsten 3 Monate doch nicht wie geplant "liefern" würde? Oder oder oder..., das mag ja schlimm sein, aber wenn man Erwachsen ist und Veranwortung hat - und das hat man als Stundent eben auch schon - dann muss man sich halt am Riemen reißen. Wenn mein Chef Morgen kommen würde und die nächsten Monate nicht wüßte ob der kommt oder nicht, ob er Angebote schreibt oder nicht, ob er Rechungen schreibt oder nicht - dann hätte ich auch kein Versvtändnis und auch unsere Kunden nicht. Die haben ja schbon Monate vorher eine Vertrag abgeschlossen, Kredite aufgenommen, vorbereitungen getroffen usw......, also wenn die Prof. schon sagt das sie dann nicht zugelassen wird, dann wußte sie ja vorher was kommt und muss sich hinterher nicht beschweren.
Ich glaube Sie haben nie studiert. Es ist ein großer unterschied zwischen einem normalen Bürojob nachzugehen, bei dem man mit etwas Erfahrung kaum noch groß nachdenken muss und zu studieren, wo man sich jeden Tag hochkonzentriert neues Wissen reinprügeln muss. Und ja ich kenne beide Seiten. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass ein normaler Job sogar ganz hilfreich ist, weil sie sich einfach ablenken können. Höchstleistungen werden Sie jedoch für 1-2 Wochen nach einem emotional nahen Todesfall trotzdem nicht erbringen.

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isar56 14.04.2017, 17:52
38. Attest

Betroffenen rate ich dringend zu einem ärztlichen Attest. Ich habe vor vielen Jahren meine krebskranke Mutter in den Tod begleitet, 13 Jahre später meinen jüngeren Bruder. Obwohl ich öffentlich nie weinte, gingen mir Menschen aus dem Weg. Drei Monate nach dem Tod meines Bruders, fragte mich eine "ach-so-emotionale Bekannte, wie es mir gehe. Ich antwortete, der Tod meines Bruders mache mir zu schaffen. Antwort :" Aber das ist doch schon so lange her." Ich unterstelle keinen bösen Willen, aber Achtlosigkeit und fehlende empathische Kompetenz.
Mädchen/ Jungs, lasst Euch krank schreiben. Trauer ist keine Krankheit, sondern natürlich und schwächt.
Sofern einer besagter Dozenten sich in dem Artikel wiederfindet, kann ich nur schreiben:" Schämt Euch in Grund und Boden."

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fastobjektivolli 14.04.2017, 18:57
39.

Während ich den Bericht las, packte mich die Wut, die erstgenannte Dozentin hatte ich gedanklich schon am Kragen gepackt. Vielleicht liegt es daran, dass ich momentan nicht ausgeglichen bin. Na ja, jedefalls war die Behandlung an der Uni eine Schande, andererseits bewundere ich die Autorin, die ihren Weg weitergegangen ist.

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