Forum: Leben und Lernen
Studentin mit Selbstzweifeln: Seit dem Tod meines Vaters gelingt mir nichts mehr
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Sie will Dolmetscherin werden, startet voller Elan ins Studium. Dann stirbt der Vater unserer Autorin - und plötzlich scheint sich die ganze Uni gegen sie verschworen zu haben.

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iseg 14.04.2017, 19:24
40. Leider läuft es genau so

Als Hochschullehrerin kann ich diesen Erfahrungs-und Leidensbericht nur bestätigen. Leider läuft es heutzutage so - in vielen Fällen. Bitter und unmenschlich. Die junge Frau hat das Richtige getan: Ihrem Bedürfnis,den geliebten Vater zu bestatten,nachzugehen. Nach so viel Pech wünsche ich der gebeutelten Studentin viel Glück.

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kezia_BT 14.04.2017, 21:51
41. Das war die falsche Uni -

wenn sich bei uns ein Dozent so verhalten würde, würde er / sie in nullkommanichts vor dem Studiendekan zu erscheinen haben. Dann ist da das Prüfungsamt, das sich um Klausureinsicht kümmert. Gibt es an dieser Uni weder einen Studiendekan noch ein Prüfungsamt ? Dann gehört ihr die Lizenz entzogen.

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goodcharlotte 15.04.2017, 06:40
42. Diskriminierendes Bildungssystem

Ich denke, der Bericht spiegelt auch wider, warum Nichakademiker- Kinder es schwieriger an der Uni haben. Es geht gar nicht ums Lernen, sondern ums Taktieren, Netzwerke knüpfen, Infos rauskriegen etc. Sich ein Attest holen, obwohl man sich nicht krank fühlt, sondern traurig, wäre auch eine Taktik. Die Uni sollte ein Ort sein, wo man so etwas lernt. Positiv und nicht durch Leid. Solange das so ist, diskriminiert unser Bildungssystem - unnötig.

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maxmart 15.04.2017, 09:11
43. Akkreditierung von Hochschulen

Ich bin oft Mitglied von Gutachterteams für Hochschulakkreditierungen. Diese überprüfen umfassend die Qualität von Forschung und Lehre der Hochschulen und sind mitverantwortlich für die Erlaubnis, dass Hochschulen ihren StudentInnen gültige Credit Points (ECTS) vergeben dürfen. In unseren Teams sind neben ProfessorInnen - natürlich anderer Hochschulen - auch immer ein/e studentische/r VertreterIn und ein/e VertreterIn der sog. Berufspraxis dabei, deren Hauptaufgabe darin besteht, die sog. Studierbarkeit und Berufstauglichkeit zu prüfen. Dazu wird immer auch mit StudentInnen der Studiengänge gesprochen. Allerdings werden die meist von der Hochschulleitung für eingeladen...
Falls wir von einem solchen Fall wie diesem hier hören würden, würden wir den prüfen und ggf. die Fortsetzung des Studienganges nur unter solchen Auflagen empfehlen, deren Umsetzung nachzuweisen ist. Konkret: Eine Studienordnung wie im beschriebenen Fall würde als "nicht studierbar" eingestuft.
Ich habe noch nie von einem "Fall" wie diesem gehört.
Martin Luckmann

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hemithea 15.04.2017, 09:57
44. an kezia_bt

Ich musste bei einem Dozenten, meine Klausureinsicht mit dem Anwalt durchsetzen.
Ich hatte an dem offiziellen Einsichtstermin eine andere Prüfung und hatte dies schriftlich als Entschuldigung vorgelegt. In solchen Fällen sieht unsere Studienordnung eigentlich vor, dass ein Ausweichtermin vereinbart wird.
Es wurde mir aber nicht gestattet, auch der Dekan meinte nur kurz "Sie haben doch bestanden, was wollen Sie."

Erst ein Anwalt konnte mir dann helfen.

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noregrets 15.04.2017, 11:38
45. Willkommen im wahren Leben

Ich habe da kaum Verständnis für die Autorin. Und wenn sie sagt Familie vor Ausbildung muss sie halt mit den Konsequenzen leben. Heutzutage studiert sowieso jeder Hinz und Kunz bzw. Krethi und Plethi, ich habe sowieso keine Ahnung was wir in Zukunft mit dieser Masse anfangen sollen? Leider zunehmend Quantität statt Qualität.

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mayazi 15.04.2017, 14:12
46. Ach

Das finde ich am schwersten zu ertragen: dass es Menschen gibt, die sich ohne jeglichen vernünftigen Grund so verhalten wie diese Dozentin und die nachfolgenden Profs. Unmenschlich, brutal, böse, heimtückisch, ihre Macht missbrauchend. Da diese Geschichte noch nicht so lange her ist könnte es gut sein, dass die Sache noch nicht verjährt ist. Dann könnte es sich doch noch lohnen für die Studentin, mit dem Herrn von Kommentar 64 Kontakt aufzunehmen. Und sich mit anwaltlicher Hilfe zu wehren. Die Dozentin hat verboten falsch gehandelt und dadurch nicht unerheblich Kosten verursacht.

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isar56 15.04.2017, 15:27
47.

Zitat von noregrets
Ich habe da kaum Verständnis für die Autorin. Und wenn sie sagt Familie vor Ausbildung muss sie halt mit den Konsequenzen leben. Heutzutage studiert sowieso jeder Hinz und Kunz bzw. Krethi und Plethi, ich habe sowieso keine Ahnung was wir in Zukunft mit dieser Masse anfangen sollen? Leider zunehmend Quantität statt Qualität.
Sie sprechen ein ganz anderes Problem an. Wäre die Trauer um den Vater bei einer Ausbildung zur Schreinerin eine Andere?
Auch eine Ausbildung ohne Studium ist mit hohen Anforderungen in Theorie und Praxis verbunden. Und nach einem schweren Verlust sofort wieder voll leistungsfähig zu sein, halte ich für unwahrscheinlich. Nach dem Tod meines Bruders war jeder Tag ein Kampf ums Durchhalten. Und während der ersten Wochen meiner Trauer, hatte sich während des Arbeitstages so viel Schmerz angestaut, dass beim Heimkommen erst mal eine viertel Stunde "abweinen" angesagt war.

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steffen.ganzmann 15.04.2017, 15:36
48. Es gibt auch nette Professoren in Deutschland!

Zitat von sinasina
Vor einigen Jahren hat meine Freundin ihrem Enkel zwei Auslandssemester finanziert. Bei seinen Anrufen war ich oft dabei, weil seine Berichte so spannend für uns waren. Sehr beeindruckend auch die gute Betreuung durch Dozenten und Professoren, die Studenten nicht (wie in Deutschland offenbar zunehmende üblich) als lästiges Grobzeug betrachten. Sondern als zukünftige Kollegen, deren bestmögliche Förderung allen nützt. * Kehrseite der Medaille: Ein Studium ist dort sehr teuer, viele Mittelstandseltern schließen schon bei Geburt eines Kindes einen Art Versicherung ab, um gegebenenfalls später das Studium der Kinder finanzieren zu können. Allerdings gibt e auch sehr viele Möglichkeiten, ein Stipendium zu erhalten, so dann auch der Enkel meiner Freundin. Der zum Kummer meiner Freundin nicht mehr zurückgekommen ist - aber wenn man den Bericht der Studentin liest, kann man ihm zu seinem Entschluss nur gratulieren. * Und was das Anzweifeln der geschilderten mehrfachen Ereignisse betrifft: In der Biologie sind viele ähnliche Beobachtungen beschrieben worden. In einem Rudel (sowohl Wölfe, Hunde, Affen) wird ein Rudelmitglied durch ein Ereignis (z.B. vorübergehende Krankheit) geschwächt. Die tatsächliche (oder vermeintliche) Schwäche wird von den anderen Rudelmitgliedern ausgenutzt (Tier wir beim Futter weggedrängt), was weitere Ereignisse nach sich zieht > zu wenig Futter > immer schwächer > kann Platz nicht behaupten > wird immer mehr gemoppt etc. * Die Dozentin ist jedenfalls ein Beispiel dafür, wer an einer Uni nichts verloren hat. Der Studentin hingegen wünsche ich viel Kraft - denn ja, es gibt Zeiten im Leben, wo sich Negatives die Türklinke in die Hand zu geben scheint.
Ich war im Innere-PJ gerade mal eine Woche in der Privatstation Onkologie (offiziell hämatologische Pflegestation) bei Prof. Mertelsmann. Danach wurde ich auf eine personell völlig unterbesetzte (ein Assistenzarzt, ein AiP; später 2 AiPs) onkologische Pflegestation versetzt (war auch richtig so, auf der Privatstation traten wir uns gegenseitig auf die Füsse, so viele waren wir, ich glaube 1 Oberarzt, 3 Assistenten, 2 AiPs und 2 PJler bei weniger Patienten, da durfte man als PJler fast garnichts alleine machen), so sahen wir uns nur noch dreimal bei der monatlichen Chefarztvisite.

Gute 10 Jahre später traf ich ihn zufällig in einem Museum wieder und er kannte tatsächlich noch meinen Nach- und sogar Vornamen sowie den meiner Frau, von der ich ihm allerhöchstens zweimal in den 4 Monaten etwas erzählt hatte.

10 Jahre! Wie viele PJler mag er in dieser Zeit gehabt haben, wie viele Studenten hatten wohl seinen Weg gekreuzt?! Und wahrscheinlich kennt er noch immer den Namen jedes einzelnen von uns ...

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steffen.ganzmann 15.04.2017, 15:51
49. P.s.

Ein weiteres Beispiel: Im dritten, mündlichen Staatsexamen hatte ich den leitenden Oberarzt der Allgemeinchirurgie Prof. Rückauer als Prüfer. In allen meine 5 Nachtdiensten im chirurgischen Drittel hatte ich ihn als diensthabenden Oberarzt. Also sah er mich genau fünfmal. Dennoch begrüsste er mich beim Examen mit Namen und meinte noch "Schön, bei acht Leuten (4 Prüfer, 4 Prüflinge) wenigstens ein bekanntes Gesicht zu sehen!" Ok, konnte auch nur simpler small talk gewesen sein (jeder Prüfer informiert sich ja vorher intensivst über seine Prüflinge), aber es tut einfach sehr gut vor dem alles entscheidenden Examen ...

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