Forum: Leben und Lernen
Studentische Wohnungsnot: "Das Zimmer war zwei Meter hinter der Fleischtheke"
DPA

Ein Holzpavillon im Garten, Schimmel und Salpeter an den Wänden - und das alles für Hunderte Euro pro Monat: Hier berichten SPIEGEL-Leser von ihren schlimmsten Erlebnissen während der Zimmersuche in Uni-Städten.

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unpolit 17.10.2018, 07:13
10. Halbhirne

Wenn ich mir die ersten Foren-Beiträge durchlese, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Man muss ja nicht in München studieren. Hotel Mama verlassen kostet nun mal. Die werden doch wohl auch mal ne Stunde in die Uni fahren können....
Darüber, dass es offensichtlich Zeitgenossen gibt, die die Not einfach ausnutzen, und ich finde, hier ist oft der Tatbestand des Wuchers erfüllt, schreibt keiner. Aber wenn es um die eigene Miete geht, da sieht die Welt gleich anders aus!

Sicher gibt es Studenten, denen das süße Leben wichtig ist. Aber die haben die Probleme nicht, da ist genug Kohle da. Für die Kinder, deren Eltern nicht einfach so mal jeden Monat nen 1000er locker machen können, für die ist das ein Problem. Weil diese haben dann deutlich schlechtere Studienbedingungen.

Wenn ich ein Haus mit 3 Wohnungen bauen will, dann muss ich 4,5 Stellplätze nachweisen. Weil die Mieter ihr Auto irgendwo abstellen müssen. Warum kann ich das nicht auch bei Unis so machen. Mindestzahl an Wohnheimplätzen. Dann nehmen wir einfach mal ein paar Euronen in die Hand und bauen ein vernünftig ausgestattetes Wohnheim. Für einen gewissen Prozentsatz der Studenten. Das nimmt den Druck vom Markt. Und unterbindet solchen Wucher!

Aber so lange unsere Politiker die hier veröffentlichten Meinungen lesen, so lange ist alles in Butter. Neid, Missgunst, Kurzsichtigkeit. Aber die Studierten werden einen Anteil haben, unseren Erfolg in der Zukunft zu sichern. Genau wie das Handwerk. Da aber schlägt man auf die Betriebe ein, wenn die keine Lehrlinge finden. Und bei denen ist es übrigens Usus, dass die Bildungseinrichtungen über Quartiere verfügen.

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unpolit 17.10.2018, 07:16
11. Die Konsequenz

Zitat von weltraumschrott
Wer unbedingt in "schicken" Städten wie München oder Berlin studieren will, muss halt den Preis dafür bezahlen. Wer hingegen in Leipzig oder Greifswald studiert, bekommt auch bezahlbaren Wohnraum ohne Probleme.
Unis in schicken Städten zu machen, oder?

Jetzt müssen sie nur noch die Profs nach Greifswald, Chemnitz und Bielefeld bekommen.

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eastcape 17.10.2018, 07:29
12.

Egal, wie "schick" und angesagt die Stadt ist, junge Leute und ihre Eltern über die Schmerzgrenze hinaus finanziell auszunehmen, weil man irgendwo noch eine verschimmelte Kammer anzubieten hat, geht gar nicht. Da ja offensichtlich von alleine nicht mehr auf Vernunft und Fairness zu setzen ist, MUSS der Gesetzgeber regulierend eingreifen. Aber die zuständigen Politiker scheinen im Dämmerschlaf zu liegen.

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c.PAF 17.10.2018, 07:43
13.

Hm, wie schön war doch mein Studium in den 90ern in Bayern (nicht München).

Erste Bude: über Bekannte 120qm in einer Top ausgebauten Scheune, 2 Wohnebenen, allerdings 15km zur FH für 100.- DM warm (!). Jedoch befristet auf 1 Jahr, da die Wohnung dann benötigt wurde.

Zweite Bude: ein Wohnwagen mit 23qm Wohnfläche, Wasseranschluß und Telefonanschluß selbst eingebaut, den ich bei einem Studienkollegen kostenlos im Garten aufstellen durfte. 800m zur FH. Wohnwagen nach 1 Semester mit Gewinn verkauft und umgezogen in die...

Dritte Bude: Dachgeschoßwohnung 35qm für 350.- DM warm. 1,5km zur FH. 2 Jahre dort gewohnt, mit Freundin aber irgendwie zu klein.

Vierte Bude, in der ich dann 6 Jahre gelebt habe: altes Bauernhaus mit Holzöfen, 140qm Wohnfläche, 400.- DM kalt. 3km zur FH bzw. später 5km zum Bahnhof, von dem aus es in die Arbeit nach München ging.

Probleme, eine Unterkunft zu finden hatte ich nie, die Kosten waren zudem immer sehr übeschaubar. München oder eine andere Großstadt habe ich nie vermißt. Im Gegenteil, 3 Monate in Schwabing 1990 haben mir mehr als gereicht...

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spon_6562341 17.10.2018, 08:50
14. Ansprueche der Studenten sind ein wenig zu hoch

Klar, hier in Freiburg sind die Mieten sehr hoch und fuer manche Familie unerschwinglich. Fuer solche Faelle (Familien) kann ich das Klagen mehr als nachvollziehen.

Aber wenn ich mir das als Studierender nicht leisten kann, dann studiere ich halt _nicht_ in Muenchen, Fankfurt, Hamburg, Freiburg, Koeln usw. sondern eher in Goerlitz, Dresden, Leipzig. etc. So habe ich das gemacht. Die Studierendenbetreuung ist auch heute noch im Osten weitaus besser als wir Wessis uns das i.A. vorstellen! Ich selbst habe zuerst in Heidelberg studiert, allerdings guenstig in einem Vorort gelebt, der Strassenbahnanbindung hatte. Als ich dann nach DD kam habe ich einfach nur gestaunt. Das Studentenwerk hat sich bei mir entschuldigt, mit vorlaeufig nur eine Zweizimmerbude anbieten zu koennen. Zwei Wochen spaeter hatte ich mein Einzelzimmer, das war 2003. 100MBit Standleitung ins Uninetz, 15qm, 80EUR. Heute sicher teurer, aber Bekannte berichten von ~150EUR. Und DD ist ja im Ostvergleich noch teuer...

Also nicht rumheulen, sondern einfach mal gucken, wo man guenstig leben kann. Und wer tatsaechlich denkt, er braucht fuer eine erfolgreiche Karriere unbedingt den abschluss einer 'Eliteuni', naja, der muss dann halt auch mit den Lebenshaltungskosten gehoerig draufzahlen.

Die Uni in DD war ob der geringeren Studierendenzahlen ueberigens in der Lehre weitaus besser aufgestellt, meiner Meinung nach, als in HD, dieser riesigen Massenuni.

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Koda 17.10.2018, 09:04
15. Ich hatte wohl ein Riesenglück gehabt 1993

in Köln ein Zimmer gefunden für 325 DM auf einem Flur mit sechs anderen Zimmern MITTEN in der Innenstadt. Konnte alles zu Fuß erreichen.
Es gab allerdings -typischer Altbau des 19. Jhdts. -keine Zentralheizung, es gab für alle eine Dusche mit Bad in einem Raum, dafür hatte jedes Zimmer einen eigenen Wasseranschluss.
In Anbetracht dessen paradiesisch im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen.
Als Student/Studentin sollte man keinen Palast erwarten aber auch keine Wucherpreise.
Wer einen Holzpavillon mit Dusche & Bad im Garten vermietet oder einen ehemaligen Lagerraum und man dann noch Persönliches im Kühlfach der Angestellten teilen etc.... nutzt wirklich die Notlagen junger Leute schamlos aus.

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lynx999 17.10.2018, 09:47
16. Wohnungsnot nicht noch durch Studenten fördern!

Es ist klar: Unistädte sind ein teures Pflaster. Aber muss man die Wohnungsknappheit - ja gar Not noch weiter befeuern indem man die Unis und Hochschulen in den großen Städten weiter so massiv fördert und immer weiter ausbaut?
Die Uni Heidelberg z.B. hatte im Wintersemester 2001/02 "nur" rund 24.147 Studierende. Im Wintersemester 2017/18 sind es 29.689. Das ist eine Steigerung um fast 23% in dem Zeitraum! Warum muss das so sein? Warum kann man nicht bei einer solchen akuten Wohnungsnot die Studierenden in andere Städte umleiten, ja vielleicht sogar Studiengänge komplett an andere Standorte verlegen? Alle sprechen von der Landflucht als großes Problem. Würde man gezielt Unistudiengänge auch in ländlicheren Gebieten anbieten, so hätte dies langfristig einen Zuzug junger Menscher zur Folge, Familiengründungen, Unternehmensgründungen und somit allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung. Warum wird das nicht genutzt?

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salubrious-herb 17.10.2018, 09:49
17.

Zitat von weltraumschrott
Wer unbedingt in "schicken" Städten wie München oder Berlin studieren will, muss halt den Preis dafür bezahlen. Wer hingegen in Leipzig oder Greifswald studiert, bekommt auch bezahlbaren Wohnraum ohne Probleme.
Das liegt nicht unbedingt an den schicken Städten, sondern daran, dass es in diesen Städten die meisten Hochschulen gibt. Allein in Berlin sind es über 40, in Chemnitz genau eine. Außerdem sucht man sich doch auch gerne die besten Unis aus, und die sind nun mal in den "schicken" Städten. Wo sind denn die ganzen Exzellenz-Unis? Nicht in Leipzig, Magdeburg und Osnabrück.

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andrea-kuschel 17.10.2018, 10:27
18. von Hotel Mama zu Hotel Papa Staat?

Zitat von weltraumschrott
Wer unbedingt in "schicken" Städten wie München oder Berlin studieren will, muss halt den Preis dafür bezahlen. Wer hingegen in Leipzig oder Greifswald studiert, bekommt auch bezahlbaren Wohnraum ohne Probleme.
es gibt so vieles, was ich mir nicht leisten kann. Und da mache ich mich nicht lächerlich und rufe nach der helfenden Hand von Papa Staat...
Es kann halt nicht jeder in angesagten Szenevierteln oder super teuren Städten wohnen. Es gibt außerhalb davon ausreichend preiswerten Wohnraum. Und es gibt erstklassig bewertete Universitäten außerhalb von München oder Berlin.
Kinder, hört einfach auf zu jammern

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irgendeinleser 17.10.2018, 11:22
19.

Zitat von andrea-kuschel
Und es gibt erstklassig bewertete Universitäten außerhalb von München oder Berlin.
Aber, wie schon zuvor im Forum erwähnt, nicht für alle Studiengänge. Zum Beispiel für Tiermedizin hat man nur 5 Unis in Deutschland zur Auswahl. Darunter ist zwar Leipzig, aber wenn man dort nicht zugelassen wird (Tiermedizin hat gewöhnlich einen härteren NC als Humanmedizin), bliebt einem noch die Wahl zwischen Gießen, Hannover, Berlin und München.

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