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Studie: Angehende Lehrer lernen zu wenig über Ganztagsschulen
DPA

Zwei von drei deutschen Schulen bieten inzwischen Ganztagangebote an. Die meisten Lehramtsstudenten sind nicht ausreichend darauf vorbereitet, warnen Experten.

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nihbr 31.05.2017, 17:26
1.

Lehrkräfte brauchen keine Extra-Ausbildung für den Nachmittag. Am Nachmittag findet nicht einfach nur Betreuung, sondern auch Fachunterricht statt. Lehrkräfte haben alle eine pädagogische Ausbildung und sind auch jetzt schon in der Lage mit Sozialkräften zusammenzuarbeiten.
Der Artikel hat eine ideologisch-programmatische Intention. Und zwar so: Lehrkräfte sollen über Ganztag verstärkt unterrichtet oder gar indoktriniert werden, damit sie dann verstärkt für Ganztag eintreten und ihre Schulen durch solche Beschlüsse dazu bringen, auf Ganztag umzustellen. Und dann stellt sich das Wunschbild des Autors und der veröffentlichten linkspolitischen Meinung ein: Ganztag als Beglückung für Alle. Es gibt aber sehr viele Eltern, die keinen Ganztag wollen und für die Aufrechterhaltung von echter Wahlfreiheit sind.

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jula75 31.05.2017, 17:58
2. Was müssen sie denn da lernen?

Es gibt sehr viele Lücken im Lehrerausbildungssystem, und viele Junglehrer merken schnell, was sie so alles nicht in der Ausbildung gelernt haben, aber nun wirklich gut gebrauchen könnten. Was aber ganz sicher nicht dazu gehört, ist Ganztagsgeschäft. Was bitte soll man dafür denn lernen? Weiterführende Ganztagsschulen haben nachmittags schlicht Unterricht. Genau wie vormittags. Anders geht es angesichts der Lehrpläne und Vorgaben auch nicht. Grundschulen kooperieren mit externen Anbietern, und da hängt der Erfolg davon ab, ob die Chemie zwischen den Parteien passt oder nicht.

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siebenh 31.05.2017, 18:38
3. Wie darf man sich das denn vorstellen?

So, liebe Lehramtsstudenten. Hier ist ein echtes Exemplar so genannter Sozialpädagogen. Daneben steht ein Sportlehrer. Sehen Sie sich beide bitte genau von allen Seiten an. Es könnte sein, dass der eine Ihnen bei der Nachmittagsbetreuung helfen wird, der andere Aufsicht am Sportplatz machen wird. Außerdem lernen Sie nächste Woche einen Koch kennen, der das Essen zubereitet. Sie können sich jetzt 20 Minuten mit beiden unterhalten. Versetzen Sie sich in seine Lage. Lernen Sie, mit beiden zusammen zu arbeiten!

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Fruusch 31.05.2017, 20:35
4. ich glaube

der Artikelschreiber hat nicht wirklich verstanden, wie moderner Ganztagsbetrieb aussieht - oder er kommt aus Bayern, wo es so etwas noch nicht gibt.

Bei uns ist schlicht und einfach Unterricht von 8.00 bis 16.00 (Oberstufe bis 17.00) angesagt. Bestritten wird diese Zeit zu 99% von uns Lehrkräften, was eine enorme Zusatzbelastung bedeutet, auch wenn das Deputat auf dem Papier natürlich gleich geblieben ist. De facto heißt es aber, dass wir fürs gleiche Geld deutlich länger arbeiten müssen, da unsere Stundenpläne immer mehr zerfleddert werden und einzelne Freistunden zwischendrin kaum zur Vorbereitung des nächsten Tages genutzt werden können, so dass man damit meist erst abends beginnen kann. Kommt diese Tatsache dann auch im geforderten neuen Uni-Seminar vor?

Natürlich hat Nachmittagsunterricht seine ganz eigenen Anforderungen an Lehrer und Schüler. Dass man auf der Uni aber nicht auf die Lebensrealität im beruflichen Alltag eines Lehrers vorbereitet wird, ist seit vielen Jahrzehnten Dauerthema, geändert hat sich bisher kaum etwas daran. Man lernt halt irgendwie durch Ausprobieren, wie man mit 6. Klässlern, die völlig ausgepumpt aus dem Sportunterricht kommen, nachmittags um 15.30 Uhr noch Mathematik, Englisch oder Französisch machen kann...

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BlackRainbow666 31.05.2017, 21:35
5. der Heilsbringer

Über Ganztagsschulen muss vor allem gelernt werden, dass sie abgeschafft werden müssen - nicht die Möglichkeit zur längeren Betreuung in der Schule, aber die flächendeckende Selbstverständlichkeit, damit schön beide Eltern arbeiten gehen müssen, damit die Bezahlung soweit sinkt, dass zwei halbe oder ein ganzer Job nicht mehr reichen. Wenn die armen verwirrten Kinder vor lauter Langeweile nicht mehr wissen was sie tun sollen außer sich Smartphone-ADHS zu holen, muss nicht die Schule einspringen, sondern Freizeitgestaltung. Familie, Spiel, Sportvereine, alles Wichtige kann organisiert werden, ohne staatliche Gleichschaltungsverwahrung in der Ganztagsschule. Die wenigen guten Ganztagsschulen, die es irgendwie mit zu wenig Geld hinkriegen, den Kindern gute Angebote zu machen und eine funktionierende Gemeinschaft zu erzeugen, mögen mir verzeihen.

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Olaf 01.06.2017, 08:00
6.

Zitat von siebenh
So, liebe Lehramtsstudenten. Hier ist ein echtes Exemplar so genannter Sozialpädagogen. Daneben steht ein Sportlehrer. Sehen Sie sich beide bitte genau von allen Seiten an. Es könnte sein, dass der eine Ihnen bei der Nachmittagsbetreuung helfen wird, der andere Aufsicht am Sportplatz machen wird. Außerdem lernen Sie nächste Woche einen Koch kennen, der das Essen zubereitet. Sie können sich jetzt 20 Minuten mit beiden unterhalten. Versetzen Sie sich in seine Lage. Lernen Sie, mit beiden zusammen zu arbeiten!
So ähnlich wahrscheinlich. Muss ein Schock für die Pädagogen sein, nicht mehr als Master-next-God der einzige Erwachsene im Unterricht zu sein.

Ich frage mich dann immer, wo da die überlegene soziale Kompetenz der pädagogischen Berufe bleibt. Für jeden MINT Absolventen ist arbeiten im Team völlig selbstverständlich.

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Kerze der Freiheit 01.06.2017, 11:29
7. Nur für Erst- und Zweitklässler notwendig

Ganztagsunterricht ist nur für Erst- und Zweitklässler notwendig, und dass auch nur freiwillig für die Kinder von Eltern, wo beide nachmittags arbeiten müssen. Ab der dritten Klasse sind die Schüler alt genug, um sich selbst Brote zum Mittagessen zu schmieren. Das Nachmittagsprogramm sollte dabei nicht von Lehrern, sondern von Erziehern durchgeführt werden, da dies billiger ist und die Lehrer die Zeit zum Unterrichtsvorbereiten bzw. Klausurenkorregieren benutzen sollten. Eine Abweichung davon ist nur bei schlechten Schülern sinnvoll, um diesen ggf. Nachhilfe in Schreiben und Rechnen geben zu können.

Bei älteren Schülern ist ein schulisches Nachmittagsprogramm einfach Blödsinn. Es fehlt ihnen die Zeit zum Lernen und es müssen unnötig viele Lehrer eingestellt werden, die man ja auch erst mal finanzieren muss. Eine Ausnahme wäre hier eben nur wieder Nachhilfeunterricht durch die Lehrer für eben ausschließlich schwache Schüler.

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Kerze der Freiheit 01.06.2017, 11:31
8.

Zitat von nihbr
Lehrkräfte brauchen keine Extra-Ausbildung für den Nachmittag. Am Nachmittag findet nicht einfach nur Betreuung, sondern auch Fachunterricht statt. Lehrkräfte haben alle eine pädagogische Ausbildung und sind auch jetzt schon in der Lage mit Sozialkräften......
Dem kann ich nur vorbehaltlos zustimmen.

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ollowain13 01.06.2017, 13:29
9. Habt Ihr Sie noch alle?

Zitat von
In den Kursen müsse es darum gehen, wie die angehenden Lehrer erfolgreich mit anderen Lehrkräften zusammenarbeiten können. Denn am Nachmittag übernehmen häufig Sozialpädagogen, Honorarkräfte oder Ehrenamtliche die Betreuung der Schüler.
Aha, und die Lösung soll jetzt sein, dass dieser unsägliche Zustand, dass Schüler während einem erheblichen Teil Ihrer Schulzeit nicht von Fachpersonal unterrichtet sondern von Amateuren beaufsichtigt, sprich einfach nur verwahrt werden, dadurch zementiert wird, dass man angehende Lehrer gleich im Studium daran gewöhnt? Da wackelt doch mal wieder der Schwanz mit dem Hund. Die richtige Schlussfolgerung lautet ganz im Gegenteil: Die Länder müssen endlich ausreichend Geld für studierte Lehrkräfte in ausreichender Zahl anbieten, wenn sie eine Ganztagsschule anbieten wollen. Können oder wollen sie das nicht, dann sollen sie verdammt nochmal den Schülern nicht weiterhin die Kindheit stehlen, sondern sie mittags nach Hause schicken. Entweder kommen Ganztagsschulen auch ganztags ihrem Bildungsauftrag nach, oder es ist eben doch die falsche, weil ineffiziente Schulform.

Ich würde ein Kind niemals auf eine Schule schicken, auf der es dann von Amateuren verwaltet anstatt von Lehrern unterrichtet wird! Was soll der Quatsch? Dann sollte man doch wenigstens so ehrlich sein, dass man solche Institutionen nicht "Ganztagsschule" sondern "Schule mit Nachmittagsverwahrung durch ungeschultes Personal" nennt, denn mehr ist es nicht.

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