Forum: Leben und Lernen
Studie : Fast 50.000 Stellen fehlen für Ausbau der Ganztagsschule
DPA

Wenn 2025 acht von zehn Kindern eine Ganztagsschule besuchen sollen, muss noch viel passieren. Es fehlen Zehntausende Pädagogen, aber auch Gebäude. Eine Studie rechnet vor, wie viel das kosten würde.

Seite 1 von 4
Broko 17.10.2017, 16:57
1.

Ja, ja , die Eltern wollen die Verwahrschule - ob die Kinder die auch wollen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Freier.Buerger 17.10.2017, 17:45
2. Kinder brauchen Vertrauen und Freiheiten

und bis max. 10 Jahre vielleich eine Nachmittagsbetreuung ob nun Ganztagsschule oder klassisch Hort ist egal.
Danach brauchen sie Vertrauen und Freiheiten, auch mal allein zum Fussball-was-auch-immer-Verein gehen, sich allein mit Freunden am Nachmittag treffen usw. Dann werden Kinder sogar selbstständig, lernen allein zu denken, Meinungen zu haben, zu bilden und zu artikullieren. Was Kinder mit Sicherheit nicht brauchen, ist eine Rundumbetreuung und staatlich organisierte "Freiräume" in Ganztagsschulen, die den gelangweilten Eltern am besten noch jede Verantwortung für Hausaufgaben oder etwas Ordnung in den Schulsachen abnehmen.
Ich, verheiratet, beide vollzeit, Kinder 12 und 16.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bwk 17.10.2017, 17:59
3. Ganztagsschulen

Es gibt Kinder, die in Ganztagsschulen besser aufgehoben sind und dort u.a. Defizite aus dem vorschulischen Bereich abbauen können. Es gibt Kinder, deren beider Eltern ganztags arbeiten müssen und es gibt Kinder, deren Eltern und Großeltern noch Zeit haben um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Ich glaube daher nicht, dass es notwendig ist, dass wir 80% der Kinder in Ganztagsschulen schicken müssen. Das Bildungsniveau wird nicht allein durch Ganztagsschulen gehoben werden, das beste Beispiel dafür ist Bayern. Bayern liegt bei der aktuellen Studie zum Lernerfolg von Viertklässlern an der Spitze.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sebtur 17.10.2017, 19:10
4. Bootcamp für Arbeiter

Ich bin froh, dass ich 2008 mein Abi gemacht habe. Die Kinder heute tun mir Leid. Das Leben sollte nicht von Anfang an durch Zwänge bestimmt werden. Ich hatte noch viel Zeit meine Freizeit zu gestalten. Auch wenn ich selten langer als 13:20 Uhr Schule hatte, war mir das schon zu lange, weil ich oft das Gefühl hatte sinnlosten Mist zu lernen. Man muss früher Möglichkeiten finden den Kindern interessen- und fähigkeitenspezifischen Unterricht zu bieten. Mit spätestens 14 Jahren ist auch dem letzten klar, ob er sich für Gedichtanalysen interessiert oder lieber etwas über Wirtschaft lernt. Wenn ich mich auch noch Nachmittags hätte damit rumschlagen müssen, ob das blöde Gedicht nen Jambus oder Trochäus hat, wäre ich wohl schon mit Depressionen und Burnout in das Berufsleben gestartet. Ganztagsschulen sollten auf das nötigste reduziert werden. Statt dessen sollte man das Geld nutzen um ein Wirtschaftsumfeld zu schaffen, in dem es mit nur einen Vollverdiener +Teilzeitstelle möglich ist eine Familie zu versorgen. Aus Kindern, die nur den ganzen Tag betreut werden, entstehen Erwachsene, die keine Entscheidungen selbst treffen können und Betreuung benötigen. Das meiste “wichtige“ lernt man von seinen Eltern und das bleibt auf der Strecke wenn man die Eltern kaum noch sieht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ice945 17.10.2017, 21:39
5. Ich bin selber Lehrerin...

...an einer Schule, die Ganztagsplätze anbietet. Wir bieten eine Betreuung in der 7. und 8. Stunde an, also bis 15:00 Uhr. Die Betreuung wird hauptsächlich von Lehrern geleistet, die Hauptfächer unterrichten.

Die meisten Schüler nutzen diese Zeit zum Hausaufgaben machen oder lernen für Test und Klassenarbeiten. Fragen können mit einem Fachlehrer zügig geklärt werden (insb. in höheren Klassen, wo einfach nicht mehr alle Eltern in der Lage sind zu helfen). Häufig arbeiten Schülergruppen auch an Projekten weiter, die sie gerade in einem Fach machen, obwohl das gar keine Hausaufgabe ist.

Die Stimmung empfinde ich in der Regel als konzentriert, aber gelöst. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich jemand bei uns "verwahrt" fühlt. Einige unsere Schüler erledigen hier Hausaufgaben, die sie sonst nur morgens im Bus abgeschrieben hätten. In der Betreuung arbeiten sie gemeinsam daran und lernen neben den Inhalten auch eine gute Portion Sozialkompetenz. Die Kooperation zwischen guten und schlechteren Schülern funktioniert besser als man denken würde. Auch ich als Lehrerin bin sicherlich lockerer bei der Sache. Ich muss niemanden bewerten und benoten, kann mir mehr Zeit nehmen als das im normalen Unterricht der Fall ist.

Manche Schüler haben auch einfach mal Redebedarf. Das heißt nicht unbedingt, das ihre Eltern ihnen nicht zuhören, oder nicht für sie da sind. Aber ein Schüler zum Beispiel, der überlegt als erster in seiner Familie zu studieren, kann zwar von zu Hause Unterstützung erfahren, aber eben keinen Bericht über die eigene Studienzeit der Eltern bekommen. Dann dürfen wir mal aus dem Nähkästchen plaudern, können bei Vorbereitungen helfen oder auch mal an Angebote wie Arbeiterkind.de oder ähnliches verweisen.
Manchmal geht es auch um Politik, Rente, Flüchtlinge, Steuererklärungen, Versicherungen, und, und, und... Auch das heißt nicht, das die Eltern hier nicht gefragt sind oder hier nichts tun. Manchmal wollen Jugendliche einfach nur die Meinung eines anderen Erwachsenen hören, der eben gerade nicht die Eltern sind.

Einige Schüler gehen nach der Betreuung zum Sport. Unser örtlicher Verein nutzt die Sporthallen und Anlagen des Schulzentrums, da ist der Weg nicht mal weit. Andere treffen sich mit Freunden oder gehen einfach nach Hause. Schule (z.B. in Form von Hausaufgaben) müssen sie nicht mit nach Hause nehmen. Das entspannt für einige die Situation zu Hause enorm, wenn sich nicht ständig die Diskussion um Hausaufgaben und nicht erbracht Leistungen dreht.

Ja, vielleicht bin hier ein bisschen sehr euphorisch und optimistisch. Was ich hier beschreibe, ist vielleicht nicht die Regel. Das ist mir durchaus bewusst. Vielleicht habe ich auch einfach das Bedürnis, ein Gegengewicht zu meinen Mitforisten zu bilden, die einer Nachmittagsbetreuung sehr skeptisch gegenüber stehen. Es wird immer gute und schlechte Konzepte und Umsetzungen geben, engagierte und missmute Lehrer, gutes und schlechtes Schulklima. Aber es gibt eben auch die positiven Seiten und auch die verdienen Gehör.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
walter_de_chepe 17.10.2017, 21:42
6. Irreale politische Phantastereien

Tatsächlich können wir nicht einmal die vorhandenen Schulen erhalten. Die Gebäude zerbröseln. Viele sind jetzt schon maroder als eine Autobahnbrücke. Unterricht fällt täglich aus, Lehrer wechseln mehrmals im Jahr. Es ist schon gut, wenn wir diese Verhältnisse halten können und es nicht noch schlimmer wird. Draufsatteln geht nicht mehr.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
positiv_konservativ 17.10.2017, 21:43
7. Artikel ungenau und daher leider unbrauchbar

Viele Politiker sowie auch Journalisten verwenden das Wort Ganztagsschule, ohne sich genau auszukennen. Auch Bertelsmann scheint da keinen großen Wert auf Trennschärfe zu legen. In NRW gibt es den gebundenen Ganztag (=Schulpflicht und kostenlos) sowie den offenen Ganztag (=Hort und kostenpflichtig). In anderen Bundesländern heißt es anders. Wichtig ist, dass man beim gebundenen Ganztag nur einmal wählen kann, nämlich ob man rein will, danach ist das Schulpflicht und zwar z.T. bis zur 10. Stunde! Für viele Kinder ist das wie Käfighaltung. Unter anderem deshalb hat die SPD in NRW krachend verloren. Dass 80 % der Eltern so etwas wollen, kann einfach nicht stimmen. Viele Eltern wollen ein FLEXIBLES Nachmittagsangebot, bei dem man wählen kann, ob und wieviel Betreuung man bucht. Aber genau so ein Angebot ist selten, es gibt oft nur "ganz oder gar nicht".
Die Versprechen der Politik, es werde attraktive Nachmittagsangebote geben, sind nach meiner Kenntnis nirgendwo umgesetzt worden. Man kann auch einfach ausrechnen, wieviele Turnhallen z.B. eine dreizügige Schule bräuchte, um ein tolles Sportprogramm am Nachmittag anzubieten. Stattdessen findet der Schulunterricht von 8 Uhr bis 15.30 Uhr oder länger statt.
Auch die Aussage, dass sich Ganztag positiv auf die Leistungen auswirkt, ist meines Erachtens Wunschdenken und durch keine Studien belegt. Guter Journalismus würde so etwas mal nachfragen. Wie wär's, liebe Spiegel-Journalisten?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ph.latundan 18.10.2017, 05:25
8.

das geld ist da. nur wird es fuer "andere" dinge verwendet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
flaimysalar 18.10.2017, 08:33
9. Ich verstehe

dass man für Kinder bis 10 Jahre ungefähr eine zuverlässige Nachmittagsbetreuung braucht. Da sehe ich durchaus Sinn und Bedarf. Doch für die Großen? Warum brauchen die noch eine Verwahrung? Ich bin selbst mit 2 berufstätigen Eltern aufgewachsen und habe mich Nachmittags auch allein betun müssen und dürfen. Und erstaunlicherweise hat niemand an der Schule was gesagt wenn ich, weil ich zwischen Schulschluss und einem Nachmittagstermin 1 oder 2 Stunden Luft hatte, mich einfach in ein leeres Klassenzimmer gesetzt und Hausaufgaben gemacht habe. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mit dem Versuch den Ganztagsunterricht für alle zu erzwingen, man auch versucht, die Freiräume der jungen Leute kontrollieren. Müssen wir wirklich solche Angst haben, dass die Jugendlichen tatsächlich mal etwas für sich alleine tun? Ich glaube nein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4