Forum: Leben und Lernen
Studie über You-Tube-Lernen: Nichts verstanden, zurückspulen, noch mal schauen
Thomas Trutschel/ Photothek/ Getty Images

Fast jeder zweite Schüler nutzt YouTube-Videos gezielt zum Lernen. Das zeigt eine neue Studie. Gleichzeitig wünschen sich viele Befragte einen kritischen Umgang mit der Videoplattform im Unterricht.

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seikor 04.06.2019, 16:36
20. noch völlig überbewertet...

Ja, youtube-Videos können durchaus gut gemacht sein. Aber eben auch richtig schlecht.... "Jeder Dritte gibt an, dass YouTube-Videos Sachverhalte verständlicher und einprägsamer erklären können als Lehrerinnen und Lehrer." - äähhh ganz tolle Aussage! Das heißt, dass zwei Drittel eben schlechte Videos erwischt hat! Und wie soll ein Schüler nun in seiner Not die Spreu vom Weizen trennen? Alles durchsehen? Schülerin hat Note 6 in Mathearbeit. Bemerkung dazu: "aber ich hab mir doch 30 Erklärvideos dazu angeguckt!".
Diese Videos verstärken die Augenwischerei, etwas "gelernt zu haben" extrem. Zeitverschwendung.

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wauz 04.06.2019, 16:37
21. Frontal-Unterricht

Zitat von Susi64
Ein Lernvideo hat den Vorteil, dass es teilweise atemberaubende Animationen oder Filme sind, die nicht jeder herstellen kann, die aber einen tiefen Einblick gewähren. Viele Nachhilfe-Videos sind aber das, was man in der Schule versucht auszurotten, einfach logisch aufgebauter Frontalunterricht mit entsprechenden Erklärungen und Beispielen. Im Unterschied zum Unterricht ist die "Zuseherschaft" aber eben motiviert und konzentriert (oder sie schaltet sehr schnell ab). Der Unterricht findet auf Abruf und nach Bedarf statt. Schule kann das so aber nicht machen, einfach weil man dann zuwenig vermitteln würde.
ist nicht per se schlecht. Es gibt Dinge, in der einfach ein Wissenstransfer stattfinden muss. Eine gut strukturierte Unterrichtsstunde/Vorlesung kann diesen Transfer bieten. Aber abwechselnd braucht man auch die Seminarform, um das Transferierte zu festigen und zu vertiefen. Ich habe beides schon gemacht. Und in der Seminarform war oft die "Rauchpause" am produktivsten. Und es gibt eben Dinge, da müssen die lernenden selbst ran: Schreibtischarbeit, Gruppendiskussion.
Das Problem bei der Schule ist, dass die meisten LehrerInnen auf eine Form festgelegt sind, und der Unterricht keiner nachvollziehbaren Struktur folgt.
Das we3sentlich beim lernen ist, dass man den Inhalten eine Struktur gibt, an Hand derer man die Inhalte wieder abrufen kann.

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ArminBiermann 04.06.2019, 16:58
22. Skepsis ohne Urteilskraft ist blind

Ein bewusster, kritischer Umgang mit digitalen Medien setzt jede Menge Wissen voraus, somit ein gewisses Alter und einen gewissen Reifegrad. Videos werden mittelfristig die Vorlesungen an den Unis ablösen, deren Inhalte dann in Seminaren und Workshops an der Uni diskutiert und vertieft werden. In der Schulzeit eignen sich Videos ausserhalb des Klassenzimmers weniger, denn bei Verständnisproblemen ist es sinnlos, das Video mehrfach zu schauen. Das war schon bei Texten so, wenn sie zu voraussetzungsvoll waren. Beim Aufbau von Grundwissen sind Eltern & Lehrer wichtige Ansprechpersonen. Auch die berühmte Medienkompetenz setzt viel Wissen und Erfahrung voraus, also Urteilskraft. Wer Kinder und Jugendliche mit digitalen Medien alleinlässt. verhält sich so, als würde er sie auch schon Autofahren lassen. Und anstelle einer guten Allgemeinbildung und Urteilskraft droht die digitale Demenz. Ein immer wichtigeres schulisches Lernziel besteht darin, sich selbständig in neue Wissensgebiete einzuarbeiten. Die Nutzung von Videos ist ein Teil davon, aber bei weitem nicht der wichtigste.

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Karla Winterstein 04.06.2019, 19:58
23. Man muss den Umgang mit diesem Lernmedium erst lernen

Zitat von seikor
...Und wie soll ein Schüler nun in seiner Not die Spreu vom Weizen trennen? Alles durchsehen? Schülerin hat Note 6 in Mathearbeit. Bemerkung dazu: "aber ich hab mir doch 30 Erklärvideos dazu angeguckt!"...
Videos anzuschauen ohne parallel selber aktiv zu werden bringt nicht viel. Man muss sich seine Lernzeit selber gut einteilen und auch diszipliniert genug sein, sich noch einmal mindestens die gleiche Zeit lang "die Finger schmutzig zumachen", also die Übungen vollständig durcharbeiten.

Wenn man nicht mehr weiter kommt, muss man auch die Videos noch einmal oder öfter durchgehen und gezielt nach den Stellen Ausschau halten, bei denen man hängen blieb oder bei denen man falsche Ergebnisse produzierte.

Bei strukturierten MOOCs kann man einfacher erkennen, wie sich der Zeitaufwand aufteilt: Meist gehören zu einer Stunde Video drei bis acht Stunden Aufarbeitung.

Bei Youtube muss man selber durch Probieren ermitteln, wie man damit klarkommt.

Gerade in Bezug auf die Schule wäre es natürlich auch äusserst interessant, wenn diese Art Medienkompetenz im Unterricht vermittelt werden würde.

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kumi-ori 04.06.2019, 20:53
24. Nicht nur Jugendliche

Auch ich ziehe immer You Tube zu Rate, wenn ich beispielsweise in der Wohnung etwas reparieren muss. Einen Überblick darüber, wie vertrauenswürdig das Video ist, kann man daraus entnehmen, was der You Tuber sonst noch postet und auch aus den Kommentaren.

Der Unterricht in der Schule ist schließlich auch nicht immer wahrheitsgemäß. So lehrte uns unser Erdkundelehrer beispielsweise über noch 1974 über die ostdeutschen Gebiete vorübergehend unter polnischer und sowjetischer Verwaltung.

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bissig 04.06.2019, 21:45
25. Je nach Fach nur bedingt zu gebrauchen

Ich hatte die Hoffnung, per Youtube unserem Nachwuchs die Sage Roms näherbringen zu können (schon vor 30 Jahren haben wir lieber den Film geschaut als das Buch gelesen). Nach dem 4. Video, die sich alle inhaltlich unterschieden, und alle von der Schulbuchversion abwichen, habe ich es lieber gelassen. Geprüft wird nun mal so, wie's im Buch steht. Ist bei Sagen aber auch so eine Sache.

Was heute Youtube, das war für uns vor 30-35 jahren der Telekolleg. Ich erinnere mich immer noch gerne an den Herrn aus Bayerm und seinen "Drigg" (und mit einem Drigg blenden wir jetzt ...). Für Mathe/Phyik/Chemie kam der immer gut an, musste aber auch immer zum Lehrplan passen.

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ondrana 04.06.2019, 22:41
26.

Das ist doch volles Rohr Frontalunterricht! Ich dachte, das ist das ist so unfassbar schlecht? Plötzlich hört man irgendjemandem zu und das ist das grüne vom Ei? Was Herr Müller sagt ist ScheiXXe und was online ist, ist plötzlich ok?

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emil_erpel8 05.06.2019, 00:00
27.

Zitat von totalausfall
Arbeite viel mit komplexer Software. Gibt zwar immer noch Handbücher, aber Standard ist mittlerweile youtube. Entweder der Hersteller oder Leute aus der Community machen da für Spezialanwendungen Videos. 2 3 Minuten Video ersetzen halt mal 10 Seiten Anleitung lesen.
Da wollen wir halt mal nicht die halbe Stunde Suchen nach dem richtigen Filmchen vergessen und die fünf Minuten nicht überspringbarer Reklame. Aber logo, "Youtube" ist natürlich vieeeeel besser und schneller, als so ein olles Buch. Da kann man nämlich zurückspulen und nochmal abspielen. Das geht bei Buch nicht. Man kann sich echt alles schön reden.

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kumi-ori 05.06.2019, 01:10
28.

Zitat von seikor
Ja, youtube-Videos können durchaus gut gemacht sein. Aber eben auch richtig schlecht.... "Jeder Dritte gibt an, dass YouTube-Videos Sachverhalte verständlicher und einprägsamer erklären können als Lehrerinnen und Lehrer." - äähhh ganz tolle Aussage! Das heißt, dass zwei Drittel eben schlechte Videos erwischt hat! Und wie soll ein Schüler nun in seiner Not die Spreu vom Weizen trennen? Alles durchsehen? Schülerin hat Note 6 in Mathearbeit. Bemerkung dazu: "aber ich hab mir doch 30 Erklärvideos dazu angeguckt!". Diese Videos verstärken die Augenwischerei, etwas "gelernt zu haben" extrem. Zeitverschwendung.
Aber auch Ihre doofe Schülerin wird schnell herausfinden, ob sie jetzt nach dem Video den Cosinus oder die Redoxgleichung oder den a. c. i. kapiert hat oder nicht. Das Video eignet sich sicher nicht zum Pauken unregelmäßiger Verben, da hilft nur Bulämie-Lernen. Aber für das Verständnis eines Prinzips genügt es, wenn einmal der Groschen gefallen ist. Danach muss man sich natürlich im Schulbuch die offizielle jahresaktuelle kultusministeriumskompatible Terminologie anschauen.

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goodcharlotte 05.06.2019, 06:46
29. Angst vor Neuem v.a. bei Lehrern

Irgendwo an einer Schule Montag, Seiteneinsteiger: Kinder erstellen vor Ferien Erklärvideo mit Legetechnik (kein Kind wird gefilmt) zu Themen des Schuljahres, Drehbuchvorlage frisch vom Schulamt. Alteingesessene Lehrer: in meiner Klasse nicht! Niemand braucht so modischen Kram! (Danke für die Studie!!)

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