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Studie zu Rechtschreib-Methoden: "Es gibt viel Leid in den Familien"
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Wie lernen Kinder am besten Rechtschreibung? Mit Fibeln, sagt die Leiterin einer Schülerstudie. Hier erklärt sie, warum diese Methode für mehr Gerechtigkeit sorgt - und wie sie Eltern-Nöte lindern kann.

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felix.milla 19.09.2018, 10:12
130.

Verehrte Lehrerin am Gymnasium , ich bestreite nicht Ihre Erfahrungen - wie könnte ich auch - aber ich bezweifele doch sehr stark, dass die Ursache mangelnderder Rechtschreibkompetenz darin liegen soll, dass alle nach der Methode "Schreiben nach Gehör" unterrichtet worden sind.
Das bezweifele ich schon deswegen stark, weil diese Methode "Schreiben nach Gehör" in seiner dogmatischen Reinform (durchsweg ohne jede Korrektur) - kaum mehr praktiziert wird. Die Lehrer wenden meist einen Mix aus Methoden an.

Ich frage mich, wann Sie das letzte Mal eine Grundschule von Innen gesehen haben, In der ersten Klasse meiner Kinder sollten die Kinder die Sprache erst mal frei ausprobieren und erforschen können, wir Eltern sollten also nicht korrigieren. In der zweiten Klasse werden sie dann sanft korrigiert, dann folgt die Silbenmethode (die Kinder sollten an der Tafel an unvollständig geschriebenen Worten erkennen, ob und welche Silbe fehlt, wozu sie jede Silbe klatschen sollten, wodurch sie auch in das rhythmische Verstehen von Sprache hineingeführt worden sind. Dazu kamen noch viele weitere Strategien.
Welche verschiedene Strategien es zum Erlernen des richtigen Schreibens im heutigen Grundschulunterricht gibt, lässt sich hier nachlesen:
https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/fachbriefe_berlin/grundschule/Fachbrief_Grundschule_11_AundO.pdf

Ich bezweifele NICHT, dass wenn man das Richtigschreiben von Wörter als die EINZIGE Ziel des Schreibvermögens setzt, die gute, alte Fibel nach der Zahl der die Schüler besseren Ergebnisse liefert. So ist es ja auch im Sport: Wenn man nur eine Muskelgruppe trainiert, dann hat man sehr schnell sichtbare Ergebnisse
Ich bin aber dafür, den ganzen Sprachkörper zu trainieren. Wenn man Schüler dazu befähigen will, nicht nur Bewerbungen schreiben, sondern sich in Sprache ausdrücken zu können - was unter dem Begriff der "Kreativität" fällt, im Sinn von "Creare"= hervorbringen - dann ist stupende Lernen nach der Fibel eher tödlich. Außerdem verunmöglicht die Fibel das individuelle Lernen, das Eingehen auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen. Wer die Norm erfüllt, ist schnell gelangweilt, wer sie nicht erfüllt, bleibt zurück.

Im Spiegel-Online stand vor längerer Zeit das Ergebnis einer anderen Studie zu lesen, in der nicht nur die die Richtigschreibung von Wörtern, sondern auch der kreative Umgang mit Wörtern untersucht wurde. Ergebnis: die Schüler schreiben öfter falsch als früher, aber sind kreativer im Umgang mit Wörtern geworden und schreiben die phantasievolleren Aufsätze.
Vielleicht muss man sich einfach mal entscheiden, was einem wichtiger ist. Im Land der tüchtigen Ingenieure mag die Richtigschreibung wichtiger sein, im Land der Dichter und Denker die Kreativität. Die Zeit zeigt: Irgendwann schreiben auch die Dichter richtig.

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Drschlaumeierxy 19.09.2018, 10:18
131. und wieder einmal....

.... wird deutlich, wie das ewige Hin-und-Her in der Schule großes Leid bei Schülern und auch Lehrkräften anrichtet. Irgendwer meint, ne gute Idee zu haben und alles was bisher eigentlich ganz gut für den Großteil der Schüler passend war wird umgekrempelt, weil eine Minderheit was anderes braucht.

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felix.milla 19.09.2018, 10:34
132.

Zitat von fördeanwohner
Sie bzw. Ihre Kinder haben einfach nur Glück gehabt! Mehr nicht. Ich kenne auch Kinder, die die so gut Lesen und Schreiben gelernt haben. Was Sie vergessen, ist die Tatsache, dass bereits Sie Ihren Kids schon ganz andere Möglichkeiten vermittelt haben, ohne es überhaupt zu merken. Ganz viele andere......
Ich gebe Ihnen völlig Recht: Natürlich haben wir unseren Kindern schon andere Voraussetzungen mit gegeben (viele Bücher, jeden Abend vorlesen), die anderen Kindern fehlen. Was Sie hier ansprechen, ist etwas sehr Elementares für unser Bildungssystem: die Chancengerechtigkeit.

Um die in Bereich des Lebens und Schreibens zumindest ein Stück weit herzustellen, haben sehr engagierte und, wie ich finde, geniale Pädagogen an der Grundschule unserer Kinder die "Schreib- und Lesekultur" entwickelt: Die beginnt mit einer Bibliothek, die zum Verweilen einlädt, geht weiter über gemeinsame kreative Weiterformung von Leseerlebnissen (ein Kind führt allein oder mit anderen in Form von Bildern, Nacherzählen oder Theaterstücken vor, was es gelesen), dem Bilderbuchkino für Kinder, die noch nicht lesen können (Bilder von fremdsprachigen Büchern werden an die Wand geworfen, in der fremden Sprache vorgelesen, übersetzt, dann reden die Kinder selber darüber, was sie sehen), bis hin zu Lesepaten - Ehrenamtliche - die in die Klassen kommen und regelmäßig den Schülern vorlesen.

Und: Jede Ferien bekommt ein Schüler einen von der Bibliothek zusammengestellten Lesekoffer mit nach Hause. Nach dem Motto: Wo Bücher fehlen, müssen sie halt hinkommen.

Ja, Sie haben Recht! Es geht um weit, weit mehr als nur um die Rechtschreibung.

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JaguarCat 19.09.2018, 12:19
133. Rina Wörterzug

Zitat von Die Frage sei erlaubt
Nach dem SPON Artikel vom 16.9. wird hier nun nochmals nachgelegt. Fibeln per se sind homogene Lehrwerke für heterogene Gruppen - in einer Schulrealität, in der Heterogenität ständig zunimmt. In Bayern hingegen - und hier wiederhole ich mich - gibt es an einigen Schulen den RINA WÖRTERZUG ( www.rina-woerterzug.de ), der unabhängig .....
Wenn man sich die Website zu Rina Wörterzug anschaut, sieht das stark nach einer modernen Fibel aus: http://www.rina-woerterzug.de/Material/ - da werden auch zunächst die Buchstaben einzeln eingeführt, dann die Silben. Und auch hier auf der folgenden Seite steht: https://www.ovb-online.de/bayern/rechtschreipkaterstrofe-unter-lupe-4843545.html , dass der Rina Wörterzug eher zum klassischen, strukturierten Modell zurückkehrt: "Freies Schreiben ist auch in Neubiberg aus der Mode. Seit dem neuen Schuljahr gilt hier wie in allen Grundschulen Bayerns der so genannte Lehrplan Plus. Der passt überraschend gut zum Rina-Wörterzug-Modell. Den Schülern soll von Anfang an die Struktur und Regelhaftigkeit von Wörtern beigebracht werden."

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mrotz 19.09.2018, 13:04
134. Ich habs Dir ja gesagt!

Nun.

>Das zentrale Ergebnis der Studie: Schüler, die nach der Fibelmethode
>lernen, machen deutlich weniger Rechtschreibfehler als andere.

Wer hätte dies auch ahnen können ...

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felix.milla 19.09.2018, 13:23
135. Hier die Kritik an der Studie

Also bekommen alle Grundschüler wieder die Fibel? So einfach wird es wohl nicht. Der Bildungsverband VBE zeigt sich dennoch auch hinsichtlich der neuen Ergebnisse skeptisch. Grundsätzlich sei es "nicht zielführend", die Rechtschreibfähigkeit als einzelnen Aspekt losgelöst von allen anderen Lernprozessen zu untersuchen. Der Vorsitzende Udo Beckmann meint: "Eine einseitig festgelegte Rückkehr zum Unterricht mit der Fibel ist keine Lösung."

Die Bildungsforscherin Nele McElvany von der Universität Dortmund hält die Ergebnisse der Studie zwar für plausibel, äußert jedoch auch Kritik: Die Untersuchung lasse offen, ob es bei der Einschulung schon unterschiedliche Voraussetzungen bei den Kindern gab und inwieweit diese im Schulverlauf erhalten blieben. Angesichts der teils dramatisch schwachen Kompetenzen sei eine Methodendebatte wichtig. Orthografie sei Fleißarbeit und müsse in den ersten Schuljahren geübt werden. "Es ist wie auch das Lesen eine Kernkompetenz, die Grundschüler lernen müssen. Dafür brauchen sie in den Schulen und zu Hause den zeitlichen Raum."

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heinrich-wilhelm 19.09.2018, 18:21
136. Wie lernt der Mensch?

Sicher ist,dass es ausserordentlich schwierig ist,einmal Erlerntes wieder zu korrigieren. Das weiss zBsp. jeder Sportler.der einmal erlernte Bewegungsabläufe ändern soll. Mit dem Lernen ist es nicht anders. Warum lassen sich die fast messianischen Pädagogen nicht einmal von der Neurophysiologie erklären,wie der Lernprozess des Menschen im Gehirn abläuft? Warum erst Falsches lernen,um dann nach 2-3 Jahren das neuronale Netzwerk im Sinne der korrekten Rechtschreibung zu ändern zu wollen? Jeder weiss doch,wie unendlich schwierig es ist,einmal Erlerntes ändern zu müssen. Warum also werden unsere Kinder von diesen Pädagogen gequält? Es ist an der Zeit diesen Unsinn zu verbieten.

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cbhb 20.09.2018, 00:10
137. Zweck von Rechtschreibung??

Ich weiss man darf den Sinn von Rechtschreibung nicht hinterfragen, denn es ist einfach ein Wert an sich zu wissen dass spühlen kein h hat aber fülen dann doch! Dennoch: Den einzig rationalen Zweck den ich erkennen kann: Nur so kann man in Diktaten in der Schule Fehler zählen und klar die "Besseren" von den "Schlechteren" unterscheiden! Denn wo kämen wir denn hin wenn das plötzlich nicht mehr so klar wäre?

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hinz.und.kunz 20.09.2018, 10:33
138.

Zitat von cbhb
Ich weiss man darf den Sinn von Rechtschreibung nicht hinterfragen, denn es ist einfach ein Wert an sich zu wissen dass spühlen kein h hat aber fülen dann doch! Dennoch: Den einzig rationalen Zweck den ich erkennen kann: Nur so kann man in Diktaten in der Schule Fehler zählen und klar die "Besseren" von den "Schlechteren" unterscheiden! Denn wo kämen wir denn hin wenn das plötzlich nicht mehr so klar wäre?
Es gibt sicherlich noch andere Beispiele, aber daß der der Leib Christi etwas anderes ist als der Laib Christi dürfte einleuchten, auch wenn's im Hochdeutschen gleich ausgesprochen wird.

Würden Hochdeutsche nach der Sprache schreiben, würden Feade traben, Elwer geschossen und das Heaz schmeazen.

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