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Studie zur Schullaufbahn: Welchen Einser-Gymnasiasten der Absturz droht
dpa

Top-Noten am Gymnasium - und trotzdem ist die Schullaufbahn in Gefahr? Bildungsforscher warnen: Wer den falschen Familienhintergrund hat, verliert schnell den Anschluss.

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Gruebel123 05.06.2018, 22:03
30. Niemand hat die Absicht zu behaupten, dass alle gleich sind...

Zitat von Phil2302
Danke für diesen Beitrag! Das predige ich schon so lange, aber keiner will das hören: Gerade in einer durchlässigen Gesellschaft werden die Auf- und Abstiege irgendwann aufhören, wenn man davon ausgeht, dass Intelligenz erblich ist - und warum sollte sie nicht erblich sein? Aber das möchte ja niemand hören, denn das würde ja bedeuten, dass nicht alle gleich sind und die gleichen Möglichkeiten besitzen, und das schon ab der Geburt.
ausser diejenigen, die die Behauptung anderen unterstellen, um sich dann darüber zu beklagen. Es geht u. a. darum, herauszufinden, ob Kinder bei vegleichbarer Begabung strukturell aufgrund ihrer Herkunft benachteilgt werden, und falls dem so ist, wie die Gesellschaft damit umgehen will. Und nicht darum, alle ohne Berücksichtigung von Fleiß und Talent gleich zu behandeln (die gleichen Noten zu geben).

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curiosus_ 05.06.2018, 22:20
31. Was hat das...

Zitat von Ökofred
Die vertikale Durchlässigkeit hat schon einiges bewirkt, da haben Sie recht! Auch daher haben wir jetzt eine Abiquote von ca. 50% im Gegensatz zu 20% zu "meiner Zeit" anfang der 80er.
...mit "vertikaler Durchlässigkeit" zu tun? Intelligenz unterliegt, egal warum, einer Verteilung. Wenn das Gymnasium nun nur von den oberen 20% der Verteilung geleistet werden kann, dann sind eben 20% dort. Und bei 50% genau so. man kann es auch so auslegen, dass 100% es bestehen. Was soll das beweisen?

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garfield53 05.06.2018, 22:21
32. mmm

Und warum scheitern bundesweit über 60% der Kinder s.g. intelektueller Top-Eltern und Führungskräfte?
Bundesweit fast die Hälfte aller mittelständischen Firmen keinen Nachwuchs aus der eigenen Familie haben, weil dieser kein Interesse an Verantwortung hat oder einfach faul ist.
Und immer mehr der s.g. Oberschicht ihre Sprößlinge für unanständig viel Geld in Internate " verbannen" um irgend einen Schulabschluß oberhalb des Durchschnittes zu erkaufen, weil deren Kinder eigentlich mehr Interesse am monitären Erbe, als an Bildung haben.
Und wieviele Kinder aus diesen Schichten scheitern beruflich und in den Firmen ihrer Eltern, weil sich fachlich, menschlich und intelektuell dazu gar nicht in der Lage sind.
Lernen wollen, wissen wollen und den oft schmerzhaften Weg zum schulichen und Studienerfolg zu gehen, hat nicht viel mit dem Geld der "Alten" zu tun, das ist jeden Einzelnen seine Entscheidung.
Und spätestens, wenn viele dieser "Blender" mit Abschluss oder Zertifikat vor der Pflicht stehen, war`s das auch schon.
Jeder dritte Handwerksbetrieb und jeder vierte mittelständische Betrieb hat komplexe Probleme aus der eigenen Nachkommenschaft die nächste Führung zu finden, Tendenz steigend.
Ergebnis, viele Handwerksbetriebe und viele Arztpraxen in der Weite des Landes "verschwinden" im Sinne des Wortes und viele Mittelständler müssen verkaufen. Es bleiben überwiegend undurchsichtige, uneffiziente und mafiös geführte Großkonzerne übrig, deren angestellten Führungkräfte nur am eigenen monitären Erfolg interessiert sind und null soziales Verhalten haben.
Und das ist der Istzustand im Land, Tendenz, da wollen wir gar nicht weiter denken, dazu braucht man keinen imaginären Hochschulabschluß exotischer Herkunft, nur gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, das im System etwas faul ist.
Nur große Hoffnungen mache ich mir nicht, der Zug rollt im Moment immer schneller... gegen die Wand.

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colada 05.06.2018, 22:25
33. Leidenszeit

Meine Schulzeit war Leidenszeit - 14 Jahre Qualen.
Spätdiagnose ADHS seit Beginn meiner Zeitrechnung.

Vor 20 - 30 Jahren war das Thema noch nicht so verbreitet.
Dennoch : studierte Pädagogen kamen mit meinem Verhalten nicht klar da ich zu allem Überfluss auch noch einen sehr hohen IQ habe(nach der Schule festgestellt).
Sie konnten mich nicht absägen daher wurde ich gemobbt was nur möglich war. Heute weiß ich - ich hatte gar keine Schuld !
Nicht einmal hat einer dieser Lehrer versucht - dem offensichtlichen Problem näher zu kommen. Lehrer haben oftmals nicht eine Stunde in ihrem Leben als Fachkraft gearbeitet. Nach dem Studium rein ins Gym und los auf die Kinder. Wie sollen diese Menschen junge Menschen formen? Ich kann nur einen Tipp geben - schauen Sie den Lehrern ihrer Kinder genau auf die Finger, gerade wenn eine negative Phase läuft. Ich werde als Führungskraft jährlich von meinen Mitarbeitern bewertet - würden Lehr-“kräfte“ nach diesem Verfahren bewertet hätte die Arge keinen Überschuss mehr in der Kasse....
das Einzige was Kinder auf die Welt vorbereiten kann sind gute liebe Eltern !

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lahozdeora 05.06.2018, 22:25
34. "unsinnige" Überschrift, wieso?

@Europa: "Die Top-Noten hatten die Schüler(innen) in der 5. Klasse, nicht auf dem Gymnasium." Und was ist daran unsinnig? Das Gymnasium beginnt mit der 5. Klasse.

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curiosus_ 05.06.2018, 22:30
35. Was hat das...

Zitat von Ökofred
diese Quelle würde mich ja mal interessieren, den letzten Stand finde ich eigentlich eher hier dargestellt: https://www.zeit.de/2015/23/intelligenz-vererbung-iq/seite-2 "Wer allerdings aus IQ-Vergleichen zwischen den Kindern türkischer Migranten und denen von deutschen Wohlstandsbürgern auf genetische Unterschiede zwischen beiden Gruppen schließt, missachtet die Gesetze der Statistik. Auf diese Weise geriet auch der ehemalige Bundesbanker und Bestsellerautor Thilo Sarrazin auf den Holzweg. Die IQ-Differenz zwischen Bevölkerungsgruppen kann auch auf verschiedenen Umweltbedingungen beruhen. " Aber lesen sie am besten den ganzen Beitrag selber. Die vertikale Durchlässigkeit hat schon einiges bewirkt, da haben Sie recht! Auch daher haben wir jetzt eine Abiquote von ca. 50% im Gegensatz zu 20% zu "meiner Zeit" anfang der 80er.
...mit "vertikaler Durchlässigkeit" zu tun? Intelligenz unterliegt, egal warum, einer Verteilung. Wenn das Gymnasium nun nur von den oberen 20% der Verteilung geleistet werden kann, dann sind eben 20% dort. Und bei 50% genau so. Man kann es auch so auslegen, dass 100% es bestehen. Was soll das beweisen?

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khs1959 05.06.2018, 22:37
36. Falsche Grundannahme

Ihre Grundannahme, dass wir seit 1945 eine vertikal durchlässige Gesellschaft haben, ist falsch - auch wenn Sie Ihre Aussage durch die Verwendung des Adverbs "einigermaßen" selbst relativieren. Zu Ende gedacht bedeuten Ihre Einlassungen nichts anderes, als dass der soziale Status eines Menschen bereits in seinem Erbgut determiniert ist. Das ist natürlich Unfug und erinnert ein wenig an die Verhältnisse von zu Kaiser Wilhelms Zeiten. Sozialer Status wird zwar vererbt, aber nicht durch die Weitergabe von genetischen Informationen, sondern durch die Übertragung von Vermögenswerten, Besitz und (gesellschaftlicher) Macht. Im übrigen wird uns von der OECD regelmäßig aufs Pausenbrot geschmiert, dass in keinem anderen westlichen Industrieland der Bildungserfolg derart vom sozialen Status der Eltern abhängt, als in Deutschland. Aber möglicherweise funktioniert die Weitergabe von Erbinformationen zwischen Rhein und Oder anders als anderswo.

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zoon.politicon 05.06.2018, 22:38
37. Restricted code kontra elaborated code

Eine grosse Rolle beim Weiterkommen im Gymi dürften die sprachlichen Fähigkeiten spielen, die im Elternhaus vermittelt bzw. weniger vermittelt werden. Von diesen hängen einerseits die Rechenfähigkeiten kaum ab. Andererseits spielen sie auf dem Gymnasium zunehmend die Hauptrolle.
Im Englischen spricht man auch vom "restricted code" der Unterschicht-Kinder, im Gegensatz zum "elaborated code" der (Mittel- und) Oberschicht.

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Fruusch 05.06.2018, 22:38
38. Zur Sache

wurde ja schon viel gesagt. Kinder aus bildungsfernem Elternhaus sind in Deutschland deutlich stärker strukturell benachteiligt als in anderen Ländern.

Was ich (als Gymnasiallehrer) aber nicht so ganz verstehen kann ist eine mehr oder weniger direkt unterstellte Tendenz der Lehrer dazu, Kinder aus bildungsfernen Familien zu benachteiligen, trotz gleicher oder sogar besserer Leistungen. Gerade am Gymnasium habe ich als Lehrer doch sehr viel weniger Kontakt mit den Eltern als ein Grundschullehrer. Ich habe schon oft Schüler jahrelang unterrichtet, ohne deren Eltern auch nur ein einziges Mal zu Gesicht zu bekommen. Woher sollte ich dann überhaupt wissen, aus was für einem Haushalt sie kommen? Ich lese doch nicht bei jedem meiner Schüler die Akte durch (Formulare habe ich so schon genug, das muss ich mir nicht noch extra antun). An der Kleidung ist es auch schwer zu erkennen, Otto Normalschüler sieht heutzutage quer durch alle Schichten sowieso danach aus, als ob er auf dem Schulweg von einem wilden Tiger angefallen worden wäre, so dass seine Klamotten in Fetzen hängen. Generell habe ich auch nicht wirklich die Möglichkeit, meine Schüler ganz individuell kennen zu lernen. An der Grundschule unterrichtet man pro Schuljahr ca. 15-50 Schüler regelmäßig, im Gymnasium sind das eher 100-200 pro Schuljahr. Da ist man froh wenn man bis zu den Herbstferien wenigstens alle Namen sicher drauf hat.

Vielleicht gibt es sie wirklich noch, die bildungselitären Lehrer, die meinen, dem "Pöbel" seine Schranken aufzeigen zu müssen. Ich kenne keinen einzigen Kollegen, der auch nur ansatzweise so agiert. Was unterbewusst passiert, wenn man Schüler bewertet, zu denen man Hintergrundinformationen hat, ist aber schwer zu fassen. Ich habe jedenfalls die größte Hochachtung vor Schülern, die es trotz widriger Umstände aufs Gymnasium schaffen und dort auch noch gute Leistungen zeigen.

Ein Forenbeitrag gab mir aber zu denken. Sinngemäß: "Gymnasiallehrer setzen bei ihren Schülern oft Hintergrundwissen voraus, das Schüler aus bildungsfernen Schichten nicht haben können." Davon kann ich mich selbst auch nicht freisprechen - ich komme aus einem Akademikerhaushalt und kenne daher nur diese Lebenswirklichkeit aus eigener Erfahrung. Da werde ich mal ein wenig in mich gehen, und vielleicht mal ein paar Schüler dazu befragen, wie sie das sehen.

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spmc-12355639674612 05.06.2018, 22:43
39. Viel zielgerichteter als Intelligenz

Zitat von Phil2302
Danke für diesen Beitrag! Das predige ich schon so lange, aber keiner will das hören: Gerade in einer durchlässigen Gesellschaft werden die Auf- und Abstiege irgendwann aufhören, wenn man davon ausgeht, dass Intelligenz erblich ist - und warum sollte sie nicht erblich sein? Aber das möchte ja niemand hören, denn das würde ja bedeuten, dass nicht alle gleich sind und die gleichen Möglichkeiten besitzen, und das schon ab der Geburt.
lässt sich Vermögen vererben. Die Streuung des erblichen Teils des IQs ist viel zu groß. Die Streuung der Kreativität, die noch wichtiger ist als der IQ, ist noch größer. Mit dem Vermögen der Vorfahren hat man es da wesentlich leichter. Dadurch werden soziale Schichten zementiert, die am Ende mit Intelligenz dann doch nicht mehr so viel zu tun haben. Ihre Behauptung fußt auf der Prämisse, dass es intelligente Zeitgenossen nach oben schaffen, weniger intelligente jedoch nicht. Aber schon das stimmt ja nicht. Ein Ingenieur, der mit durchschnittlichem Gehalt in einer durchschnittlichen Firma arbeitet (von denen gibt es ja eine ganze Menge), ist immer näher an Hartz-IV als an denen, die wirklich oben sind, obwohl er wohl relativ intelligent sein muss, sonst hätte er das Studium nicht geschafft. Intelligenz ist also nicht hinreichend. Man benötigt auch ein gutes Netzwerk (hat man eher, wenn man aus der High Society stammt), keinen Druck bei der Stellensuche (man kann länger suchen, wenn man den entsprechenden finanziellen Background hat) und Glück.

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