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Studiengebühren: Zahlung ohne Gegenleistung?

Studenten sollen künftig für ihr Studium zahlen, doch für Mängel der Ausbildung, wie verschleppte Prüfungstermine, steht die Universität nicht ein. Sind die Studiengebühren eine Zahlung ohne gesicherte Gegenleistung? Der Artikel zum Thema:

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jinky 31.08.2006, 13:41
1.

Zitat von sysop
Studenten sollen künftig für ihr Studium zahlen, doch für Mängel der Ausbildung, wie verschleppte Prüfungstermine, steht die Universität nicht ein.
Zunehmende Verschulung, wie z. B. in den modularisierten Studiengängen politisch gewollt und von den Universitäten umgesetzt, erfordert mehr Personal, das aber niemand bezahlen will. Der Einfluß der Universitäten darauf bewegt sich gegen Null, um es vorsichtig zu sagen - wie also sollen sie für etwas einstehen, was sie nicht steuern können? Übrigens suggeriert die Formulierung "verschleppt" Fahrlässigkeit, wenn nicht gar Vorsatz, wo u. U. (wenn auch nicht immer) schlicht Überlastung vorliegen mag.

Zitat von sysop
Sind die Studiengebühren eine Zahlung ohne gesicherte Gegenleistung?
Hat jemand etwas anderes angenommen?

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unicoma 31.08.2006, 13:50
2. Wen wundert's

Da entpuppt sich die Einführung von Studiengebühren als Jagd der Landesfinanzminister nach neuen Geldquellen. Wenn ich für eine Leistung Geld bezahle, egal ob im Laden an der Ecke oder bei einer gr. Kette wie mediamarkt, erhalte ich eine vertraglich verbriefte Gegenleistung. Stimmt diese Leistung nicht mit der im Vertrag stehenden überein (z.B. der MP3 Player ist fehlerhaft), habe ich ein Rückgaberecht inkl. Rückerstattung des Kaufpreises.

Aber für die Unis als Anstalten des Öff. Rechts gilt dies NATÜRLICH nicht. Man will zwar ans Geld der Studenten und verspricht eine Menge (wer erinnert sich nicht noch an das Gewäsch vom "Studenten als Kunden"?), hält aber selbstverständlich nichts - wo käme man denn da hin!
500 € pro Semester, um den Herrschaften in der Prüfungsstelle beim Däumchendrehen zuzugucken, obwohl man alle Schein vorgelegt hat und eigentlich mit dem Studium schon fertig sein könnte. Kein Einzelfall, nicht nur in Jura kommt das regelmäßig vor...Ich habe während meines Studiums auch teilweise 1 Jahr (!) auf Noten/Scheine von Arbeiten gewartet...Aber die lieben Hochschullehrer sind halt bis vor kurzem noch immer als Beamte berufen worden...Die haben's eben nicht so nötig.

Wenn man Gebühren einführt, dann bitte richtig!
Eine Verpflichtung für die Unis muss her, den zahlenden Kunden (Studenten) auch die Möglichkeit zu geben, die geforderten Pflichtveranstaltungen zu besuchen. Die Dozenten, die nicht in einer festgeschriebenen Zeit die Scheine abliefern, werden bestraft (z.B. mit Gehaltskürzung), die Prüfungsstelle bearbeitet nicht rechtzeitig alle ordentlichen Anträge? Pech gehabt, Erlass der Gebühr fürs Semester usw. usf.

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Patchouli 31.08.2006, 14:26
3. Politiker schüttelt's (Geld-)Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein ...

Zitat von sysop
Studenten sollen künftig für ihr Studium zahlen, doch für Mängel der Ausbildung, wie verschleppte Prüfungstermine, steht die Universität nicht ein. Sind die Studiengebühren eine Zahlung ohne gesicherte Gegenleistung?
Sie glauben, eine universitäre Ausbildung ist für 1000 Euro im Jahr zu haben? Kostendeckend?
Träumen Sie weiter, lieber Sysop...

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zorro.1 31.08.2006, 14:29
4. Die Schuldigen

Würde man die Zeiten aller Studierenden summieren, die bis zum Examen verloren gehen, müsste man vermutlich feststellen, dass Kultusministerien und Universitäten an 70 bis 80 % der sinnlos vergeudeten Zeit Schuld tragen.

Es fängt mit 6 bis 9 Monaten sinnlosen Wartens an, die zwischen erster Abitursprüfung und Studienbeginn liegen, geht über die pädagogische Unfähigkeit ausschliesslich fach-, macht- und drittmitelorientierter Professoren, einen schlanken Studienplan zu beschliessen und hört mit der Unfähigkeit der zeitlich/organisatorischen Abstimmung von Diplom- und Prüfungsordnungen auf.

Wie an den Universitäten, sollte man auch Ministerpräsidenten- und Kultusministerstellen 12 Monate vakant halten vor der Wiederbesetzung. Das würde nicht nur Geld sparen, sondern vielleicht könnte man sogar feststellen, dass man ohne sie besser auskommt.

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Jens-Kiel 31.08.2006, 14:30
5. Uni ist für Verschleppung im konkreten Fall nicht verantwortlich

[QUOTE=sysop]Studenten sollen künftig für ihr Studium zahlen, doch für Mängel der Ausbildung, wie verschleppte Prüfungstermine, steht die Universität nicht ein.

Nun ja, ich bin kein Freund, Angestellter oder Präsident der Uni Hamburg, aber für die Fehler der staatlichen Prüfungsbehörde, die beim Oberlandesgericht sitzt, kann die Uni ja in der Tat nichts.

Was bleibt, wäre ein Amtshaftungsanspruch gegen eben diese Behörde, wenn darlegbar und ggf. beweisbar ist, dass das Prüfungsamt nicht rechtzeitig auf die Welle reagiert hat.

Das für Kiel zuständige Prüfungsamt etwa ist mit der gleichen Situation konfrontiert, hat zusätzlich Prüfer rekrutiert und so einen anständigen Weg gefunden. Eines darf man aber auch nicht vergessen: ein gewisses allgemeines Lebensrisiko bleibt - wenn es viele Kandidaten gibt, dauert es leider länger.

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Patchouli 31.08.2006, 14:45
6.

Zitat von unicoma
Wenn man Gebühren einführt, dann bitte richtig!
Richtig!
Wie wäre es bspw. mit etwas mehr als 30.000 Euro p.a., wie es an den so genannten Elite-Universitäten in den USA erforderlich ist.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass hier 88,7% der Studenten eine Unterstützung (Stipendium) in einer durchschnittlichen Gesamthöhe von 16.300 Dollar bekommen. Das bedeutet allerdings: Gas geben. Dann ist Schluss mit dolce Vita, denn die Leistungsnachweise müssen vorgelegt werden. Den Geldgeber müssten Sie sich dann aber selbst suchen. Das können Sie hier allerdings auch, es ält Sie niemand davon ab. Übrig bleibt nach amerikanischem System nach wie vor ein ordentlicher selbst zu zahlender Batzen Geld.

Zitat von unicoma
Eine Verpflichtung für die Unis muss her, den zahlenden Kunden (Studenten) auch die Möglichkeit zu geben, die geforderten Pflichtveranstaltungen zu besuchen.
Das Kundenbeispiel hinkt.
Was wird verkauft? Die Veranstaltung oder der Abschluss? 1. Der Abschluss: Müssen dann auch zahlende Deppen einen Hochschulabschluss bekommen?
2. Die Veranstaltung: Da muss nicht nur der Dozent bezahlt werden, sondern auch die Instandhaltung des Gebäudes, der Strom, die Heizung, der Reinigungsdienst, die Bibliothek... das wird teuer ;-)

Es gibt noch weitere Gründe, die ich hier nicht aufzählen möchte. Man kann hier wohl eher an einer Kostenbeteiligung als von einem Kaufpreis sprechen.

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Velvet 31.08.2006, 15:21
7. Gehaltskürzung bei unbezahlten Lehrkräften

Zitat von Patchouli
2. Die Veranstaltung: Da muss nicht nur der Dozent bezahlt werden, sondern auch die Instandhaltung des Gebäudes, der Strom, die Heizung, der Reinigungsdienst, die Bibliothek... das wird teuer ;-)
Das wäre sicherlich richtig, wenn es stimmen würde das Dozenten an Universitäten für ihre Arbeit bezahlt werden. Im Gegensatz zum Reinigungsdienst und dem Bibliothekspersonal ist das aber in der Mehrheit der Fälle nicht gegeben. An den deutschen Universitäten werden - je nach Fachbereich- mittlerweile weit über 50% der Lehrveranstaltungen als unbezahlte Lehraufträge vergeben, die sich nur für den Lebenslauf auszahlen. Insofern werden viele über die Androhung einer Gehaltskürzung nur müde grinsen und ihren bezahlten Tätigkeiten weiter Priorität einräumen (müssen). Durch die Studiengebühren sollten Studenten ein Anrecht auf Dozenten erwerben, deren Leistung der Universität oder dem Land zumindest ebenso viel Geld wert ist wie die der Reinigungskraft. So lange das nicht der Fall ist, kann man dieser Dozentengruppe keinen Vorwurf machen.

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jinky 31.08.2006, 17:06
8.

Zitat von Velvet
Das wäre sicherlich richtig, wenn es stimmen würde das Dozenten an Universitäten für ihre Arbeit bezahlt werden. Im Gegensatz zum Reinigungsdienst und dem Bibliothekspersonal ist das aber in der Mehrheit der Fälle nicht gegeben. An den deutschen Universitäten werden - je nach Fachbereich- mittlerweile weit über 50% der Lehrveranstaltungen als unbezahlte Lehraufträge vergeben, die sich nur für den Lebenslauf auszahlen.
Für bezahlte Lehraufträge kriegt man dann schon u. U. üppige 800 - 1000 Euro pro Seminar und Semester. Da läßt man sich nicht lumpen.

Ach ja: ich kann aus der Lameng zwei mir bekannte Fälle nennen, in denen die Vergütung für die Vertretung einer vollen Professur nicht einmal die jeweiligen Fahrtkosten gedeckt hat.

Das problem ist, daß derlei die Chancen nur minimal steigert. Viel Veröffentlichen und Drittmittel einwerben ist immer noch der Königsweg zur Professur. Lehre ist nur dann ein Argument, wenn man jemanden sowieso nicht haben will und dann froh ist, als Joker auf sein eingeschränktes Spektrum bei den Lehrveranstaltungen verweisen zu können. Wenn man jemanden haben will, fällt seine Veranstaltungsliste einfach unter den Tisch.

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Bimbo 31.08.2006, 17:12
9.

Zitat von sysop
Studenten sollen künftig für ihr Studium zahlen, doch für Mängel der Ausbildung, wie verschleppte Prüfungstermine, steht die Universität nicht ein. Sind die Studiengebühren eine Zahlung ohne gesicherte Gegenleistung? Der Artikel zum Thema:
Meine Güte, bin ich froh, dass ich Studium und Promotion abgeschlossen habe und meine Kinder in einem anderen Land zur Schule gehen. Abkassieren ohne Gegenleistung - als Ausgewanderter würde ich sagen: typisch deutsch.

Bimbo

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