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Studienkredite: Wie ein Student sich arm studierte

Für Thorsten S. wurde sein Studienkredit zum Alptraum. Er nahm zu viel Geld auf, lebte zu sorglos und dann scheiterte er an der Uni. Jetzt hat er einen Billig-Job, 20.000 Euro Schulden und wenig Hoffnung. Ein Lehrbeispiel über die Risiken eines Studentenlebens auf Pump.

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sonobox 23.08.2010, 17:13
70. wo genau ist hier ein Skandal?

Zitat von Burkhard58
Das mach den Skandal aus. Offenbar hält man die Klassengesellschaft von anno 1900 für das Zukunftsmodell. Wir, die Gesellschaft, sollten jedoch daran interessiert sein, dass der Nachwuchs möglichst qualifiziert ist, um den Wohlstand in Deutschalnd zu sichern. Unser Land muss im internationalen Wettbewerb bestehen können.
Wären Studenten wie der im Artikel beschriebene, "qualifiziert", dann haette er sein Studium nicht nach 5 Semestern abbrechen muessen!
Zitat von Burkhard58
Auf Kunsthistoriker und Philosophen aus bildungsbürgerlichen Elternhäusern, können wir hingegen gut verzichten.
Was wollen sie uns damit sagen? Kultur ander sie nicht interessiert sind soll eingestampft werden?


Das Problem ist, dass aus einem nicht nachzuvollziehbaren Grund jeder Depp an die Uni soll, damit aber ggf. hoffnungslos ueberfordert ist. Vielen Studenten fehlt die gesunde Selbsteinschaetzung. Und statt die Segel fruehzeitig zu streichen wird munter weiter studiert: mit Freunden gefeiert, vielleicht noch ein paar Semster dank ASTA- oder Fachschaftsarbeit drangehaengt. Ploetzlich sind gerade die Studenten dann ueberrascht, dass der Ernst des Lebens sie einholt.
Das ganze hat gar nichts mit sozialer Ungerechtigkeit zu tun, sondern mit mangeldern Disziplin und falscher Selbsteinschaetzung.

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chocochip 23.08.2010, 17:13
71. Das scheint eher der geschilderte Fall getan zu haben...

Zitat von 445
Der durchschnittliche Forist hier kennt das Studentenleben nur aus Hollywoodfilmen und glaubt, so leben die Studenten wirklich.
Das scheint eher der geschilderte Fall getan zu haben...

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GyrosPita 23.08.2010, 17:13
72.

Zitat von Sergejewitsch
Da haben Sie GSYBE mißverstanden, mit Gesellschaftsschichten hatte sein Beitrag nichts zu tun. Er meinte die notorischen Fälle, die sich semesterlang an der Uni herumtreiben und vielleicht nicht einmal beim dritten Durchfallen wirklich einsehen, daß ihnen die intellektuellen Gaben fehlen, um das gewählte Fach (oder überhaupt irgendein Studium) erfolgreich zu absolvieren.
Begehen Sie nicht den Fehler, den im dritten Versuch durchgefallenen mangelnde Intellektuelle Fähigkeiten zu unterstellen. Gut, der eine oder andere Doofe ist dabei, aber davon haben wir hier im Unternehmen auch welche.

Ich hatte selbst im dritten Semester in zwei Fächern einen dritten Versuch: Einen in Finanzmathematik und einen in Informatik. Ich gebe offen zu das Finanzmathe mit das härteste war was ich je an einer Lehranstalt gesehen habe, und da war ich nicht alleine, das Fach hatte zum Teil Durchfallquoten von 80 %. Ich habe diese Prüfung, nach einem Paukmarathon wie ich ihn selten zuvor hingelegt habe, bestanden.

Leider hat es in Informatik dann nciht gereicht, weil ich während des praktischen Teils die Nerven verloren habe. Die Informatik-Prüfung war unter allen Studenten aufgrund ihrer unangenehmen äußeren Umstände komplett verhaßt: PC hochfahren, vom Admin hinterlegte Datei suchen, öffnen etc. Im Prinzip kein großes Ding, nur gleicht im PC-Raum der FH keine Kiste der anderen, jeder verdammte Computer hat ne andere Macke die erstmal behoben werden muß, bevor wirklich der Startschuß fällt. Das heißt es entsteht vorher schon eine unfaßbare Unruhe. Dazu kommt noch, das gerade für diese Prüfungen gerne irgendwelchen kleinen Lichter aus der Verwaltung als Aufseher rekrutiert werden, die dann einen auf John Wayne machen (hab ich weiter oben schon beschrieben). In Kombination mit dem Streß des 3. Versuchs baut sich eine unglaubliche Drucksituation auf, in der man teilweise nur noch verschwommen sehen kann. Hat mich auch überrascht, war bei FiMa vorher nicht so extrem. Auf jedenfall hab ich die Aufgaben in Excel, über die ich mir in der Prüfung den Kopf zerbrochen hab, am gleichen Tag zu Hause am PC fast im Schlaf gelöst.

Und falls einer behauptet, ich hätte eh schon abgeschlossen gehabt, mich nur nicht getraut mich freiwillig exen zu lassen: Das ist nciht wahr, ich habe alles gegeben, auch um nachher guten Gewissens sagen zu können, das es halt einfach nciht gereicht hat, aus was für Gründen auch immer.
Letzten Endes bin ich froh darüber wie es gekommen ist. Die anderthalb Jahre waren eine selten freudlose Zeit in meinem Leben. Mit den heutigen Erfahrungen würde ich mich nicht wieder einschreiben, jedenfalls nciht an dieser FH...

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Dino 23.08.2010, 17:17
73. Was soll das ?

Zitat von sysop
Für Thorsten S. wurde sein Studienkredit zum Alptraum. Er nahm zu viel Geld auf, lebte zu sorglos und dann scheiterte er an der Uni. Jetzt hat er einen Billig-Job, 20.000 Euro Schulden und wenig Hoffnung. Ein Lehrbeispiel über die Risiken eines Studentenlebens auf Pump.
Ob der Herr Ex-Student seinen Lebensunterhalt über einen Kredit oder durch Mami und Papi finanziert hat, ist doch zunächst völlig unerheblich und nebensächlich.

Fakt ist, er hat die geforderte Leistung nicht erbracht und ist durchgefallen.
Fehlt nur noch der herzzereissende Bericht über gescheiterte Fahrschüler, die Ihren Führerschein auf Pump machen wollten.
Der ganze Bericht ist einfach nur lächerlich.

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445 23.08.2010, 17:18
74. xxx

Zitat von st_anja
sich zu 100 prozent auf einen kredit zu verlassen und nicht wenigstens einen teil während des studiums dazuzuverdienen kann ich nicht nachvollziehen.
Es gibt im Grunde zwei verschiedene Strategien plus verschiedene Mixturen daraus.
1. Studium durch Arbeiten finanzieren.
Das verlängert in der Regel die Studienzeit erheblich. Die Regelstudienzeit wird stark überschritten und das macht sich schlecht bei der Jobsuche. Außerdem reichen 5 Jahre auf H4-Niveau. Man möchte schnell eigenes, richtiges Geld verdienen.

2. Studium finanzieren lassen
Man ist schneller fertig, hat allerdings nacher Schulden. Da man schneller studieren kann, braucht man nicht allzuviel Geld, man kann früher anfangen zu arbeiten, findet leichter einen Job (kann nebenher ein paar Hiwi-Jobs und Praktika machen). Aber man hat das Risiko.

Am Cleversten ist wohl eine gesunde Mischung aus 1 und 2.

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k4l 23.08.2010, 17:18
75.

was oft vergessen wird bei aufnahme eines kredites fuer das studium, es kann uU. den zugang zum master gruendlich verbauen und wird gezwungen als akademiker 2. klasse fuern apfel und nen ei zu arbeiten. viele meiner kommilitonen wuerden gerne, aber der berg schulden ist einfach das hindernis

ich bin froh dass ich es NICHT gemacht habe; es ist zwar oft knapp und gegen ende des geldes ist noch viel monat uebrig aber mit arbeiten auf 400 euro basis und stress pur bekommt mans iwie hin.
Die Kombi studiengebuehren und bachelor ist einfach auf dauer untragbar....

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pom_muc 23.08.2010, 17:19
76. "nicht möglich"

Zitat von pannenbaker
Es geht mittlerweile nicht mehr um "einfach oder nicht", sondern leider um "überhaupt möglich".
Tatsächlich geht es doch in Zeiten des "Bedingungslosen Grundeinkommens" und "Studiums für alle" eher um "so einfach wie möglich", nicht wahr?

Wenn Sie sich mit den Nachtschicht-Jobs befassen finden Sie wesentlich mehr Personen die zur Gehaltsaufbesserung im Zweitjob als Rettungssanitäter unterwegs sind als (Medizin-)Studenten.
Auch die Logistikdienstleister finden unterproportional Studenten für die ungeliebten aber besser bezahlten Nacht- und Wochenendschichten.
Und ich rede nicht von den wirklich gefährlichen Jobs.

Der Sohn eines Bekannten hat sich als ehemaliger Wehrpflichtiger für 7 Monate in ein "Afghanistan-Kontingent" berufen lassen. Er verlor zwar ein Semester bekam aber bei sehr niedrigen "Ausgabemöglichkeiten" neben Gehalt noch so viele Gefahrenzulagen, dass er das komplette Hauptstudium + Diplomarbeit davon bestreiten kann.

Er meinte sein Dienst sei nicht gefährlicher gewesen, als der Job im Hochbau, den er letztes Semester hatte. Wobei er allerdings selten das Lager verlassen musste und sich die Gefährdungslage heute anders darstellt.

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ophelya 23.08.2010, 17:19
77. reich oder nicht reich?

Zitat von Burkhard58
Das mach den Skandal aus. Offenbar hält man die Klassengesellschaft von anno 1900 für das Zukunftsmodell. Wir, die Gesellschaft, sollten jedoch daran interessiert sein, dass der Nachwuchs möglichst qualifiziert ist, um den Wohlstand in Deutschalnd zu sichern. Unser Land muss im internationalen Wettbewerb bestehen können. Auf Kunsthistoriker und Philosophen aus bildungsbürgerlichen Elternhäusern, können wir hingegen gut verzichten.
Verehrter Burkhard,
bei einem Studium der E-technik spielt es keine Rolle ob die Eltern Geld haben oder nicht - entweder man schafft die Klausuren oder nicht - da nutzt das Geld der Eltern auch nichts.
Ich finde Studienkredite dann sinnvoll, wenn sich die kommenden Studenten im Vorfeld konkret über das Studium und die Anforderungen informieren und sich dann dazu entschließen dieses Geld in sich und ihre Zukunft zu investieren. Offensichtlich sind aber nicht gerade viele Studenten dazu in der Lage und in den Vorbereitungskursen sitzen zumeist nicht die Studenten, die da hingehören sondern eher die ohnehin schon Guten, die sich eher Sorgen machen einen Schein nicht zu schaffen.
just my 2 cents

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445 23.08.2010, 17:22
78. xxx

Zitat von GSYBE
Der Student hat auch keine 4o Stundenwoche. Was auch von interessierter Seite behauptet werden mag, ein Student studiert nicht 1800 Stunden im Jahr.
Uns wurde an der FH eingeflöst, man habe keine Zeit nebenbei noch arbeiten zu gehen. Das Studium sei ein Vollzeitjob. So viel dazu.
Wer es sich leisten kann, studiert wohl auch die meiste Zeit. Der Großteil muss aber nebenbei arbeiten. Ich hatte lange Zeit eine 7-Tage-Woche.
Also erzählen Sie mir bitte nichts vom faulen Studenten.
Das zeigt vor allem, dass Sie keine Ahnung haben.

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st_anja 23.08.2010, 17:24
79. ohne titel

Zitat von Emmanutelle
Vielleicht gab es früher aber noch keine Studiengebühren?! Ich will mich jetzt ja nicht jämmerlich bemitleiden, aber plötzlich mal eben knapp 100 EUR mehr im Monat zu berappen ist schon ziemlich happig, wenn man bedenkt, dass man während des Semesters max. 20 .....
ich habe architektur studiert, d.h. es entstanden sehr hohe materialkosten, die es in anderen studienfächern nicht gab.
100 euro im monat für material sind nicht unrealistisch und, wenns es sein musste, hat man das auch noch hingekriegt.
nein, keine hochglanzausdrucke und keine edelholzmodelle.
einfachere drucke und pappmodelle mussten auch reichen - wenn nicht für ein einser-diplom.

glauben sie mir, architektur ist ein sehr zeitintensives studienfach.

mir war es wichtig, meinen lebensunterhalt zu finanzieren.
hat das geld für das material oder die zeitweiligen studiengebühren, die es da auch schon teilw. gab, nicht gereicht, gabe es kredite bei freunden, die aber weit weg von 20.000 euro lagen.

ich habe nach dem studium den erstbesten job angenommen, um den freunden das geld zurückgeben zu können.

nach etwas mehr als zwei jahren, waren die insgesammt knapp 3000 euro abbezahlt.

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