Forum: Leben und Lernen
Studienstiftung: Selbstbewerber eingeschränkt willkommen

Die Studienstiftung des deutschen Volkes nimmt nur langsam*Abschied*vom Elite-Dünkel.*Zwar können sich Studienanfänger seit bald einem Jahr selbst für ihren knallharten Auswahltest melden.*Doch erfolgreiche Kandidaten wie der Physikstudent Julian Kranz sind bislang die große Ausnahme.

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Schnurz321 18.01.2011, 12:08
1. Stipendien

Wenn es nur nach Leistung und ehrenamtlichen Engagement geht, ist es kein Wunder, dass hauptsächlich Akademikerkeinder Stipendien bekommen.
Zum einen legen deren Eltern möglicherweise mehr Wert auf Bildung. Zumindest aber stehen ihnen schon mal die finanziellen Mittel für gute Bildung zur Verfügung.

Darüberhinaus kann man sich ohne Geldsorgen mehr aufs Studium konzentrieren.
Es gäb' eine ganz einfache Lösung: Die besten derjenigen, die finanzielle Unterstützung auch gebrauchen könnten, werden gefördert.
Finanzielle Förderung wohlhabender ist rausgeschmissenes Geld. Die können gerne Stipendien erhalten, aber nicht in Form finanzieller Förderung.

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Nania 18.01.2011, 12:33
2. Selbsttest...

... halte ich so, wie er hier betrieben wird, für Schwachsinn. Entschuldigt die harte Wortwahl.

Ich halte sie für wenig zweckdienlich, da hier nicht die Qualifikation für ein bestimmtes Fach getestet wird. Es scheint weniger entscheidend zu sein, ob der angehende Student besondere Fähigkeiten in einem bestimmten Fach hat, als vielmehr, ob er sich Dinge "logisch" erschließen kann. Ob diese Dinge dann so logisch sind, wie sie vorgeben zu sein, ist eine andere Frage.

Solche "Tests" halte ich auch deshalb für fragwürdig, weil sie wenig über die tatsächliche Begabung des Studenten später im Studium aussagen. Da sind Schulnoten doch schon ausschlaggebender (wenngleich nicht viel). Denn diese Tests, wie auch SPON ihn hier zeigt, sagen nichts darüber aus, ob der Mensch vielleicht ein begnadeter Soziologe, Politologe, Germanist oder Historiker werden kann. Denn nicht alle Verknüpfungen und Zusammenhänge kann mal logisch-mathematisch darstellen.

Ansonsten würde ich dazu tendieren, Stipendien sowieso nur an Leute zu verteilen, die es in irgendeiner Art und Weise nötig haben. Da sind zum Beispiel Kindern, von Eltern, die gerade so über der BaFöG-Grenze liegen und deshalb keine Hilfe erhalten. Dass Kinder reicher Eltern Stipendien erhalten halte ich für eine gigantische Geldverschwendung - und zudem für Heuchlerisch.

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Ephemeris 18.01.2011, 12:54
4. ....

Die Studienstiftung hat sich als Ziel genommen die Begabtesten zu nehmen , hätte er ein besseres Abitur ( 1,4 ist noch verbesserbar, besonders in nördlichen Bundesländern...) wäre er automatisch der Studienstiftung vorgeschlagen worden.

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LenaKob 18.01.2011, 13:31
5. -

@ README.TXT: Nein, ein Stipendium muss man bei Studienabbruch nicht zurückzahlen. Ist wie beim BAföG, den Zuschuss-Anteil muss man auch nicht zurückzahlen, wenn man das Studium schmeißt. Ein Stipendium ist ja auch quasi BAföG aus 100 % Zuschuss, genauso wie es aus dem gleichen Bundestopf kommt.
@ #2 und #3: Da für die Höhe des Stipendiums BAföG-Richtlinien gelten, können Kinder reicher Eltern keine finanzielle Förderung erhalten (sofern keine Voraussetzungen einer elternunabhängigen Förderung vorliegen). Zu einer ideellen Förderung gehört aber das Büchergeld.

Zum Artikel: 87 Selbstbewerber-Aufnahmen bei 1000 Bewerbungen, eine fragwürdige Testeritis, 3000 sonstige Neutstips. Bei diesen Daten sollte man eher von einem sehr, sehr, sehr, sehr langsamen Abschied vom Elite-Dünkel reden. Da ist überhaupt nix zu beglückwünschen.
Mensch, die Studienstiftung ist die größte Stiftung und hat das schlimmste soziale Gefälle. Selbst die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung ist um einiges chancengerechter. Da sollte die Studienstiftung ein bissl schneller über den Tellerrand schauen und ihr Bewerbersystem ändern!

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Aleks 18.01.2011, 13:41
6. Anders wird es nicht gehen...

...ich selber hatte direkte Berührung. Meine Unterstützer aus der Wirtschaft wollten mich unbedingt in das MPA-Programm nach Harvard senden. Doch das war dann nach meinen Gesprächen mit der Studienstiftung leider doch unmöglich, weil ich auf dem Papier eben Deutscher war. Geburtsland hin, Geburtsland her.
Mich würde interessieren, ob das heute - auch vor dem Hintergrund dieser unsäglichen Integrationsdebatte - nach wie vor auf diese Weise gehandhabt wird. Ich hoffe nicht.

Ich kann mir zahlreiche junge Menschen vorstellen (und zwar ganz unabhängig vom sozialen Status, von Herkunft und systematischer Vorbildung), die unser Land mit dem entsprechenden Backing wuchtvoll in eine starke Zukunft heben könnten. Diese Kräfte nicht aktivieren zu wollen, kommt der Unterschlagung von Potenzialen gleich. Sie müssen aktiviert werden - ohne wenn und aber. Die jüngeren Jahrgänge sind ohnehin gar nicht groß genug, um ausreichend exzellenten Führungsnachwuchs aus den "klassischen" Schichten der Elitenförderung zu rekrutieren.

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sarah_h 18.01.2011, 14:10
7. ...

Zitat von Ephemeris
Die Studienstiftung hat sich als Ziel genommen die Begabtesten zu nehmen , hätte er ein besseres Abitur ( 1,4 ist noch verbesserbar, besonders in nördlichen Bundesländern...) wäre er automatisch der Studienstiftung vorgeschlagen worden.
falsch. steht eindeutig im artikel drin:

"auch weil rund ein Viertel der Schulen, die die Hochschulreife verleihen, vom ihrem Vorschlagrecht keinen Gebrauch machten."
man sollte schulen dazu verdonnern mind. den besten schulabgänger zu melden, aber das ist eben nicht der fall.

davon abgesehen sind sämtlich stiftungen arbeiterklassefeindlich. es geht zu wie bei den amerikanischen unibewerbungen: wieviele instrumente spielt man, in wieviel altenheimen hat man schon ein praktikum gemacht, an wieviel kinderparlamenten hat man teilgenommen, wieviele aufenthalte in afrika & co um den armen zu helfen,......

als schüler mit armen eltern steht man oft nachmittags an der kasse am supermarkt und kann sich solche spielereien wie oft gefordert sind einfach nicht leisten.

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Hans Blafoo 18.01.2011, 14:21
8. Blafoo

Zitat von sarah_h
falsch. steht eindeutig im artikel drin: "auch weil rund ein Viertel der Schulen, die die Hochschulreife verleihen, vom ihrem Vorschlagrecht keinen Gebrauch machten." man sollte schulen dazu verdonnern mind. den besten schulabgänger zu melden, aber das ist eben nicht der fall.
Wieso? Es gab bessere an seiner Schule und die wurden vorgeschlagen. Ergo hätte er besser sein müssen und dann hätte ihn der Schuldirektor vielleicht vorgeschlagen.

Zitat von sarah_h
davon abgesehen sind sämtlich stiftungen arbeiterklassefeindlich. es geht zu wie bei den amerikanischen unibewerbungen: wieviele instrumente spielt man, in wieviel altenheimen hat man schon ein praktikum gemacht, an wieviel kinderparlamenten hat man teilgenommen, wieviele aufenthalte in afrika & co um den armen zu helfen,......
Also zumindest wie ich die Studienstiftung bisher erlebt habe, ist das überhaupt nicht so. Es kommt natürlich drauf an, an welchen Gutachter man gerät, aber diese Darlegung kenne ich nur aus Mündern von Leuten, die es eben nicht geschafft haben.

Zitat von sarah_h
als schüler mit armen eltern steht man oft nachmittags an der kasse am supermarkt und kann sich solche spielereien wie oft gefordert sind einfach nicht leisten.
Ich kann diese "Spielereien", wie sie sie nennen, auch nicht vorweisen. Trotzdem wurde ich aufgenommen, sodass ich wohl irgendetwas richtig gemacht habe.

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Achim 18.01.2011, 17:33
9. Unpolitische Studienstiftung?

Vor rund 30 Jahren war ich auch bei einer dieser Auswahlrunden, hingeschickt von den Lehrern auf der Grundlage des Notenschnitts der 12. Klasse. Beim "Studierfähigkeitstest" (Intelligenztest wollte man das nicht nennen) sah es noch gut aus, aber beim Referat (ich plädierte für die Abschaffung der Atomkraft) und beim Auswahlgespräch war dann Ende Gelände. Die schönste Frage: "Was halten Sie vom Fall Filbinger?" (Unser "Landesvater" war kurz zuvor zurückgetreten.) Meine Antwort: "Ich glaube, er ist weniger wegen dem zurückgetreten, was er damals gemacht hat, sondern wegen dem, was er jetzt gesagt hat", kam wohl nicht so gut an ...

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