Forum: Leben und Lernen
Studium in China: Tolerieren geht über Studieren

China ist gut für die Karriere und für Studenten, die das Abenteuer suchen.*Für Christopher Rohmer war der Kuturschock beim Auslandstudium enorm, der Spaß aber auch.*Die Eigentümlichkeiten der Chinesen machen tolerant, sagen China-Kenner. Und wer unpolitisch tut, kommt gut*zurecht.

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demophon 10.08.2011, 21:46
40. Illusion

Zitat von
Merker schätzt, dass junge Leute die Sprache mindestens ein Jahr intensiv lernen müssen, um sie einigermaßen fließend zu sprechen, und im Anschluss ein Jahr dort leben sollten.
Das ist doch reine Illusion. Niemand kann Chinesisch in einem oder zwei Jahren fließend lernen. Ich kenne einen japanischen Studenten, der seit 8 Jahren intensiv Chinesisch lernt, davon ein Jahr in Taiwan und der z. B. beim Fernsehen immer noch fast nichts, d.h. nur ca. 30% versteht, wie er mir eingestand.

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JanSouth 11.08.2011, 12:31
41. Titel einfügen

Zitat von TsingtauBier
Wenn ich als chinesischer Student hier jeden Tag mit meinen deutschen Kommilitonnen ueber die deutschen alten und neuen Nazis und den Streit zwischen Ossis und Wessis spreche, kann ich hier bestimmt keinen Freund finden.
Falsch geraten. Ich kannte für ein paar Semester eine (rot)chinesische Austauschstudentin, stramme Maoistin, KP-Kader-Tochter, handverlesen rübergeschickt eben... deren Lieblingsthemen waren EXAKT die von Ihnen skizzierten: böse deutsche Nazis, deutsche Neonazis, arme Ex-Sozialisten/Ossis, die von den bösen Kapitalisten/Wessis unterdrückt werden, schlechte Behandlung von Ausländern in D, Rassismus überall, Dummheit der Deutschen gegenüber allen anderen Kulturen inklusive China, generelle kulturelle Unterlegenheit des Westens gegenüber China... usw usw usw.

Sie war sehr beliebt, bei den stramm linken Kommilitonen, und stand in der Zigarettenpause nie alleine rum :-)
Ich war leider kein Freund von ihr, scheinbar benutzte ich zu oft Worte die mit T anfangen *g*

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aldr 11.08.2011, 17:52
42. Erstaunlich

Zitat von JanSouth
Falsch geraten. Ich kannte für ein paar Semester eine (rot)chinesische Austauschstudentin, stramme Maoistin, KP-Kader-Tochter, handverlesen rübergeschickt eben... deren Lieblingsthemen waren EXAKT die von Ihnen skizzierten: böse deutsche Nazis, deutsche Neonazis, arme Ex-Sozialisten/Ossis, die von den bösen Kapitalisten/Wessis unterdrückt werden, schlechte Behandlung von Ausländern in D, Rassismus überall, Dummheit der Deutschen gegenüber allen anderen Kulturen inklusive China, generelle kulturelle Unterlegenheit des Westens gegenüber China... usw usw usw.
Die Studentin war erstaunlich offen... Normaleweise sprechen die Auslandsgäste die Wahrheit nicht aus. Um ihre deutsche Gastgeber nicht zu ärgern. So benimmt man sich eben im Ausland.

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aldr 11.08.2011, 17:52
43. Erstaunlich

Zitat von JanSouth
Falsch geraten. Ich kannte für ein paar Semester eine (rot)chinesische Austauschstudentin, stramme Maoistin, KP-Kader-Tochter, handverlesen rübergeschickt eben... deren Lieblingsthemen waren EXAKT die von Ihnen skizzierten: böse deutsche Nazis, deutsche Neonazis, arme Ex-Sozialisten/Ossis, die von den bösen Kapitalisten/Wessis unterdrückt werden, schlechte Behandlung von Ausländern in D, Rassismus überall, Dummheit der Deutschen gegenüber allen anderen Kulturen inklusive China, generelle kulturelle Unterlegenheit des Westens gegenüber China... usw usw usw.
Die Studentin war erstaunlich offen... Normaleweise sprechen die Auslandsgäste die Wahrheit nicht aus. Um ihre deutsche Gastgeber nicht zu ärgern. So benimmt man sich eben im Ausland.

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SchneiderG 12.08.2011, 08:46
44. .

Das ist doch reine Illusion. Niemand kann Chinesisch in einem oder zwei Jahren fließend lernen. Ich kenne einen japanischen Studenten, der seit 8 Jahren intensiv Chinesisch lernt, davon ein Jahr in Taiwan und der z. B. beim Fernsehen immer noch fast nichts, d.h. nur ca. 30% versteht, wie er mir eingestand. Tut mir leid, da muß ich wiedersprechen. "Merker" hat Recht mit der Aussage "einigermaßen fließend zu sprechen"!

Die Chinesische Sprache ist eine der einfachsten Sprachen der Welt, WENN man die Schriftzeichen wegläßt. Die Grammatik ist in 25 Lektionen (oder 6 Wochen Intensiv-Kurs) fast komplett abgeschlossen. Die unterschiedlichen Töne (4) sind in einem zusammenhängenden Satz nicht so relevant wie man immer wieder behauptet. Die PinYin-Schrift (lateinische Lautschrift) ist zu (ich schätz mal) 85% Prozent identisch mit der Deutschen Aussprache.

Grüße aus China

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FahrenderFranke 17.08.2011, 06:29
45. Deutschland braucht nicht nur Ingenieurskunst, sondern auch "Softpower".

Ich habe es leicht in China, da ich mit einer Chinesin verheiratet bin kann man also schon mal Rückfragen zum Gesehenen und Erlebten stellen, sowie natürlich Kultur und Sprache besser verstehen lernen. Wer die Sprache etwas versteht und auch lokale Medien beispielsweise die Lokalnachrichten am Abend im Fernsehen verfolgt, der kann durchaus sehen, wie im Land diskutiert wird und das die Leute etwas zu sagen haben, dies wollen und tun. Sie geben mitteilsam und nicht verschüchtert. Chinesen empfinde ich meistens sowohl als herzlich und herzhaft. Manchmal für meinen Geschmack zu laut als zu leise. In den Nachrichten dreht sich oft vieles um die lokale Wirtschaft, der Preisanstieg, Probleme bei Ernten, Umweltverschmutzung, Verkehrschaos, das Zugunglück in der Provinz Zhejiang etc. Man muss mit offenen Augen durch seine Nachbarschaft gehen, am lokalen Leben teilnehmen und nicht gleich in die nächste Ausländer-Bar flüchten. Man bemerkt in der jüngsten Vergangenheit auch, wie der Einfluss von Weibo, das chinesische Pendant zu Twitter (und ich bin nicht unbedingt unkritisch was soziale Netzwerke betrifft)den Druck auf die herrschende Klasse erhöht. Wer nicht glaubt, dass Chinesen laut für ihre Interessen eintreten können, der war noch nicht hier. Man läuft hier durchaus auf einem Pulverfass und ich lebe nicht auf dem armen Land, sondern in einer wohlhabenden Stadt an der Ostküste.

Viele Ausländer, die ich hier erlebe, empfinden vieles in China schon an sich als dreckig und deshalb probiert man es halt nicht. Es sieht für mein Auge nicht gut aus, deshalb probiere ich es nicht. Klar, einiges mag auch dreckig sein, aber wenn man hinsieht wo und wie die "laobaixing", also die einfache Bevölkerung, isst, trinkt, konsumiert und geniesst, kommt man klar und findet so langsam Stück für Stück noch mehr Dinge, die man zu seinem Speiseplan hinzufügen kann. Natürlich gibt es bei Obst und Gemüse Probleme, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich glaube, dass in den westlichen Ländern ähnliche Schweinereien unter der Hand ablaufen. Solange man nicht selbst anbaut, ist man halt der Dumme und dann muss man sich halt jemanden anvertrauen, der vielleicht dieses Vertrauens nicht würdig ist.

Zum Abschluß noch, ich habe viel mit deutschen Praktikanten zu tun, so Anfang Zwanzig, die ein Praktikum während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften unternehmen. Sehr viele davon kommen hier mit einem Tunnelblick an, der nur langsam aufbricht. Liegt vielleicht auch am neuen "wirtschaftsfreundlichen" Bildungssystem in Deutschland. Praktikanten aus anderen Ländern, die ich hier habe, ob Europäer oder aus Nordamerika, die auch Wirtschaftswissenschaften studieren sind da weiter, aufgeschlossener und lassen sich auf die andere Kultur ein. Das ist so etwas wie "Softpower", wovon unser kleines Land neben Ingenieursqualität dringend sehr viel mehr benötigt. Das mit der "Wanderameise" kann man nicht total verwerfen und viel Potential bleibt leider für die Zukunft brach liegen, wenn deutsche Studenten oder Praktikanten nach China aufbrechen.

Ich kann mir vorstellen, dass der Umgang zwischen Ausländern und Chinesen in "normaleren" Universitäten als der Tsinghua unverkrampfter vonstatten geht.

Ich gehe heute Abend zum Fussball ins Stadion und da können Sie der Lokalbevölkerung auch mal aufs Maul schauen. Mehr miteinander als übereinander reden wäre hilfreich.

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