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Tod einer Grundschülerin: Was wirklich gegen Mobbing hilft
Getty Images/Westend61

Eine Berliner Grundschülerin nimmt sich das Leben. Ein Aktivist prangert offensiv das Mobbing an deutschen Schulen an. Hilft die Aufmerksamkeit - oder macht sie alles nur schlimmer?

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tschnitzlein 12.02.2019, 18:48
100. Mobbing - ein stark unterschätztes Problem

Ich habe selbst Mobbing erfahren, als Internatsschüler in den 1960er Jahren. Vielen Diskutanten hier ist nicht klar, welche gravierenden Langzeitfolgen Mobbing hat; für mich waren sie ähnlich wie bei sexuallem Missbrauch, nur dass Mobbing sehr zu Unrecht moralisch nicht annähernd so hart verurteilt wird!

Ich musste sechs Jahre Mobbing ertragen - und ich habe ca. 20 Jahre gebraucht, bis die mir damals zugefügten Verletzungen nicht mehr meine Biografie beeinträchtigt haben. Die Symptome für mich waren jahrelange Depressionen, Selbstzweifel, Angststörungen und eine generelle Unfähigkeit, mutige Entscheidungen (im Privat- wie im Berufsleben) zu treffen und dazu mit Stärke und Selbstbewusstsein stehen zu können.

Das Ergebnis war ein Lebensweg, der angesichts meines sozialen Hintergrunds, meiner Begabungen und meiner Bildung deutlich woanders hin hätte führen können, als zu dem, was ich aus den unterschiedlichsten Gründen schliesslich erreicht habe.

Mobbing ist alles andere als trivial. Mobbing ist zerstörerisch, und Mobbing zuzulassen, ist mehr als nur fahrlässig. Mobbing kann im Extremfall töten, im Normalfall kostet es aber fast immer wertvolle Lebenszeit, in der der/die Betroffene in seinem/ihrem späteren Leben nicht so vorankommt, wie es ihm/ihr eigentlich gemäß wäre.

Meine Verbitterung heute richtet sich aber nicht gegen diejenigen, die mich gemobbt haben - diese Leute waren damals selber voller Probleme, und oft genug selbst in der einen oder anderen Weise Opfer. Sie richtet sich viel mehr gegen Lehrer und Erzieher, die nicht hin- sondern lieber weggeschaut haben, und die ein soziales Klima des "was Dich nicht umbringt, macht Dich hart" bzw. "wer petzt oder sich beschwert, der beschädigt die Gemeinschaft" genährt haben.

Diese Komplizität erst macht Mobbing so gefährlich, denn sie bestätigt den Mobber darin, dass sein Tun richtig ist, und keiner Kritik oder Strafe bedarf. Zugleich macht es gerade diese Haltung besonders schwer, in der betroffenen Gruppe überhaupt ein Problembewusstsein für das Leiden der Betroffenen zu erzeugen! Wenn man es nicht schafft, in der Gruppe Empathie für Mobbing-Opfer zu erzeugen, dann gibt es auch keinen Weg heraus aus diesem Teufelskreis.

Ich halte nichts davon, die Mobber bloßzustellen - das führt nur zu einer Verhärtung der Situation. Viel mehr müssen Schulen geschützte Räume schaffen, in denen Betroffene sprechen können, ohne fürchten zu müssen, dass am nächsten Tag jeder weiß, wer da sein Leid geklagt hat, denn das wird der dann bitter büßen müssen.

Sehr viel halte ich aber davon, dem Thema Mobbing einen ähnlichen Stellenwert zuzuweisen wie dem Thema Sexueller Missbrauch. Leider ist Mobbing heute nicht justiziabel - um so wichtiger wäre es aber, wenn Lehrer und Erzieher per Fortbildung dafür sensibilisiert würden, und wenn alle Schulen gut eingespielte Vorgehensweisen (z.B. Rollenspiele etc.) entwickeln würden, um solche Probleme möglichst schnell und mit so wenig Schaden für die Betroffenen abzustellen.

Nur so kann man den Betroffenen viel Leid in ihrem späteren Leben ersparen.

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tschnitzlein 12.02.2019, 18:51
101. Mobbing - ein stark unterschätztes Problem

Ich habe selbst Mobbing erfahren, als Internatsschüler in den 1960er Jahren. Vielen Diskutanten hier ist nicht klar, welche gravierenden Langzeitfolgen Mobbing hat; für mich waren sie ähnlich wie bei sexuellem Missbrauch, nur dass Mobbing sehr zu Unrecht moralisch nicht annähernd so hart verurteilt wird!

Ich musste sechs Jahre Mobbing ertragen - und ich habe ca. 20 Jahre gebraucht, bis die mir damals zugefügten Verletzungen nicht mehr meine Biografie beeinträchtigt haben. Die Symptome für mich waren jahrelange Depressionen, Selbstzweifel, Angststörungen und eine generelle Unfähigkeit, mutige Entscheidungen (im Privat- wie im Berufsleben) zu treffen und dazu mit Stärke und Selbstbewusstsein stehen zu können.

Das Ergebnis war ein Lebensweg, der angesichts meines sozialen Hintergrunds, meiner Begabungen und meiner Bildung deutlich woanders hin hätte führen können, als zu dem, was ich aus den unterschiedlichsten Gründen schließlich erreicht habe.

Mobbing ist alles andere als trivial. Mobbing ist zerstörerisch, und Mobbing zuzulassen, ist mehr als nur fahrlässig. Mobbing kann im Extremfall töten, im Normalfall kostet es aber fast immer wertvolle Lebenszeit, in der der/die Betroffene in seinem/ihrem späteren Leben nicht so vorankommt, wie es ihm/ihr eigentlich gemäß wäre.

Meine Verbitterung heute richtet sich aber nicht gegen diejenigen, die mich gemobbt haben - diese Leute waren damals selber voller Probleme, und oft genug selbst in der einen oder anderen Weise Opfer. Sie richtet sich viel mehr gegen Lehrer und Erzieher, die nicht hin- sondern lieber weggeschaut haben, und die ein soziales Klima des "was Dich nicht umbringt, macht Dich hart" bzw. "wer petzt oder sich beschwert, der beschädigt die Gemeinschaft" genährt haben.

Diese Komplizität erst macht Mobbing so gefährlich, denn sie bestätigt den Mobber darin, dass sein Tun richtig ist, und keiner Kritik oder Strafe bedarf. Zugleich macht es gerade diese Haltung besonders schwer, in der betroffenen Gruppe überhaupt ein Problembewusstsein für das Leiden der Betroffenen zu erzeugen! Wenn man es nicht schafft, in der Gruppe Empathie für Mobbing-Opfer zu erzeugen, dann gibt es auch keinen Weg heraus aus diesem Teufelskreis.

Ich halte nichts davon, die Mobber bloßzustellen - das führt nur zu einer Verhärtung der Situation. Vielmehr müssen Schulen geschützte Räume schaffen, in denen Betroffene sprechen können, ohne fürchten zu müssen, dass am nächsten Tag jeder weiß, wer da sein Leid geklagt hat, denn das wird der dann bitter büßen müssen.

Sehr viel halte ich aber davon, dem Thema Mobbing einen ähnlichen Stellenwert zuzuweisen wie dem Thema Sexueller Missbrauch. Leider ist Mobbing heute nicht justiziabel - um so wichtiger wäre es aber, wenn Lehrer und Erzieher per Fortbildung dafür sensibilisiert würden, und wenn alle Schulen gut eingespielte Vorgehensweisen (z.B. Rollenspiele etc.) entwickeln würden, um solche Probleme möglichst schnell und mit so wenig Schaden für die Betroffenen abzustellen.

Nur so kann man den Betroffenen viel Leid in ihrem späteren Leben ersparen.

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espressotime 12.02.2019, 18:51
102.

Sorry, die Aufgabe der Lehrer ist zu lehren. Wenn grundsätzliche Probleme auftauchen und die Lehrer bemüht sind das zu klären und die Verantwortlichen Kinder zu Rechenschaft gezogen werden, da gibt es tatsächlich Eltern die dann behaupten, das ach ihr lieber Sohn, der alle tritt und beleidigt, von der Lehrerin gemobbt wird. An einer Schule gibt es Regel, wenn diese gebrochen werden, müssen härtere Konsequenzen herangezogen werden. Außerdem Handyverbot an den Schulen. Mobber lassen sich auch noch gerne von ihren Kompagnons Filmen und prahlen damit in der Öffentlichkeit. Die Opfer sehen meist vor lauter Scham keine andere Lösung, als sich selbst zu verletzen.

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jarrah 12.02.2019, 18:53
103. Täter im Mittelpunkt...

... zumindest wirkt es so. Dieses Vorgehen mag sinnvoll sein, um Ursachen zu bekämpfen. Doch eines möchte ich auch sagen: für die Opfer ist das blanker Hohn. Ich habe selbst - aufgrund einer Hautkrankheit - jahrelanges Mobbing in der Schule erlebt, bis hin zu gebrochenen Fingern. Die Lehrer haben weggesehen; eine direkt von mir angesprochene Lehrerin hat gesagt, sie könne nichts tun. Danach habe ich nie wieder was gesagt. Und der Klassenlehrer, der ein Jahr später doch war merkte, fuhr schließlich auch die Strategie der Stärkung der Täter - Ergebnis: die Täter bekamen Oberwasser und alles wurde noch schlimmer. Wer mir geholfen hat: ein paar gute Freundinnen. Und Jahre später ein guter Seelsorger. Doch die Wunden bleiben, auch wenn sie vernarbt sind.

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jeby 12.02.2019, 18:53
104.

Zitat von markus_wienken
Ich habe Ihren Vorposter so verstanden, dass man so "energisch" dem Mobber entgegen treten sollte. Ich stimme dem zu und vermittle meinem Sohn das auch so um kein Opfer zu werden.
Leider hilft das nicht, wenn ein Kind aus welchen Gründen auch immer Pech haben sollte und unpopulär in der Klasse ist. Dann ist es nicht nur einer gegen einen. Dann sind es 5 oder mehr gegen einen und der Rest schaut zu.

Mobben ist auch nicht nur physische Gewalt. Häufig noch schlimmer ist das Ausgrenzen und Hänseln. Keiner will neben einem sitzen, keiner will mit einem spielen oder im Sportunterricht im gleichen Team sein. Das gemobbte Kind wird nicht mit seinem oder ihren Namen angeredet, sondern mit einem beleidigenden Spitznamen. Es ist den ganzen Schultag einsam. Jeder der das Kind nicht aktiv hänselt, beleidigt oder erniedrigt, ingnoriert es. Dagegen kann man sich nicht wehren.

Sie haben es vielleicht gar nicht gemerkt, aber was sie hier machen, ist fast schon Victim blaming. Wenn ein Kind nur selbstbewusst und energisch genug auftritt, dann wird es nicht gemobbt. Das klappt aber auch nicht immer. Hinzu kommt was ist mit den Kinder, die schon das Opfer der Klasse sind? Wenn die ganze Klasse gegen einen ist, dann ist es wirklich nicht leicht selbstbewusst und energisch aufzutreten. Und wenn es das gemobbte Kind trotzdem schaffe würde, würde das auch nichts mehr helfen. Da denken sich doch die Täter eher, dass ihr Mobben noch nicht heftig genug war, weil ihr Opfer ja noch nicht total am Boden zerstört dreinschaut.

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Hagbard 12.02.2019, 19:03
105.

Zitat von tafelsilber
Klar, jetzt soll man wieder Verständnis für Mobber aufbringen. Diese widerlichen Typen müssten nur konsequent von der Schule geschmissen werden. Stattdessen dürfen die jahrelang Mitschüler foltern, ohne Folgen.
Ja, natürlich ohne Folgen. Weil wir blind und taub sind.
Wenn ein paar Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund im Suff randalieren, fährt der Innenminister schweres Geschütz auf, NPD-Clowns gehen Streife, Bürger fühlen sich plötzlich nicht mehr sicher und die AfD schäumt - und viele lassen sich mitreißen.
Beim Rest der Gewalt-Kriminalität (Mobbing IST Gewalt) reagiert das Volk mit bemerkenswertem Phlegma. Sogar bei diesem Fall.
Und das hat Tradition. Außer, man kann mit dem Finger auf "die bösen Ausländer" zeigen. Dann ist's natürlich etwas anderes.

Klingt das bitter? Ist es auch. Aber es ist das, was ich wahrnehme und selbst erlebe und erlebt habe.
Mobbing hat's vor 40 Jahren schon gegeben - und damals auch schon niemanden interessiert.
Wir sind blind und taub für die Realität, schauen mit Genuss in die falsche Richtung.

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Schartin Mulz 12.02.2019, 19:03
106. Erschreckend,

was hier so manche von sich geben.
Die Mobbing-Opfer sind selbst Schuld. Oder die Eltern, die ihre Kinder zu sehr verhätschelt haben.
Man muss sich eigentlich über solche Vorfälle in den Schulen nicht wundern, wen man hier die Einstellung vieler Erwachsener liest.

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berliner789 12.02.2019, 19:05
107. Diskussion am eigentlichen Thema vorbei!

Es ist mir wirklich schleierhaft, warum die Diskussionen um Gewalt bzw. Mobbing an Schulen immer an Schule und ihren Defiziten fest gemacht wird! Die Schule ist lediglich der Ort an dem die Schüler zusammenkommen. die Frage ist, was bringen sie an Kompetenzen in diese Einrichtung mit? Statt sich über Lehrer und Schulen aufzuregen und ihre Kompetenz anzuzweifeln sollte sich die Gesellschaft mal fragen, was hier verkehrt läuft! Als Elternteil habe ich eine Verantwortung und habe Kinder nach gesellschaftlichen Werten und Normen zu erziehen. Leider gibt es in vielen Elternhäusern kaum Kommunikation und gerade in sozialen Brennpunkten fehlt es an Vorbildern. die Art und Weise wie in Medien berichtet wird, der ungebremste und unbegleitete Medienkonsum: das alles macht unsere Kinder zu Menschen, die sich nicht mehr in andere Menschen hineinfühlen können und daher Grenzen überschreiten. was wir brauchen ist ein gesellschaftlicher Einschnitt, einen Werte-Konsens, Elterntrainings, Medientraining, ausgebildete gute Pädagogen und Lehrer , Begleitung/ Beratung Ausbildung von werdenden Eltern und ein Miteinander in der Gesellschaft, statt eines Gegeneinanders!! das Verhalten der Kinder ist nämlich leider nur ein Spiegel der Gesellschaft.

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lalito 12.02.2019, 19:19
108. M.f.G

Zitat von bedireel
Wer schickt sein Kind auf eine Waldoof-Schule? Tut man seinem Kind Gutes, wenn es realitätsfern unterrichtet wird und man dafür auch noch viel Geld zahlt? In unserer Firma machen jedes Jahr W-Schüler ein “Praktikum”,auch in der Produktion,nicht als Schnupperkurs, eher als Abschreckung,“das mache ich bestimmt nicht”-selbsternannte Eliten besuchen die Untertanen. Zum Thema Grüne: Ökologie ist für einen grossen Teil nur Tarnung, da passt die Farbe bestens,Beispiel: Kretschmann , Mitglied einer linksextremen Vereinigung , ging zu den Grünen, um dem Radikalenerlass zu entgehen und um Lehramt studieren zu können,“Marsch durch die Institutionen”, den Auftrag von RAF und Co. zu erfüllen. M.f.G.
Und solche Leute wie Sie haben bei Ihnen in der Firma etwas zu sagen? Oder sind Sie nur sauer, in einem jämmerlichen Dasein keine wirklich relevante Funktion auszufüllen? So oder so, würde solcherart ausgebreitete Denke jedenfalls nur einem armen Kauz zuschreiben.

Falls Sie der Chef des Ladens sein sollten, was nicht anzunehmen ist, wie und womit kann ich, sowie sicherlich auch ein Großteil meiner Freunde und Bekannten, dann Ihren Laden forever boykottieren?

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view3000 12.02.2019, 19:19
109.

Zitat von poppi
Gute Idee. Wie weisen Sie Mobbing gerichtsfest nach?
Vielleicht mit einer polizeilichen Befragung der Verdächtigen, Zeugenaussagen, Verlauf der Emails und sozialen Netzwerke ansehen, Kontrolle der Leitlinien in der Schule, Befragung der Lehrer/innen und der Rektorin etc. Glauben Sie mir, wenn erst einmal Öffentlichkeit hergestellt ist, dann weiß jeder was auf dem Spiel steht. Wenn Kinder unter 14 nicht strafmündig sind, dann sollte man für die mehrfach Angezählten über eine pädagogisch wertvolle Erziehungseinrichtung nachdenken. Dort können sich dann professionelle Sozialpädagogen und Psychologen unter Einbeziehung der Eltern darum kümmern, dass die Versäumnisse in der Erziehung nachgeholt werden und zwar ohne Kollateralschäden. Es gibt schon Wege aber wenn man sich taub und blind stellt, dann hilft das den Opfern überhaupt nicht. Ergänzend muss in diesem Zusammenhang auch noch erwähnt werden, dass es auch Mobbing in Unternehmen gibt und da handelt es sich mit 99 prozentiger Sicherheit um strafmündige Bürger, die mit einer Konsquenz zu rechnen hätten, wenn es denn erst einmal einen Straftatbestand gäbe.

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