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Trotz zentralem Aufgabenpool: Warum Abi-Prüfungen in jedem Bundesland anders sind
Ole Spata /DPA

Bundesländer sollen Abitur-Aufgaben aus einem zentralen Pool übernehmen, um die Prüfung gerechter zu machen. Doch jedes Land passt die Aufgaben an die eigene Schülerschaft an - und so gibt es doch wieder Unterschiede.

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AxelSchudak 08.06.2019, 11:49
1. Abi ist unfair

Ein Abitur zur Bemessung vergleichbarer Leistung ist immer unfair.

Entweder man testet die Schüler ausgehend von dem Niveau, das an ihrer Schule erreichbar war. Dann kann man Wissen, Anwendung und Transferfähigkeiten testen, aber die Klausuren müssten für jede Schule - eigentlich für jede Lerngruppe - angepasst werden und anders aussehen. Dann wird zwar jeder Schüler für sich fair bewertet, aber die Ergebnisse sind hinsichtlich des absoluten Wissens nicht vergleichbar.

Will man eine Vergleichbarkeit des Leistungsstandes, und keine Abfrage der individuellen Fähigkeiten des Schülers, dann MUSS man damit leben, dass Schüler unfair behandelt werden. Jede Lerngruppe ist anders und entwickelt sich anders - ein Gymnasium in einer Wohngegend mit Akademikern bietet einfach andere Möglichkeiten als in einem sozial schwächeren Umfeld. Selbst bei völlig identischen Ausgangsvoraussetzungen tauchen schnell Notenunterschiede von bis zu einer Note im Schnitt auf, ohne dass die einzelnen Schüler schlechter oder besser sind - die Lerndynamik in einer Klasse ist einfach anders. Dabei ist "Heterogenität" möglicherweise sozial vorteilhaft, für den Lernerfolg eher nicht. Binnendifferenzierung ist hilfreich, verstärkt das Problem aber auf Dauer nur.

Insofern ist ein "gemeinsamer, gleicher" Test gut für die Übersicht, aber unfair. Eine individuelle Prüfung - nach Schüler, Klasse, Schule, Bundesland - ist gerechter in der Beurteilung der einzelnen Schülern, aber halt schlechter vergleichbar. "Generell vergleichbar" und "individuell gerecht" sind nicht zu vereinbaren - mit diesem Bruch muss man einfach leben, und viele Schüler werden dafür immer wieder den Preis zahlen.

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volker.simoneit 08.06.2019, 12:15
2. Die Qualität der Bildungspolitik

ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Als Chancengleichheit müssen die Aufgaben angepasst werden. Wir können davon ausgehen, daß die Schüler durchschnittlich ein gleiches Intelligenzniveau haben.

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aerograd 08.06.2019, 12:20
3.

Bildungspolitik und auch Schulen nehmen die Abiprüfungen einfach viel zu wichtig. Anstatt die Lernbedingungen zu verbessern und Kompetenz, Lust und Motivation zum Hauptmerkmal der Bildung zu machen, werden Prüfungen und Notenvergabe in solchen Debatten fetisichisiert. Was die Schüler zum Abi nicht können, werden sie hinterher eh nicht mehr lernen. Warum daher die Abiprüfungen beim lebenslangen Lernen dann so hoch hängen? Vielmehr käme es doch drauf an, den Schülern individuell den Sinn von Problemlösungen zu vermitteln. Das würde allerdings in der ersten Klasse anfangen. Vielmehr sollte das gesamte Notensystem auf den Prüfstand. Und es hat natürlich viel mit Investitionen in Bildung und Ausbildung zu tun.

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static_noise 08.06.2019, 12:31
4.

Auch auf die Gefahr wie ein Besserwisser zu klingen: Die Abinote ist längst kein "Schlüssel zum Erfolg" mehr.
Das war Mal so, in einer Zeit strenger Ausbildungspläne und allgemein gültiger Festlegung von "Berufen".
In der modernen Dienstleistungsgesellschaft, durch Bologna ausgehöhlter universitärer Bildung, Deregulierung von Wirtschaft und modernen Themenfeldern und Technologien von deren "Berufen" und Möglichkeiten die verknöcherten Bildungsstrukturen noch nicht Mal was gehört haben ist die Note meist fast gleichgültig.
Ich hab mein Abi nur mit Ach und Krach geschafft, bin über 50 und habe mich in in den 2000ern entschieden auf IT umzusatteln.
Heute bin ich einer dieser "bösen Berater" in der IT großer Firmen und landläufig vermutlich 'erfolgreich'.
Mein Abi spielte das letzte Mal eine Rolle als ich ein Formular beim Amt ausfüllen müsste (höchster Schulabschluss).

Wie so vieles in unserem Land, statt sinnvoll zu modernisieren verwaltet man "Altbestand"(war immer schon so) zu Tode und versucht es mit Drehen an Stellschräubchen zu retten.
Oder überlässt es "der Wirtschaft" und wundert sich, dass das Ergebnis nicht nach Qualität sondern nach Gewinn designed ist.

Politik ist visionsloser Verwalter der Altmasse, das geriatrische Klammern am "Früheren" in einer Zeit wo gesellschaftlicher und technischer Generationenwechsel in 5-10Jahresrythmen passiert.

Liefert Visionen oder "strebt".

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Schartin Mulz 08.06.2019, 12:36
5. Die Vorstellung,

man könne absolut vergleichbare Abitur.Ergebnisse erzeugen, ist naiv.
Man ist als Schüler von sovielen Faktoren abhängig. Von der Klassensituation, von den Lehrern. Um Noten wirklich bis auf die Nachkommastellen vergleichen zu können, müssten alle die absolut gleichen Voraussetzungen haben. Gleiche Klassenzusammensetzung, gleich gute Lehrer. Exakt dieselbe Vorbereitung.
Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass Vergleichbarkeit der Noten das oberste Ziel wäre.
Und von dem Gedanken, dass ALLE Schüler exakt dasselbe lernen müssen. Dieselbe Literatur im Deutschuntericht z.B. Was heißt, das alle Absolventen bestimmte Werke kennen, andere aber nicht. Es ist nicht schwer zuerkennen, dass die Gesellschaft von unterschiedlichen Kompetenzen viel mehr hätte.
Aber auf dem Gebiet ist "Gleichmacherei" immer noch in.

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giorgio05 08.06.2019, 13:38
6. Noten vergleichen?

Im 1. Semester Sozialwissenschaften oder auch Psychologie lernt man, dass Schulnoten nicht die mathematischen Voraussetzungen für die angewendeten statistischen Methoden erfüllen: Das wäre dann der Fall, wenn die Abstände zwischen den Leistungen, die benotet werden, gleich wären, wie bei Längen oder Gewichten: 2 m sind doppelt so lang wie 1 m. 7 kg wiegen 1/3 von 21 kg. Eine 1 ist aber nicht doppelt so gut wie eine 2. Schulnoten bilden Rangfolgen. Würde man in einer Statistikklausur hier mit dem arithmetischen Mittel, dem "Durchschnitt" rechnen, gäbe es Punktabzug! In der Bildungspolitik scheinen solche Petitessen aber keine Rolle zu spielen. Hier werden individuelle Notendurchschnitte gebildet für die Vergabe von Studienplätzen, und auch noch über die Länder hinweg mit Aufgaben, die nicht vergleichbar sind. Glücklich die, die von diesem methodischen Schwachsinn profitieren (und wenn sie dann den Studienanforderungen gewachsen sind), Riesenpech für alle anderen!

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dasfred 08.06.2019, 13:45
7. Zu Nr.5, Schartin Mulz

Sie haben hier sehr gut die Aspekte zum Ausdruck gebracht, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Note haben. Allein schon zwei verschiedene Lehrer können zu komplett anderen Ergebnissen führen. Auch sagt eine erstklassige Note nur, dass der Schüler perfekt ans Schulsystem angepasst ist. Nicht aber, was er fünf Jahre später noch beherrscht oder wo seine wahren Stärken liegen. Vieles, was später im Beruf verlangt wird, bildet die Abinote überhaupt nicht ab. Von einem guten Fachmann auf seinem Gebiet verlange ich keine vertieften Kenntnisse in sachfremden Themenkomplexen. Ein Abiturient sollte nachweisen, dass er sich Wissen selbständig aneignen kann, nicht dass er sich massig Stoff reingebimst hat, der schon kurz nach der Prüfung weitestgehend vergessen ist.

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glasen 08.06.2019, 13:51
8. Vergleichbarkeit der Noten

Zitat von Schartin Mulz
man könne absolut vergleichbare Abitur.Ergebnisse erzeugen, ist naiv.
Da muss ich widersprechen. Andere Länder zeigen, dass es problemlos möglich ist. Dazu müsste es halt ein richtiges Zentralabitur geben und der Föderalismus abgeschafft werden. Dazu fehlt aber der politische Wille.

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pracz 08.06.2019, 13:55
9. Wirklich vergleichbare Prüfungen

Zumindest in Mathe wäre es einfach: Wollte man genau vergleichbare Prüfungen, müssten die Schüler genau die selben Aufgaben lösen. Aber man will es offensichtlich nicht.

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