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Übertritt aufs Gymnasium: Eltern entscheiden nicht ungerecht
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Gymnasium, Real- oder Hauptschule - hier entscheiden sich Lebenswege. Sollen Eltern oder Lehrer über die Schulform bestimmen? Berliner Forscher kamen jetzt zu einem überraschenden Ergebnis.

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clemensbarono 23.09.2015, 13:18
110. Wer weiß, was in den Schulen tatsächlich passiert?

Selten beginnt eine Unterrichtsstunde pünktlich. Die LehrerInnen verlassen die Unterrichtsräume, wie damals vor Jahrzehnten. zu oft werden schlechte Fotokopien als Vorlage für weitere Kopien verwendet. Fast täglich gibt s Vertretungsstunden. Im Fach SPORT wird bad minton gespielt, roller baldes gefahren, getanzt, Aerobic geturnt ? Die Schülerinnenanzahl einer Klasse tendiert zu 30 ...

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scoolodie 23.09.2015, 13:43
111. Haben Sie das einmal nachgerechnet?

Zitat von hartmannulrich
Es ist nicht so, daß die Grundschulempfehlung im Ermessen der Lehrer liegt. Hier in Baden-Württemberg war es jedenfalls, bevor die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft wurde (unverbindlich gibt es sie weiterhin), so, daß schon bei durchschnittlichen Noten in Mathe und Deutsch (2,5) eine Gymnasialempfehlung ausgesprochen werden mußte. ......
Durchschnitt in D und Ma 2,5, die anderen Fächer zählen nicht. (So war das lange Zeit auch in Sachsen, man ist davon wieder abgekommen.) Das bedeutet also D = 1 und Ma = 4 oder umgekehrt sind im Extremfall mögliche Optionen.
Dann geht es los: 33 Wochenstunden, möglichst 45 Minuten Busfahrt hin und zurück nochmals, Hausaufgaben in allen Fächern, Vorbereitungen auf alle möglichen Tests und Klassenarbeiten, Nachhilfelehrer,...
Und wann darf das Kind mit 10 Jahren noch Kind sein, ich meine dabei nicht den 1,0-er, sondern eben den 2,5-er?

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scoolodie 23.09.2015, 13:57
112. Notwendige Frage!

Zitat von zytec
Wie sagte mein Klassenlehrer in der 5. Klasse Gymnasium im Elternsprechtag zu meiner Mama - der ist nicht dumm, der ist nur faul (nach der ersten Runde Stegreifaufgaben und durchgehenden Noten in der Spanne von 4-6). Mein Abitur hab ich dann mit......
Warum ordnen Sie Ihre Eltern als bildungsfern ein? Nur weil Ihr Vater Arbeiter war und Ihre Mutter keine Ärztin?
Bildungsferne sieht doch anders aus. Für mich heißt das, dem Schulgeschehen der Kinder achtlos gegenüber zu stehen, den Kinder kein Frühstück zu geben und stattdessen im Bett weiter zu schnarchen, kein Buch zu haben, nur mit dem Bier vor dem Fernseher zu hängen, keine Ausstellung und kein Museum zu besuchen,...
Meine Frau erzählt, dass ihre Eltern und Großeltern, deutsche Industriearbeiter, sich vor dem WKII wöchentlich einmal zur Hausmusik getroffen haben. Bildungsferne, weil Arbeiter? Welche Arroganz!
Bildungsnähe ist für mich also noch lange nicht der Hochschulabschluss oder gar der Doktortitel, sondern eine Lebenseinstellung.

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c.PAF 23.09.2015, 14:14
113.

Zitat von 2469
Eltern haben davon keine Ahnung und sollten das nicht entscheiden. Es ist eh ein Skandal, dass fast die Hälfte der Schüler Abitur macht und der Rest praktisch keine Chance auf einen guten Job hat.
Was ist daran ein Skandal? Man muß und darf sich nicht am Niveau der "Dummen" orientieren und dieses sich zum Ziel machen!
Realschüler haben sehr wohl eine Chance auf einen guten Job, ebenso gute Hauptschüler.

Ein Freund von mir hat eine Firma, und nachdem er seit Jahren jammert, daß die Azubi-Bewerber immer dümmer werden und ich das nicht glauben wollte, hatte er mich dieses Jahr als "Personaler" an einem Vorstellungstag mit dabei sitzen lassen, während er die Vorstellungsgespräche geführt hat.

8 Termine, 5 sind gekommen, 1 hat er genommen (Hauptschüler). 1 (realschüler) wäre "zur Not" auch noch gegangen. Aber die anderen 3? Ich muß gestehen, ich war fassungslos und vollkommen ernüchtert. Einfachstes Basiswissen fehlte. Selbst die Frage, in welchem Bundesland sein Betrieb sei, konnte 1x nicht beantwortet werden. Und nein, da war keine Aufregung im Spiel. Im Gegenteil, der nervöseste war zugleich der Beste. Mein Freund meinte dazu: "die Aufregung legt sich, aber die Dummheit bleibt...".

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Awesomeness 23.09.2015, 15:08
114. Abwertung der Schulformen

Einst war das Gymnasium die Vorbereitung auf ein Studium. Realschulen haben die Grundlage für kaufmännische und Verwaltungsjobs gelegt. Handwerker, Meister und Gesellen, haben in der Hauptschule das nötige Rüstzeug erhalten.
Es war nicht selten, dass ein ehem. Hauptschüler trotzdem eine Banklehre anfing.

Heute kämpft die Hauptschule darum, elementare Sprach- und Rechenkenntnisse zu vermitteln. Für eine Banklehre braucht man heute fast immer Abitur. Für Jobs im Controlling oder Management braucht man ein FH-Studium. Das Unistudium hingegen wird immer stärker unter Druck gesetzt, weil es stärker auf Grundlagenforschung als auf Anwendung zielt.

Nicht zuletzt, ist es aber auch diese alles für alle auf Antrag-Mentalität. Niemand hat ein Recht auf Erfolg, nur auf Chancengleichheit.

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at@at 23.09.2015, 15:25
115.

Zitat von 2469
Eltern haben davon keine Ahnung und sollten das nicht entscheiden. Es ist eh ein Skandal, dass fast die Hälfte der Schüler Abitur macht und der Rest praktisch keine Chance auf einen guten Job hat.
Ja, meine Eltern hatten dann wohl auch keine Ahnung... ;-). Der Lehrer schwankte zwischen Gymnasium und Realschule, Tendenz zur Realschule, auf Druck meiner Eltern wurde daraus Gymnasium - zum Glück. Ich war immerhin drittbeste meines Abiturjahrgangs, habe studiert und promoviert und arbeitet schon seit Jahren in einem tollen Job, den ich ohne Abitur und Studium nie hätte ausüben können... Übrigens sind meine Eltern auch beide Akademiker - wären sie das nicht, hätten sie sich wohl weniger gegen die geplante Einstufung des Lehrers gewehrt. Ähnlich ging es einer Freundin, die ihr Abitur nachgeholt hat und heute auch in einem technischen Beruf arbeitet - ihre Lehrer sahen damals auch keine Perspektive auf einem Gymnasium.

Lehrer berücksichtigen leider oft nicht die Umstände. Ich hatte bspw. wegen mehrerer Umzüge und damit Schulwechsel zunächst etwas Probleme, mich in der neuen Grundschule zurechtzufinden. Die Freundin kam erst als Kind nach Deutschland und hatte lange Probleme mit dem richtigen Deutsch. All das wurde bei den damaligen Lehrerempfehlungen leider nicht in Betracht gezogen. Eltern wissen in dem Punkt einfach besser, was ihren Kindern zuzutrauen ist.

Sicher kann man darüber diskutieren, ob so viele Kinder aufs Gymnasium gehen müssen, aber meiner Meinung nach kann man eigentlich nicht zu viel Bildung haben - viele Menschen haben leider eher zu wenig davon...

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matthes schwalbe 23.09.2015, 16:30
116.

Zitat von Berg
Was wollen Sie uns mit Ihrem Outing verklickern? Ist es Ihren Geschwistern und Kindern eigentlich recht, dass Sie sie hier so ausstellen und beurteilen?
Sagen Sie mal teurer Berg,
dabei waren Sie es doch högscht selber, welcher hier auf SPON geschrieben hat & bemängelte, dass seine Enkelin lieber am Dresdener Elbufer die Zeit verbringt als brav zu Hause lernen - hm?

Oder wollten Sie sich einfach wichtig machen und nur mal so einen Gag schreiben?

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ilek 23.09.2015, 16:50
117. Das ist eine Frage der Perspektive

Zitat von c.PAF
Was ist daran ein Skandal? Man muß und darf sich nicht am Niveau der "Dummen" orientieren und dieses sich zum Ziel machen! Realschüler haben sehr wohl eine Chance auf einen guten Job, ebenso gute Hauptschüler. Ein .........
Ich weiß nicht in welcher Brnache in Freund tätig ist, aber vermutlich sind (wie in vielen Bereichen) nicht die Schüler dümmer geworden, sondern das Bewerberprofil hat sich verschoben. Es gibt eine ganz allgemeine Tendenz, dass das sich die Qualitfizierungsanforderungen in den Berufen deutlich erhöht haben, die Bewerber wandern mit. Früher war z.B. für eine Lehre bei einer Bank der Realschulabschluss die Norm (für solche Tätigkeiten ist die Realschule irgendwann mal eingerichtet worden), heute nehmen die Banken aber fast nur nur noch Abiturienten. Warum? Weil die Aufgabe heute deutlich mehr umfasst als mit Geld hantieren und die Konten pflegen, das geschieht weitestgehend automatisch. Wie viele Kassen hat eine Bank heute noch im Vergleich zu früher?
D.h. jeder der so eine kaufmännische Ausbildung anstrebt, geht heute nicht mehr zur Realschule, sondern macht Abi.
Früher haben wir außerdem eine Menge Leute beschäftigt, die zwar z.B. nominell eine Maurerlehre hatten, aber eigentlich vorwiegend Sand geschippt haben. Heute ist das Bauhandwerk hochtechnisiert und anspruchsvoll, da schippt kaum noch jemand von Hand. Die Leute, die das früher gemacht haben bewerben sich jetzt z.B. bei Ihrem Freund, die guten bekommt er gar nicht mehr, die waren auf dem Gymnasium.

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ondrana 23.09.2015, 17:13
118.

Zitat von ilek
Bevor jetzt die Antworten kommen "Wenn sich einer doch positiv entwickelt, kann er doch nach der 10. von Real/Hauptschule immer noch auf die gymn. Oberstufe wechseln". Ja stimmt. Aber wie oft kommt das tatsächlich vor und ist das dann der bessere/leichtere Weg für den Schüler, erst die "einfachere" Laufbahn und dann im Entspurt heftig Gas geben?
Das sind bei uns in der Regel 25% der Realschüler/innen. Noch einmal genauso viele könnten es tun, wennn sie sich nicht für eine Ausbildung entscheiden würden.

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hemithea 23.09.2015, 17:37
119. an C. PAF

Man muss aber auch mal ne Lanze brechen, für Schüler UND Lehrer. Die Schüler sind Opfer dämlicher Schulreformen a la "schreiben wie man hört", auch wenn das anfangs völlig falsch ist. Oder Fächerübergreifender Unterricht, Nawi, finde ich ja an sich nicht schlecht, Zusammenhänge aufzeigen, Horizont erweitern usw. Aber das funktioniert nicht, ohne bestimmte solide Basis in Physik, Chemie, Mathe und Bio. Die Lehrer haben keine Chance und müssen sich an die dämlichen Rahmenpläne halten, die Eltern sehen auch nicht mehr durch und die meisten haben irgendwann Schwierigkeiten ihre Kinder in der Oberstufe wirklich gut zu unterstützen, da Fächer durch Nichtbenutzung in Vergessenheit geraten. Die Schüler kriegen nichr mehr strukturiertes Wissen und ihnen fehlt die Erfahrung und Weitsicht, die chaotischen Informationen aus der Schule und Büchern sinnvoll zu sortieren.
Und dann darf man nicht erwartet, dass Kinder zwischen 12 und 17 in der Lage sind, sich das Wissen wie in der Uni selbst anzueignen. Wären sie dazu in der Lage, könnte man ja sonst das Abi sein lassen und gleich studieren. ACHTUNG: UBERTREIBUNG

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