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Übertritt aufs Gymnasium: Eltern entscheiden nicht ungerecht
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Gymnasium, Real- oder Hauptschule - hier entscheiden sich Lebenswege. Sollen Eltern oder Lehrer über die Schulform bestimmen? Berliner Forscher kamen jetzt zu einem überraschenden Ergebnis.

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ilek 22.09.2015, 18:12
30.

Zitat von cyoulater
liest man hier nichts zum Thema Sitzenbleiber-Quote? Die hat sich nämlich zumindest in B-W nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung an den Gymnasien deutlich erhöht. Heißt: Höhere Übertrittsauote bedeutet erst mal gar nichts, wenn die Schüler nachher mit der Schulform und den Ansprüchrn nicht klar kommen.
Wobei Sitzenbleiben auch nichts über die generelle Eignung aussagen. Entscheident ist doch ob man das Endziel (Mittlere Reife/Abi) schafft. Eine Ehrenrunde kann viele Ursachen haben.
Mal etwas platt: Jemand der zwei Anläufe für die Führerscheinprüfung braucht muss ja nicht zwingend schlechter zum Autofahren geeignet sein...

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ilek 22.09.2015, 18:20
31.

Zitat von mam71
Ja, am besten kann man es wohl am Tag nach der Abi-Prüfung beurteilen, nur ist es dann leider etwas spät. Prognosen haben nun mal einen Unsicherheitsfaktor, nur wenn man zulange wartet, sind sie witzlos.
Genau. Von dem Unsicherheitsfaktor hängt es übrigens ab, ob man die Progose als Handelsgrundlage heranzieht oder nicht. Wenn er zu groß ist, sollte man das eben nicht tun.
Die Einschätzung der Eltern ist auch einge Prognose, sicherlich parteiischer aber ob sie wenigiger objektiv ist?

Übrigens ist es am Tag nach der Abi-Prüfung nicht zu spät. Wenn es einer bis dahin geschafft hat (Zualssung zur Prüfung), hat er wohl auch grundsätzlich das Potenzial dazu und eine Prüfung kann man wiederholen...

Wenn jemand wirklich nicht für das Abitur geeignet ist, stellt sich das schon viel früher heruas und dann muss man halt die Schule wechseln, hat aber wenigstens sein Möglichstes versucht.

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tpro 22.09.2015, 18:23
32.

Zitat von Nordstadtbewohner
Zehntausende Lehrstellen sind unbesetzt und die Firmen unternehmen große Anstrengungen, um passende Bewerber zu finden. Mit der derzeitigen hohen Abiturquote hat das nichts zu tun. Wenn es wohl bei der Vergabe von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen nach ihnen ginge, liefe alles wohl auf Quoten hinaus, damit auch die Bildungsverweigerer zum Zuge kommen. Ich hoffe, dass sich derartiges Denken nicht durchsetzt, sondern das Leistungsprinzip in Deutschland erhalten bleibt und sich stets der beste Bewerber durchsetzt.
So sollte es sein. Das es nicht so ist, ist die Folge einer grünen Politik, nach der das allgemeine Bildungsniveau nach unten gezogen wird, damit die Leistungsverweigerer auch zum Zug kommen.

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japhet 22.09.2015, 18:29
33. Die Schule kann nicht alles leisten

Zitat von JaguarCat
Was sind denn bitteschön "bildungsferne Schichten"? Dass ein Arzt oder Ingenieur, der erst das Gymnasium und dann die Uni besucht hat, im Durchschnitt deutlich mehr Geld verdient als ein ungelernter Hilfsarbeiter, ist doch allen klar, auch den Hilfsarbeitern. Und da Eltern nunmal mehrheitlich wollen, dass es ihre Kinder eines Tages "besser haben als sie", schicken sie die Kinder eben dorthin, wo es die Bildung und damit die Chancen auf einen besseren Job gibt. Egal, ob sie diese Bildung selber erfahren durften oder nicht. Das Kernproblem liegt woanders: Die Schule versagt leider immer wieder, den Kindern die elementaren Fähigkeiten in Mathe, Deutsch, Englisch und Co. beizubringen. Und da können die Eltern mit guter Schulbildung dank eigener oder eingekaufter Nachhilfe eben i.d.R. besser kompensieren als die so genannten "Bildungsfernen Schichten". Diese Ungerechtigkeit gehört möglichst abgeschafft, durch bessere Schulen, die allen Kindern eine reale Chance geben!
Die Schule kann nicht den vollständigen "Erziehungsauftrag" übernehmen - da müssen auch die Eltern 'ran. Es ist meist gar nicht ein Versagen der Schule in dem Sinn, dass die "die elementaren Fähigkeiten in Mathe, Deutsch, Englisch und Co." nicht vermittelt warden können. Es ist eher die Grundeinstellung zum Lernen, welche die Kinder mitbringen müssen. Dass hier Kinder aus "bildungsnahen" Schichten eher über den Wert von Bildung informiert sind und ggf. sogar an den Eltern dessen direkte Auswirkungen erleben, ist wohl evident. Meine Erfahrungen sind da nämlich anders als die von JaguarCat, der allen Eltern unterstellt, die eigenen Kinder in höherwertige Bildungswege leiten zu wollen. Oft genug noch wird das schnelle Geldverdienen in den Vordergrund gestellt, wobei es wohlsituierten Eltern allerdings auch leichter fällt, einem Kind die längere Ausbildungszeit eben ohne eigenem Einkommen "schmackhaft" zu machen.

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tpro 22.09.2015, 18:30
34.

Zitat von aggelbagg
Lehrer kennen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der Kinder und nur in der Situation 'Schule', d.h. in einer Gruppe von Gleichaltrigen, in der sich manches Kind versteckt und schweigt und untergeht. Viele Eltern kennen ihre Kinder und ihre Fähigkeiten schlicht besser. Eine verpflichtende Schulempfehlung durch die Grundschullehrer, unter denen es im Übrigen genauso Untalentierte und Unengagierte gibt wie in jedem anderen Job auch, lehne ich völlig ab. Es kann nicht sein, dass ein Lehrer über die Zukunft eines Kindes entscheidet. ....
Es kann aber auch nicht sein, daß jeder meint, sein Nachwuchs sei der Hellste und ihn aufs Gymnasuim schickt für ein späteres Studium.

Das sind exakt die gleichen Leute, die wegen einer versiebten Klausur des Sprösslings zu Lehrer und Rektoren rennen und die Wiederholung der Klausur fordern. Auf den Gedanken, das der Filius einfach nur faul oder zu blöd ist, kommen diese Eltern nicht.

Und wenn der Intelligenzbolzen dann studiert ("irgendwas mit Menschen oder Medien"; für ein naturwissenschaftliches Studium reicht es mangels Intelligenz nämlich nicht) gehört er zu den 30%, die das Studium schmeißen. Bis dahin hat er Lehrkräfte gebunden und anderen den Platz im Hörsaal weggenommen.

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demiurg666 22.09.2015, 18:33
35. @2

Da widerspreche ich Ihnen gerne von ganzen Herzen. Ich habe drei Fälle im Kopf wo Lehrer nach solchen Kriterien entschieden haben. Das extremste war ein Mitschüler dem man auf die Hauptschule geschickt hat. Ich bin mir sicher das es wegen seiner sozialen Herkunft war. Der Vater war 'nur' Wirt einer Kneipe für Alkoholiker. Der Mitschüler ging dann auf auf die Hauptschule und hat trotzdem acht Jahre später das Abi mit 2.1 bestanden.
Mir beim selben Notenschnitt aber aus Akademiker Haushalte wurde ohne zu zögern das Gymnasium empfohlen.

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quak_quak 22.09.2015, 18:35
36. Die Entscheidung über die Schullaufbahn...

Zitat von 2469
Eltern haben davon keine Ahnung und sollten das nicht entscheiden. Es ist eh ein Skandal, dass fast die Hälfte der Schüler Abitur macht und der Rest praktisch keine Chance auf einen guten Job hat.
... hat etwas mit Werten und Prioritäten zu tun und ist damit wesentlich sinnvoller in die Hände der Eltern gelegt als in diejenigen der Lehrer mit ihren ganz eigenen Vorstellungen sowie Mode und Ideologien unterworfenen Kriterien. Andererseits haben Eltern, die in einer so bedeutsamen Frage ihr Kind Fremden ausliefern, diese Bezeichnung ohnehin nicht verdient.

Ob ein Kind das anspruchsvolle Gymnasium schafft, hängt wesentlich von der Einstellung der Eltern ab. Wenn bei Problemen statt Unterstützung nur "Hättest Du mal Hauptschule gemacht, dann würdest Du schon verdienen" kommt, stehen die Chancen schlecht.

Hier suchen Betriebe händeringend Auszubildende; es scheitert aber eher an der Ausbildungsfähigkeit als am ´fehlenden` Abitur.

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Paddel2 22.09.2015, 18:36
37. Schlagwortrhetorik

Wenn es um Bildung geht, schlagen alle Meinungsbildner mit Begriffen wir "Chancengleichheit" wie selbstverständlich nur so um sich. Was aber ist damit gemeint? Wenn die Leistungen gut genug sind, kann jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft die höchsten Bildungseinrichtungen besuchen. Das also kann nicht gemeint sein. Es fällt auf, dass in diesem Zusammenhang gerne der Begriff "bildungsfremd" verwendet wird. Offenbar wird versucht, die Verantwortung von den Familien auf die Lehrer zu übertragen. Ein lächerlicher Gedanke bei großen Schulklassen und viel Arbeitszeit zu Hause. In jedem Fall ist nicht der Geldbeutel sondern die heimische Erziehung maßgeblich und niemand sollte glauben, daran politisch etwas ändern zu können. Statt Gleichmacherei braucht man ein flexibles vielschichtiges Bildungssystem und eine Stärkung von Bildungswegen abseits akademischer Karrieren.

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delta058 22.09.2015, 18:37
38.

Zitat von deus-Lo-vult
Dann hat der Lehrer mehr als nur seinen Job verfehlt und gehört entfernt!
1/3 aller Lehrer hat seinen Job verfehlt, entfernt wird aber so gut wie nie einer. Beamtenstatus und Korpsgeist verhindern sowas sehr erfolgreich.

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delta058 22.09.2015, 18:39
39.

Zitat von muellerthomas
Inwiefern ist es Ihrer Meinung nach Unsinn, was der Mitforist schreibt? Sind Sie ernsthaft davon überzeugt, dass Lehrer vollkommen neutral und objektiv urteilen? Es ist bei mir zwar schon eine Weile her, aber als ich Zivildienst u.a. an einer Grundschule geleistet habe, habe ich mitbekommen, dass Kinder aus einer Arztfamilie die Empfehlung fürs Gymnasium trotz fehlender Leistungen erhalten haben, mit der Begründung, dass die Eltern sonst zuviel Ärger machen. Aber auch ganz unbewusst gibt es solche Abweichungen, das ist doch weder ein Geheimnis, noch eine Überraschung. Mir ist daher nicht ganz klar, worüber Sie sich so echauffieren.
Über die Wahrheit und Fakten?

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