Forum: Leben und Lernen
Umfrage: Lehrer bemängeln die Handschrift ihrer Schüler
Jan Woitas/ZB/dpa

Zu unleserlich, zu langsam: Lehrer schimpfen schon länger über die Handschrift ihrer Schüler. Doch laut einer Umfrage ist die Unzufriedenheit zuletzt noch deutlich gewachsen.

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D. Brock 10.04.2019, 22:48
140. Tatsächlich kann ich Ihren Unmut ...

... zum Teil verstehen.
Ich bin Lehrer, fühle mich von Ihren Unmutsäußerungen jedoch nicht angesprochen. Vielleicht machen Sie den Fehler Lehrer als homogene Masse anzusehen?
Ich stimme Ihnen allerdings zu, dass die moderne Pädagogik zum großen Teil "Mist" ist, weil sie auf Vordergründigem abfährt.
Schreiben nach Gehör ist katastrophal, denn jede(r) weiß, dass das Umlernen, nachdem man sich etwas zunächst falsch beigebracht hat, eines immens höheren Aufwands bedarf als es gleich richtig zu lernen (auch, wenn das vielleicht auch mal nicht so leicht ist).
Pädagogik geht heute offensichtlich davon aus, die Kinder dadurch zu respektieren, dass man nichts Grundlegendes mehr von ihnen verlangt, nichts einfordert. Stattdessen baut man gerne Türmchen, die nach außen hin gut aussehen: "Seht her die Kinder schreiben ja schon. Viiiiiel eher als dies früher der Fall war." Was und wie sie schreiben ist dabei egal.
Das, was man verlangt, muss man allerdings auch selbst einhalten und vorleben und in der Tat, das scheint einigen Kollegen durchaus schwer zu fallen, also verlangt man's erst gar nicht mehr! ... Hier könnte ich noch deutlich mehr schreiben.

Allerdings noch eine Anmerkung zum Schulsystem: Wenn das Kultusministerium Marschrichtungen vorgibt (dabei auf Pferdeflüsterer wie die Bertelsmannstiftung hört), dann sind die Schulämter und die DirektorInnen natürlich mit im Boot. Schulintern anerkannt wird dann der Lehrer/die Lehrerin, der/die mit im Strom schwimmt (denn das ist ja dann neu, modern und demnach per Definition gut), die anderen gelten als reaktionäre Drecksäcke, die sich den neuen ach so tollen Vorgehensweisen versperren; notwendige Diskussionen werden im Keim erstickt.
...
In der Tat, vor DIESEM Hintergrund erscheint es regelrecht scheinheilig, wenn dann bestimmte Lehrer das Fehlen von Diesem und Jenem "beklagen", denn die Probleme sind (nicht ausschließlich, aber zu einem nicht unerheblichen Teil) hausgemacht. Leider bleiben bereits auf Schulebene notwendige pädagogische Diskussion aus (Grund siehe oben, man könnte nämlich in Gefahr geraten als gestrig zu gelten). Zudem sind Kultusministerien offensichtlich von Natur aus taub und Lehrer an sich sind so ziemlich die letzten, die beim Kultusministerium irgendetwas bewirken können.

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Apuleius_Madaurensis 10.04.2019, 22:49
141. Beleidigungen?

Zitat von annoo
Nun mal schön langsam mit den Beleidigungen... Ich glaube Ihnen gerne was Sie bezüglich der kogntiviten Entwicklung von Strukturen schreiben, das ist ja auch wissenschaftlicher Konsens. Die Frage ist nur, ob dies ausschließlich durch das Schreiben mit der Hand geschieht oder ob es nicht auch andere Aktivitäten gibt, die die Bildung der Strukturen im Gehirn ähnlich aktivieren. Es wurden ja früher beim Reiten auch viele motorische Fähigkeiten entwickelt und trotzdem humpelt der Mensch nicht unbeholfen vor sich sich nur weil er sich kaum mehr auf dem Pferd fortbewegt.
Ich antworte auf den Beitrag eines anderen Foristen und mache allgemeine Aussagen und Sie ziehen sich den Schuh an? Ist ja interessant.
Aber ich möchte eigentlich niemanden beleidigen. Ich habe bloß sehr wenig dafür übrig, wenn jemand ohne erkennbaren fachlichen Hintergrund mein fachliches Wissen und meine empirischen Beobachtungen und Diagnosen ignoriert. Sowas läuft für mich unter "Trollen". Und dafür habe ich auch im Unterricht nur begrenzt etwas übrig. Denn natürlich bin ich Lehrer. Sonst würde ich mir kaum erlauben, mich so zu diesem Thema zu äußern. Und es ärgert mich als gründlich ausgebildeten und erfahrenen Spezialisten irgendwann schon, wenn alle Welt, einschließlich Politikern und Bertelsmann-Studien-Auftraggebern, glaubt, persönliche Unkenntnis durch Überzeugung überspielen zu können. Das wird Ihnen in Ihrem Fachgebiet vermutlich nicht anders gehen.
Was alternative Möglichkeiten der Hirnstimulation durch Training der Feinmotorik betrifft: Das Erlernen eines Instrumentes ist da sehr förderlich, das ist auch in Studien belegt. Aber auch das kostet sehr viel Zeit und wird gerne von vielen Jüngern des unaufhaltsamen Fortschritts als "vertane Zeit" abgetan. Es zeigen sich also Parallelen zum Üben von Schreibschrift...
Allerdings möchte ich Ihrer letzten Behauptung doch widersprechen. Hören Sie sich mal die Diagnosen vieler Sportlehrer an: Schüler, die keinen Sport betreiben (es muss ja nicht unbedingt Reiten sein), sind motorisch deutlich unbeholfener als früher.
Deswegen war es auch früher mal die Regel, dass man eine Sportart und ein Instrument erlernen sollte. Für die motorische und kognitive Entwicklung ist das (neben einer vernünftigen Schulbildung) so ziemlich das Beste, was möglich ist.

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Lion 11.04.2019, 08:23
142. Unzufriedene-alte-Leute-Problem

Seit Jahrhunderten jammern die Alten über die Jungen: zu laut, zu undiszipliniert, zu respektlos, können kein Mathe und kein Deutsch und ihre Schrift ist unsauber! Diese zutiefst konservative Jammerei ist unerträglich und eine Studie, die das alles belegen soll, ist die neuste Form sich dabei Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Aber es wird noch nicht mal erklärt, was denn eine saubere Schrift ist......SPON, warum veröffentlicht ihr so einen Quatsch? Kommt ihr bei euren älteren Lesern so wahnsinnig gut damit an? Kann ich also jetzt Rückschlüsse darauf führen, wie alt eure Leser eigentlich sind?

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SusiWombat 11.04.2019, 08:46
143.

Zitat von kipferl
genauso wie die hier implizit positiv bewertete orthographie, die nichts anderes ist als eine schädliche dressierte affenleistung; heissgeliebt von denjenigen die sich in 13 jahren haben einreden lassen dass das auswendig lernen unsinniger regeln etwas mit bildung oder gar mit intelligenz zu tun habe.
oh se henn etz au so räächt. i denk au mer älle wäret besser dro wenn eder schreiba kennt was er hert weil no däded mer et so fil zeit verschwenda medem lärna. ond kender kenndet noch fenf johr schual schon schaffa ganga, des wär klasse fürd wirdschafd.

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Gaztelupe 11.04.2019, 10:39
144. Wahr gesprochen

Zitat von D. Brock
[...] Allerdings noch eine Anmerkung zum Schulsystem: Wenn das Kultusministerium Marschrichtungen vorgibt [...]
Wer aus dem Elfenbeinturm heraus führt (Kultusministerium), befindet sich nicht in der Moderne und verwendet den Begriff des Progressiven allenfalls dekorativ; ohne es zu bemerken, fürchte ich.

Das hier schon ausgeführte Beispiel der in der Grundschule verordneten Druck- oder Blockschrift als Schreibschrift offenbart die sachkenntnisfreie Borniertheit des Systems: Schriften, die normalerweise gedruckt werden, kann man (mit fragwürdigem Aufwand) nachzeichnen, nicht aber schreiben. End of Story.

Wer sie den Schülern trotzdem aufnötigt, lehrt sie das Falsche. Suppen isst man mit dem Löffel, nicht mit der Gabel. Bis freilich das Kultusministerium etwas anderes entschließt …

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annoo 11.04.2019, 11:53
145.

Zitat von Apuleius_Madaurensis
Allerdings möchte ich Ihrer letzten Behauptung doch widersprechen. Hören Sie sich mal die Diagnosen vieler Sportlehrer an: Schüler, die keinen Sport betreiben (es muss ja nicht unbedingt Reiten sein), sind motorisch deutlich unbeholfener als früher. Deswegen war es auch früher mal die Regel, dass man eine Sportart und ein Instrument erlernen sollte. Für die motorische und kognitive Entwicklung ist das (neben einer vernünftigen Schulbildung) so ziemlich das Beste, was möglich ist.
Ich gebe Ihnen natürlich recht, dass das Erlernen gewisser Tätigkeiten kognitive und physische Vorteile bringt, keine Frage. Aber Sie vernachlässigen das Spannungsfeld zwischen emfpundenem Zwang (aus Sicht des Edukanten) und gutem Willen der vermittelnden Person ("ich weiß was gut für Dich ist und deshalb setze ich es durch"). So vorteilhaft wie es erwiesenermaßen ist ein Musikinstrument zu erlernen (oder besser mehrere) oder diversen Sportarten nachzugehen so schlecht und wenig nachhaltig ist dies wenn es gegen den Willen des Lernenden geschieht.

Und Schönschreiben habe ich als unentdeckter Beidhänder (ich schrieb schon davon) immer gehasst und auch nie richtig gelernt (lernen können?) - zumindest nur so weit, dass ich mich handschriftlich verständlich machen konnte. Und ich denke da werden Sie mir als Lehrer (hoffentlich!) beipflichten, dass gegen den Willen eines Schülers Lernen nicht erfolgversprechend und nachhaltig ist. Also nicht dass Sie das falsch verstehen, mir war es an der Uni möglich in meiner letzten vierstündigen Klausuren eine zwanzigseitige Arbeit per Handschrift zu verfassen, so dass es zu einer 1.0 gereicht hatte (war also offensichtlich lesbar ;-)). Es kostet mich nur ungemein viele mehr Mühe als Anderen, weshalb ich versuche Handschrift zu vermeiden. Ansonsten kann ich blind auf der Tastatur schreiben.

Also alle mit dem gut Gemeinten "aber es ist doch gut für die Zukunft, man braucht es doch fürs Leben...." etc. berücksichtigen oft nicht, dass es Individuen gibt für die Schönschrift eher quälend ist. Im Zeitalter von Inklusion müsste es eigentlich möglich sein einen diversen Blick auf Schüler zu richten.

Und ob Schüler fehlende Schönschrift mit etwas Anderem kompensieren steht auf ein ganz anderen Blatt. Hier wird immer davon ausgegangen, dass wer Schönschrift nicht beherrscht nicht oder kaum in der Lage ist zu performen. DAS ist wisschenschaftlich sicher nicht haltbar. Ich fände es spannend zu untersuchen, wer - die Schönschreiber oder die mit der Sauklaue - beruflich weit gekommen ist (wohlwissen, dass es nicht einfach ist das Merkmal "weit bringen" zu operationalisieren). Ich bin mir sicher in den verantwortungsvollen Posten sitzen nicht ausschließlich die Schönschreiber. Meine Hypothese. ;-)

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annoo 11.04.2019, 12:26
146. Ein einseitiger Blick zeugt von so was wie Eigensinn

Zitat von Gaztelupe
Eine ordentliche Handschrift zeugt von so etwas wie Gemeinsinn: Was geschrieben wird, wird meistens von anderen gelesen. Schrift, auch die Handschrift, ist ein Kommunikationsmittel. Wer das nicht ordentlich zu gebrauchen weiß, kommuniziert nicht gemeinschaftlich. Es gibt keinen guten Grund, das zu unterschätzen.
Eine mir gut bekannte hochintelligente Wissenschaftlerin mit einem körperlichen Handicap ist nicht in der Lage mit der Hand zu schreiben. Sie ist im Gemeinwesen überaus aktiv und erfolgreich. In Ihrer Theorie kann sie das gar nicht sein, weil sich fehlende ordentliche Handschrift und Gemeinsinn bei Ihnen widersprechen. Meinen Sie nicht, sie sollten Ihre Vorstellungungen hinsichtlich der Beurteilung anderer Menschen und deren Fähigkeiten mal überdenken?

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Gaztelupe 11.04.2019, 13:27
147.

Zitat von annoo
Eine mir gut bekannte hochintelligente Wissenschaftlerin mit einem körperlichen Handicap ist nicht in der Lage mit der Hand zu schreiben. Sie ist im Gemeinwesen überaus aktiv und erfolgreich. In Ihrer Theorie kann sie das gar nicht sein, weil sich fehlende ordentliche Handschrift und Gemeinsinn bei Ihnen widersprechen. Meinen Sie nicht, sie sollten Ihre Vorstellungungen hinsichtlich der Beurteilung anderer Menschen und deren Fähigkeiten mal überdenken?
Nein, meine ich nicht. Mein Bedarf an Moralin ist für die nächsten 500 Jahre gedeckt.

Wer Nachrichten an andere achtlos unleserlich hinschmiert, dem ist offensichtlich egal, welche Arbeit das Entziffern macht. Zeugt das von Gemeinsinn? Das ist etwas anderes, als überhaupt nicht mit der Hand schreiben zu können, selbst wenn man es vielleicht wollte. Dürfte nicht so schwer zu verstehen sein.

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domino3116 11.04.2019, 14:06
148. Ihre Ansicht ist sehr interessant, aaaber...auch sehr witzig, denn

auch Sie sind schon wieder in einem Regelsystem gefangen, in dem Sie die bedingungslose Kleinschreibung zelebrieren. Freier wären Sie doch, wEnN siE kLEine und GROSse buCHstbeN ohne rEGeL vieleichtmittels einer Randomautomatik SETZEn würden. Außerdem lassen Sie zwischen Ihren Wörter Trennungslücken. WÄRees nichtBesseRau,chdieSeper zu fall ls auto maTik zuse tzen?
Sie hätten dann doch vollkommene Freiheit und auch ein wenig Anarchie. Und Freiheit ohne Regeln wollen wir doch alle, wenn es um unsere eigenen Interessen geht. Oder?
Ach ja, fahren Sie bei Rot über die Kreuzung ,bleiben aber bei Grün stehen. Ich jedenfalls gebe bei Gelb immer mächtig Gas. Bisher GInG dET Jut.??? oder eben : LEBHAFTER BEIFALL zu Ihrem Schreiben.
Ja, und wenn ich Ihren Post nochmals betrachte, dann stelle ich frest, dass Sie sich auch noch nicht sehr auf der Leiter der Evolution vom dressierten Affen weg entwickelt haben. Bis auf die Kleinschreibung halten Sie alle Konventionen fehlerfrei ein und sind so zu sagen darin gefangen. Herrlich - wie weit Wollen und Müssen bei Ihnen voneinander entfernt ist. Sie sind also nur ein anders dressierter Affe als ich , und das gefällt mir auch am 11.April noch, der ja eigentlich mit zwei Einsen doppelt so witzig sein müsste wie der erste April. Klasse, ich bin Ihr Fan.

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domino3116 11.04.2019, 15:00
149. Erläuterung von 148

Zitat von domino3116
auch Sie sind schon wieder in einem Regelsystem gefangen, in dem Sie die bedingungslose Kleinschreibung zelebrieren. Freier wären Sie doch, wEnN siE kLEine und GROSse buCHstbeN ohne rEGeL vieleichtmittels einer Randomautomatik SETZEn würden. Außerdem lassen Sie zwischen Ihren Wörter Trennungslücken. WÄRees nichtBesseRau,chdieSeper zu fall ls auto maTik zuse tzen? Sie hätten dann doch vollkommene Freiheit und auch ein wenig Anarchie. Und Freiheit ohne Regeln wollen wir doch alle, wenn es um unsere eigenen Interessen geht. Oder? Ach ja, fahren Sie bei Rot über die Kreuzung ,bleiben aber bei Grün stehen. Ich jedenfalls gebe bei Gelb immer mächtig Gas. Bisher GInG dET Jut.??? oder eben : LEBHAFTER BEIFALL zu Ihrem Schreiben. Ja, und wenn ich Ihren Post nochmals betrachte, dann stelle ich frest, dass Sie sich auch noch nicht sehr auf der Leiter der Evolution vom dressierten Affen weg entwickelt haben. Bis auf die Kleinschreibung halten Sie alle Konventionen fehlerfrei ein und sind so zu sagen darin gefangen. Herrlich - wie weit Wollen und Müssen bei Ihnen voneinander entfernt ist. Sie sind also nur ein anders dressierter Affe als ich , und das gefällt mir auch am 11.April noch, der ja eigentlich mit zwei Einsen doppelt so witzig sein müsste wie der erste April. Klasse, ich bin Ihr Fan.
Das war meine Antwort auf Nr. 41, den Kipferl.


P

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