Forum: Leben und Lernen
Umfrage unter Studenten: Behindert, ohne es zu wissen
DIW/Sandra Kühnapfel

Tausende Studenten können nicht studieren wie sie wollen, denn sie sind chronisch krank oder behindert. Eine neue Studie zeigt, dass sie vor allem unter Zeitdruck und taktlosen Dozenten leiden. Viele holen sich trotzdem keine Hilfe - aus Scham oder mangels Information.

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discordia13 06.06.2012, 12:52
100.

Zitat von El Plagiator
Dabei ist jemand der unter Depressionen leistet nicht vollkommen Lestungsunfähig. Ein vorrübergehendes Ausscheiden aus dem Studium nimmt betroffenen den so dringend nötigen Ansporn weiter zu machen mit dem Alltag. Allein die Sozialen Kontakte die durch eine Pause wegfielen können den Krankheitsverlauf stark negativ beeinflussen..
Dem kann ich gar nicht genug zustimmen! Auch in kleinen Schritten kommt man voran und es gibt einem das gute Gefühl, nicht vollkommen unfähig zu sein, sondern noch etwas leisten zu können. Das baut sehr aus.
Die Sache mit dem Urlaubssemester ist zwar zum Teil gut, aber birgt andere Schwierigkeiten. Mir konnte es beim ersten schweren Einbruch im Studium nicht gewährt werden, da das Semester schon ein paar Wochen lief. Ich hätte also vor der Rückmeldung wissen müssen, dass ich krank werde. "Wir können Sie aber fürs nächste Semester krank schreiben" wurde mir angeboten, das hätte mir natürlich nichts gebracht.
Das zweite Problem bestand darin, dass ich mit dem Urlaubssemester auch meinen Bafög-Anspruch verloren hätte - und damit auch meine Wohnung und mein komplettes soziales Umfeld. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als zu versuchen, das beste aus dem Semester zu machen.

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lindenbast 06.06.2012, 12:53
101.

Zitat von El Plagiator
Also ganz oder gar nicht. Dabei ist jemand der unter Depressionen leistet nicht vollkommen Lestungsunfähig. Ein vorrübergehendes Ausscheiden aus dem Studium nimmt betroffenen den so dringend nötigen Ansporn weiter zu machen mit dem Alltag. Allein die Sozialen Kontakte die durch eine Pause wegfielen können den Krankheitsverlauf stark negativ beeinflussen.
Nun ja, wenn sie zu mir kommen, dann aber doch, um mir zu sagen, DASS sie sich im Moment nicht leistungsfähig fühlen. Ich sehe es durchaus als meine Pflicht an, nach Maßgabe meiner (institutionell bedingt geringen) Möglichkeiten zu verhindern, dass der Umstand, dass sie momentan nicht voll belastbar sind, sie am Ende das ganze gewählte Studium kostet.

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El Plagiator 06.06.2012, 13:32
102. Wegsehen

Ich machte im Februar zum Thema Bildung für Kranke einen Vorschlag im Bürgerdialog der Kanzlerin und erhielt 28 Zustimmungen. Mein durchaus populistischer Vorschlag zum Umgang mit Herrn Wulff erhielt 3630 Zustimmungen. Es ist den Deutschen nicht wirklich egal wie mit Kranken und Behinderten umgegangen wird. Es will sich nur niemand mit dem Thema beschäftigen. Die Leidtragenden sind die schwächsten der Gesellschaft.

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lindenbast 06.06.2012, 13:45
103.

Zitat von discordia13
Die Sache mit dem Urlaubssemester ist zwar zum Teil gut, aber birgt andere Schwierigkeiten. Mir konnte es beim ersten schweren Einbruch im Studium nicht gewährt werden, da das Semester schon ein paar Wochen lief.
Das verstehe ich beim besten Willen nicht. Kann das wirklich sein, dass so ein Unsinn gesagt wird? (Ich hoffe jedenfalls, dass Unsinn gesagt wurde und nicht etwa dieser Unsinn auch noch faktisch der Fall ist.)

Zitat von discordia13
Das zweite Problem bestand darin, dass ich mit dem Urlaubssemester auch meinen Bafög-Anspruch verloren hätte - und damit auch meine Wohnung und mein komplettes soziales Umfeld. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als zu versuchen, das beste aus dem Semester zu machen.
Auch das ist ein Missstand. Natürlich sollte Baföganspruch auch über Krankheitssemester gelten - man muss doch auch, wenn man krank ist, von etwas leben? Oder soll es zumutbar sein, zum Sozialhilfeempfänger zu werden? Na ja, das ginge vielleicht, aber jemandem, der krank ist, kann einfach der bürokratische Aufwand nicht abverlangt werden.

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discordia13 06.06.2012, 14:10
104.

Zitat von lindenbast
Das verstehe ich beim besten Willen nicht. Kann das wirklich sein, dass so ein Unsinn gesagt wird? (Ich hoffe jedenfalls, dass Unsinn gesagt wurde und nicht etwa dieser Unsinn auch noch faktisch der Fall ist.) Leider war das damals so, allerdings ......
Ich habe mich mit meinem zuständigen Berater mehrfach unterhalten, leider hätte er mir wirklich nichts gewähren können. Und der Mann war übers normale Maß hinaus engagiert und sehr empathisch. Aber die Regeln waren nunmal so. Und da ein Umzug, Neuvermietung der Wohnung und die Suche nach einem neuen Therapeuten bei den Eltern (mein Therapeut befand sich ja am Studienort) wirklich unschaffbar aufwändig gewesen wäre, musste ich in den sauren Apfel beißen und habe nun mehr Fachsemester auf dem Buckel, als notwendig.
Im übrigen finde ich es schon sehr positiv und ein großes Entgegenkommen, wenn Sie die Studenten im Krankheitssemester an Ihrer Veranstaltung teilnehmen lassen! Das ist bei uns nämlich leider nicht möglich, während des Urlaubssemesters darf ich keine Prüfungsleistungen ablegen.

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lindenbast 06.06.2012, 16:35
105.

Zitat von discordia13
Ich habe mich mit meinem zuständigen Berater mehrfach unterhalten, leider hätte er mir wirklich nichts gewähren können. Und der Mann war übers normale Maß hinaus engagiert und sehr empathisch. Aber die Regeln waren nunmal so.
Das ist ja wirklich unglaublich. Das heißt, ich glaube Ihnen schon, weil ich mittlerweile jedes Ausmaß an Unvernunft für möglich halte.

Zitat von discordia13
Und da ein Umzug, Neuvermietung der Wohnung und die Suche nach einem neuen Therapeuten bei den Eltern (mein Therapeut befand sich ja am Studienort) wirklich unschaffbar aufwändig gewesen wäre, musste ich in den sauren Apfel beißen und habe nun mehr Fachsemester auf dem Buckel, als notwendig.
Wenn's nur mehr Fachsemester sind...nicht schön, aber kein Weltuntergang. (Wenn's finanziell irgendwie geht, was ja nun das nächste Problem ist, das ich auch gar nicht kleinreden will.) In den Fällen, von denen ich rede, geht es aber um die Möglichkeit, das Studium überhaupt fortzusetzen.

Zitat von discordia13
Im übrigen finde ich es schon sehr positiv und ein großes Entgegenkommen, wenn Sie die Studenten im Krankheitssemester an Ihrer Veranstaltung teilnehmen lassen! Das ist bei uns nämlich leider nicht möglich, während des Urlaubssemesters darf ich keine Prüfungsleistungen ablegen.
Offengestanden: das ist kein Entgegenkommen. Es ist ein Stück weit schiere Faulheit. Glauben Sie, ich habe Lust, meine Zeit nicht nur damit zu verschwenden, zu kontrollieren ob alle, die da sein müssten, auch da sind (ich muss nämlich trotz nicht vorhandener Anwesenheitspflicht dieselbe aus statistischen Gründen dokumentieren), sondern auch noch damit, sicherzustellen, dass NUR die da sind, die auch da sein dürfen? Letzteres wäre außerdem gar nicht so einfach, denn keine offizielle Stelle teilt mir mit, welcher Student krankheitshalber beurlaubt ist und welcher nicht. Ich erfahre ja nicht einmal von ganz normalen Prüfungsabmeldungen. Insofern tue ich im Grunde nichts anderes, als betroffenen Studenten die Situation zu schildern und sie ihre eigenen Schlüsse hinsichtlich dessen, was geht und was nicht, ziehen zu lassen ;-)

Auch bei uns dürfte ein solcher Student an der Klausur grundsätzlich nicht teilnehmen. Aber wenn er trotzdem die Klausur geschrieben und bestanden hat, na ja, dann quengle ich im Zweifel beim Prüfungsamt. Das ist alles, was Sie unter 'Entgegenkommen' verbuchen können, aber das ist angesichts der nicht sehr zahlreichen Fälle nun wahrlich nicht der Rede wert. Ich sage dann beim Prüfungsamt, man solle die Leistung nachträglich anerkennen, schließlich komme es doch darauf an, dass er kann und weiß, was er können und wissen soll, oder nicht? In Wahrheit kommt's in Nach-Bologna-Zeiten darauf NICHT mehr in erster Linie an, aber sowohl ich wie auch viele Entscheider sind - schrecklich, schrecklich - immer noch so stark in antiquiertem Denken befangen, dass sie auf diese scheinbar rhetorische Frage hereinfallen und den Anerkennungsstempel respektive ihr Prüfungsverwaltungsdatenbankpasswort zücken. Bisher hat's immer geklappt.

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alwalis 06.06.2012, 20:20
106. Nonsense...

Zitat von bauern-muenchen
3. Wer hat eigentlich das Recht festzulegen, was eine 'Behinderung' ist? Irgendjemand hat es hier ja schon klar und deutlich als 'braune Sosse' definiert, dem moechte ich mich anschliessen, denn dieses 'behindert' heisst nichts anderes als 'arbeitsfaehig' oder 'nicht arbeitsfaehig' - die gleichen Kategorien, die an der Rampe zum Aussortieren (oder wie Klaus 64 es formulieren wuerde: Auslese!!!) benutzt wurden!!!
Sorry, aber das ist absoluter Nonsense, überhaupt verquirlen Sie hier einiges zu einem Brei, den man am besten links liegen läßt.
Erstens hat 'behindert sein' noch lange nichts mit 'arbeitsunfähig sein' zu tun. Ein Rollstuhlfahrer ist noch lange nicht arbeitsunfähig, weil er einen Rollstuhl zur Fortbewegung benötigt. Was soll also dieser Quark. Dem Rollstuhlfahrer, der dies als Behinderung anerkennen lassen kann (aber nicht muss) stehen bestimmte Dinge zu. Die fangen (im Berufsleben) bei steuerlichen Vergünstigungen an und hören bei erweitertem Kündigungsschutz usw. auf. Und dies zu Recht. Im Übrigen maßt sich selbst der Gesetzgeber nicht an, zu bestimmen, wer behindert ist. Dies kann, muss aber nicht, der Betroffene selber in die Wege leiten und es ist heutzutage gar nicht so leicht, sich diese anerkennen zu lassen. Das Problem ist vielmehr, dass sich Behinderte viel zu lange aus Scham oder Angst vor Repressalien zurücknehmen und nicht ihre Rechte in Anspruch nehmen. Und diese stehen ihnen zu, da das meiste, immer auch auf Kosten des Steuerzahler, für Nichtbehinderte ausgelegt ist. Und der Steuerzahler erlaubt es sogar nichtbehinderten Idioten, zu studieren. Was glauben Sie, wer 'Lehre UND Forschung' überhaupt ermöglicht? Das Geld des Pappi nützt im ostafrikanischem Dschungel selbst dem liebsten Pappi-Söhnchen nichts.

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keinhandy 06.06.2012, 21:49
107.

Zitat von discordia13
Dem kann ich gar nicht genug zustimmen! Auch in kleinen Schritten kommt man voran und es gibt einem das gute Gefühl, nicht vollkommen unfähig zu sein, sondern noch etwas leisten zu können. Das baut sehr aus. Die Sache mit dem Urlaubssemester ist zwar zum Teil gut, aber birgt andere Schwierigkeiten. Mir konnte es beim ersten schweren Einbruch im Studium nicht gewährt werden, da das Semester schon ein paar Wochen lief. Ich hätte also vor der Rückmeldung wissen müssen, dass ich krank werde.
Kann ja wohl nicht wahr sein. Dagegen hätte ich mich gewehrt. Kenne Leute, die ihre Zwischenprüfungsergebnisse erst nach Bezahlen des Beitrags bekommen haben. Durchgefallen, 500€ futsch?? Nee, das geht so nicht. Sie konnten ja nicht einmal was dafür. Das Semester lief ein paar Wochen, dass ich nicht lache. Also das zeigt mal wirklich, wie mit Depressiven umgegangen wird.

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leonardo01 07.06.2012, 12:34
108. Bitte echte Behinderungen von Befindlichkeitsstörungen trenne!

Ich kann den beiden ersten Kommentaren von vivaldi und klaus64 nur zustimmen. Ein großer Teil des Stresses („psychische Probleme“), den Studierende haben, kommt daher, dass sie zwar ein Abitur besitzen, nicht jedoch die allgemeine Hochschulreife. Von Eltern in Watte gepackt, von den Schulen politisch gewollt verhätschelt (Wir lassen ja kein Kind zurück!) kommen heutzutage Studierende an die Unis, deren Vorkenntnisse in den 70/80ger Jahren allemal für einen Hauptschulabschluss gereicht hätten.
Natürlich führt es dann zu Stress, wenn man in wenigen Wochen das nachholen soll, was man in 13 bzw. demnächst 12 Schuljahren nicht gelernt hat. Und Ausreden sind dann immer schnell gefunden. Der Dozent ist schuld, der Stoff zu schwer, die Uni nimmt zu wenig Rücksicht auf die eigentliche Befindlichkeit. Es ist unglaublich, mit welchen Anfragen, Wünschen und Forderungen Studierende an die Lehrenden heutzutage herantreten. Man hat den Eindruck, dass viele dieser jungen Erwachsenen das erste Mal an der Uni merken, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und dass nicht jede Befindlichkeitsstörung dazu führen kann, dass man für sie Klausurtermine verschiebt oder Extraklausuren anbietet, eigene Praktika für sie aus dem Boden stampft oder Abgabetermine nach hinten schiebt. Manchmal muss man sich auch einfach zusammenreißen. Es kann nicht sein, dass Klausuren an zwei aufeinanderfolgenden Tagen schon für viele zu psychischer Überforderung führen, weil man es nicht gewohnt ist, sich zeitgleich auf 2 unterschiedliche Themen vorzubereiten. Auch das häufig vorgebrachte Argument, ausschließlich die Prüfungsangst sei schuld an den schlechten Leistungen, lässt sich in der Regel entkräften. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Studierende, die die Lehrinhalte nicht wirklich durchdrungen haben und nur meinen, dass sie vor der Prüfung alles gekonnt haben.

Echte (und sogar nur vorgetäuschte!) Krankheiten nachgewiesen durch ärztliches Attest, ermöglichen IMMER einen Aufschub wichtiger Prüfungen, zumindest, wenn es sich um Vordiplom-, Diplom-oder neu Modulabschlussprüfungen handelt. Ärztliche Atteste MÜSSEN anerkannt werden, auch, wenn dem Prüfer bekannt ist, dass der Prüfling die Prüfung einfach nur vergessen oder verschlafen hat pder sich nicht gut genug vobereitet fühlt und sich nachträglich ein Attest besorgt hat. Solche Fälle gibt es immer wieder.
Um es klar zu stellen, wenn jemand wirklich körperlich behindert ist, sollte man Wege finden, dem Behinderten das Studium ohne Schikanen zu ermöglichen. Es sollte selbstverständlich sein, dass man ein Mikro benutzt, wenn damit einem hörbehinderten Menschen gedient ist. Für jemanden mit Herzschrittmacher lassen sich auch experimentelle Übungen finden, die nicht gerade in Bereichen mit hohen Magnetfeldern stattfinden. Aber auch hier gibt es leider Grenzen. Jemand der blind ist oder beide Arme nicht bewegen kann, kann z.B. nicht in Studiengänge integriert werden, die ein hohes Maß an praktischen Arbeiten in Bereichen hoher Gefährdung fordern, wie es Chemie- oder Physiklabore nun mal sind.

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suane 08.06.2012, 03:43
109. unnötiges Feindbild

Zitat von klowasser
Aber Schlechtmenschen wollen wahrscheinlich, dass kranke Menschen von der Gesellschaft entfernt werden damit die Schlechtmenschen bloß nicht mit diesen konfrontiert werden und sie das Elend mit angucken müssen. Könnte ja das Weltbild des Schlechtmenschen ändern, dass es tatsächlich Leute gibt, die nicht so gut mit ihren Umständen klar kommen und Hilfe brauchen. Beratungsstellen und Psychologen sind in meiner Stadt (200.000 Einwohner) übrigens derart überlaufen, dass ein erster Termin erst in 3 Monaten zu bekommen ist. Manch einer liegt da schon auf der Bahnstrecke oder hängt am Baum.
Und da haben wir wieder eine Einstellung die nur zum Schlechten führt. Da wird der Dozent oder Chef von vorn herein als der Teufel dargestellt. Als wenn jeder der über Noten oder Geschäftsführung bestimmen kann ein mitleidloser Mensch ist. Wenn man so denkt, dann führt das unweigerlich dazu, dass man nur mit ausgefahrenen Fäusten durch die welt geht.

Sie machen sich sicher sehr beliebt beim Dozenten wenn sie mit solch einer Einstellung vor ihn treten und Kolanz erpressen wollen. Der Dozent ist auch nur ein Mensch und der kann genauso wie Sie (ich unterstelle es Ihnen jetzt mal ganz frech) ein netter Mensch sein.

Persönlich habe ich bislang nur nette Dozenten erlebt die oft nach meinem Befinden (in meiner Zeit als Student) teilweise sogar zuviel Kulanz zeigten. Natürlich will ich damit aber nicht sagen, dass alle Dozenten gute Menschen sind...aber bei denen hilft das Gesetz, dass der Student zu seinem Recht kommt.

Im persönlichen Freundeskreis habe ich selbst erlebt wie jemand sein Studium wegen psychischer Erkrankung berechtigterweise unterbrechen musste. Ein Urlaubsemester wurde also eingelegt, Sozialhilfe beantragt (für bis dato Bafög-Empfänger ein königliches Einkommen) und eine Therapie bewältigt. Nach Rückkehr meines Bekannten an die Uni haben sich mehr als eine Handvoll Dozenten bemüht ihn mit Extrakursen zu versorgen damit nicht ein ganzes Jahr (anstelle des einen Urlaubssemesters) verloren geht wodurch er sein Studium erfolgreich beenden konnte. Niemand hat ihn behindert oder kritisiert.

Wenn Sie also meinen alle Dozenten wären gemeine Menschen die jeden schwächelnden Studenten verhöhnen, dann haben sie entweder eine sehr unglückliche Wahl bei der Wahl ihrer Ausbildung gemacht oder sind ihren Mitmenschen von Beginn an bei jeder Gelegenheit mit geballter Faust auf ihre Rechte pochend entgegengetreten.
Ein kleiner Tipp: Empathie ist keine Einbahnstraße.

Ich kann nur nochmals schreiben:
Der Dozent wird niemanden mit Krankenschein ignorieren. Er darf es auch nicht. Selbst ohne Krankenschein sind meiner Erfahrung nach fast alle Dozenten bereit diverse Augen zuzudrücken. (Bsp: eine Mitstudentin durfte sogar wegen "frischer Verliebtheit" ein Seminarvortrag verlegen)

Und damit niemand die Fehlinformation aus dem Zitat für Wahr nimmt. Wer depressiv ist muss für einen Krankenschein nicht kurzfristig zum Spezialisten (ich weiß auch um die übervollen Terminkalender diverser Spezialisten) sondern kann diesen vorerst beim Allgemeinmediziner einholen. Es muss sich also niemand (um meinem dramatisierenden Vorredner zu zitieren) an einem Baum erhängen oder andersartigen Selbstmord begehen weil er keinen Krankenschein hat und Angst vorm Dozenten hat. Solch ein unverantwortliches Angstgeschüre verstärkt eher derartige Lebenskrisen als dass es sie löst.
Wir alle sind Menschen, auch die Dozenten.

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