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Umfrage zur Gymnasialdauer: Hamburger Schüler finden Turbo-Abi schaffbar
DPA

Ist das Turbo-Abi wirklich schlimm? Zwei Drittel der Hamburger Oberstufenschüler halten ihr Lernpensum für schaffbar. Derweil sorgen G9-Spekulationen in mehreren Bundesländern für Wirbel: In Niedersachsen droht 2022 ein Jahr ganz ohne Abiturienten.

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5mark 15.04.2014, 20:04
50. undurchsetzbar vorteilhaft

Zitat von fra-in-dland
Übrigens ist meine Mutter in Frankreich zur Schule gegangen. Und dort hat man 12 Jahre Schule, man trennt aber auch erst nach der 10.
Ein solches System hat unheimlich viele Vorteile. Nicht nur, dass man keine unterschiedlichen Schulformen mit dementsprechend qualifizierten Lehrern mehr vorhalten muss. Der größte und doch am schwierigsten erkennbare Vorteil liegt im soziologischen Aspekt. In dieser Schulform lernen die Kinder und Jugendlichen von ganz allein was sie können und was nicht und halten sich nicht alle für die Krone der Schöpfung und superintelligent, trotz entsprechender Indoktrination aus dem Elternhaus.
Im Gegenzug werden die Schlaumeier geerdet.

Allerdings lässt sich das in Deutschland aus zwei Gründen nicht durchsetzen.
Zum einen hatten wir dieses System in der ehemaligen DDR. Und deswegen muss es per se schlecht sein, denn um hier mal den Troll zu zitieren "der Osten ist untergegangen" und im Zweifel lag es genau daran. (In der DDR hätte man auch ein Mittel gegen Krebs entwickeln können und dann würde das heute in den alten Bundesländern aus Trotz keiner nutzten, weil man ja dadurch "sozialistisch" oder so werden könnte)
Und zum anderen würde das auf Schlag offenbaren, dass Menschen alle unterschiedlich (und ja auch unterschiedlich intelligent) sind. Und das lässt sich mit dem Weltbild der Deutschen (Eltern) nun mal nicht in Einklang bringen.

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mademoiselle_sauvage 15.04.2014, 22:29
51. optional

Diese ganze Hysterie um G8/G9 ist bald nicht mehr zu ertragen. Es ist doch total logisch, dass jede Reform eine gewisse Zeit braucht, um ihre Wirkung voll zu entfalten und nach dieser jahrelangen Umkrempelei wieder einen Rückzieher zu machen, halte ich für ganz falsch. Ich habe letztes Jahr in Sachsen mein Abitur gemacht, ganz ohne nennenswerte Probleme und ohne einen einzigen 10-Stunden-Tag. Der scheinbar unerträgliche Stress, der offensichtlich anderswo empfunden wird, ist bei uns nicht wirklich angekommen. Und trotzdem studiere ich jetzt an der HU Berlin und das mit Freude, und ja, auch meine Schulkameraden haben einen Studienplatz gefunden, bei dem sie super mitkommen; eine sogar an der Uni Hamburg, man möchte es kaum glauben. Komisch, wie kann das sein, sollte uns nicht ein ganzes Jahr intensiver Allgemeinbildung fehlen? Eine Freundin, die ihr Abi noch in 9 Jahren gemacht hat, nannte die 11. Klasse einmal "Gammeljahr" und diese Bezeichnung höre ich nicht zum ersten Mal. Vielleicht wurde ja dort bei uns Zeit eingespart, nobody knows, es scheint allzu mysteriös. Besagtes Mädel hatte übrigens 29 Wochenstunden in der Oberstufe, ich dagegen 35, das war zu überleben. Das Problem liegt offensichtlich nicht bei der Einführung sondern bei der Umsetzung. Passt doch bitte endlich den Lehrplan an, nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf den Köpfen, dann klappt's auch mit dem Abi.
So wie in Frankreich. Oder Belgien. Oder Dänemark. Oder so vielen anderen Ländern.
Und dann kann man das gewonnene Jahr fast ohne schlechtes Gewissen (in Hinblick auf unsere Verpflichtungen der deutschen Wirtschaft und der traurigen Geburtenraten gegenüber) für FSJ, Praktika oder Auslandsaufenthalte in Australien oder Israel nutzen, wie es grade einige meiner Freunde tun. Und diese Lebensschule ist meiner Meinung nach viel mehr wert als ein popeliges 13. Schuljahr.

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dickebank 16.04.2014, 10:06
52. bitte nicht

Zitat von mademoiselle_sauvage
Diese ganze Hysterie um G8/G9 ist bald nicht mehr zu ertragen. Es ist doch total logisch, dass jede Reform eine gewisse Zeit braucht, um ihre Wirkung voll zu entfalten und nach dieser jahrelangen Umkrempelei wieder einen Rückzieher zu machen, halte ich für ganz falsch. Ich habe letztes Jahr in Sachsen mein Abitur gemacht, ganz ohne nennenswerte Probleme und ohne einen einzigen 10-Stunden-Tag.
Bitte nicht die sächsischen Erfahrungen ohne Berücksichtigung der gesamten Umstände auf andere Bundesländer übertragen.

Sachsen hat eine zweijährige gymnasiale Oberstufe. Das bedeutet aber auch, dass die Sekundarstufe I sowohl an Mittelschulen als auch an Gymnasien sechs Jahre dauert. Davor liegt die vierjährige Grundschulzeit und davor in den meisten Fällen eine mindestens dreijährige Zeit in der Kita.

Diese Voraussetzungen sind auf andere BL wie z.B. NRW nicht ohne Weiteres übertragbar. Hier in NRW muss vieles erst einmal in den Grundschulen gemacht werden, was wo anders bereits aus der Kita mitgebracht wird. Nach der Grundschule müssen sich die Schüler erst einmal im 5. und 6. Jahrgang (Erprobungsstufe) organisieren, Klassenfrequenzen von durchschnittlich 28 SuS sind für sie erst einmal eine ungewohnte Situation. Der Stress entsteht an den Gymnasien in den Jahrgängen 7 bis 9, wo sich die Stoffverdichtung auf eine pubertierende Schülerschaft negativ auswirkt. Die drei Jahre in der Oberstufe sind dann allerdings sehr entspannt, auch wenn in der Einführungsphase oftmals die Defizite der SekI aufgearbeitet werden müssen.

Die Einführungsphase (frühere klasse 11) hat man aus politischen Gründen nicht abschaffen wollen, es sollte die Durchlässigkeit des gesamten Schulsystems für alle Schüler - also auch den Abgängern von Haupt- und Realschulen mit Qualifikationsvermerk - gewährleistet werden.

No child left behind.

Hizukommt dass die heterogenität auch von Gymnasialklassen hier in NRW und darüber hinaus im norddeutschen Raum um ein Vielfaches größer sein dürfte als in Sachsen und anderen Bundesländern, die traditionell das G8 haben.

Frankreich mit seiner "ecole maternelle" als G8-Beispiel heranzuziehen, ist - bei Berücksichtigung der Gesamtschulzeit - auch nicht hilfreich.

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gazettenberg 16.04.2014, 10:18
53.

Zitat von ads2a
immerhin hält dann ja ein Drittel der Schüler das Ganze für nicht zu schaffen, und das ist eine ganze Menge.
Für die gibt es in Hamburg Stadtteilschulen mit G9. Also wo ist das Problem?

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gazettenberg 16.04.2014, 10:21
54.

Zitat von 1uhu
Wer aber außer den Luxusproblemen verwöhnter Oberschichten-Kids auch noch ein paar echte Probleme, parallel zum Abi machen, vom Leben serviert bekommt, der freut sich über alles was Druck wegnimmt!
Und wegen diesem Einen soll dann die ganze Jahrgangsstufe langsamer lernen? Warum geht er nicht auf die Stadtteilschule mit G9 oder wiederholt eine Klasse?

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Blaue Fee 16.04.2014, 10:48
55.

Gerade Frankreich funktioniert als Beispiel nicht.
Erstens gibt es die Ecole maternelle, die schon im Kindergarten den Stoff der ersten deutschen Grundschulklassen vorwegnimmt und zweitens gehen 2 Millionen der 12 Millionen Schüler auf Privatschulen, die finanziell wesentlich besser ausgestattet sind, mehr Fächer vermitteln und außerdem über eine besonders hohe sozioökonomische Homogenität der Schüler verfügen. Das wird beim Übertritt zu den Grandes Ecoles besonders augenfällig.

Gleiches gilt für beinahe alle Länder mit nur einem Schulsystem.
Die staatliche Bildung liegt um mehrere Schuljahre hinter der privaten zurück.

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fra-in-dland 16.04.2014, 13:38
56. Ich wollte Frankreich auch nicht als Paradebeispiel anführen

Weil zb in Deutschland Selbständigkeit gelehrt wird, was in Frankreich nicht der Fall ist. Auch sind diese privatschulen, sowie die grandes écoles ein großes Problem Frankreichs. Das einzige was ich sagen wollte ist, dass G8 von Erwachsenen schlecht geredet wird, die seit 30 Jahren keine Schule mehr hatten und dann das ganze Gedöns (yeah man! Schröder!) mit dem Stress das 'gammeljahr' hatte ich nicht dafür mehr Wochenstunden. Ja und?! Who cares? Jeder kann das ab. Und wenn nicht? Dann ist das die falsche Schule für die Person. Anstatt über Stress und sowas zu reden, sollten Lehrpläne geschaffen werden und Lehrer qualifiziert werden, damit man was lernen kann! Das mit Frankreich und meiner Mutter hab ich nur gebracht, weil jeder in 12 Jahren mit der schule fertig werden kann. Fertig. Punkt. Aus. Basta! Wer denkt G8 ist daran schuld, dass iwas nicht klappt, der sollte mal bei seinem Kind oder in der Schule gucken: Wie, Was, Wann, Wo und Ob überhaupt irgendwas gelehrt wird! Das ist nämlich das viel grössere Problem! Das Lehramtsstudium gilt bei mint Studenten nicht um sonst als pille palle. Und die alte Garde an Lehrern ist: 1. (haha captain obvious) alt, 2. fett, 3. unmotiviert und 4. völlig unzureichend ausgebildet bzw mit veraltertem Wissen ausgestattet! Ich wollte schon immer mal gegen meine alten Lehrer wettern ;-)

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dickebank 16.04.2014, 14:34
57. Lehrpläne

Zitat von fra-in-dland
Weil zb in Deutschland Selbständigkeit gelehrt wird, was in Frankreich nicht der Fall ist. Auch sind diese privatschulen, sowie die grandes écoles ein großes Problem Frankreichs. Das einzige was ich sagen wollte ist, dass G8 von Erwachsenen schlecht geredet wird, die seit 30 Jahren keine Schule mehr hatten und dann das .....
Besser gesagt die Kernrichtlinien für die Fächer sollten größtenteils abgeschafft werden. Vergleicht man Ersatzschulen und staatliche Schulen in NRW miteinander, fällt auf, dass die Durchschnittsnoten auf den Abschlusszeugnissen der Schülerschaft beider Schulen - gleicher Schultyp vorausgesetzt - sich nicht wesentlich unterscheiden. Der Vorteil, den auch Eltern und Schüler shen, der Ersatz-/Privatschulen ist, dass sie die Vorgaben nicht eins zu eins umsetzen müssen. In den staatlichen Schulen sind die auf den Kernrichtlinien basierenden Fachcurricula zu einklagbaren Pflichtprogrammen verkommen. Die lehrkräfte arbeiten sie akribisch ab, um sich vor dem Hintergrund Zentraler Prüfungen nicht an den "Karren fahren " zu lassen. Tenor: "Mein Kind hat den Mittleren Schulabschluss nicht geschafft, weil die Lehrkraft x im 8. Jhg. keine Zinsrechnung im notwendigen Umfang von 6 Wochen unterrichtet hat". Dass Lehrkraft x stattdessen die Prozentrechnung sehr ausführlich abgehandelt hat und auch den Verweis auf analoges Vorgehen bei der Zinsrechnung gegeben hat und die Kapitalverzinsung zusammen mit dem Thema "Wachstum" im 10. jhg. noch einmal aufgegriffen hat, ist dann nämlich irrelevant. Die Ersatzschulen haben hier mehr Freiräume und nutzen diese auch.

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leonardo-contra-pisa 18.04.2014, 18:10
58. Ursachen

Zitat von ads2a
immerhin hält dann ja ein Drittel der Schüler das Ganze für nicht zu schaffen, und das ist eine ganze Menge.
Vielleicht ist das genau die die Teilmenge der Gymnaisasten (m/w), die nicht auf diese Schulform gehören, weil sie dort vom Abstraktionsniveau überfordert sind, aber das Gymnasium besuchen weil ihre Eltern das so wollten (oft entgegen der Empfehlung der Grundschullehrer (w/m), die z.B. in NRW nicht mehr bindend ist.)

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spon-facebook-10000353245 19.04.2014, 12:30
59.

Zitat von fra-in-dland
Das Lehramtsstudium gilt bei mint Studenten nicht um sonst als pille palle.
Da ich selber Lehramt Gymnasium (Mathematik/Physik) studiert habe kann ich Ihnen versichern, dass diese Annahme einfach nicht korrekt ist, auch wenn sie noch so oft wiederholt wird.
Knapp 3/4 der Vorlesungen besuchen sowohl Lehramt- als auch Diplom (inzwischen wahrscheinlich Bachelor-) Studenten. Auch wird die gleiche Klausur geschrieben.
Und bedenken Sie: 3/4 der Vorlesungen in einem Fach sind gleich! Aber da kommt ja noch ein zweites Fach dazu!
Nicht umsonst gibt es viele Studenten (war jedenfalls in meinem Jahrgang so), die das Mathematik-Diplom mal so nebenbei mitgenommen haben. Diese wenigen mündlichen Prüfungen galten als pille palle, wenn man diesen das Staatsexamen gegenüberstellt.

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