Forum: Leben und Lernen
Ungerechte Grundschullehrer: "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose"

Sophie und Alexander haben Glück: Ihre Lehrer halten sie für leistungsstärker als Kinder, die Chantal oder Justin heißen. Eine Studie zeigt, dass Grundschulpädagogen Vorurteile gegen bestimmte Vornamen hegen - und manche Kinder deswegen sogar als besonders verhaltensauffällig einstufen.

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mac4ever 19.09.2009, 14:50
550. hoher IQ = leichter im Leben?

Zitat von grafkoks2002
Aber ein Ergebnis wie das, das sagt, dass die Chantalle aus Wanne-Eickel mit einem IQ von 166 größere Probleme an der Schule hat als die Marie-Sophie aus Essen-Margaretenhöhe, obwohl Marie-Sophies IQ gerade einmal ausreicht, um ein Brot zu schneiden, das wird nicht gerne gehört.
Kinder mit einem IQ von 166 (Kategorie "genial", extrem selten, etwa eins von 1000) werden unabhängig von der Herkunft immer Probleme haben, denn ihre Grunderfahrung ist: Ich bin nicht wie die Anderen. Die anderen "kloppen" sich untereinander und spielen draußen, sie basteln lieber, musizieren oder lesen Bücher. Und das "Anderssein" und der Wunsch, doch genauso zu sein und anerkannt zu werden, was aber nicht akzeptiert wird, weil die Reaktionsmuster und Bedürfnisse andere sind, verunsichert. Das führt zu Ausgrenzung. Hänseleien, sozialem Streß, manchmal sogar zu unterdurchschnittlichen schulischen Leistungen und Außenseitertum.

Das Risiko, im Leben zu scheitern, ist durch diese frühen negativen Prägungen höher, als bei normal Begabten. Und zwar für Kinder aus Wanne-.Eickel genauso wie aus Essen-Margaretenhöhe.
Ich erinnere mich, daß es da mal ein Buch von Alice Miller gab: "Das Drama des begabten Kindes".

Marie-Sophie dagegen wird ein guter "Förderlehrer" bezahlt, der ihren IQ zwar nicht anhebt, aber verhindert, daß sie in der Schule zu sehr nach unten aus dem Leistungsrahmen fällt. Der Förderlehrer kann, wenn er gut ist, ihre Leistungen um maximal 20% verbessern, mehr nicht. Sollte es sich nur um eine Entwicklungsstörung handeln, kann er den Anstoß dafür geben, daß sie wieder den Anschluß findet.

Ich halte die "Selektion" durch die Schulformen und die soziale Herkunft für übertrieben bewertet. Viel entscheidender für den Schulerfolg ist die Integration in der Klasse und Alterskohorte. Und die ist bei etwas weniger, nuch leicht überdurchschnittlich oder durchschnittlich Intelligenten oft besser als bei den Hochintelligenteren.

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Heinzel 19.09.2009, 15:13
551. ....

Zitat von sfb
Mir ging es darum, dass Namen unter diesen Umständen eben nicht mehr "Schall und Rauch" sind, wie der Vorredner annahm, sondern signifikant. Und ein Lehrer, der bei 12 Kevins zehnmal bestimmte Probleme feststellt, wird mit "Kevin" etwas Bestimmtes assoziieren, ob er nun will oder nicht. Es heißt übrigens Query Language ;-)
In diesem Forum treiben sich wirklich sehr viele IT-Fritzen herum. Seid ihr auf der Arbeit nicht ausgelastet?

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juergen brosius 19.09.2009, 17:22
552. zweideutigkeiten

Zitat von sfb
Helft den armen Vögeln! Praktischerweise gibt es oft eine Korrelation zwischen Form und Inhalt. Womit wir wieder beim Thema wären. Sprechen und Denken sind eins. Karl Kraus

Puttappel, stormking, sfb, et al.

1) Amuesante beispiele; allerdings nimmt sich vielleicht jemand mal die zeit, ambiguitaeten trotz gross/kleinschreibung zu finden. Davon abgesehen werden viele aus dem zusammenhang gerissene saetze mehrdeutig. Wenn der kontext nicht zur klaerung beitraegt, haette man noch die option den satz praeziser zu formulieren - aber dann muesste man ja beim schreiben zu viel denken.

2) Anglizismen? Keine schrift einer indoeuropaeischen sprache bedient sich der gross/kleinschreibung analog der Deutschen. Deshalb: "alle machen's falsch..." - und wir (einschliesslich heimatland von Kraus sowie der Schweiz) sind die einzigen voelker der "sprecher und denker".

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Sheherazade 19.09.2009, 18:31
553. Gross- Kleinschreibung

Zitat von juergen brosius
Puttappel, stormking, sfb, et al. 1) Amuesante beispiele; allerdings nimmt sich vielleicht jemand mal die zeit, ambiguitaeten trotz gross/kleinschreibung zu finden. Davon abgesehen werden viele aus dem zusammenhang gerissene saetze mehrdeutig. Wenn der kontext nicht zur klaerung beitraegt, haette man noch die option den satz praeziser zu formulieren - aber dann muesste man ja beim schreiben zu viel denken. 2) Anglizismen? Keine schrift einer indoeuropaeischen sprache bedient sich der gross/kleinschreibung analog der Deutschen. Deshalb: "alle machen's falsch..." - und wir (einschliesslich heimatland von Kraus sowie der Schweiz) sind die einzigen voelker der "sprecher und denker".

So ganz gleich sind die anderen Sprachen dem Deutschen allerdings nicht (ohne das jetzt in irgendeiner Form werten zu wollen) im Englischen und Französischen entstehen duch die fehlende Grossschreibung zumindest keine Missverständnisse (helft den armen vögeln)...

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ladoudou 20.09.2009, 01:14
554. Die Kevins haun uns raus

Zitat von Ephemeris
...langweilig... aber ein wenig Wahrheit dahinter :D , assis nennen ihre Kinder komisch :D
Man höre dazu Pigor und Eichhorn, Volumen 6

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Hagbard 20.09.2009, 08:44
555. Titel

Zitat von keinheldenverehrer
Das Problem liegt doch viel tiefer. Sehr viele Menschen glauben, anderen die Leistungs- und Lernfähigkeit absprechen zu können; aus unterschiedlichsten Gründen.
Zum Beispiel deshalb, weil das eigene Unvermögen weniger ausgeprägt erscheint, wenn man andere noch weiter herunter redet.
Man kann sich so schön als Teil einer Elite fühlen, wenn man "auf die da unten" herunterblickt und mit angewidertem Gesichtsausdruck von Unterschicht und Abschaum tönt.

Zitat von keinheldenverehrer
Dabei ist es psychologisch bereits erwiesen, dass jeder Mensch all das lernen kann, was er möchte. Intelligenz ist ja nicht wirklich angeboren. Nur haben Kinder aus sozial schwächeren Familien leider den Nachteil, in den ersten Jahren nicht so gefördert zu werden wie andere Kinder.
So weit ich weiß, ist man sich ja recht sicher, dass sowohl Umfeld, als auch Vererbung eine Rolle spielen. Die Gewichtung ist, glaube ich, noch nicht so ganz erarbeitet.
Leider stimmt es im Durchschnitt, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien in den ersten Lebensjahren nicht in dem Maße gefördert werden, wie es in Familien mit mehr Geld und mehr Bildung der Fall ist.
Wobei mir Bildung ein Schlüsselwort zu sein scheint. Ich habe den Eindruck, dass - unabhängig von vorhandener Intelligenz - die Bildung der Eltern ein wesentlicher Schlüssel für die Förderung der Kinder ist.

Zitat von keinheldenverehrer
Diesen Unterschieden sollten Grundschullehrer aber entgegenwirken, indem sie den Kindern, die es benötigen, mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen. Kinder, welche bereits alleine lernen können, freuen sich, in dieser Zeit dann selbstständig etwas zu lesen oder ein Rätsel zu lösen.
Sollen Sie - machen Sie aber nicht. In der Regel ist es eher so, dass die schwächeren Kinder weniger Aufmerksamkeit erfahren, als das "Mittelfeld". Junge Lehrer mit viel Idealismus probieren es manchmal. Geben es aber bald auf. Nicht weil es nichts bringt, sondern weil andere Schüler, Eltern, Kollegen und Vorgesetzte sie dafür vehement kritisieren. Und irgendwann wird jeder mürbe
Zitat von keinheldenverehrer
Leider sitzen die Vorurteile darin, diesen Zusammenhang nicht zu verstehen. Oder der Lehrer bzw. Lehrerin scheut den Konflikt mit den Mittelschichtsmamis, die einen Nachteil für ihr Kind wittern. Die anderen sollen doch lieber schön dumm bleiben!
Genau so ist es. Es gibt nichts militanteres als durchschnittliche Eltern durchschnittlicher Kinder. Bei jedem Elternabend den ich in den letzten 20 Jahren besucht habe, waren einige von denen dabei.
Ich erinnere mich an eine erregte Mami, die zu eben jenem Thema und bezogen auf die leistungsschwächeren Schüler mit angeschwollener Halsschlagader und weit offenen Augen rief: "Die gehören doch raussortiert, gehören die..."

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sfb 20.09.2009, 11:14
556. Zeitfenster

Zitat von keinheldenverehrer
Dabei ist es psychologisch bereits erwiesen, dass jeder Mensch all das lernen kann, was er möchte. Intelligenz ist ja nicht wirklich angeboren.
Es ist wohl eher so, dass die meisten Menschen mit den Anlagen zur Welt kommen, vieles zu lernen. Allerdings müssen in den entsprechenden Zeitfenstern die jeweiligen Lerninhalte in angemessener Form angeboten werden, sonst wird das nichts.

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loletta 20.09.2009, 11:33
557. Vorbildfunktion?!

Zitat von dasky
Die Mädels sind auf der Pädagogischen Hochschule sowieso nur geparkt. Im günstigeren Fall geht der Plan auf, einen Mediziner oder Juristen aus den Nachbarfakultäten als Versorger und Rentenversicherung an Land zu ziehen. Dafür wird sogar auf die Beamtenversorgung verzichtet. Dumm nur, wenn dem irgendwann das Geld ausgeht. Aber wenigstens sind dann keine Sozialpädagoginnen daraus geworden, die, wenn sie noch dazu Beamtinnen sind, für gemeingefährlich gehalten werden dürfen.

...ja, so in etwa stellt sich das Geschehen in L1 Studiengängen wohl dar. Oder auch: das hab ich mal schnell in 3 Jahren "wegstudiert" und dann kann ich mich zurücklehnen. Dabei ist gerade die Grundschulzeit prägend für die Kinder, und wenn Sie da schon vermittelt bekommen, dass sie nicht wirklich im Klassengefüge bestehen können... ob sie dann noch richtig Bock auf die weiterführende Schule haben?

Wie man immer wieder hört und liest, haben es Jungs ja noch zusätzlich schwer, weil oft das Verständnis der LehrerInnen fehlt, wenn die kleinen Kerle ab und zu mal ausrasten oder sonstwie stören. Wie erklärt man einer LehrerInnen-Front, dass das Verhalten eines 6jährigen Jungen sich eben DEUTLICH vom Verhalten eines gleichaltrigen Mädchens unterscheidet? Als Eltern möchte man davon ausgehen, dass Lehrer und Lehrerinnen das im Studium auch in gewisser Weise "mitnehmen". Oft leider Fehlanzeige.

Ich habe einen Freund, der Haupt- und Realschullehrer an einer Schule in einem "sozialen Brennpunkt" ist. Teilweise decken sich seine Aussagen leider schon mit dem, was hier im Forum zu lesen ist... auch als Lehrer kann man natürlich nicht völlig neutral und objektiv sein, aber ich finde, dass Lehrer in regelmäßigen Abständen Weiterbildungen zur Berufseinstellung und zu ihrer Vorbildfunktion besuchen sollten. Sie sollten sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie nicht da sind, um die Kinder zu VER-, sondern um sie -möglichst objektiv- zu BEurteilen.... auch wenn sie Kevin, Justin oder Jacqueline heißen...

Ich weiß auch, dass es viele Eltern gibt, die die Kindererziehung gern der Gesellschaft, hauptsächlich den Schulen und Kindergärten, überlassen (oder auch den 8 bis 10 Geschwistern) und dass man es als Lehrer bestimmt nicht immer leicht hat... aber dessen sollte man sich schon bei der Auswahl des Studiengangs bewußt sein.

Also, noch ein kurzer Appell einer Mutter an die LehramtsanwärterInnen, die hier unterwegs sind: bitte vorm Studium überlegen, ob man sich dieser Rolle gewachsen fühlt.

Merci ;)

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ArbeitsloserMathematiker 20.09.2009, 13:07
558. Intelligenz

Zitat von sfb
Es ist wohl eher so, dass die meisten Menschen mit den Anlagen zur Welt kommen, vieles zu lernen. Allerdings müssen in den entsprechenden Zeitfenstern die jeweiligen Lerninhalte in angemessener Form angeboten werden, sonst wird das nichts.
Da habe ich gewisse Zweifel.

http://www.sueddeutsche.de/leben/644/488045/text/

Diese Gestalten sind dumpf zur Welt gekommen. Das wird dann in diesem Leben nix mehr. Schon bei der Zeugung verpfuscht sozusagen. Es braucht passende gesellschaftelich Rahmenbedingungen, damit diese Menschen ein menschenwürdiges Leben leben können. Da siehts bei uns ziemlich düster aus.

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ray4901 21.09.2009, 23:27
559. Passende Rahmenbedingungen??

Zitat von ArbeitsloserMathematiker
Da habe ich gewisse Zweifel. Diese Gestalten sind dumpf zur Welt gekommen. Das wird dann in diesem Leben nix mehr. Schon bei der Zeugung verpfuscht sozusagen. Es braucht passende gesellschaftelich Rahmenbedingungen, damit diese Menschen ein menschenwürdiges Leben leben können. Da siehts bei uns ziemlich düster aus.
Da fehlt doch jede Logik. Sind die Erbanlagen (aufgrund "verpfuschter" Zeugung, wie Sie es einfühlsam nennen) defekt, nützen auch (nachträglich?) verbesserte gesellschaftliche Rahmenbedingungen nichts mehr, nicht wahr. Kaputt ist kaputt! Ich wünschte mir auch verbesserte gesellschaftliche Rahmenbedingungen -und Teilnehmer am gesellschaftlichen Prozess, die positiv denken können.

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