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Ungerechtes Bildungssystem: Ein Junge will nach oben
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Seine Lehrer wollten ihn auf die Hauptschule schicken. Doch seine Mutter glaubte an ihren Sohn, verschuldete sich, stritt sich mit Behörden, ertrug Demütigungen. Inzwischen hat René Schönfelder ein Einser-Abitur, einen Einser-Uni-Abschluss und promoviert. Eine sehr deutsche Bildungsgeschichte.

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Blindleistungsträger 02.12.2013, 17:30
160. Da hoffen Sie vergebens

Zitat von Andr.e
Wahrscheinlich haben Sie damals auf die gefundene Schiefertafel geschrieben, sich zu Hause alles eingeprägt, die Tafel abgewischt und sind wieder losgezogen? Die Crux, die Sie suchen, steckt im letzten Satz. Wir sind heute nicht mehr 1956, also hören Sie auf, Ihre Nachkriegsschulzeit mit der aus dem Jahr 2013 gleichzusetzen.
Die sitzen so weit oben auf dem hohen Ross...

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ni_maitre_ni_dieu 02.12.2013, 17:32
161.

Zitat von renee gelduin
Klasse SpOn. Inwiefern soll dieser Fall hier stellvertretend für "viele" ein ? Im Übrigen ist unser Bildungssystem sehr durchlässig. Lehrer bestimmen nicht darüber wer wohin geht und eine Hochschulzugangsberechtigung kann man auf vielen Wegen erlangen, nicht bloß als Abitur. In meinem Umfeld gibt es mehrere Leute die von Realschule aufs Gymnasium und dann zur Uni sind. Die jammern auch nicht. Es geht bei der Einschätzung des Potenzials eines Schülers um eine Erwartungswahrscheinlichkeit. Wenn zwei Schüler gleiche Leistungen erzielen, dann ist es logisch, dass derjenige mit dem akademischeren Elternhaus bevorzugt wird, weil das ein klarer Vorteil für den Schüler ist und die Empirik zeigt, dass er damit bessere Chancen hat. Das ist natürlich und hat nichts mit Diskriminierung zu tun.
Aber für richtiges Deutsch hat Ihre akademische Herkunft nicht gelangt, oder?
Es ist also normal, dass das Kind mit akademischen Hintergrund bevorzugt wird? Und warum eigentlich? Sollen wir dann vielleicht auch wieder die Adelsprivilegien einführen?

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nachtmacher 02.12.2013, 17:32
162. ???? habe ich anders erfahren....

Zitat von SoWiStudent86
Unser Schulsystem ist nicht wirklich durchlässig und es würde unserer Gesellschaft nicht schaden dieses Grundlegend zu ändern. Ich selber habe auch nur eine Empfehlung für die Realschule bekommen und habe es auf dem Gymnasium auch geschafft. Glücklicherweise war die Empfehlung nicht verpflichtend. Viele Menschen haben hier auch wenig Ahnung von der Entwicklung von Kindern. Diese nach der 4. Klasse aus zu sortieren ist schwachsinnig mit 10 ist ein Kind noch lange nicht so weit sein volles Potential Preis zu geben. Es gibt Kinder die brauchen auch etwas länger in der Entwicklung als andere, sollen aber später schnell auf und sind irgendwann wieder auf einem Stand. Das Notensystem haben im übrigen nicht die unis und Lehrer entwickelt, die müssen es nur umsetzen. So etwas kommt aus der Wirtschaft und der Gesellschaft. Die beeinflussen die Politik und darum läuft es so. Die Gelehrten an der Uni sind schon viel weiter und könnten einen bildungsumbruch schneller einleiten als man denkt. Überlegungen sind da schon viele angestellt worden. Ich selber habe Jeder der hier das aktuelle Bildungsystem verteidigt und als optimal bezeichnet, der ist fachlich leider vollkommen inkompetent, da er soziale zusammenhänge leider nicht wirklich logisch verarbeiten kann.
ich komme aus einer "bildungsfernen" Familie. In der Schule hat es von den Lehrern niemanden interessiert was mein Vater verdient. Auch in der Uni nicht. Was mich mit dem jungen Mann in ein Boot setzt ist dass es die Eltern interessiert hat, dass ich die Möglichkeiten zur Bildung nutze. Meine Eltern haben auch verzichtet. Auf Urlaub und Hobbies. Nicht nur finanziell, sondern auch in Form von Freizeit. Meine Eltern konnten mir nicht bei den hausaufgaben helfen, aber sie waren da um sicherzustellen, dass die Arbeiten erledigt waren. Später im Studium haben meine Eltern auf Urlaub fern der heimat und neue Alufelgen fürs Auto verzichtet um mir zur Miete was dazuzugeben (ich habe "auswärts" studiert). Ich mache immer öfter die Erfahrung, dass viele Eltern der Meinung sind, dass sich der Staat um die Bildung kümmern soll. Der "unangenehme" Teil sich selber drum zu kümmern wird quasi "outgesourced". Und wenn der Staat die Erwartungen (die durchaus hoch sind) nicht erfüllen kann wird die Bildungs- und Chancenungleichheit bemüht. Die Systemkritik ist nicht ganz unberechtigt. bei der Einschulung meiner Neffen sprach der Leiter der grundschule ganz offen davon, dass seine Aufgabe darin bestünde nicht nur Kinder ans Gymnasium zu schicken sondern die anderen Schulformen zu füllen. Wir hatten dann gleich eine hübsche Diskussion, weil ich der Meinung bin, dass die Aufgabe der Lehrer darin besteht möglichst viele eine höhere Bildung zu ermöglichen....

Aber leider verschanzen sich zu viele Eltern in diesem Lande hinter der Bildungs- und Chancenungleichheit um etas von der Allgemeinheit (=Staat) zu fordern, was sie selbst nicht bringen wollen.... und da wäre gaaaanz oben auf der Liste das Interesse für ihre Kinder und die Bildung....

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peterbruells 02.12.2013, 17:33
163.

[QUOTE=user79;14364105 ich frage mich aber worauf sich die voraussagen der Lehrer über das Entwicklungspotential eines 10 Jahre alten Kindes stützen [/QUOTE]

Bauchgefühl und gesunder Menschenverstand und angeborene Menschenkenntnis.

Drei Fähigkeiten, die uns bekanntlich bis zum Mond und Teilchenbeschleuniger gebracht haben.

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Hagbard 02.12.2013, 17:33
164.

Zitat von mackeldei
Was soll dieses Märchen? Um auf Gymnasium zu gehen , braucht man sich nicht verschulden. Man braucht nur etwas Begabung und Fleiß. Die Schule ist kostenlos, die Bücher sind kostenlos , alles ist kostenlos. Man braucht sich mit keinen Behörden streiten und man braucht keine Demütigungen ertragen. Ich bin 1956 aufs Gymnasium gegangen und meine Eltern waren bettelarm.
Ich weiß ja nicht, in welchem Deutschland Sie leben. In dem ich lebe (und in dem wir zwei Jungs durch Abitur und Studium gebracht haben) werden Eltern alle Nase lang für irgend etwas zur Kasse gebeten.

Das fängt ja schon da an, dass selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass die Kinder über einen Rechner mit Internet-Zugang verfügen.

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deuslovult 02.12.2013, 17:36
165. Wohlhabend und nicht studiert

Zitat von sysop
Seine Lehrer wollten ihn auf die Hauptschule schicken. Doch seine Mutter glaubte an ihren Sohn, verschuldete sich, stritt sich mit Behörden, ertrug Demütigungen. Inzwischen hat René Schönfelder ein Einser-Abitur, einen Einser-Uni-Abschluss und promoviert. Eine sehr deutsche Bildungsgeschichte.
Ich kann aus einem anderen Blickwinkel berichten. Meine Eltern waren wohlhabend, hatten aber nicht studiert. Das ging auf meinem humanistischen Gymnasium gar nicht. Waren die Eltern Akademiker, konnte deren Kindern sowieso nichts passieren. Waren die Eltern hingegen keine Akademiker und nicht wohlhabend, brach bei vielen Lehrern der deutsche Gutmensch durch, geprägt im Geiste von 68. Ich viel leider durchs Raster. Ich durfte mir beispielsweise anhören, ich würde eine Brille nur deshalb tragen (- 10 Dioptrin) um schlauer auszusehen. Oder meine Eltern würden FDP wählen (stimmte gar nicht), ohne zu wissen was das genau ist.

Habe es aber geschafft und bin seit 15 Jahren Anwalt.

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myrubescoisred 02.12.2013, 17:37
166. Nicht geignet für höhere Bildung

In 1951 wurden meinen Eltern "Nicht geignet für höhere Bildung" von der Schule angekündigt . Naturlich waren wir arm da meine Eltern aus Estland, Balten Deutsche waren und alles im Krieg verloren hatten . 1952 wanderten wir aus nach Kanada . Hier machte Ich mein Diplom Ingenieur auf der Ecole Polytechnique, Université de Montréal . Und nein, ich war nicht der Erste in meiner Klasse, bloss der Zweite . Aber zur selben zeit wurde Französisch meine vierte Sprache .

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bene_lava 02.12.2013, 17:37
167. Militär?

Zitat von Frank Gerlach #2
Diese beiden Institutionen schaffen erst die Sicherheit, die ein Schüler braucht, um ungestört lernen zu können. Das Gleich gilt füe die Steuerzahler. Oder für die Reeder, die Ihr (!) Android-Phone an Somalia vorbeibringen müssen. Schauen Sie sich doch mal Haiti an und fangen Sie an zu DENKEN.
Sorry...das mag für die Polizei stimmen. Das Militär schafft keine Sicherheit im Inland. Vor allem schafft das Militär keine Ruhe, damit Schüler gut lernen können. Das war vielleicht in Preußen so... Geben Sie mir bitte ein Beispiel.


Ich kann ganz gut denken.
Unser Bildungssystem basiert auf dem Grundgesetz. Das Grundgesetz trifft ein paar wichtige Aussagen...z.B. den Gleichbehandlungsgrundsatz oder die Berufsfreiheit.
Diese Grundsätze müssen für das Bildungssystem maßgeblich sein und der junge Mann hat recht, wenn er die Vereltzung dieser Grundsätze bemängelt....das hat dann recht wenig mit dem Militär, Söldnern und Haiti zu tun.

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mriee 02.12.2013, 17:38
168.

Zitat von SoWiStudent86
Das Notensystem haben im übrigen nicht die unis und Lehrer entwickelt, die müssen es nur umsetzen. So etwas kommt aus der Wirtschaft und der Gesellschaft. Die beeinflussen die Politik und darum läuft es so. [...] Jeder der hier das aktuelle Bildungsystem verteidigt und als optimal bezeichnet, der ist fachlich leider vollkommen inkompetent, da er soziale zusammenhänge leider nicht wirklich logisch verarbeiten kann.
Ich glaube nicht, dass hier jemand unser Bildungssystem als "optimal" bezeichnet hat. Trotzdem zeigen solche Geschichten doch, dass es sehr wohl möglich ist, als Sohn einer Putzfrau zu promovieren. Ich kenne auch Professorenkinder und Kinder von Lokalpolitikern mit normaler Ausbildung. Das kommt öfter vor als viele denken.

Zum Notensystem: Faktisch ist das Notensystem an der Uni nicht dasselbe wie an der Schule.

An der Schule werden in den ersten 10 Klassen wirklich die Noten 1-6 vergeben. An der Universität geht es meist von 1 bis 4 + nicht bestanden, wobei die 4 eigentlich praktisch nicht existiert. Bevor ein Professor eine 4 gibt, lässt er den Prüfling durchfallen. Durch die Einführung von Notengrenzen für Master-Studiengänge ist es sogar noch schlimmer geworden mit der Noteninflation. Eine Uni-Eins ist einfach einfacher zu erreichen als eine Schul-Eins. Es ist also nicht verwunderlich, wenn viele selbsterklärte Schulversager auf einmal eine 1,x auf ihrem Uni-Zeugnis stehen haben.

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Hagbard 02.12.2013, 17:38
169.

Zitat von GrinderFX
Was hat das bitte mit dem finanziellen Status zutun?
Eine ganze Menge. Kindern mit Arbeiter-Hintergrund oder aus sozial schwachen Familien wird einfach per se weniger zugetraut. Man sagt das heute nicht mehr so offen, aber gehandelt wird nach wie vor danach.
Zitat von GrinderFX
Die meisten Lehrer wissen nicht mal ob ein Schüler reich oder arm ist.
Doch, die wissen das ganz genau.

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