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Uni Leipzig: Millionen-Entschädigung für gescheiterten Professor
imago/Rainer Weisflog

Ein verhinderter Professor der Uni Leipzig hat vor Gericht Recht bekommen. Weil er eine Stelle nicht bekam, soll er mit viel Geld entschädigt werden. Gegen die Rektorin gibt es schwere Vorwürfe.

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SasX 30.05.2017, 19:21
10.

Zentraler Satz aus dem Urteil: "Insbesondere sagt das Gericht, dass eine politisch gewünschte Frauenquote kein Abweichen von den Auswahlkriterien des Art. 33 Abs. 2 GG gestattet. (...) Frauen wegen des Geschlechts besseren Bewerbern vorzuziehen ist verfassungswidrig und löst Schadensersatz und Einstellungsanspruch aus."

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GerhardFeder 30.05.2017, 19:30
11. Frauen als "Führungskräfte"

Derartige Vorgänge kenne ich aus eigener Beobachtung. Frauen führen eben nicht besser, sondern anders.

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Lisa_can_do 30.05.2017, 19:30
12. Ein Witz

Jahrhundertelang werden Professorenstellen unter Männern ausgemacht, katapultiert das männliche Netzwerk jegliche Fachlichkeit und noch so offensichtliche Leistung und Kompetenz von Frauen regelhaft raus bei Bewerbungen und Platzierungen. Jetzt hat eine Frau auf Platz 2 gelistet mal eine Stelle bekommen, wird automatisch angenommen, dass sie diese Stelle nur bekommen hat, weil sie eine Frau ist. Und das war natürlich möglich, weil die Rektorin eine Frau ist... ob es wirklich so ist, wer weiß. Aber der "Benachteiligte", der offensichtlich einen Job hat, wird mit Millionen 'entschädigt'. Eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. Ein fachlich nicht spezialisierter Mensch entscheidet darüber, ob zwei hoch spezialisierte Menschen mehr oder weniger 'kompetent' für eine Stelle sind und dieser Richter befindet darüber wie diese nie nachweisbare Benachteiligung, die Indizien, nun in Euro bemessen werden. Jo, das System der Berufungen gehört gründlich reformiert. Ein Hauptbestandteil muss dabei sein, dass man endlich das Netzwerk alter Männer aufbricht und endlich mal annimmt, dass Frauen auch kompetent und geeignet sein können, um Platz 1 zu belegen und diese ständig unterstellte Quoten-Idiotie, mit der man weniger Leistung und Fachlichkeit verbindet.

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pauschaltourist 30.05.2017, 19:39
13.

Die Bevorzugung weiblicher Bewerber kann maximal bei Bewerbern mit gleicher Eignung und Befähigung erfolgen. 1. Semester Verwaltungsrecht.

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kunibertus 30.05.2017, 19:40
14. Das wird sich

Zitat von SasX
Zentraler Satz aus dem Urteil: "Insbesondere sagt das Gericht, dass eine politisch gewünschte Frauenquote kein Abweichen von den Auswahlkriterien des Art. 33 Abs. 2 GG gestattet. (...) Frauen wegen des Geschlechts besseren Bewerbern vorzuziehen ist verfassungswidrig und löst Schadensersatz und Einstellungsanspruch aus."
ja jetzt alles ändern. Heute Vormittag gab es im SPON eine Meldung, dass von der Regierung eine Frauenquote für Führungspositionen bis auf die 2. Leitungsebene hinab verbindlich vorgegeben werden soll. Bei der Besetzung der Stellen soll dann die Qualifikation keine Rolle spielen, nur das Geschlecht. Diesen Artikel habe ich allerdings jetzt nicht mehr gefunden. Ich stelle mir vor: Die Leiterin der Abteilung Forschung und Entwicklung in einem Stahlwerk ist dann eine Politikwissenschaftlerin. Vorgabe der Frauenquote erfüllt; output aus der Abteilung null. Wenn das Wirklichkeit werden soll, muss erst mal eine Frauenquote in den MINT-Studienfächern eingeführt werden. Wenn sich nicht mindestens 50% Abiturientinnen einschreiben, wird der Studiengang gestrichen. Das wird gut sein für meine Enkelin; die ist sehr an der Elektrotechnik interessiert.

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Ch. Demian 30.05.2017, 19:42
15. Schlednrian beim Autor, Schlendrian bei den Lesern...

Vorab: der Titel "gescheiterter Professor" bewegt sich irgendwo zwischen sprachlichem Schlednrian und Unverschämtheit. Wer oder was hier im vorliegenden Fall gescheitert ist, wäre noch einmal nachzuprüfen - der Autor des Artikels ist es schon mal. Auf der Leserseite scheint der Eindruck vorzuherrschen, es handele sich hier um ein Beispiel für Sexismus oder scheiternder Frauenförderung (bzw. einer ungerechten Form derselben). Das ist aus den Infos, die der Artikel liefert, nicht unbedingt heraus zu lesen. Die in der Berufungsentscheidung gelieferte Begründung führt als Hauptpunkt die praktische Erfahrung an. Das klingt - bedenkt man, dass es hier um eine Professur für Schulpädagogik geht - nichts, was man als nebensächlich abtun kann. DIe Kritik die weiter oben gleich mit "Sumpf" in der Überschrift daher kommt, ist ungerechtfertigt, denn die Entscheidung des Rektors bzw. der Rektorin ist normalerweise nicht bloß formal anhand der Empfehlung, sondern beinhaltet auch Raum für eigenes Ermessen. Eine beabsichtigte Abweichung von der Empfehlung der Berufungskommission hat eigentlich immer zurfolge, dass der Fakultätsrat nochmal angehört wird. Für eine dennoch erfolgte Abweichung von der Empfehlung muß es schwerwiegende Gründe geben. Der springende Punkt ist nunmehr, ob die Begründung "mehr praktische Erfahrung" dieses Kriterium erfüllt. Die beabsichtigte Förderung von Frauen - ein vollkommen berechtigtes Anliegen! - ist nur einschlägig, wenn die Berufungskommission eine fachliche Gleichqualifikation feststellt. Dies war offebar nicht der Fall. Das Gericht hatte somit nur über die Schwere des Abweichungsgrundes zu entscheiden und befand offenbar dieses als nicht schwerwiegend genug. Das ist alles andere als ein Sumpf! Die Diskrepanz der Entscheidungen zwischen den Instanzen stützt eigentlich die Vermutung, dass es ein strittiger Fall ist und die Rektorin selbst wenn sie sich irrte, im Rahmen eines zulässigen Irrtums lag. Auch vom Abnicken dessen, was die Kommission empfahl, kann hier nicht die Rede sein. Der Vorgang ist allenfalls deswegen prominent geworden, weil sonst nicht geklagt wird. Weder Skandal, noch Mauschelei oder Grund an solchen berechtigten Anliegen, wie Frauenförderung, können hier in Anschlag gebracht werden. Eigentlich sollte man froh sein, dass es eine so gut funktionierende Rechtsprechung gibt. Einzig die Tatsache, dass das Urteil die Bevorzugung von weiblichen Bewerbern (wohlgemerkt gegen die Begründung der Berufung wohlgemerkt) ausgemacht haben will, stimmt nachdenklich. Und selbst das rechtfertigt die Ausfälle hier (siehe z.B. "Kampfemanze" weiter oben) nicht. Aber anscheinend kann man alles, was berichtet wird, zur Verfestigung seines misogynen Weltbildes mißbrauchen (schreibt Ihnen ein Mann),

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lindenbast 30.05.2017, 19:50
16.

Zitat von ulrich_loose
wenn man unbedingt auf Quotendamen setzt... Wie schon mein Vorschreiber zum Besten gab - Qualifikation wird wohl recht oft durch die "Zweite Wahl" ersetzt.
Das mit der 2. Wahl stimmt, aber ich wage zu behaupten, dass darunter, ich sage es einmal vorsichtig, nicht nur Männer leiden. Oft ist auch der zweitbeste, der die Stelle bekommt, ein Mann, und es ist eine besser qualifizierte Frau, die in die Röhre guckt. Im Übrigen würde ich weiterhin zu behaupten wagen, dass es meistens gar nicht um das Geschlecht geht, sondern um wechselseitige kollegiale Gunstbezeugungen: "Nimmst du meinen, nehme ich deinen." Häufig wird auch schon so ausgeschrieben, dass nur der Wunschkandidat in Frage kommt, aber man kann natürlich Pech haben und es bewirbt sich jemand, der genau die Qualifikationen hat, die man wollte, und zwar noch besser - jemand, den man gar nicht auf dem Schirm hatte...da ist dann guter Rat teuer. Aber meist klappt es dann doch noch, einen Grund zu finden, warum es doch der Wunschkandidat werden muss.

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Siebengestirn 30.05.2017, 19:51
17. Kein Scheitern, aber auch noch kein sicherer Geldsegen!

Die Überschrift ist problematisch, weil der namentlich genannte Bewerber nicht etwa "gescheitert" ist, er hat nur den von ihm erwarteten Ruf nicht erhalten. Weil er von der Fakultät und offenbar auch von der den Vorschlag unterbreitenden Berufungskommission auf Platz 1 der Liste gesetzt war, hatte er gute Gründe, den Ruf zu erwarten. Er ist also nicht als gescheitert anzusehen. Allerdings kann ein zuständiger Wissenschaftsminister/in von einer vorgeschlagenen Reihenfolge mit sachlichen Gründen abweichen. Hierzu kann man nach dem Artikel nur vermuten, dass die Hochschulleitung offenbar Gründe vorgetragen hat, die aus deren Sicht ein Abweichen von der Reihenfolge rechtfertigen konnten. Das scheint das Zivilgericht mit nachvollziehbaren Gründen anders zu sehen. Es ist wohl abzuwarten, wie die zuständigen Instanzgerichte die Sache sehen. So richtig sicher sein über den Geldsegen kann sich der übergangene Bewerber leider noch nicht.

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crazy_swayze 30.05.2017, 19:55
18.

Zitat von Lisa_can_do
Jahrhundertelang werden Professorenstellen unter Männern ausgemacht, katapultiert das männliche Netzwerk jegliche Fachlichkeit und noch so offensichtliche Leistung und Kompetenz von Frauen regelhaft raus bei Bewerbungen und Platzierungen. Jetzt hat eine Frau auf Platz 2 gelistet mal eine Stelle bekommen, wird automatisch angenommen, dass sie diese Stelle nur bekommen hat, weil sie eine Frau ist. Und das war natürlich möglich, weil die Rektorin eine Frau ist... ob es wirklich so ist, wer weiß. Aber der "Benachteiligte", der offensichtlich einen Job hat, wird mit Millionen 'entschädigt'. Eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. Ein fachlich nicht spezialisierter Mensch entscheidet darüber, ob zwei hoch spezialisierte Menschen mehr oder weniger 'kompetent' für eine Stelle sind und dieser Richter befindet darüber wie diese nie nachweisbare Benachteiligung, die Indizien, nun in Euro bemessen werden. Jo, das System der Berufungen gehört gründlich reformiert. Ein Hauptbestandteil muss dabei sein, dass man endlich das Netzwerk alter Männer aufbricht und endlich mal annimmt, dass Frauen auch kompetent und geeignet sein können, um Platz 1 zu belegen und diese ständig unterstellte Quoten-Idiotie, mit der man weniger Leistung und Fachlichkeit verbindet.
1. Dafür, dass es offenbar diese ominösen korrupten, inkompetenten Männerbünde gibt (als Mann sage ich: absoluter Schwachsinn), hat sich die Wissenschaft doch sehr gut entwickelt.

2. Die fachliche Eignung wurde von den Fachbereichen der Universität bemessen und erteilt. Es ist somit erwiesen, dass die Frau die Stelle nur bekommen hat, weil sie eine Frau ist, und dass der Mann in diesem Falle besser geeignet für die Stelle war. Es war sogar die explizite Begründung der Rektorin. Und wenn es selbst die Rektorin sagt - glauben sie ihr etwa auch nicht?
Deswegen ist dies ein Top-Urteil.

3. Es ist schön zu hören, dass das AGG, richterlich bestätigt, nicht vor der Qualifikation steht, sondern dahinter.

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FocusTurnier 30.05.2017, 20:04
19. Urteil

Zitat von CouscousGauthier
Insofern würde mich interessieren, ob die Richter in diesem Fall der Rektorin zwar eine eigene Entscheidungsgewalt zugestanden hätten, diese aber wegen offenkundiger Fehler (oder mangelnder Begründung o.ä.) nicht akzeptieren wollten.
Danisch hat schon vor einigen Tagen über das Urteil berichtet und auch das Urteil sowie einen weiteren Blogbeitrag von Sciencefiles verlinkt:

http://www.danisch.de/blog/2017/05/20/landgericht-leipzig-verurteilt-freistaat-sachsen-zu-schadensersatz-wegen-frauenbevorzugung/

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