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Urteil des Verfassungsgerichts: Deutschlands Professoren müssen mehr verdienen
DPA

Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden. Auf die Bundesländer kommen nun wohl deutliche Mehrkosten zu.

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academix 14.02.2012, 14:25
250. na toll

Einige der Kommentare regen schon zum nachdenken an...

Man sollte einmal nachdenken und erkennen, dass Deutschland ausser Luxusautos nur durch Hochtechnologie konkurrenzfähig ist. Die Grundlage dieser Technologie ist das Wissen und die Forschung. Man sollte also endlich einmal (wenigstens) die naturwissenschaftlichen Fächer als das betrachten was sie sind: Eine Grundlage unsere Wohlstandes.
Was macht denn einer dieser privilegierten Professoren so? Unterrichten, hat Verantwortung für die Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses, Finanzverantwortung, hält Vorträge (d.h. macht Marketing), wirbt Gelder, etc... Ach ja, die tollen Auslandsreisen finden meist am Wochenende statt... Ausserdem kenne ich keinen einzigen Lehrstuhlinhaber, noch Mittelbau, der in den naturwissenschaftlichen Fächern mit einer 40 Stunden Woche nach Hause kommt. Ach ja - und bis er/sie es denn soweit geschafft hat, ist man wenigstens 3x in der Weltgeschichte umgezogen, sollte hochmobil sein, mehrere Sprachen sprechen, die Beziehung soll natürlich damit kompatibel sein etc...
Wieviele der Kritiker nehmen denn das auf sich um dann eine Minimalchance zu haben diesen Job, mit Glück unter 40, zu bekommen?
Zitat von sysop
Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden. Auf die Bundesländer kommen nun wohl deutliche Mehrkosten zu.

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Dumme Fragen 14.02.2012, 14:27
251. Re

Zitat von varesino
.. und dann 16 Jahre gearbeitet, natuerlich ohne Erfahrungsgewinn und Weiterbildung. Aber jeder ist seines Glueckes Schmied und die Besoldungstabellen, sind allen Beamten in Spe frei zugaenglich, oder?
darum geht es nicht - sondern darum, dass er die 16 Jahre nicht zunächst mit einem Einkommen auf (niedriger als) HartzIV-Niveau (als Student) oder etwas höherem Einkommen (2x HartzIV plus Wohnung; als Doktorand) bei Arbeitsleistungen von 60h pro Woche, oft auch am WE verbracht hat, um dann anschliessend für ca. 1800 netto im Monat als PostDoc alle zwei Jahre umziehen zu müssen, natürlich auch noch mit Auslandsaufenthalt (sonst wird es nichts mit einer unbefristeten Anstellung in der Wissenschaft).

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rettungsschirm 14.02.2012, 14:29
252. ...

Zitat von husker
Man braucht keine Superqualifikation um als Doktor mehr als 3500 Euro zu verdienen. Das Gehalt ist ein Einstiegsgehalt z.B. in der Unternehmensberater-Branche oder in der Industrie. Und da hat derjenige noch nicht einmal eine verantwortungsvolle Aufgabe im Unternehmen, wie es ein Professor an einer Universität hat. Sie sind ein Witzbold, wenn sie denken ein Vorstand verdiene 3500 Euro im Monat. Sie haben echt keine Ahnung.
Na was denn jetzt? Ein Doktor muss also nicht automatisch superqualifiziert sein? Wie kommt der dann zu seinem Doktor?

Schlussendlich geht es ja auch darum, dass oft behauptet wird, in der freien Wirtschaft würden alle möglichen vom Staat besoldeten Berufsgruppen viel mehr verdienen. Das setzt aber voraus, dass die Qualifikation auch den in der freien Wirtschaft geforderten Anforderungen entspricht. Und dies ist einfach oft nicht der Fall (heisst jetzt nicht, dass diese grds. höher sind, es sind eben andere Anforderungen).

Wo behaupte ich denn, dass ein Vorstand 3500 EUR / Monat verdient?

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forumundthreadkritiker 14.02.2012, 14:30
253. Fachbereiche

Zitat von Whitejack
Der durchschnittliche Physik-Professor (dazu kann ich etwas sagen, in anderen Fachbereichen kenne ich mich nicht aus) arbeitet etwa 60-80 Stunden pro Woche. Bei einem Gehalt von 4000 Euro, d.h. 1000 Euro pro Woche, sind das 12-16 Euro pro Stunde. Die meisten Facharbeiter haben einen besseren Stundenlohn und haben bei 40 Stunden pro Woche wesentlich mehr Freizeit. Man muss also keine Angst haben, dass Professoren maßlos überbezahlt sind.
Sie sprechen mir aus der Seele, und aus Erfahrung kann ich sagen, dass die 60-80h Woche und der daraus zu folgernde Stundenlohn für andere Fachbereiche auch gelten. So gesehen ist die hier geführte Neiddebatte, die nur nominell am Monatslohn ohne Kenntnisse der tatsächlichen Aufgaben und Tätigkeiten eines Professors begründet ist, mehr als peinlich. In Deutschland werden die Leistungsträger der Gesellschaft (und dazu gehören auch die Professoren) nicht ausreichend bezahlt, die Folgen für die Volkswirtschaft bekommen mittelfristig alle zu spüren.

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prophet46 14.02.2012, 14:30
254. Alles Ändern

Zitat von FrankDr
Wurde auch Zeit. Ich kann die miese Bezahlung schon lange nicht verstehen. Die Neider hier vergessen, dass Professoren neben 3 J. Abi und 5 J. Studium nochmal 2-5 Jahre promoviert haben und fast ausnahmslos alle noch jahrelang an irgendwelchen Lehrstühlen mies bezahlte Jobs machten, während alle anderen, früheren Studienkollegen schon die .....
Bin auch der Meinung, dass Professoren (C4 Profs, und nicht nur "kleine" Professoren wie wohl in diesem Fall) gut bzw. konkurrenzfähig bezahlt werden, dann können sie auch gute Steuern zahlen wie ihre Studienkollegen mit den höheren Gehälter in der Wirtschaft.

Allerdings müsste vor dem Hintergrund der Lebensarbeitskosten eines verbeamteten Professors gleichzeitig die Pension auf den Höchstsatz der gesetzlichen Rentenversicherung zurückgeführt werden. Ebenso wäre die Krankenbeihilfe, eine unzeitgemäße De-Luxe-Versorgung der Beamtenschaft und wahnsinnig teuer, umgehend abzuschaffen. Eine Betriebskrankenkasse wie in vielen großen Unternehmungen täte es auch. Wer sich besser versichern will, soll es freiwillig tun.

Große Aufwandsposten der Beamtenschaft fallen ja nach den Pensionierung an und zwar bis ans Lebensende inkl. Versorgung der Witwen und Weißen.

Ein egoistischen Hintersinn habe ich dabei: Die Abgeordneten, von denen viele einen ruhenden Beamtenstatus haben, würden am eigenen Leibe erfahren, was für Folgen ihrer "Reformen" bei den Sozialversicherungen haben.

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wahrsager23 14.02.2012, 14:31
255.

Zitat von gekreuzigt
Einem Professor ein Gehalt zu zahlen, dass ihn überhaupt in die universitäre Lehre und Forschung zieht, ist Grundlage dafür, dass unsere Unis lebensfähig bleiben.
So sieht es aus!

Zitat von
Eigenartigerweise hat auch die bisherige Besoldung auf, wenn ich einige Diskutanten hier recht verstehe, Hartz-VI-Niveau ausgereicht, Professoren zu gewinnen, die, wenn ich das weiterhin richtig verstehe, ohne Weiteres in der "Wirtschaft" deutlich mehr hätten verdienen können.
Nein, man hat teilweise Professoren "gewonnen", die nicht viel taugten, es sein denn, die Professoren besserten sich ihr Geahlt durch...

Zitat von
Festhalten muss man hier doch, dass zum einen die Professoren ausreichend Zeit für ihre weitverbreiteten Nebentätigkeiten haben, mit denen sie ihr beklagenswertes einfaches Leben etwas aufhübschen können.
...Nebentätigkeiten auf.

Es werden natürlich viele Foristen einen Aufschrei machen, wenn diese Professoren aufgrund ihrer Nebentätigkeit den Unibetrieb vernachlässigen.

"Ein Professor muss sich um die Lehre und die Studenten kümmern."

"Das Geklüngele zwischen Wirtschaft und Uni ist unerhört."

Diese Foristen würden dann auch sofort eine Petition unterschreiben, die Nebentätigkeiten verbietet, genauso wie bei den Politikern. Wenn es allerdings darum geht, ein passendes Gehalt zu zahlen, heißt es:

"Die werden schon üppig bezahlt!"

"50.000 Euro im Jahr sind ein sehr hohes Gehalt."

Ganz ehrlich, ich kenne einige Menschen, die 50.000 Euro verdienen ohne Führungsverantwortung, wo soll da der Reiz sein, in den Unibetrieb zu wechseln, wenn ich Gehaltseinbußen hinnehmen muss?

Richtig, das Beamtentum wäre noch ein Argument, aber das geht vielen Foristen hier auch auf den Keks. Es ist einfach purer Neid von Menschen, die immer was zu meckern haben.

Zitat von
Zudem geht es ja offensichtlich im Ergebnis hauptsächlich um das Geld und nicht um hehre höhere Werte, denen sie zum Wohl der Menschheit nachgehen. Und zu den Aussichten, in der Wirtschaft viel Geld verdienen zu können: sie hätten sich mal dort bewerben sollen, unsere Herren Professoren. Wäre sicher interessant, wer überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden wäre. Ich denke, dass diesen Beamtenseelen das auch bewusst ist.
Fähige Mitarbeiter lachen sich über das Gehalt tot. Also in meiner Branche sind 50.000 Euro kein fürstliches Gehalt. Vielleicht sollten manche Foristen mal in die Gehaltstabellen schauen, wir leben nicht mehr 1990. Die Gehälter sind gestiegen, mancher Uni-Abgänger bekommt schon zwischen 40.000 - 50.000 Euro.

Mir wäre es lieber, wenn die Professoren ein Grundgehalt und eine Leistungszulage bekommen. Dafür gibt es dann keine Nebentätigkeiten.

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rocky balboa 14.02.2012, 14:32
256. Re:

Zitat von homann5
Die Diskussion hier ist schon sehr unterhaltsam, insbesondere die Argumentation "Man muss Professoren angesichts der in der Wirtschaft besseren Bezahlung mehr bieten!" ist unglaublich lächerlich. Wer nach seinem Studium den "Job" eines Profresoren anstrebt, sollte sich über die Bezahlung sowie die verlangte Leistung im Klaren sein.
Sie verkennen etwas: Die Qualität des Bildungsstandorts Deutschland hängt gravierend von der Qualität der Lehrenden an den Universitäten ab. Wenn Sie sagen, dass man sich über die Bezahlung von vornherein im Klaren ist, haben Sie mit Sicherheit recht. Diese Bezahlung sorgt aber auch dafür, dass viele talentierte Nachwuchswissenschaftler der Universität nach ihrer Promotion den Rücken kehren. Nur mit der schlechten Bezahlung ist es ja auch nicht getan, zusätzlich müssen sie noch einmal 5-6 Jahre nach der Promotion in die Habilitation investieren, und danach dann auf einen Ruf von irgendeiner Hochschule irgendwo in Deutschland hoffen.

An dem Lehrstuhl, an dem ich promoviert wurde, hat es keinen einzigen zu einer wissenschaftlichen Karriere gezogen, darunter einige sehr talentierte Nachwuchswissenschaftler. Die meisten sind heuer mit Mitte 30 auf der Karriereleiter ein oder zwei Stufen aufgestiegen, haben dementsprechend Personalverantwortung, einen schönen Dienstwagen, und verdienen 6-stellig bei einer 40-Stunden-Woche. Glauben Sie ernsthaft, dass einer von denen für eine Professur auch nur mit der Wimper zucken würde?

Was übrig bleibt sind Idealisten und ein kläglicher Rest, der in der Wirtschaft auch nicht besser dastünde. Den Rest haben wir erfolgreich vergrault.

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ilmephax 14.02.2012, 14:34
257. Zurecht!

Es ist natürlich völlig normal das die Besten nach dem Studium nochmal min 3 Jahre auf einer 50% Stelle hängen und dann weitere Jahre auf einer vollen 13er Stelle. Wenn sie dann 40 sind verdienen sie 4500 Netto... Oh mein Gott! Wie ungerecht!

Einige von unseren Ingenieuren gehen mit 24 ins Ausland und verdienen 6000 Netto! Warum sollen die besten Studenten nun für einen Hungerlohn in die Lehre bleiben? Wer braucht schon eine gute Lehre an einer Uni, wir können ja gleich nochmal 50% kürzen und uns an osteuropäische Verhältnisse anpassen. Ein paar Geschenke hier und eine Spende da...

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luminox 14.02.2012, 14:37
258. Urteil des BVG 2007

"In den Stuben der großen deutschen Behörden dürfte heute schlechte Laune herrschen: Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts müssen Beamte laut Grundgesetz zwar über ein Nettoeinkommen verfügen, das ihnen einen "angemessenen Lebenskomfort" ermöglicht. Die in Metropolen höheren Preise spiegelten aber auch die dort höhere Lebensqualität wider, urteilten die Verfassungsrichter. Vorteile seien etwa reichhaltige Bildungs- und Freizeitangebote sowie eine bessere medizinische*Versorgung.

Nach den Worten der Karlsruher Richter steht es dem Gesetzgeber nach den Grundsätzen des Berufsbeamtentums im Grundgesetz zwar frei, je nach örtlichem Preisniveau Abstufungen bei der Besoldung vorzunehmen.

Eine verfassungsrechtliche Pflicht dazu bestehe aber nicht. Allerdings sei es die "Aufgabe" des Gesetzgebers zu beobachten, ob sich die Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten zwischen Stadt und Land vertiefen und damit ein Ausgleich notwendig werden*könnte.
Kein Grundsatz verletzt
Nach Auffassung der Karlsruher Richter verpflichtet aber kein traditioneller Grundsatz des Berufsbeamtentums den Gesetzgeber dazu, "einen spezifischen Ausgleich für regional erhöhte Lebenshaltungskosten" zu gewähren. Weder das Alimentationsprinzip - also der Grundsatz der amtsangemessenen Besoldung von Beamten - noch der Leistungsgrundsatz könnten hierfür herangezogen*werden.

Zudem sei nicht ersichtlich, dass der Beamtensold verglichen mit Angestellten außerhalb des öffentlichen Dienstes nicht mehr "standesgemäß"*sei.

Der Münchner Kriminalhauptkommissar Peter Steininger hatte geklagt, weil er die im Grundgesetz garantierte Besoldung von Beamten verletzt sah. Er müsse bei gleichem Lohn deutlich mehr für seinen Lebensunterhalt ausgeben als seine Kollegen im bayerischen Hinterland.

Die hätten bei gleicher Besoldung eine um durchschnittlich 23,4 Prozent höhere Kaufkraft als er. Der Klage des Kommissars hatten sich rund 1000 Polizeibeamte angeschlossen.

Die geltende Besoldungsregelung sieht nur für im Ausland eingesetzte Beamte einen Ausgleich für erhöhte Lebenshaltungskosten vor. Eine Ausnahme bildet noch Bayern: Dort gibt es seit 1990 die Möglichkeit, Beamten und Richtern mit dienstlichem Wohnsitz in München eine "ergänzende Fürsorgeleistung" zu gewähren. Diese umfasst monatlich 75 Euro sowie einen Zuschlag von monatlich 20 Euro pro Kind.

In Frage kommen aber nur Bezieher von niedrigen und mittleren Gehältern bis 2722 Euro brutto im Monat. Der klagende Kommissar verdient aber in der Besoldungsstufe A 13 rund 2700 Euro netto im Monat. Zudem läuft die bayerische Sonderregelung Ende 2009 aus."

Originaltext Süddeutsche Zeitung

Ich mach mir die Welt so, wie sie mir gefällt...

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Vex 14.02.2012, 14:42
259. gutes Urteil

Zitat von sysop
Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden. Auf die Bundesländer kommen nun wohl deutliche Mehrkosten zu.
Die Besoldung ist echt ein Witz ... jeder normale Arbeiter verdient in der Industrie mehr teilweise sogar ohne Ausbildung. Sogar im Mittelstand werden ähnliche Löhne gezahlt für teils geringere Qualifikationen.
Professor werden ist sehr viel arbeit und mit einer 40 Stunden Woche kommt man da zu nichts. Alle die ich kenne die auf dem Weg zur Professur sind arbeiten währen der Doktorarbeit und als PostDoc bzw Habil mindestens 50-60 Stunden die Woche. Eine Stelle zu bekommen ist auch nicht gerade einfach.
Im Grunde ist das nur noch was für Idealisten wenn man sich mal den Stundenlohn von 15-20€ ausrechnet ... und das nach einer 25-30jährigen Ausbildung. Wenn man das mit den abgefahrenen Gehältern von Managern vergleicht deren Ausbildung eher schlechter ist dann wird das völlig pervers.

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