Forum: Leben und Lernen
Urteil: Lehrer darf Handy übers Wochenende einkassieren
picture alliance / dpa

Darf ein Lehrer seinem Schüler das Mobiltelefon über mehrere Tage lang wegnehmen? Das Verwaltungsgericht in Berlin sieht darin keine Verletzung der Grundrechte und weist eine Klage zurück.

Seite 2 von 14
elizar 17.05.2017, 17:26
10.

Zitat von Hänschen Klein
Ich finde schon, dass die Klage sinnvoll gewesen wäre, auch im Hinblick auf zukünftige Anmaßungen seitens von Lehrern. Man muss sich das vorstellen, ein Lehrer nimmt einfach das Eigentum eines Schülers an sich und behält es auch in seiner Freizeit ein, Und er kommt auch noch damit durch. Mir kommt das deutsche Rechtssystem inzwischen seltsam vor, gelinde gesagt. Durch solche Fehlentscheidungen wird das Fehlverhalten auch noch gefördert.
Sie sehen das doch nur deshalb so, weil es ein Handy war. Würden Sie das genauso sehen, wenn der Schüler einen harten Ball mit in die Schule nimmt und diesen ohne Rücksicht auf andere durch die Gegend wirft? Was wäre, wenn es ein Wurfstern wäre?
Manche Dinge haben in der Schule nichts verloren. Idealwerweise sollte ein Handy während der kopletten Schulzeit aus sein. Dies entscheidet aber jede Schule für sich.

Beitrag melden
Tharsonius 17.05.2017, 17:29
11. Ahja

wenn also aufgrund der Unerreichbarkeit ein Schüler eine wichtige Information nicht erhält, sei es durch ein familiäres Unglück, dann ist dies "keine unzumutbare Beeinträchtigung seiner Grundrechte"? Haben diese Richter ausreichende Kenntnisse der Grundrechte?

Beitrag melden
michaelv91 17.05.2017, 17:31
12. Typisch für die Eltern dieser Generation

Das Verhalten dieser Eltern scheint mir leider typisch für diese Generation: statt die Schuld beim eigenen Kind zu suchen und dementsprechend selbst sanktionieren, stellen sie sich unter allen Umständen gegen die Lehrer.
Wir brauchen ein Umdenken, gegen unrecht, selbst wenn es unsere Kinder betrifft.

Beitrag melden
jj2005 17.05.2017, 17:42
13. Unglaublich!

Zitat von Hänschen Klein
Man muss sich das vorstellen, ein Lehrer nimmt einfach das Eigentum eines Schülers an sich und behält es auch in seiner Freizeit ein.
Da stört ein Rotzlöffel massiv den Unterricht, zulasten seiner lernwilligen Mitschüler, und ein deutscher Oberlehrer erdreistet sich, ihm sein Lieblingsspielzeug ein paar Tage abzunehmen, so dass der arme, arme Junge völlig von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Isolierungshaft, sozusagen. Wäre das nicht ein Fall für den UN-Sicherheitsrat?

Beitrag melden
blueberryhh 17.05.2017, 17:43
14.

Zitat von montecristo
"Ehre" und "gedemütigt"... Da weiß ich als Lehrer sofort, aus welchen Kulturkreis der Schüler kommt. Auch wollten die Eltern nicht herausfinden, "ob das Verhalten des Lehrers rechtswidrig war", sondern Genugtuung und eine Strafe für den Lehrer.
ja, dieser Gedanke kam mir auch als erstes ... in diesen Kulturkreisen wird ja sehr extrem mit Worten wie Respekt und Ehre und so um sich geworfen.
Allerdings finde ich die Aktion des Lehrer nicht korrekt. Am Wochenende hat er keine "Gewalt" über den Schüler. Nicht mal am Nachmittag nach Schulschluss.

Beitrag melden
caligula-nrw 17.05.2017, 17:49
15. Anmaßung @ hänschenklein

Der Lehrer zieht das Handy ein, weil dies zumindest in NRW durch das Schulgesetz gedeckt ist, der Eingriff in das Grundrecht also auf einer gesetzlichen Grundlage beruht. Er tut dies auch nicht als Privatmann sondern als Vertreter der Behörde, weil die Nutzung des Handys nämlich eine Störung ist, also ein Eingriff in das Recht der anderen Schuler auf ungestörten Unterricht. Die Ursache setzt also der Störer. Der Lehrer behält das Handy auch nicht, sondern es verbleibt bei der Schule. Es ist nur fraglich, ob das rechtmäßig sein kann, da es ja nicht mehr zur Abwendung der Störung notwendig ist.
Allerdings...es wäre sehr hilfreich, um vom Ge- bzw. Missbrauch der Handys abzuschrecken.

Beitrag melden
hauseru 17.05.2017, 17:50
16. Sanktionen

Ohne auf juristische Winkelzüge acht zu geben:
Wenn ein Lehrer keine Möglichkeit hat, renitente Schüler nachhaltig darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Verhalten dem im Unterricht angebrachten nicht entspricht, haben diese ohnehin wegen elterlichem Totalversagen geplagten Pädagogen einen noch schwereren Stand.
Als ich in der Schule war und und mit Klagen nach Hause kam, hiess es zuerst einmal: "Was hast Du denn verbockt?"
Heute heisst es: "Wo ist der Anwalt, der dem Lehrer eine reindrücken kann?"
Ich bin zwar kein Lehrer, aber auch in der Ausbildung aktiv, allerdings in einer Domäne, in der es normalerweise keine disziplinarischen Probleme gibt.

Beitrag melden
WeissAuchAllesBesser 17.05.2017, 17:58
17. Falscher Ansatz

Bei derartigen Verfahren muss dem Lehrer ein Fehlverhalten nachgewisen werden. Das ist äußerst schwierig, da Lehrer über einen großen pädogogischen Freiraum verfügen. Selbst bei Lehrkräften mit Alkoholproblemen oder Persönlichkeitsstörungen ist das äußerst schwierig.

Sinnvoller ist es zivilrechtlich gegen den Lehrer vorzugehen, z.B indem man Schadensersatz für ein Leihgerät, eine Telefonkarte oder Ähnliches geltend macht. Das Fehlverhalten wird so zwar nur indirekt, dafür aber mit höherer Wahrscheinlichkeit festgestellt.

Außerdem sollte man natürlich die Gesamtsituation würdigen; es dürfte nicht wenige Schüler geben denen einige Tage Handy-Entzug ganz gut tun würden. Ebenso gibt es wohl genug Schüler die sich so saumäßig aufführen, dass eine pädagogische Maßregelung sinnvoll ist.

Beitrag melden
elizar 17.05.2017, 18:01
18.

Zitat von arno38
Dass ein Lehrer bis zum Ende *seines* Unterrichts so handeln darf, ok. Würde ein Lehrer meines Sohnes sein Handy länger als bis Schulschluss einbehalten, würde er für den Schaden aufkommen, der entsteht, weil ich ein Ersatzgerät und eine neue SIM kaufen muss. Beides darf er dann gern behalten, sobald er das Handy rausrückt.
Unfassbar! Wie konnte die Menschheit es nur soweit schaffen so ganz ohne Handy.

Wenn sogar Erwachsene so süchtig nach ihren Handys sind, dann braucht es einen nciht wundern, wenn die Kinder genauso drauf sind.

Beitrag melden
qwertreiber 17.05.2017, 18:03
19. Eigenartige Begründung

Zitat: "Die Richter wiesen die Klage nun als unzulässig zurück. Die Begründung: Der Junge hat die Schule inzwischen verlassen. Es bestehe deshalb keine Wiederholungsgefahr und damit auch kein Interesse an einer Feststellung zur Rechtswidrigkeit."

Meine Sicht: Der Lehrer hat doch das Handy weggenommen und bleibt an der Schule, also herrscht selbstverständlich Wiederholungsgefahr, selbst wenn der betroffene Schüler nun die "Gefahrenzone" verlassen hat.

Beitrag melden
Seite 2 von 14
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!