Forum: Leben und Lernen
Urteil: Mediziner-Wartezeit soll vors Verfassungsgericht
VG Gelsenkirchen

Ist es verfassungswidrig, länger als sechs Jahren auf ein Medizinstudium warten zu müssen? Ja, sagten Gelsenkirchener Richter und verweisen die Klage dreier Medizinbewerber an das Bundesverfassungsgericht. Das höchste deutsche Gericht könnte die gängige Praxis ins Wanken bringen.

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matt3110 26.04.2012, 19:31
1. Jedes Auswahlsystem hat seine Härten

Auch wenn ich zustimme, dass die zuletzt erforderlichen Wartezeiten von 12-13 Semestern sehr lang und nahe an der Grenze des zumutbaren sind - eine prinzipielle Ungerechtigkeit kann ich darin nicht erkennen.

Es ist nunmal so, dass Medizinstudienplätze extrem begehrt und gleichzeitig aufgrund der hohen Kosten limitiert sind. Die aktuelle Regelung sieht vor, dass 20 % der Plätze nach Abiturnote, 60 % nach Auswahl durch die Hochschule und 20 % durch Wartezeit vergeben werden.

Bei einer entsprechend hohen Anzahl an Bewerbern kommt es eben zu den sehr hohen Anforderungen bezüglich Note, Wartezeit oder besonders gutes Abschneiden im Auswahlverfahren.

Die Lösung:
Akzeptieren oder mehr Studienplätze. Gegebenenfalls könnte man auch die Quoten überdenken, nach denen die Plätze vergeben werden, z.B. mehr als 20 % nach Wartezeit zu vergeben. Aber dies führt dann zu umso höheren Anforderungen den anderen gegenüber, z.B. müsste der Notendurchschnitt dann noch besser sein. Wäre dies etwa gerechter? Ich meine nein.

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.sagittarius. 26.04.2012, 19:48
2.

Zitat von sysop
Ist es verfassungswidrig, länger als sechs Jahren auf ein Medizinstudium warten zu müssen? Ja, sagten Gelsenkirchener Richter und verweisen die Klage dreier Medizinbewerber an das Bundesverfassungsgericht. Das höchste deutsche Gericht könnte die gängige Praxis ins Wanken bringen.
Wer sich zwei Jahre bis zum Abi nicht zusammenreißen kann und nichts lernen will, soll eben danach warten. Das Problem ist nur, dass man sich im Ausland seine Wartezeit wegkaufen kann. Wer Geld hat, hat's eben leichter...

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fontels 26.04.2012, 20:21
3.

man kann die Wartezeit auch "wegarbeiten" zb in Frankreich! ich habe 1975 Abitur gemacht und sollte damals rund fünf Jahre warten. Bin dann nach Frankreich; dort werden alle genommen und nach einem Jahr wird gesiebt. Chance weiter zu kommen ca 10%. Bin dann allerdings in Frankreich hängen geblieben und bereue es bis heute nicht

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Stäffelesrutscher 26.04.2012, 20:34
4.

»Doch das Oberverwaltungsgericht Münster grätschte dazwischen und setzte den Beschluss Anfang Oktober aus. Es liege erst eine Grundrechtsverletzung vor, wenn die Bewerber endgültig keinen Studienplatz erhalten würden, hieß es in der Begründung.«

Und wann wäre das »endgültig« der Fall nach Ansicht des OVG? Wenn der Studienbewerber den 60. Geburtstag feiert oder doch erst den 67.?

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muehle79 26.04.2012, 20:47
5.

Was mir immer nicht ganz eingängig ist: Man weiß dich in der Regel vorher, was auf einen zukommt. Das für ein Medizinstudium eine 1 vorm Komma in der Abiturnote nötig ist, weiß jeder Erstklässler und kann von da angestrengt daraufhinarbeiten, mal einen guten Schulabschluss zu erhalten.

Weiterhin denke ich doch, dass man innerhalb der sogenannten Wartezeit auch die Chance ergreifen kann, die Lebens- und Berufsplanung zu überdenken und so vielleicht ein erfüllteres Berufsleben zu haben.

Eine Zulassung nach 10 oder 13 Wartesemestern sichert ja auch erstmal nur den Platz im ersten Fachsemester und längst noch keinen erfolgreichen Abschluss. Woher der in so einem lernintensiven Fach wie Medizin kommen soll, wenn man zuvor erhebliche Defizite in der Schule hatte (sonst stände keine 3,5 als Durchschnittsnote(!) auf dem Zeugnis), weiß ich nicht so Recht. An die Mär vom Spätzünder glaube ich da nicht so recht.

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miruwa 26.04.2012, 21:43
6.

Zitat von muehle79
Eine Zulassung nach 10 oder 13 Wartesemestern sichert ja auch erstmal nur den Platz im ersten Fachsemester und längst noch keinen erfolgreichen Abschluss. Woher der in so einem lernintensiven Fach wie Medizin kommen soll, wenn man zuvor erhebliche Defizite in der Schule hatte (sonst stände keine 3,5 als Durchschnittsnote(!) auf dem Zeugnis), weiß ich nicht so Recht. An die Mär vom Spätzünder glaube ich da nicht so recht.
Sehen Sie, da scheiden sich eben die Geister. Ich habe mein Abitur auf dem letzten Meter von 3,0 auf 2,9 gedrückt. Hatte zu Schulzeiten riesige Probleme meine akzeptablen Klausurnoten mündlich zu untermauern. Die Abiklausuren liefen super, die mündlichen Durchschnitte der 12 und 13 gaben aber einfach nicht mehr her.

Ich habe dann Zivildienst geleistet, eine Ausbildung zum Krankenpfleger abgeschlossen und 2 Jahre gearbeitet. Mündliche Mitarbeit liegt mir immernoch nicht, stört aber an der Uni auch keinen. Schreibe im August Physikum und bin bei Klausuren immer im 1. Drittel dabei. Wohlgemerkt bei 80% Kommilitonen mit Abitur von 1,8 und besser.

Uni und Schule sind 2 völlig verschiedene Dinge.

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moonlightserenade 26.04.2012, 22:35
7.

Ich studiere auch Medizin und mein Mitleid für die Kläger hält sich in Grenzen. Nur weil ich etwas unbedingt will, habe ich doch nicht automatisch darauf Anspruch. Wenn ich Kunst studieren will, aber meine Mappe schlecht ist, oder die Aufnahmeprüfung für ein Sportstudium nicht bestehe, ist es halt so.
Und so ist auch mit dem NC. Wenn jemand mit 1,0 eventuell einen Studienplatz an der Wunschuni bekommt (und auch das ist nicht immer der Fall), dann kann jemand mit 3,0 ruhig 7 Jahre warten. Ich habe während meiner Schulzeit auf Vieles verzichtet und viel Zeit in die Schule investiert, ich empfinde kein Schuldgefühl dabei.
Es kann halt nicht jeder Arzt werden. Und wenn das Abitur nicht mittlerweile fast Standard wäre und nicht so viele Leute studieren wollten, dann wären die NCs auch nicht so hoch.

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sagmalwasdazu 26.04.2012, 22:55
8. Solange es....

....für Mediziner eine " sogenannte " Wartezimmertauglichkeit gibt, darf man über eine " Wartezeit " für Kassenpatienten ( II.ter Wahl ) gar nicht herumlamentieren !
Show must go on.... !

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tizian 26.04.2012, 23:11
9.

In dem Kontext ist dann noch interessanter, wenn die Schulzeiten bis zum Abitur auf Kosten der Schüler verkürzt werden und dann in den Wartezeitenschleifen der angebliche Gewinn durch diese Verkürzung so dermassen weggeworfen wird...

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