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Verfällt der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?

Die fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?

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hjm 18.02.2011, 01:02
580.

Zitat von querulant_99
Es gibt zwar viel wichtigere Themen, z.B.: - Wie bekommen wir die Staatsverschuldung in den Griff? - Wie können wir den Euro retten ? - Wie verbessern wir unser Bildungssystem ? - Wie meistern wir die Herausforderungen, die uns China stellt ?
Nun, alle diese Fragen haben dieselbe einfache Antwort: Indem wir in Zukunft statt Hochtechnologie zu produzieren massenhaft möglichst billige T-Shirts für Chinesen nähen. Durch die daraus resultierende Abwertung des Euro wird dieser gerettet, gleichzeitig lösen sich die Staatsschulden in Luft auf, Bildung wird überflüssig, und China von uns abhängig.

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anonymus12 18.02.2011, 08:35
581. Nur ein Kratzer

ja, offensichtlich geschummelt. Wenn's maßgeblich für die Arbeit wäre, dann wär's auch unanständig. Ist es maßgeblich? 15 nicht markierte Zitate unter Hunderten korrekt markierten. Wenn mit dieser Akribie 1000er Neider und politischer Querköpfe nach Schmutzflecken gesucht würde, dann blieben wenige Saubermänner und noch weniger normale Menschen übrig. Diese Art der Steinewerferei ist unanständig.

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Willi Winzig 18.02.2011, 09:36
582.

Zitat von anonymus12
Diese Art der Steinewerferei ist unanständig.
Unanstaendig ist, wenn ein Saubermann seinen eigenst zwecks Imageschaffung herausposaunten Anspruechen selber nicht genuegt.

Und es besteht, denke ich, keine Zweifel, dass das "Vergessen" einiger weniger Anfuehrungsstriche irgendwo in der Arbeit praktisch kein Thema waere. Wenn aber schon die Einleitung - das ist der eine von zwei Teilen (neben den Schlussfolgerungen), wo der Autor SEINE EIGENE Einschaetzung und Motivation zeigen und die Buehne fuer die folgenden wissenschaftlichen Betrachtungen bereiten soll - in Teilen einfach kopiert und eingefuegt ist, dann ist das was ganz anderes.

Und da ist es VOELLIG egal aus welchen Motiven gepinkelt wird

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schramm1944 18.02.2011, 10:36
583.

Aufgrund der aktuellen Hysterie bzgl. der Dissertation von herrn Guttenberg suchte ich per Google einiges zum Thema - und stieß auf Andreas Kasper. Vor 25 Jahren war er einmal mein Schüler an einer Orientierungsstufe. Ein nettes Kerlchen, soweit ich mich erinnere, und vor allem ein kluges! Vielleicht aber nicht klug genug für das Haifischbecken Politik ...

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Glossator 18.02.2011, 11:42
584. Überschätzt

Sicherlich steckt hinter den allermeisten Doktorarbeiten ehrliche und anstrengende Arbeit. Trotzdem oder gerade deswegen sollten Doktortitel nicht mehr als Namensbestandteil gelten. Zum einen lockt gerade das nämlich zu viele Ehrgeizlinge und Titelsüchtige, die mit Forschung und Lehre meist weniger am Hut haben, sondern im "zivilen" Leben glänzen wollen. Zum anderen ist die Aufnahme des Doktortitels ein Relikt aus einer Zeit, in der die Menschen sich generell mit Titeln, bzw. Berufsbezeichnungen anredeten ("Herr Wachtmeister", "Herr Studienrat", "Meister Eder", "Herr Graf") Dahinter stand die Respektsbekundung vor Amt und Würden, auch erreichter Leistung. Nichts per se Schlechtes; nur daß gerade und allein der Doktor-"titel" nicht nur überlebt, sondern sogar als Namensbestandteil gilt, ist irgendwie schief. Warum nicht der Meister-"titel" o.ä.? Wahrscheinlich weil in den Paralamenten viele Doktoren, aber nur wenige Meister sitzen. Also den Doktor aus dem Namen streichen, Doktorabeiten elektronisch durchscannen, dann steigt der Wert des Doktors wieder.

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maxjonimus 18.02.2011, 15:20
585.

Zitat von Glossator
Sicherlich steckt hinter den allermeisten Doktorarbeiten ehrliche und anstrengende Arbeit. Trotzdem oder gerade deswegen sollten Doktortitel nicht mehr als Namensbestandteil gelten.
Der Doktor, der übrigens garkein Titel sondern ein akademischer Grad ist, ist auch kein Namensbestandteil in Deutschland. Es besteht nichtmal ein Rechtsanspruch auf Eintragung in die Ausweisdokumente (siehe auch: http://www.zimmerling.de/veroeffentl...toranrede.htm).
Ärgerlich ist, dass viele den Doktor nur machen, um sich damit zu schmücken und eine schnellere und höhere Karriere zu machen.
Vielleicht sollte man Doktoranden verpflichten, mindestens 5 Jahre lang nach der Promotion an einer Hochschule zu lehren und zu forschen. Der Doktor sollte also für ernsthafte Wissenschaftler sein, nicht für eitle Karrieristen mit Pomade im Haar.

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DanielaMund 18.02.2011, 15:44
586. kT

Zitat von maxjonimus
Vielleicht sollte man Doktoranden verpflichten, mindestens 5 Jahre lang nach der Promotion an einer Hochschule zu lehren und zu forschen. Der Doktor sollte also für ernsthafte Wissenschaftler sein, nicht für eitle Karrieristen mit Pomade im Haar.
a) gelten ausländische Hochschulen? Wer am MIT forscht, und zurückkommt, tut ja auch etwas für die deutsche Wissenschaft.
b) wie sieht das mit Max-Planck-Instituten, dem CERN oder Desy aus?
c) und Forschung in einem Unternehmen?
d) wird man die Hochschulen auch verpflichten, den Post-Docs in dieser Zeit eine volle Stelle zu geben, die nicht erst 3 Tage vor Vertragsende verlängert wird?

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maxjonimus 18.02.2011, 15:54
587.

Zitat von DanielaMund
a) gelten ausländische Hochschulen? Wer am MIT forscht, und zurückkommt, tut ja auch etwas für die deutsche Wissenschaft. b) wie sieht das mit Max-Planck-Instituten, dem CERN oder Desy aus? c) und Forschung in einem Unternehmen? d) wird man die Hochschulen auch verpflichten, den Post-Docs in dieser Zeit eine volle Stelle zu geben, die nicht erst 3 Tage vor Vertragsende verlängert wird?
Das sind sicherlich berechtigte Fragen und Überlegungen, die man sicherlich auch nicht von heute auf Morgen entscheiden kann.
Ich sehe aber wenig Sinn in Doktorarbeiten, die mal so nebenbei geschrieben werden. An dem Institut, an dem ich mal als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war, war es üblich bzw. vom Prof gefordert, dass man mind. 5 Jahre am Institut arbeitet, bis man die Doktorarbeit abgibt.

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Kojo T 18.02.2011, 20:00
588.

Zitat von maxjonimus
An dem Institut, an dem ich mal als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war, war es üblich bzw. vom Prof gefordert, dass man mind. 5 Jahre am Institut arbeitet, bis man die Doktorarbeit abgibt.
Derartiges ist leider sehr üblich.
Und der Abschluß wird dann oft nicht in erster Linie etwa für wissenschaftliche Leistungen vergeben, sondern für braves Katzbuckeln als billige Arbeitskraft, teils mit, teils ohne Bezahlung (Zeitvertrag nach TV-L).

Ist die Leistung maßgeblich, ist eine größere Zeitspanne bis zu deren Erbringung kein Gütekriterium.

Die angegebenen 5 Jahre dienen in aller Regel nicht der Sicherung wissenschaftlicher Standards, sondern sind die maximale Beschäftigungsdauer mit Zeitvertrag.

Mancher Ordinarius geruht gegen Ende der Beschäftigungszeit, dem Kandidaten gönnerhaft zu sagen: "Sie können jetzt zusammenschreiben" - und das gelegentlich, ohne dem Kandidaten vorher Gelegenheit zu eigener wissenschaftlicher Arbeit gegeben zu haben.
Als Forschungstätigkeit reicht in solchen Fällen öfter, daß der Kandidat zeigt, daß er gelernt hat, einen Text so zu erstellen, daß er wie eine zum jeweiligen Zitierzirkel passende wissenschaftliche Arbeit aussieht.

In meinem früheren Umfeld gab es zweifellos auch hervorragende Dissertationen, aber häufiger solche, die weit eher Belohnung für stets gehorsame Dienste und willige Unterordnung waren.
Einmal berief sich jemand auf den Arbeitsvertrag - der enthielt eine Aussage zum Anteil eigener wissenschaftlicher Tätigkeit. Der 'Doktorvater' wertete das als gröbste Widersetzlichkeit und Arbeitsverweigerung. Die Promotion konnte sich der Bewerber abschminken. Einen anderen Betreuer fand er selbstverständlich nicht.

Die Benotung gab des öfteren in weit stärkerem Maße Zeugnis von der willigen Dienstfertigkeit als vom wissenschaftlichen Ergebnis.
Eine Promotion von erheblichem wissenschaftlichen Gehalt kann aus persönlicher Animosität zu einer 3 führen, wenn der Prüfer es nicht wagt, die Arbeit abzulehnen. Bei einer habe ich den Prüfer auf ein Gegenbeispiel zu einer zentralen, 'bewiesenen' Aussage hingewiesen - die Arbeit wurde mit 1 bewertet.

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rocky balboa 19.02.2011, 04:11
589. Re:

Zitat von Kojo T
Ist die Leistung maßgeblich, ist eine größere Zeitspanne bis zu deren Erbringung kein Gütekriterium.
Noch stimme ich zu.

Zitat von
Die angegebenen 5 Jahre dienen in aller Regel nicht der Sicherung wissenschaftlicher Standards, sondern sind die maximale Beschäftigungsdauer mit Zeitvertrag.
Eher 6 Jahre, aber ok.

Zitat von
Mancher Ordinarius geruht gegen Ende der Beschäftigungszeit, dem Kandidaten gönnerhaft zu sagen: "Sie können jetzt zusammenschreiben" - und das gelegentlich, ohne dem Kandidaten vorher Gelegenheit zu eigener wissenschaftlicher Arbeit gegeben zu haben.
Sie sehen das von der falschen Seite: Man kann in der Zeit, die gemeinhin als normale Arbeitszeit angesehen wird, als Neuling (nichts anderes ist man als Doktorand) keine signifikante wissenschaftliche Erkenntnis zustande bringen und diese auch noch entsprechend formulieren. Jeder Doktorand, den ich kennengelernt habe, und dessen Arbeit mich in irgendeiner Form beeindruckt hat, hat deutlich mehr als 60 Stunden pro Woche investiert. Die fehlende Gelegenheit zu wissenschaftlicher Arbeit wird leider nur allzu häufig von Doktoranden als Ausrede gewählt, die sich nie mit der Forschung als solcher identifiziert haben.

Auf der anderen Seite haben Sie natürlich auch vollkommen Recht: Es gibt viel zu viele Promotionen, die nur daraus resultieren, dass jemand lange am Lehrstuhl gearbeitet hat.

Zitat von
In meinem früheren Umfeld gab es zweifellos auch hervorragende Dissertationen, aber häufiger solche, die weit eher Belohnung für stets gehorsame Dienste und willige Unterordnung waren.
Stimmt, und da ein Qualitätskriterium für die Universitäten heutzutage die Anzahl an Absolventen ist, wird sich das auch nicht bessern. Naja, wir sollten froh sein, dass der Freiherr kein Bildungsminister geworden ist.

Zitat von
Einmal berief sich jemand auf den Arbeitsvertrag - der enthielt eine Aussage zum Anteil eigener wissenschaftlicher Tätigkeit. Der 'Doktorvater' wertete das als gröbste Widersetzlichkeit und Arbeitsverweigerung. Die Promotion konnte sich der Bewerber abschminken. Einen anderen Betreuer fand er selbstverständlich nicht.
Aus welchem Fachbereich kommen Sie? Unabhängig davon, dass man einen solchen Professor hoffentlich niemals als Chef hat: In meinem Arbeitsvertrag stand immer, dass anfallende Mehrarbeit mit dem Dienstsold abgegolten sei. Eine schöne Formulierung, welche die Wochenarbeitszeit nur in dem Sinne einschränkt, dass eine Woche nicht mehr als 168 Stunden hat. Davon abgesehen hat eine Person, die sich in der Wissenschaft auf ihren Arbeitsvertrag bezieht, es eh nicht verstanden.

Bei uns war es so: Der Professor hat nie weniger als 70h pro Woche gearbeitet; genausowenig wie diejenigen, die eine Promotion mit Auszeichnung erhalten haben. Aber genau dieser Arbeitseinsatz hat sich auch in dem wissenschaftlichen Beitrag widergespiegelt, die Pflichtaufgaben waren recht gleichmäßig verteilt. Oder: Es gab Leute, die 9 Monate lang keinen Tag frei hatten (inklusive der Wochenenden), und es gab Leute, die jede Woche zwei Tage krank waren und nie an einem Wochenende gearbeitet haben. Letztere haben sich gerne über ihre Arbeitsbelastung beschwert.

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