Forum: Leben und Lernen
Verfällt der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?

Die fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?

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Kojo T 21.02.2011, 15:17
620.

Zitat von hjm
Nein, ich glaube, es war eher gemeint, dass auch der Doktorgrad in Zukunft, so wie der Batchelor, durch eine bestimmte Menge erworben werden soll. Dieser lässt sich mit einer Stoppuhr objektiv messen ..
Das Aufbürden einer meßbaren Last mag zwar die Ernsthaftigkeit des Wunsches des Kandidaten prüfen, aber sonst ist sie sinnlos.
Halt - das Aufbürden von 'sinnlosen' Lasten hat wie auch die strikte Unterordnung unter einen und Abhängigkeit von einem 'Doktorvater' doch einen Sinn, wenngleich einen sehr verqueren: Entweder macht das gefügig, oder es prüft die Gefügigkeit, sprich die Fähigkeit zum willigen Mitläufer und dient dazu, die Eigenständigen auszusortieren. Es ist möglicherweise kein Zufall, wenn sich im 3. Reich zeigte, daß gerade die gebildeten Deutschen anfälliger waren, Mitläufer oder Mittäter zu werden als die einfache Bevölkerung.

Ich jedenfalls plädiere für die italienische Lösung (nein, nicht für berlusconische!).
Die ist weit, weit effizienter.
Erspart vielen sinnlose Verrenkungen.
Entlastet die Universitäten von Leerlauf.

In Italien gibt es das Diplom nicht.
Es gibt den Doktor und den Doktor.
Den erster und den zweiter Art.
Der eine entspricht dem Diplom, der andere dem wissenschaftlichen(!) Doktor.

Und da sich beide in der Anrede überhaupt nicht voneinander unterscheiden, entfällt für alle Praktiker die Notwendigkeit, sich ein wissenschaftliches Lätzchen umzuhängen - das bringt einfach nichts.

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Piri 21.02.2011, 16:20
621.

Zitat von Kojo T
Ich jedenfalls plädiere für die italienische Lösung (nein, nicht für berlusconische!). Die ist weit, weit effizienter. Erspart vielen .....
Die Guttenberg-Story berührt auch jene Frage, die im Forum immer wieder heiß und kontrovers diskutiert wurde.
Was liegt der Inflation von Abschlüssen und Titeln zugrunde? Ich möchte jetzt nicht alles wiederholen, getret`ner Quark macht bekanntlich breit, nicht stark, aber man sollte sich schon immer wieder bewusst machen, welche Folgen das Ganze hat bzw. haben kann.

In einer Gesellschaft, die sich keine Ausdifferenzierung ihrer Spitze mehr leistet/zu leisten traut, darf man sich über Plagiate bis hin zum schweren Täuschungsversuch einerseits sowie schlampig korrigierende Professoren auf der anderen Seite nicht wundern.

Es fängt in der Krippe an: Jeder Pups des lieben Kleinen ist suuuuper!
Preisgekrönte Grundschulen nennen jedes Kind „Experte“.
Das Gymnasium ist die neue Volksschule.
Die Grenzen zwischen Fachhochschulen und Universitäten verschwimmen.
Das Grundstudium ist komplett verschult.
Das gute Diplom wurde abgeschafft.
Der Doktortitel ist für viele die letzte Möglichkeit, sich irgendwie abzuheben.
Offenbar für zu viele.

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tl-hd 21.02.2011, 16:29
622. nicht immer

Zitat von hjm
Das ist wohl eher eine Frage, wie ernsthaft der Student sich mit dieser Frage befasst. Zumindest in den Naturwissenschaften und vor der Bolognese war man während der Diplomarbeit schon in die aktuelle Forschung eingebunden, und wenn man eine Promotion anstrebte, hatte man genug Zeit und auch den nötigen Zugang zur „Community“, um potentielle Doktorväter nach ihrer wissenschaftlichen Reputation beurteilen zu können.
Die wissenschaftliche Qualität als Forscher kann man durchaus vorab einschätzen, aber die menschlichen Qualitäten (die bei einem Doktorvater auch wichtig sind) lassen sich deutlich schwerer im Vorhinein abschätzen. Wie viel und wie gut eine Gruppe publiziert, lässt sich leicht herausfinden, aber wie fair der Prof mit seinen Doktoranden umgeht, ist außerhalb der Gruppe nicht immer genau bekannt - vom Extremfällen vielleicht mal abgesehen. Aber auch bei den Extremfällen brauchen Sie schon recht gute Kontakte (die nicht jeder Diplomand hat), um an solche Infos ranzukommen.

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ACroonen 21.02.2011, 18:38
623. -

Die FAZ redet klartext.

Titel Vgl.auch Guttenberg 2009

:)

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF41...~Scontent.html

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Kojo T 21.02.2011, 19:30
624.

Zitat von tl-hd
Die wissenschaftliche Qualität als Forscher kann man durchaus vorab einschätzen, aber die menschlichen Qualitäten (die bei einem Doktorvater auch wichtig sind) lassen sich deutlich schwerer im Vorhinein abschätzen. ..
Ganz so einfach ist die wissenschaftliche Qualität doch nicht einzuschätzen. Jedenfalls habe ich etliche gesehen, die sich völlig getäuscht haben.
Am zuverlässigsten gelingt eine Einschätzung, wenn der potentielle Betreuer als wissenschaftlich abgehängt bekannt ist.
Ein merklich größeres Irrtumsrisiko geht schon der ein, der sich auf einen Ruf als anerkannte Koryphäe verläßt. Manch einer, der als Koryphäe gilt, ist perfekter Blender, mancher war mal Koryphäe und hält diesen Ruf dadurch aufrecht, daß er einen Riecher für auspreßbare Talente hat, mancher ist wirklich Koryphäe auf seinem Gebiet, kann jedoch seine Grenzen nicht richtig abschätzen und betreut Arbeiten auf Gebieten, von denen er keine Ahnung hat.

Der zumeist entscheidende Punkt sind aber wirklich die menschlichen Qualitäten.
In diesem Bereich weicht der Durchschnitt bei wissenschaftlich hervorragenden Leuten nach meinem Eindruck nicht wesentlich vom allgemeinen Durchschnitt ab, wenngleich manche als Betreuer auch menschlich zur absoluten Spitze gehören.
Doch schon unter 'nur' guten bis sehr guten findet sich ein noch breiteres Spektrum vom perfekten Betreuer bis zum Bodensatz mit heftigen Frustrationen, Empfindlichkeiten und/oder Minderwertigkeitskomplexen.
Ein einzige an sich belanglose Reaktion des Kandidaten, die so jemandem falsch aufstößt, kann nicht wieder auszubügeln sein, ja, ursächlich für den Mißerfolg sein.
Ich habe mitverfolgt, wie so ein Betreuer einen Kandidaten, der nicht aufgab, mit List und Tücke verfolgte, und als er den Abschluß auch durch Verzögerung nicht verhindern konnte, und selbst dessen Leistung schlecht machte.

Kurz: es ist unbedingt damit zu rechnen, die normale Bandbreite menschlichen Verhaltens anzutreffen - nur in ihrer Intensität stark gesteigert.
Homo hominem lupus (wie ungerecht ist dieser Spruch doch gegenüber den Wölfen!).

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k4l 21.02.2011, 19:33
625.

Zitat von Kanzleramt
Habe noch nie verstanden warum praktizierende Ärzte unbedingt einen Doktor haben müssen. So weit ich weiß, ist das ja wirklich Pflicht, oder liege ich da falsch? Bei Zahnärzten ist es ja keine Pflicht und ich kenne Zahnmedizinstudenten die keinen Doktor machen. Mein Zahnarzt hat auch keinen Doktortitel und der ist super, jedenfalls gabs bisher nichts zu klagen. ....
falsch nicht jeder arzt ist ein dr. es ist nur sehr verbreitet

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simple.mind 21.02.2011, 20:02
626. Kleine Wühler

Zitat von anonymus12
ja, offensichtlich geschummelt. Wenn's maßgeblich für die Arbeit wäre, dann wär's auch unanständig. Ist es maßgeblich? 15 nicht markierte Zitate unter Hunderten korrekt markierten. Wenn mit dieser Akribie 1000er Neider und politischer Querköpfe nach Schmutzflecken gesucht würde, dann blieben wenige Saubermänner und noch weniger normale Menschen übrig. Diese Art der Steinewerferei ist unanständig.
Exakt. Unterwegs ist ein Volk emsiger kleiner Denunzianten, selbstverständlich im Namen von Aufklärung und Wahrheitsfindung. Widerlich.

Da hat einer getrickst, vielleicht betrogen und vermutlich sogar die Unwahrheit gesagt. Das rechtfertigt dann natürlich eine öffentliche Hinrichtung.

Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!

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derhirte 21.02.2011, 20:28
627. Schaden für alle Doktoren

Das Plagiat und die aktuelle öffentliche Diskussion ist eine schallende Ohrfeige für alle Doktoren, die selbst mit großem Energieaufwand und wissenschaftlich gewissenhaft ihre Arbeit erstellt haben. Durch den aktuellen Fall wird ein Titel von der Öffentlichkeit inzwischen mit Betrug und Schummelei in Verbindung gebracht.

Der Skandal ist bereits vorhanden - nun entscheidet die hochehrwürdige EliteUni Bayreuth noch das Ausmaß.

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Wilder Eber 21.02.2011, 20:42
628. ..

Zitat von sysop
Die fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
Die universitäre Kontrolle hat eindeutig versagt. "Dr. jur" hat übrigens die kopierten Texte gegen Geld verkauft.

http://webcache.googleusercontent.co...=www.google.de

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TS_Alien 21.02.2011, 20:56
629.

In Unternehmensberatungen kann man sich für ein Jahr beurlauben lassen, um seine Dissertation zu schreiben. Was sagt uns das über die Qualität dieser Dissertationen?

Alles.

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