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Veröffentlichte Abschlussarbeiten: Fette Fehler? Schlechte Note? Egal!

Es ist gar nicht schwer, seine Abschlussarbeit zu veröffentlichen. Der OmniScriptum-Verlag bringt auch den letzten Mist auf den Markt - und verdient damit Millionen.

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miobri 13.04.2015, 11:04
1. Tantiemen?

Ich vermute, der Verlag kassiert für jeden Titel bei der VG Wort ab und senkt so die Quote für "echte" Fachveröffentlichungen. Weiß jemand, ob die Autoren eine Abtretungserklärung für ihre Ausschüttung unterschreiben müssen?

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einszweidreivierfünf 13.04.2015, 11:23
2. Das deutsche Pendant

zu diesem Prinzip von Verlegerschaft heißt Grin Verlag. Ich kann davor nur warnen. Die Autoren werden für dumm verkauft. Geld kommt nur rein, wenn die eigene Verwandtschaft ein Exemplar kauft. Korrekturlesen muss man selbst als Leistung bereitstellen. De facto wird jeder Unsinn gedruckt. Keine relevante Bibliothek interessiert sich für diese Titel. Akademischer Friedhof ist eine passende Metapher.

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medizin-horst 13.04.2015, 11:24
3. Warum den Umweg über einen Billigverlag gehen?

Wer seine Abschlussarbeit unbedingt veröffentlichen will, kann dies auch direkt über Createspace / Amazon machen und bekommt so deutlich mehr Tantiemen und kann den Verkaufspreis selbst bestimmen.

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prisma-4d 13.04.2015, 11:31
4. ...nun wie ist dass den heute?

Vor 20 Jahren war es in Bayern zumindest so, dass Diplomarbeiten und Doktorarbeiten ohne Zustimmung der Hochschule (die hatten/haben die Urheberrechte laut Antragsformular für die Arbeiten) nicht erfolgen konnten. Umgekehrt genauso, ohne Zustimmung des Doktoranten konnten keine Hochschule eine Arbeit veröffentlichen.

Der grund ist so offensichtlich wie einleuchtend. Jede Arbeit hat Betreuer die mit ihrem Namen dafür stehen. In den Arbeiten wird Knowhow von Dritten benutzt und Abschlußarbeiten sind per se nicht fehlerfrei sonst gäbe es keine Bewertungskriterien.

Wenn die sonst so auf juristische Korrektheit bedachten Amerikaner und Verlage nachdenken würden könnte eine ordentliche Klagewelle losgetreten werden.

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BlakesWort 13.04.2015, 11:51
5.

Zuschussverlage sind nichts Neues. Ob nun Hobbyautor oder Student, am Ende wird draufgezahlt. Kein Mensch interessiert sich für Bachelor- oder Masterarbeiten wenn diese nicht im Rahmen eines berufsbegleitenden Studiums abgeschlossen wurden. Selbst dann erreicht man damit selten eine zweitstellige Anzahl Leser.

Verlag leitet sich von "vorlegen" ab. Ein seriöser Verlag zahlt einem Autor für dessen Werk einen Vorschuss vor der finalen Überarbeitung und deckt seine Unkosten mit den Gewinnen. Kalkulatorische Risiken sind in dem Geschäft hoch, ebenso wie schlaflose Nächte. Man denke nur an das Dutzend Absagen für J. K. Rowlings "Harry Potter".

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007frau 13.04.2015, 11:54
6. nicht allein

Ich finde es fast schädlich, was der Autor hier macht. Abgesehen davon, wie gut oder schlecht der Verlag ist, die Kritik nur auf diesen zu beschränken kann sich Geschäftsschädigend auswirken. Daher der Hinweis: Als Dorktorandin warne ich auch vor Grin und VDM-Verlag Dr. Müller.

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cs01 13.04.2015, 12:08
7.

Eine Doktorarbeit muss ich ja veröffentlichen, wenn ich also so einen Billigverlag nehme, erfülle ich meine Pflicht laut Prüfungsordnung und muss nicht zahlen. Wenn ich also meine, dass meine Doktorarbeit eh kaum jemand kauft, kann ich sie dort kostenlos veröffentlichen.

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teralios 13.04.2015, 12:10
8.

Zitat von prisma-4d
!Q... Der grund ist so offensichtlich wie einleuchtend. Jede Arbeit hat Betreuer die mit ihrem Namen dafür stehen. In den Arbeiten wird Knowhow von Dritten benutzt und Abschlußarbeiten sind per se nicht fehlerfrei sonst gäbe es keine Bewertungskriterien. ...
Ich weiß nicht, wie man diesen Abschnitt von Ihnen bewerten soll ...
Nehme ich diesen Abschnitt so, wie er da steht, weiß ich gerade nicht, ob ich lachen, weinen oder beides gleichzeitig tun soll! Das klingt jetzt auch sehr ernst was ich schreibe, doch kommt bei diesem Abschnitt die Frage auf, ob sie sich jemals wirklich mit der Materie beschäftigt haben und auch die nähere Vergangenheit beachtet haben!

1. So gut wie jede heute getätigte wissenschaftliche Arbeit baut auf dem Knowhow von Dritten auf. Es hat ja einen Grund, warum man zitiert und entsprechende Angaben machen muss, sofern man eine wissenschaftliche Arbeit abliefert. Selbst in den Naturwissenschaften begutachtet und ließt man die Arbeit von anderen um deren Wissen als Grundlage zunutzen um anschließend neues Wissen zu erlangen. Diese Bemerkung von Ihnen gilt also nicht nur exklusiv für Abschlussarbeiten, sondern für so gut wie jede andere wissenschaftliche Arbeit!

2. Die Universität kann NIEMALS ein Urheberrecht an einer Abschlussarbeit erlangen. Der Urheber hat IMMER das Urheberrecht an seiner Arbeit. Die Universität kann sich jedoch umfassende Rechte an einer Abschlussarbeit sichern und darunter fallen auch exklusive Verwertungsrechte, sie erlangen jedoch kein Urheberrecht!

3. Nur weil etwas eine Abschlussarbeit ist und eventuell nur eine 2,0 oder 3,0 bekommt, bedeutet es nicht, dass die Arbeit keinen wissenschaftlichen Wert hat oder nicht eventuell besser ist, als so manche Artikel, die heute in Zeitschriften veröffentlicht werden. Hier einmal ein Beispiel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/stammzellenforschung-science-zieht-weiteren-artikel-zurueck-a-394574.html

Ein weiteres Beipiel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/faelschungsskandal-deutscher-physiker-zieht-science-artikel-zurueck-a-220682.html

Dann noch eines: http://sciencev1.orf.at/science/news/61210

Eine Abschlussarbeit ist also per se nicht weniger oder mehr wert, als so manche Artikel in renommierten Zeitschriften oder auf guten OA-Repositorien, jedoch wird das Gutachten/Review für so eine Arbeit in eine Note gegossen.

In der Regel ist die Prüfung einer Abschlussarbeit also wesentlich genauer und akkurater, als vieler Artikel, auch wenn dort Review, Blind-Review oder Double-Blind-Review verfahren genutzt werden. Allen drei gemeinsam ist: Hat der Reviewer keine Zeit oder keine Lust, geht er schnell drüber, findet er nichts grobes, nickt er es ab. Dazu kommt bei dem klassichen Review, dass ein Reviewer eventuell seine Sympathien oder Antipathie gegen den Autor auslebt. (Auch bei den anderen Verfahren möglich!)

Kurz, um der langen Rede einen kurzen Satz zu geben: Ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeiten bauen auf dem Knowhow von Dritten auf. Abschlussarbeiten sind weder weniger noch mehr wert als reguläre wissenschaftliche Arbeiten. Abschlussarbeiten werden jedoch in der Regel wesentlich genauer und strenger geprüft!

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quark@mailinator.com 13.04.2015, 12:11
9.

Schon komisch, daß sich SPON die Mühe macht, derart gegen diesen Verlag zu wettern und die Leute flächendeckend davor zu warnen. Irgendwie hab ich den Eindruck, man will vermeiden, daß die bisherige Verwertungskette angeknabbert wird. Wenn man sich ansieht, was für Mondpreise man zu zahlen hat, nur um mal Einblick in wissenschaftliche Arbeiten zu nehmen - und das vor allem auch dann, wenn diese Arbeiten komplett öffentlich finanziert sind ... das ist eine Mafia und verhindert die freie Verbreitung von Wissen.

Natürlich ist es fragwürdig, wenn die Wikipedia abgedruckt wird. Aber wer sagt was gegen all die Leute, die Bücher mit Kochrezepten oder Witzen oder ... rausbringen, welche sie im Internet zusammengesucht haben ? Das ist auch nicht viel besser. Und ältere Menschen haben was davon, wenn sie es nicht geschafft haben, den Weg ins Web zu finden.
Es ist offenbar legal und niemand ist zum Kauf gezwungen. Ich finde es gut, daß es das Angebot gibt. Jeder kann entscheiden, ob er es wahrnehmen möchte.

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