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Viele Abbrecher: So schaffen Mathe-Studenten das Studium
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Sie sind in Unternehmen heiß begehrt, ihre Berufsaussichten sind ausgezeichnet - und trotzdem schmeißen vier von fünf Mathematik-Studenten hin. Am höchsten ist die Abbrecherquote im ersten Semester. Fünf Tipps für Studienanfänger.

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caliper 12.01.2014, 15:55
100.

Zitat von ongduc
Machen Sie eben ein Duales Studium oder eine Berufsausbildung. In der Praxis werden Sie in den seltensten Fällen Aufgaben mit einem einigermaßen anspruchsvollen akademischen Niveau bekommen. Akademische Grade bekommt man aber für akademische Leistungen und nicht dafür, dass man irgendwelche simplen Dinge aus der Praxis löst. So ist das eben.
Akademische Grade sollten in die Lage versetzen anspruchsvolle reale Aufgaben zu lösen.

In meinem Bereich habe ich viel Kontakte mit Mathematikern und Physikern, die einige Jahre auf der Uni verbracht haben.

Wenn es dann doch nicht zur Professur gereicht hat versuchen Sie über kleinere Dienstleistungsunternehmen in der Praxis ihr Glück. Die meisten bleiben dort, wechseln ohne Positionsgewinn und kommen nicht an die begehrten unbefristeten Arbeitsplätze ihres Wunscharbeitgebers.

Das liegt daran, dass sie an der Uni DInge gelernt haben, die in der Praxis nicht gefragt sind und - noch schlimmer - von den komplexen Problemstellungen der Praxis überrascht und überfordert werden oder zumindest so wirken. Ein selbstständiges Lösen von Aufgaben ist nur möglich, wenn die Aufgabe mit viel Vorarbeit aufbereitet wird. Ansonsten sind zeitraubende Nachfragen und Unterstützungsleistungen unvermeidlich.

Den Wettbewerb gegen Ingenieure, Mathematiker oder Physiker, die direkt von der Uni kommen, gewinnen sie nur selten.

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querulant_99 12.01.2014, 15:59
101.

Zitat von kanzler.11
die ach so gescheiten Mathematiker, die sich hier alle brüsten, die mit den von ihnen entwickelten Finanzmarktprodukten, die Welt an den Rand des Abgrunds geführt haben?
Dieses Problem muss man etwas differenzierter betrachten.

Wer in den 90-er Jahre mit mathematisch fundierten Methoden der Chartanalyse Wertpapierhandel betrieb, konnte traumhafte Renditen erzielen, auch als Privatanleger, und zwar deshalb, weil die "Profis" ihren Erfolg hauptsächlich noch auf die herkömmliche Fundamentalanalyse stützten, also das ziemlich dröge Auswerten von Geschäftsberichten. Ich habe mich damals gewundert, warum die "Institutionellen" sich mit so bescheidenen Renditen zufrieden gaben.
Erst mit dem Jahrtausendwechsel fand bei den Profis ein Umdenken statt. Sie installierten hochkomplexe Analyseprogramm, basierend auf der Charttechnik, auf ihren leistungsfähigen Computersystemen. Jeder wollte mindsstens 50% Rendite pro Jahr erwirtschaften. Wenn das alle Marktteilnehmer bei minimalem Wirtschaftswachstum gleichzeitig anstreben, dann funktioniert so eine Methode aber nicht mehr. Da muss es dann auch große Verlierer geben, und genau das passierte.

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caliper 12.01.2014, 16:04
102.

Zitat von kenterziege
Hören Sie bloß mit den USA auf: Da wird den lieben Kleinen so richtig einfach gemacht. Ich habe Jahrzehnte lange Erfahrung mit deutschen Studenten, die dort ihren Bachelor gemacht haben.
Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Absolventen britischer Unis gemacht. Wer glaubt, dass diese mit dem Umrechnen von physikalischen Einheiten besonders gut geschult sind, wird sich wundern. Deutsche Absolventen können das viel besser, obwohl sie es ja mit den SI EInheiten schon immer einfacher hatten und sich im Studium nicht lange an diesen Basics aufhalten.

Sehr gute Erfahrungen habe ich aber mit Studenten aus Osteuropa (Ungarn, Tschechien, Slowenien...).

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gegenpressing 12.01.2014, 16:18
103.

Zitat von dr.jennings
Glauben Sie mir, wenn die Mechanismen an den Finanzmärkten durch Mathematik vollständig erfasst werden könnten, gäbe es überhaupt keine Finanzmärkte. Dr. Jennings
Das unterschreibe ich sofort. Ändert aber nichts daran, dass zu den Verwerfungen auf den Finanzmärkten Mathematiker einen gehörigen Anteil haben.

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3,1415 12.01.2014, 16:31
104. Einzelkämpfer? Nö!

Die Behauptung, Mathe sei etwas für "Einzelkämpfer" ist Unsinn. Man hat teilweise Übungen alleine gelöst, das war natürlich auch nötig, aber ohne die Gruppe hätte es niemand schaffen können, selbst die Überflieger waren immer im Gemeinschaftsraum der Fachschaft anzutreffen.
In unserem Jahrgang gab es auch etwa 180 Anfänger (inkl. Lehramtsstudenten). Schnell hatte sich eine Art "innerer Kern" von 30-40 Leuten herausgebildet, und einen Teil davon traf man immer im Gemeinschaftsraum, wo man in Freistunden gemeinsam Übungen machte oder einfach mal nur rumhing. Vor den ersten Klausuren sagte ich zu einem der Doktoranden/Tutoren in eben diesem Gemeinschaftsraum: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass 40% von uns nicht bestehen sollen", er antwortete: "Keine Sorge, diejenigen die durchfallen, sind nicht die im ABB" (ABB=Gemeinschaftsraum). Recht hatte er.

Und auch das Argument "feiern geht dann nicht" verstehe ich nicht. Zweimal die Woche feiern gehen war immer drin. Und wie ein Mitforist bereits sagte, manchmal kommt die Lösung zu einem Problem zu den unmöglichsten Zeitpunkten :)

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capote 12.01.2014, 16:45
105. Mathematik, ehemals die Königin der Wissenschaften

Zitat von anschewski
Der Artikel sagt: Sei fleißig, diszipliniert, organisiert und halte durch. Das passt auf fast jedes Projekt im Leben, insbesondere jedes Studium. Man müsste genauer wissen, warum gerade in Mathematik so viele abbrechen. Nach meiner Erkenntnis spielt die Andersartigkeit der Mathematik an der Hochschule eine wesentliche Rolle. Kein Rechnen, dafür Beweisen. Keine Zahlen, dafür Buchstaben. Keine Anwendung, dafür Theorie. Dazu ist die Sprache abstrakt und exakt. Ich glaube dass sehr vielen Erstsemestern die passenden Lernstrategien fehlen um damit klar zu kommen. DAS wäre ein spannender Punkt.
Ich habe Physik studiert (erfolgreich).

Wir Physikstudenten haben uns damals nach den ersten Mathematikvorlesungen entgeistert angesehen und stellten alle fest, dass wir bei der Studienplatzvergabe als zweite Präferenz Mathematik angegeben hatten. Wir hätten alle das Studium hingeschmissen und abgebrochen.

Mathematikprofessores, die geschlagene 4 Vorlesungsstunden über die Ein-Eindeutigkeit der Null labern, aber intellektuell nicht in der Lage sind, eine quadratische Gleichung zu lösen (Stoff 5. Schulklasse)

Unter Studenten war immer von Eunuchen die Rede, die zwar wissen, dass es geht, es aber selber nicht können.
Aus berufenem Munde hörte ich dann damals, dass man an einer deutschen Hochschule die mathematische Ausbildung der angehenden Physikern den Mathematikern weggenommen hat, weil die denen nicht das Benötigte beibrachten, sondern die Zeit mit Ihrer Epsilontik sinnlos verplempern, so dass das weitere Physikstudium dann wegen nicht vorhandener mathematischer Grundlagen stockt.

Ich erinnere mich noch an Highlites, eine Physikdiplomarbeit, die nur auf dem Unvermögen sowohl des Professors und Zweitguachters als auch des Diplomanden komplexe Rechnung zu beherrschen beruhte. Vorlesungen über Multipolentwicklung wo ein Professor für theoretische Physik beim anderen abgeschrieben hatte und jeder den selben Mist vortrug, wie das dann wirklich geht, darauf bin ich Semester später durch Zufall gestossen etc. Das ist natürlich alles weit unter der Würde (und weit über dem intellektuellen Niveau) eines Mathematikprofessors, sich mit solchen Banalitäten zu beschäftigen.

Mathematik an der UNI (ich habe UNI, nicht TH/TU geschrieben)? Na, ich danke!

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dr.jennings 12.01.2014, 16:46
106. Ich sehe das anders

Zitat von TS_Alien
Wichtig ist doch zu wissen, was das Ergebnis bedeutet. Und da kann bereits bei den Annahmen die Weiche gestellt werden, ob es überhaupt eine Bedeutung hat.
Eben, aber nicht "kann gestellt werden" sondern "wird gestellt". Es interessiert den Mathematiker überhaupt nicht, in wieviel Fällen eine Annahme relevant ist. Sondern dass sie - vielleicht auch nur in einem einzigen Fall relevant wird. Nur deswegen steht die Annahme da. Die Mathematik schafft ausschließlich verbindliche Aussagen (auch der Begriff "fast immer" ist in der Mathematik wohldefiniert).

Zitat von TS_Alien
Nehmen wir das Modell der Turingmaschine. Da kann man viel beweisen. In vielen dieser Beweise wird die Eigenschaft des unendlichen Bandes als Beweisschritt sehr wichtig.. Sobald man im Beweis das unendliche Band zwingend benötigt, kann man die Aussage nicht mehr bzw. nicht mehr automatisch auf einen realen Rechner übertragen.
Für eine ernste Sach-Diskussion wirbeln Sie hier viel zu viel verschiedene Begriffsebene durcheinander. Reden wir über ein Model, eine Hypothese oder über notwendige oder hinreichende Bedingungen, oder über was sonst?

Wenn für eine Aussage, eine bewiesenen Schlussfolgerung aus dem Gedankenmodell einer Turing Maschinen vorausgesetzt wird, und dabei das Element eines unendlichen Bandes explizit oder implizit eine Rolle spielt, dann ist dieses Unendlichkeitspostulat für die Gültigkeit der Aussage eben zwingend erforderlich.

Im Zweifel stellt man eben das Modell einer "abgespeckten" Turing-Maschine auf (ein endliches Band) und dann leitet man dafür Aussagen ab und beweisst sie. Und der Beweis der Aussagen, die momentan eine Unendlichkeit des Bandes benötigen, scheitert dann eben. So einfach ist das: Die Anwendung einer bewiesenen/abgeleiteten Aussage ist für alle Ewigkeit an die vorab gemachten Vorausetzungen gegnüpft. Und je weniger Voraussetzungen man für einen Beweis braucht, umso besser. Es gibt keine irrelvanten Vorausetzungen in der Mathematik.

Deswegen ist es für mich ja auch so absurd einem Studenten zu raten, die Voraussetzungen, die er nicht sofort versteht, erstmal hinzunehmen. Im Gegenteil, ich würde ihm raten sich ein Beispiel konstruieren zu lassen (Prof, Übungsleiter), bei dem es ohne die Voraussetzung nicht geht. genau darum geht es nämlich in der mathematik, um die Grenzfälle und nicht um den Mainstream. Die "pathologischen Fälle" sind interessant.

Klar, für den Ingenieur (oder auch Lehrer) ist eine stetige Funktion eine "durchgezogene Linie", und ein differenzierbare Funktion eine "durchgezogene Linie ohne Ecken". Das reicht mathematisch leider nur in wenigen Bereichen, in der Praxis aber Gott-sei Dank fast immer.
Aber was ist einen Funktion, die überall stetig und nirgends differenzierbar ist (2tes Semester Analysis). Eine echte Herausforderung (nur Ecken, keine geraden Stücke). Da können sich dann Philosophie-Studenten mal ihr Gehirn zermattern: Was ist eigentlich eine Ecke ohne ein auch noch so atomar winziges Stückchen "Gerade"?

Ganz ohne böse Absicht, haben Sie Mathematik studiert und abgeschlossen oder doch eher etwas "Praktischeres"?

Dr. Jennings

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xelox123 12.01.2014, 16:51
107. optional

Wenn nur die Studenten bestehen, die immer in der Gruppe sind, was sagt dies dann über die Qualität der Vorlesungen aus?

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capote 12.01.2014, 16:52
108. Textaufgaben

Zitat von ongduc
Machen Sie eben ein Duales Studium oder eine Berufsausbildung. In der Praxis werden Sie in den seltensten Fällen Aufgaben mit einem einigermaßen anspruchsvollen akademischen Niveau bekommen. Akademische Grade bekommt man aber für akademische Leistungen und nicht dafür, dass man irgendwelche simplen Dinge aus der Praxis löst. So ist das eben.

Wir wissen alle, wie gefürchtet sogenannte "Textaufgaben" sind, wo man erst mal aus dem Text eine Rechenaufgabe machen muss und die dann lösen.

Dementsprechend kommt es in der Praxis gar nicht erst zur Rechenaufgabe, weil lieber 'rumprobiert wird, als das Problem in einer Gleichung auszudrücken!

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Coroner 12.01.2014, 16:53
109. Das was in unseren Gymnasien an Mathematik gemacht wird

ist eine ungenügende Vorbereitung auf ein Mathematikstudium.

Das was Mathematik wirklich ist, erfährt ein junger Mensch erst beim Mathematikstudium an der Uni.
Die Meisten schaffen es dann nicht, das gemächliche gymnasiale Tempo zu beschleunigen und universitäres Niveau zu erreichen.

Über all der Förderung von Benachteiligten und der Vermittlung von "Kompetenzen" haben es unsere Gymnasien versäumt, das inhaltliche Niveu in Mathematik (und nicht nur dort) auch nur zu halten.

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