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Viele Abbrecher: So schaffen Mathe-Studenten das Studium
DPA

Sie sind in Unternehmen heiß begehrt, ihre Berufsaussichten sind ausgezeichnet - und trotzdem schmeißen vier von fünf Mathematik-Studenten hin. Am höchsten ist die Abbrecherquote im ersten Semester. Fünf Tipps für Studienanfänger.

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dr.jennings 12.01.2014, 14:15
80. Oh weh

Zitat von Helene Ebalt
Mathe-Profs wiederholen gern mantraartig, wie hervorragend die Berufsaussichten für Mathematiker sind. Da sie Studenten als Existenzberechtigung ihres Fachs gegenüber dem Uni-Rektorat benötigen ist das verständlich. Aus eigener Erfahrung kann ich es indes nicht bestätigen: Mathe-Absolventen in meiner Umgebung suchen heute genauso lange nach adäquatem Job, wie die aus dem Heer der Biologie-Absolventen. Meist sind 60-100 Bewerbungen nötig, Wartezeiten von über einem Jahr kommen vor. Gründe gibt es viele: Die ehemalige Mathe-Domäne Versicherung z.B. bricht mit der Aktuarsausbildung mehr und mehr weg. Bei Banken ist Finanzmathematik gefragt, die an den Unis i.d.R. nicht gelehrt wird. Im Lehramt leiden Mathe-Absolventen genauso wie alle anderen unter den massiven Stellenstreichungen, wie zuletzt BaWü und Hessen. Hier ist Mathe keine Garantie mehr für eine Lehrerstelle. Mein persönlicher Rat: Wer Mathe gern macht kann es ruhig studieren. Solange er die Anwendung im Auge hat, am Besten einige Firmen-Praktika macht, ist der gutbezahlte Job noch immer wahrscheinlich. Informieren sollte man sich zuvor, was das für Jobs sind - mit Mathe haben die am Ende meist nur noch wenig zu tun. Wem auch Physik liegt sollte lieber das studieren - hier sind die Berufsaussichten nach meiner Erfahrung sehr viel besser. Und wer Mathe nicht mag kann es getrost vergessen.
Als Mathematikerin solten Sie eigentlich mit Pauschalierungen und "erfahrungsbasierten Schlussfolgerungen" vorsichtiger umgehen..

Es gibt doch in Deutschland keine "Aktuarsausbildung", sondern eine Prüfung (natürlich in mehrern Stufen) zum Aktuar DAV. Und hierfür ist doch wiederum ein abgeschlossenes Mathematikstudium zwingend (insofern kann hier für den Mathematiker bei den Versicherern doch nichts "wegbrechen"). Oder habe ich was verpasst?


Ein Sache würde ich aber auch herausstreichen, wer als Mathematiker einen ausgewiesenen "Job als Mathematiker" sucht, schränkt vielleicht ohne Not zu sehr ein. Mein Tip: Auf alles bewerben, was ein BWLer oder ein Wirtschaftswissenschaftler macht (eben auch Unternehmenberatung), da dürfte man formal sehr häufig in der Pole-Position liegen. Und den Wert eines vernünfigen Praktikums kann man gar nicht überschätzen..

Dr. Jennings

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Paddel2 12.01.2014, 14:19
81. Ich mache andere Erfahrungen

Zitat von Helene Ebalt
Mathe-Absolventen in meiner Umgebung suchen heute genauso lange nach adäquatem Job, wie die aus dem Heer der Biologie-Absolventen. Meist sind 60-100 Bewerbungen nötig, Wartezeiten von über einem Jahr kommen vor.
Sie sollten allen Studieninteressierten den Gefallen tun und Ihnen verraten, um welche Umgebung es sich handelt, denn dort scheint das Studium sehr schlecht zu sein, anders kann man diese von Ihnen genannten Zahlen nicht erklären. In MEINER Umgebung (BaWü) habe ich rund 20 Bewerbung von Dilommathematikern und promovierten Mathematikern verfolgt. Ergebnis: Die Hälfte benötigte keine 10 Bewerbungen für einen Stellenzusage, niemand mehr als 20, ALLE konnten sich erfolgreich bewerben.
Ihre Aussagen zur thematische Gestaltung halten der Realität höchstens im Einzelfall stand. Hierzu ein Zitat eines Abteilungsleiters einer Versicherung: "Das Mathematikstudium stellt den höchst möglichen Komplexitätsgrad dar, den ich kenne. Wenn Studenten dieses Studium erfolgreich schaffen, stellen die fachlichen Hürden im Beruf nur noch eine kleine Hürde dar, die sie in einer kurzen Einarbeitungszeit leicht nehmen können."

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gfh9889d3de 12.01.2014, 14:25
82.

Zitat von Ratzbär
Wozu sollte ein BWLer mehr Mathematik machen? Ich fand die notwendige Mathematik (u. a. Infinitesimalrechnung, Matrizen- und Vektorrechnung sowie lineare Optimierung) vollkommen ausreichend für die Zwecke der BWL. Und nun?
Ganz einfach: Mit fundierter Stochastik hätte es keine Finanzkrise gegeben.

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dr.jennings 12.01.2014, 14:26
83. Sorry, das ist Falsch

Zitat von TS_Alien
Meine Erfahrung ist: wer zuviel nachdenkt über die Plausibilität der Annahmen, die hinter gewissen mathematischen Modellen und Methoden stecken, wird eher scheitern als derjenige, der die Annahmen einfach hinnimmt. Eigentlich schade, denn gerade das Nachdenken über die Annahmen sollte wichtig sein.
Die Voraussetzungen sind immer zu Prüfen und dabei ist jedes Detail von entscheidender Bedeutung. Ein Mathematiker, der über die Annahmen nicht sorgfältig nachdenkt, kann keine vernünftige Mathematik betreiben. Es ist einer mathematischen Beweisführung nie etwas zuviel da, sondern nur das, was unbedingt gebraucht wird. Eine kleine Ungenauigkeit, und das ganze abgeleitet Ergebnis wird wertlos.

Also genau das Gegenteil von dem was Sie raten ist richtig, je mehr man sich über die zugegebenermaßen oftmals unverständlichen Voraussetzung Gedanken macht, desto besser versteht man die Beweisführung und das Zustandekommen der Ergebnisse.

Sorry, aber Ihre Schlussfolgerung ist für mich vollkommen absurd, ich kann mir beim Besten Willen nicht vorstellen, das man als Mathematiker so einen grotesken Rat geben kann.

Dr. Jennings

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st.john.red 12.01.2014, 14:27
84. Abstraktionsgrad in D zu hoch? ...gut so!!!

Zitat von Hebbe29
Wenn man Vorlesungen an deutschen Unis mit jenen am amerikanischen vergleicht fällt vorallem auf, dass der Abstraktionsgrad in D besonders hoch ist. Das sieht zwar wissenschaftlicher aus, aber man fragt sich bald, wofür das alles notwendig ist. Als ehemaliger Student möchte ich vielen Profs empfehlen, in Vorlesungen und besonders in Seminaren mehr Praxisbezug herzustellen. Und das gilt nicht nur für Mathematik!
Also... wem das alles an der uni viel zu abstract und wissenschaftlich (?????????) ist, der soll bitte schoen sein ausweg an einer hochschule oder berufsakademie finden.
Da ist sehr praxis bezogen und mehr oder weniger mit der schwierigkeitsgrad einer schule.

Was man an der uni so nebenbei lernt ist sich selbstaendig zu vorbereiten, konstant zu arbeiten und nicht bei der ersten schwierigkeit aufzugeben.

Ich als auslaender, mittel-hoch-tief begabt, habe es irgendwie geschaft, also geht es.... fuer eine ganze menge andere leute auch!

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dr.haus 12.01.2014, 14:28
85. optional

Die Arroganz der Mathe-Prof`s ist sprichwörtlich.Sie werden ja auch nicht am Erfolg gemessen.Erfolg,wievielen sie ihre Fachakrobatik vermitteln können.Stattdessen freuen sie sich diabolisch über Studienabbrecher ohne Rücksicht auf deren Vernichtungsgefühl. Man kann die Mathematik auch plausibel vermitteln ,dies widerspräche aber der Pseudoelite "Matheprof".Kein Wunder dann,dass die Mathefachschaften vielfach ins linke Milieu abdriften,das Auffangbecken für gescheiterte Mathestudenten.

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Paddel2 12.01.2014, 14:30
86. Unsinn

Zitat von 52er
Nur eine geringe Anzahl von Absolventen wird sich im Berufsleben mit Mathematik wissenschaftlich befassen. In der Praxis geht es meist um einzelne Mathematikfelder, werden diese beherrscht, reicht dies völlig aus. Das völlig überfrachtete und auf die blanke Theorie ausgerichtete Studium frustriert viele Studierende und ist der Grund für die hohe Abbrecherquote [...]
Es ist eine Tugend, sich nur über Themen zu äußern, die man überblickt. Ihre Haltung ist ein Wahnsinn. Sie machen den gleichen blinden Fehler, wie viele andere hier, in dem Sie ein Fach nur auf ihre vermittelten Inhalte reduzieren. Hier würde mich mal interessieren, welchen Ausbildungsweg Sie eingeschlagen haben, denn Mathematik kann es nicht sein. Mathematik ist kein "Rechenfach" oder "Algebrafach" sondern eine universelle Wissenschaft der "Problemlösungskompetenz", die eine Denkweise entwickelt, die sich universell auf Fragen großer Komplexität einsetzen lässt. Gerade diese Kompetenz ist in vielen Bereichen gefragt. Wenn sich Lehre nur darauf beschränkt, altes Wissen 1 zu 1 weiterzugeben, haben wir Stillstand erreicht. Mathematik ist kreativ und fördert Didaktik, Abstraktionsvermögen, Logik und Geduld und das mehr als jede andere Wissenschaft.

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Paddel2 12.01.2014, 14:38
87. Ein paar Tipps

Ich habe selber in Mathematik studiert und promoviert und genau die selbe harte Schule durchgemacht. Die Begeisterung älterer Studenten st schnell erklärt: Sie haben gelernt, geduldig ein Problem gedanklich zu beackern und lechzen nach dem sehr befriedigenden Gefühl, das Problem gelöst zu haben. Um dorthin zu kommen ist Hartnäckigkeit, Geduld und ein hohes Maß an Frustrationsbereitschaft gefragt. Nur wer sich selbstbewusst SELBSTSTÄNDIG an immer neue Probleme wagt, wird irgendwann jenes Selbstbewusstsein entwickeln, dass diese Begeisterung möglich macht.

Mein Tipp an dich: Nimm dir Zeit und löse dich von dem Druck. Erstens muss man nicht in der Regelstudienzeit studieren (sofern die neuen Prüfungsordnungen Flexibilität zulassen) und man muss auch nicht Mathe studieren. Begreife das Studium als CHANCE, nicht als Belastung und wenn es nicht klappt, geht davon die Welt nicht unter. Lass dein Nebenfach erst mal liegen und konzentriere dich auf die Analysis und die (Lineare) Algebra und die entsprechenden Übungen. Nutze die Möglichkeiten, Studenten und Doktoranden Fragen zu stellen. Das Studium schaffen vor allem Leute, die geduldig und hartnäckig geblieben sind. Sollten allerdings durchgefallene Klausuren zu deinem Studienalltag gehören, solltest du die Reißleine ziehen. Habe davor keine Angst: es ist keine Schande, etwas anderes zu versuchen.

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gegenpressing 12.01.2014, 14:54
88.

Zitat von gfh9889d3de
Ganz einfach: Mit fundierter Stochastik hätte es keine Finanzkrise gegeben.
Ohne Mathematiker, die meinten schlauer als der Markt zu sein wahrscheinlich auch nicht...
Viele, viele der bösen Jungs in London und New York sind Mathematiker. Und sogar richtig gute!

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ehsehs 12.01.2014, 15:01
89. Berufsqualifizierende Stufenabschlüsse notwendig

Hallo, hier mein etwas anderer Blickwinkel, nämlich von Ingenieursseite (langjährig Beruf); mein Text war ursprünglich als Leserbrief zu einem Zeitungsartikel gedacht, wo seitens eines hochkarätigen Industrievertreters vorgeschlagen wurde, die angehenden Ingenieursstudenten mögen doch vorher ein Praktikum in einem Betrieb absolvieren.

Hier mein Leserbrieftext:
Der Vorschlag, dass ein Praktikum vor dem Abbruch eines Ingenieurstudiums bewahren soll, ist Augenwischerei: Vor-Praktika werden ohnehin verlangt. Kein Praktikant erfährt dort etwas über die Inhalte und Mühen des Studiums. Glück hat, wer ein paar Handlangertätigkeiten ausführen darf.

Hochschulen, Professoren und Betriebe müssen sich fragen, ob die Studienpläne der späteren Realität, d. h. dem Bedarf entsprechen. Der Hauptkiller beim Ingenieurstudium ist die Mathematik, gefolgt von den mathematiklastigen Fächern Thermodynamik, Technische Mechanik und Strömungsmechanik. Wo landen Ingenieur-Studenten später? Im Vertrieb, in der Projektierung, Produktion und Konstruktion, aber nur ein Bruchteil in der Forschung, Entwicklung. Nur dort werden mehr als die vier Grundrechenarten benötigt. An der Uni Kaiserslautern wurde das Mathebuch „Telefonbuch“ genannt, weil es a) gelb und b) so dick wie ein Telefonbuch war. Benutzt wurde es zum Aussieben der Ingenieurstudenten.

Ein ehemaliger Kraftwerksdirektor mit Lehrauftrag sagte seinen Studenten: Ihr müsst das nicht alles berechnen können, ihr müsst wissen, wie ein Kraftwerk funktioniert!

Fakt ist: Weniger als 10 Prozent der Ingenieure benötigen exzellente Mathematikkenntnisse.

Vorschlag: Den Dualismus Fachhochschulen / Universitäten beseitigen und dafür ein einzige Hochschulart mit einem modularen Studium einrichten mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad, verbunden mit qualifizierenden, für die Industrie verwertbaren Stufenabschlüssen, z. B. einen Diplom-Ingenieur ersten Grades, zweiten Grades, dritten Grades usw. Auf diese Art würden weniger Ressourcen wie Steuergelder und Lebenszeit der Studenten verschwendet. Für Überholer wären entsprechende Möglichkeiten einzurichten.

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