Forum: Leben und Lernen
Virtuelle Vorlesungen: Professor in der Endlosschleife

Acht Universitäten versuchen,*mit Online-Vorlesungen mehr Menschen für ein Studium zu gewinnen. Die Videostreams sollen das Büffeln auch denjenigen ermöglichen, die Kinder haben, keine Muttersprachler sind oder schon im Beruf stehen -*die Nachfrage ist da.

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Newspeak 28.08.2010, 10:46
1. ...

"Laut Stifterverband besteht bereits jetzt ein Fachkräftemangel in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)."

Davon merke ich als MINT-Absolvent aus dem Bereich Naturwissenschaft aber noch nichts. Müsste ich nicht schon längst angeworben sein? Aber vermutlich scheut die Industrie die Kosten eines zusätzlichen, hochqualifizierten Angestellten (man kann ja dafür mehrere weniger hochqualifizierte Praktikanten für einen Bruchteil der Kosten anwerben) und jammert trotzdem gerne rum.

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hgm1 28.08.2010, 10:48
2. Bildung per Internet

273 Universitäten aus verschiedenen Ländern listet zum heutigen Zeitpunkt allein der schon vor drei Jahren eingerichtete kostenfreie Apple-Service iTunesU, darunter sogar zwei deutsche.

Ihr Artikel dokumentiert einmal mehr das so typische Hinterhergekleckere in diesem Land, wo Schein-Bildungsreförmchen sich in sinnfreier Bürokratie ("Bachelor", "Modularisierung") manifestieren und wo fortschrittliche Gedanken und Initiativen in einer aufgeblasenen, inkompetenten Verwalterei konsequenzfrei resorbiert werden.

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Carsten Zander 28.08.2010, 10:53
3. Hilft bei der Vermeidung von zeitlichen Kollisionen

Virtuelle Vorlesungen können auch dabei helfen, die vielen zeitlichen Kollisionen, z.B. bei Wahlpflichtveranstaltungen, zu minimieren.

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felix_bach 28.08.2010, 10:54
4. Ein Segen

sind online stream Vorlesungen von Profs, wenn man nachts nicht einschlafen kann. Einfach einen Stream anschauen und schon schlummert man ein.

Zitat von sysop
Acht Universitäten versuchen,*mit Online-Vorlesungen mehr Menschen für ein Studium zu gewinnen. Die Videostreams sollen das Büffeln auch denjenigen ermöglichen, die Kinder haben, keine Muttersprachler sind oder schon im Beruf stehen -*die Nachfrage ist da.

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carlosowas 28.08.2010, 13:01
5. das war schon immer so

Zitat von Newspeak
"Laut Stifterverband besteht bereits jetzt ein Fachkräftemangel in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)." Davon merke ich als MINT-Absolvent aus dem Bereich Naturwissenschaft aber noch nichts. Müsste ich nicht schon längst angeworben sein? Aber vermutlich scheut die Industrie die Kosten eines zusätzlichen, hochqualifizierten Angestellten (man kann ja dafür mehrere weniger hochqualifizierte Praktikanten für einen Bruchteil der Kosten anwerben) und jammert trotzdem gerne rum.
Das war schon vor 50 Jahren so. Man hat mir prophezeit, bevor ich anfing zu studieren, dass viele Industriefirmen vor der Tür stehen werden, wenn ich Prüfung mache, und mir mindestens 3.000 DM Monatsgehalt bieten; das war damals so viel wie heute ca. 20.000 €. Die Zeitungen schrieben damals ähnliches Zeugs wie heute. Dahinter stehen große Industriekonzerne, die auf diese Art einfach viel Menschenmaterial bekommen wollen, das sie dann entsprechend schlecht bezahlen können. Man beachte das Bonmot: Die Sklaven unserer Gesellschaft sind die Techniker, die Sklaventeiber die Juristen und BWLer, für deren Studium im übrigen keine Reklame gemacht wird.

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Eiermann 28.08.2010, 13:04
6. .

Zitat von sysop
Universitäten versuchen,*mit Online-Vorlesungen mehr Menschen für ein Studium zu gewinnen. Die Videostreams sollen das Büffeln auch denjenigen ermöglichen, die Kinder haben, keine Muttersprachler sind oder schon im Beruf stehen -*die Nachfrage ist da.
In der Tat. Wieso dann nur mit acht Universitäten? Wundert mich, dass man von diesen Video-Möglichkeiten seitens Vorlesungen von Hochschulen bisher noch wenig hört. Warum nicht eine Videoplattform für Vorlesungen sämtlicher Hochschulen? Ein stark ausbaufähiges Feld und zudem recht kostengünstiger Weg zur Verbreitung und Popularisierung von Bildung, wo ja ständig von der Notwendigkeit von Bildungsanstrengungen gesprochen wird.
Im RBB (zibb) kam unlängst ein ganz interessanter Beitrag über neue Anbieter von Online-Nachhilfe für Schüler per Videotelefonie, wofür (und das nicht nur für Schüler, sondern z.B. auch für Studenten) das Internet ganz neue Möglichkeiten schafft.

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Lecturer 28.08.2010, 13:23
7. Erfolgskontrolle?

"Mit dieser Technik sind wir näher an den Studenten", sagt er. Schon jetzt nutzten 90 Prozent aller Studierenden in Osnabrück die Streams.

Aha, und wieviele gehen in die Vorlesungen? Aber mal ehrlich: wenn man so etwas machen will muessen die Vorlesungen von Medienprofis gehalten werden (nehmen Sie mal einen Vortrag von sich selbst auf und schauen ihn danach an - sieht wahrscheinlich nicht sehr professionell aus..), es muss mit mehreren Kameras gearbeitet werden um z.B. close-ups der Tafel geben zu koennen, das Material muss geschnitten und mediengerecht aufbereitet werden,die Beleuchtung muss stimmen weils im Video naemlich anders aussieht als mit dem Auge live, keine staendigen irritierenden aeehs, aahs, Irrtuemer usw. Das ist , wenn man es richtig machen will, eine Menge Arbeit. Fragen koennen dann auch keine gestellt werden bzw der Dozent muss eine weitere Frage (email/forum) -stunde anbieten (verdopppelter Zeitaufwand) usw. Das wird natuerlich alles nicht gemacht weils Geld kostet.
Im Prinzip sind diese e-Vorlesungen doch nur eine Erweiterung das Angebots der Fernunis. Man muesste auch mal kontrollieren wie die Klausurnoten der Fernstudenten verglichen mit Praesenzstudenten sind; ohne Erfolgskontrolle ist so etwas doch Stochern im Dunkeln, und das naschauen von youtube videos als Erfolgsmasstab heranzunehmen halte ich fuer hoechst fragwuerdig.

Von Seiten der Unis her ist es natuerlich prima: man sieht modern aus und bekommt mehr Studis (= Kohle) die z.B keine Raeume (= Aufwand) brauchen..

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solarfighter 28.08.2010, 13:33
8. Ein Fenster zur Zukunft

Zitat von sysop
Acht Universitäten versuchen,*mit Online-Vorlesungen mehr Menschen für ein Studium zu gewinnen. Die Videostreams sollen das Büffeln auch denjenigen ermöglichen, die Kinder haben, keine Muttersprachler sind oder schon im Beruf stehen -*die Nachfrage ist da.
Die neuen Technologien bieten die Möglichkeit Studium und Lehre in unserem Land grundsätzlich umzukrempeln.
Der Lehrappart wird von unseren Steuergeldern finanziert.
Es spricht also nichts dagegen grundsätzlich alle Vorlesungen für Alle online verfügbar zu machen. Sich eine gute Vorlesung anzusehen ist viel interessanter, als sich den üblichen Scheiß im Fernsehen hereinzuziehen und es bildet nebenbei auch noch. Eine solche Veröffentlich würde zugleich die Qualität der Lehre heben, da sich dann auch vermehrt Praktiker, Studenten anderer Bildungseinrichtungen und Wissenschaftler mit dem dargebotenen Stoff auseinandersetzen würden.
Selbst die Prüfungen über den Stoff dieser Vorlesungen könnten automatisiert werden, wie dies bei diversen internationalen Zertifikaten mittlerweile üblich ist.
An den Bildungseinrichtungen könnte die Zeit dann sinnvoller für die Anwendung dieses Wissens z.B. in Seminaren, Praktika oder Forschungsprojekten verwendet
werden.
Aber da brechen dann wohl schnell einige Elfenbeintürme zusammen.

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serdna 28.08.2010, 14:27
9. Haben wir durch

Die Sache mit e-learning ist ja an sich völlig klar. Es ist billiger, didaktisch besser und man könnte damit die doppelte Anzahl der Studenten, in der Hälfte der Zeit zu halben Kosten durchschleusen, zumindest in den Fächern, wo keine Versuche gemacht werden müssen. Eine Vorlesung im Internet hat mehr Möglichkeiten, parallel zum Video den Text, der Text als Hyperlink, der die Hintergrundinformationen ranholt, unterschiedliche Erklärungsmuster, einstellbare Geschwindigkeit, beliebig reproduzierbar, einfachere Möglichkeit, Fragen zu stellen, besserer Kontakt der Studis untereinander etc. etc. Problem: Man muss es einmal erstellen und das ist ein erheblicher Aufwand, insbesondere für Professoren, die es nicht mal schaffen, einen Skript zu schreiben.

Das Kernproblem ist aber ein anderes. Professoren sind gar nicht in der Lage, so etwas zu entwickeln. Weder verfügen sie über die technische Kompetenz, noch haben sie Ahnung von Didaktik und noch weniger Ahnung haben sie, in der Vermittlung von Inhalten über das Netz. Last not least. Sie wollen auch gar nicht. Die perfekte Vorlesung, die öffentlich im Netz steht, zeigt, was möglich ist, was didaktisch / inhaltlich gut ist, macht den direkten Vergleich möglich, sorgt für Transparenz. Wer will schon so knallhart bewertet werden? Weiter sinkt ihre Stellung. Diese Systeme werden sich mit den Jahren verselbständigen, immer besser werden, werden Maßstäbe setzen. Das will man auch nicht. Professoren geben heute schon keine Skripte aus, damit die Studis zu ihren Vorlesungen kommen. e-learning wäre aber noch radikaler. Auch die Einnahmequelle aus Büchern, die ihre Studis lesen und kaufen müssen, würde tendenziell zurückgehen. Das will man auch nicht. Man will die aktuellen Probleme nicht lösen, denn von der Lösung der Probleme hat man nichts. Besser ist es, Studiengebühren zu kassieren, damit die "Lehre verbessern kann", heißt, mehr Macht hat. Wir haben mit solchen Fragen konkret etwas zu tun, erstellen solche Systeme. Der Artikel ist völlig naiv.

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