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Von Pisa zu Iglu - deutsche Schulen verbessert?

Sechs Jahre nach Pisa kommt nun die neue Iglu-Studie. Hat sich in deutschen Schulen etwas getan? Können unsere Schüler inzwischen international mithalten? Ein aktueller Artikel zum Thema:

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_gimli_ 28.11.2007, 14:35
1.

Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse.

Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe.

Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war.

Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern.

Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert.

Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ...

Grüße
_gimli_

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Niobe 28.11.2007, 15:16
2.

Zitat von _gimli_
Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe.
Tja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was?

Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter nehmen. Was eigentlich auch egal ist. Da steht ausser ein paar netten Liedchen und diversen Farben nichts weiter wichtiges drinne.

Mich ärgert das. Das sind zwei verhunzte Jahre. Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben...

Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.

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discipulus 28.11.2007, 15:25
3. DDR, alles besser?

Zitat von _gimli_
... Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Grüße _gimli_
Werter Poster,
bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?

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discipulus 28.11.2007, 16:00
4. Englisch in der Grundschule!

Zitat von Niobe
... Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
Verehrte/r Poster/in,

was verstehen Sie unter "Englisch beibringen"? Hoffentlich doch nicht banalen englischen Wortschatz, womöglich noch in der Form des Frontalunterrichts? Geht es Ihnen hier um Fach- oder Methodenkompetenz? Bitte liefern Sie nähere Informationen.

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ReneMarik 28.11.2007, 16:18
5.

Zitat von discipulus
Werter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
Die Sortierung in der 4. Klasse kommt wirklich viel zu früh, gerade für uns Jungs. Meine Wenigkeit hatte z.b bis zur 7 Klasse sehr "durchschnittliche" Leistungen in der Schule. Eine 1 im Sport :) und der Rest alles Note 3 und Schlechter.

"Klick" hatts bei mir erst ab Klasse 8 gemacht. Keine Ahnung warum aber meine Noten besserten sich merklich, ich hatte langsam eine Vorstellung von dem, was ich mal später als Beruf machen wollte usw.

Im jetztigen System hätte ich maximal mittl.Reife oder den HS-Abschluß weil ich mit 10 Jahren schon auf die Verliererstrasse geschickt worden wäre.


Mfg Rene´

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wwwilly 28.11.2007, 16:19
6. Migrantenkinder

Zitat von sysop
Sechs Jahre nach Pisa kommt nun die neue Iglu-Studie. Hat sich in deutschen Schulen etwas getan? Können unsere Schüler inzwischen international mithalten? Ein aktueller Artikel zum Thema:
Solange es Schulklassen mit 80% Ausländeranteil und mehr gibt wird sich da wohl leider auch nichts ändern. Die Lehrkräfte müssen in solchen Klassen halt das Lerntempo anpassen und die deutschen Schüler werden dabei ausgebremst und bleiben auf der Strecke. Die Gymnasien und Realschulen reißen den Schnitt dann auch nicht mehr groß raus.

Naja, wer in der Schule versagt kann ja immer noch konkret krasser Gangsta-HipHopper á la Sido und Bushido werden und den Jugendliche so tolle Werte wie Gewalt und Verachtung anderer Menschen vermitteln. Das braucht man fürs Leben im Ghetto.

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_gimli_ 28.11.2007, 16:20
7.

Zitat von discipulus
Verehrte/r Poster/in, was verstehen Sie unter "Englisch beibringen"? Hoffentlich doch nicht banalen englischen Wortschatz, womöglich noch in der Form des Frontalunterrichts? Geht es Ihnen hier um Fach- oder Methodenkompetenz? Bitte liefern Sie nähere Informationen.
Wir bringen unserer Tochter derzeit gleichzeitig Englisch und Französisch bei.
Und wissen Sie, worum es uns dabei geht: Um den "banalen Wortschatz".
Worum geht es Ihrer Meinung denn, wenn man eine Sprache erlernt?
<Kopfschüttel>

Grüße
_gimli_

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Osis 28.11.2007, 16:22
8.

Nach all den jahren wurde nur gemacht was kein Geld kosten darf.
PISA, Amokläufe, miese Lehrerbehandlung, hetfige Karankenstände. Ein Schlem wer glaubt das ganze System wäre nicht in Schieflage.
Das einzige was wirklich helfen würde, wäre echte Betreuung. In kleinen Gruppen. Vor allem den Kindern. den Migranten noch mehr. Und den Problemfällen.

Hilft dann gleich auch gegen Amokläufe. und bei Außenseitern. Aber das würde geld Kosten. Also weiter mit der Augenwischerei.
Ansonsten werden PISA-Studien seit 2000 durchgeführt. und vielleicht üben unsere Schüler auch nicht vorher die BÖgen wie Bekannte mir das aus den USA schilderten...^^

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picard95 28.11.2007, 16:31
9.

Zitat von _gimli_
Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Grüße _gimli_
Diese Sortierung (bei mir leider erst nach der 6. Klasse) ist das einzige was einen Teil der Schüler rettet. Und zwar vor schulischer Gewalt ("Streberklatschen"). Sollten sich einige Mitläufer der "Ich bin cool und lerne nichts" Mentalität auf der Hauptschule besinnen, steht ihnen immer noch der schulische "Aufstieg" offen.

Was ich viel schlimmer finde sind die Mathebücher, die jedes Jahr von mir mitbezahlt werden müssen. Didaktisch zweifelhaft, mit umständlichen Rechenumwegen und NULL Lösungsstrategien. Wenn das Kind im Unterricht mal nicht aufpasst oder gar krank wird, stehe ich vor manchen Aufgaben und Frage mich, auf welchem obskuren Lösungsweg sie denn die Aufgabe gerne hätten und was sie eigentlich von dem Kind wollen.

Desweiteren hat die Schule nie Geld; für den "Informatikunterricht" muss es aber MS Word und MS Excel sein. Seit X Jahren als Softwareentwickler in verschiedenen auch International tätigen Firmen habe ich alle Schreibarbeiten mit OpenOffice bzw. AmiPro oder auch StarOffice erledigen können. Nur die Schulen und viele Behörden kaufen sinnlose MS Lizenzen, weil das ja "Standard" sei.

Würden die Schulen Computer sinnvoll einsetzen und Mathe, und Physik mit dem Rechner verknüpfen, wäre viel erreicht. Physik: Ergebnisse von Experimenten mit einer Tabellenkalkulation grafisch Darstelllen. Mathe: statt Vektorgrafik an der Tafel wird am Computer ein drehendes Objekt programmiert oder Ableitungen von Funktionen (selber) in grafischer Kurvenausgabe eingetippt.

Der Lehrer kann ja gerne ein Grundgerüst vorgeben und die Computersprache ist auch ziemlich egal; es geht um das Prinzip, naturwissenschaftlicher Theorie Leben einzuhauchen und die Schüler nicht 10 bzw. 13 Jahre anzuöden.

Damals zu Heimcomputerzeiten konnten selbst einige 10jährige ihre Brotdose (C64) in Assembler programmieren. Neben den reinen Spielern gab es eine grosse Anzahl von Kindern, die den Rechner einfach als Herausforderung gesehen haben.

Heute in der Klasse meines Sohnes kann man froh sein wenn die Schüler den Netzschalter finden. Mit dem Computer arbeiten? Keine Chance. Ausser Spiele starten und youtube ansurfen können die Kinder (so ich das in der Klasse mitbekomme) absolut gar nichts. Ein simples Zahlenraten Programm (1-100 in 5 Versuchen), was wir als 13 jährige mal nebenbei in Basic eingetippt hatten überschreitet die Grenzen der meisten Grundschüler und aller Hauptschüler einschliesslich der 10. Klasse bei uns.

Schade, denn strukturiertes Vorgehen hilft in allen Lebenslagen.

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