Forum: Leben und Lernen
Von Pisa zu Iglu - deutsche Schulen verbessert?

Sechs Jahre nach Pisa kommt nun die neue Iglu-Studie. Hat sich in deutschen Schulen etwas getan? Können unsere Schüler inzwischen international mithalten? Ein aktueller Artikel zum Thema:

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Willie 01.12.2007, 01:21
300.

Zitat von PaulNeu
Es gibt viele, die auch ohne Gymnasium zum Abitur und Hochschulabschluss kommen, Zahlen haben ich gerade nicht bereit. Aber ich bin ganz sicher, der Spätzünder kommt auf jeden Fall zu seinem Abitur.
Ihr "ich bin mir sicher" ist natuerlich sehr viel wert fuer den Spaetzuender, dem mit 26, verheiratet mit zwei Kindern, an der Drehbank, klar wird, welchen Weg sein Leben haette nehmen koennen, wenn er und seine gutglaeubigen Eltern, die Beurteilungen und dem Geschwaetz der Lehrer nicht geglaubt haetten, sondern es als das eingeschaetzt haetten, was es in Wirklichkeit ist.
Zitat von PaulNeu
Ich finde, dass das Gymnasium in seiner Bedeutung überbewertet wird.
Und deswegen betonen auch die Lehrer staendig ihren angeblichen "Akademiker Status"? Deswegen setzen die Lehrer selbst auch alles daran, dass ja ihre eigenen Kinder das Abitur schaffen? Weil es "in seiner Bedeutung ueberbewertet wird"?
Von wem denn sonst noch, ausser von Lehrern, die solches nur behaupten, wenn es um die Kinder anderer Leute geht?

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ksinbln 01.12.2007, 02:55
301.

Zitat von Osis
Aber das würde geld Kosten. Also weiter mit der Augenwischerei.
Und weil man kein Geld ausgeben will und vielleicht noch mehr, weil sich die Länder in ihrer Schulpolitik nicht einigen können und wollen, drischt man stattdessen auf den Pisa-Leiter ein und droht mit Austritt aus Pisa.

Traurig..

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welkendes_blatt 01.12.2007, 05:10
302. deutsches schulsystem,

Hallo zusammen,
es ist ganz offensichtlich das in der dritt größten Volkswirtschaft, viel zu wenig für Bildung ausgegeben wird. Man macht uns wie auch bei den Renten, beim ALG2, bei der Krankenversicherung immer glaubend, es wäre kein Geld hierfür da, natürlich genau so wenig wie für eine gute Volksbildung.
Liest man da dann im Gegenzug das was der Bundesrechnungshof ausweißt, das man es sich mal wieder so am Rande bemerkt, erlaubt hat 1.900 Millionen (1,9 Mrd) Euro Steuergeld für sinnloses zu verbraten, quasi auf "amtswegen" das Geld von uns allen in den Gulli geworfen worden ist, ist diesem Umfang ist es sehr schwer zu glauben, das die Bundeskasse leer ist, derartige Meldungen seitens des Finanzministers oder der hohen Politik kann man ruhig und getrost als große Lüge ansehen. Vor allem auch unter dem Hintergrund das wir es uns leisten, den armen groß Bauern die eh schon alle Millionäre sind kräftigst obendrein noch durch jährliche Millionen Geschenke in Form von Subventionen unter die Arme greift ebenfalls mit unser aller Geld den Steuermitteln, denn ein Millionär ist auch viel bedürftiger als eine Familie mit Hartz IV. Das unter diesen Umständen das Geld natürlich knapp wird, wird wohl jeder begreifen, das macht aber auch nichts, denn die Millionärs Kinder fallen ja nicht unter Pisa, die können sich aufgrund unserer aller Gelder, dann Ihre Kinder auf Privatschulen schicken, in denen Bildungsdefizite durch kostspielige Nachhilfestunden dann aus geglichen werden. Die Aufregung ist deshalb auch nicht verständlich, es ist doch alles bestens für die Millionärs Kinder geregelt oder etwa nicht .............?
Grüße

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Andreas Heil 01.12.2007, 05:34
303.

Zitat von PaulNeu
Es gab Erfahrungen in Niedersachsen, die zu einer Abschaffung der Orientierungsstufe führte
Dass das "Erfahrungen" zu führten, die mit der Qualität des Schulsystems zu tun haben dürfte eher im Bereich der Lokalmythen anzusiedeln sein.

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Andreas Heil 01.12.2007, 05:45
304.

Zitat von Bhur Yham
Einen Vergleich kann natürlich nur der ziehen, der dank eigener Erfahrungen dazu in der Lage ist. Bei Ihnen vermute ich da eher wenig Hintergrund.
Das deckt sich zumindest mit den Zweithand-Schilderungen die ich auch aus dem Bekannten- und Freundeskreis habe und den erkennbaren Fähigkeiten, die eine DDR-Biographie oft nach sich zieht.

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Andreas Heil 01.12.2007, 05:49
305.

Zitat von Iggy Rock
Merkwürdig, wenn ich auf meine Schullaufbahn zurückblicke, sehe ich alle Gescheiterten oder "beinahe" Verzweifelten immer als Opfer des radikalen konservativen Frontalunterrichts. ... ... habe nur einen echten 68er, von denen heute so viel erzählt wird, als Lehrer kennenlernen dürfen, der war sehr engagiert, lustig, und hat uns sehr viel an Stoff vermittelt, ... ... Schlimmer waren nur die Jungen, nach 68er: Übermotivierte, teils übelst konservative die den Beruf wohl nur gewählt haben um Schwächere, in dem Fall Schüler, zu drangsalieren und zu mobben, aber selbst wenig Ahnung vom Unterrichtsstoff hatten.
Das deckt sich exakt mit meinen Erfahrungen. Zitat von Iggy Rock
wie Schüler solche Ignoranz verarbeiten brauche ich hier nicht zu erwähnen.
Doch, bitte. Dies kommt in vielen Überlegungen nicht mal vor. Zitat von Iggy Rock
Mit Frust lernt es sich vor allem schlechter, und Skandinavien kann uns da nur Vorbild sein, Roboter wie in China brauchen wir nicht, wir sind das Land der Dichter und Denker, wir brauchen Persönlichkeiten, keine in der Schule gebrochenen leeren Hüllen.
Ganz genau. Die gegenwärtigen "Reformen" erreichen aber genau letzteres.

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Andreas Heil 01.12.2007, 05:50
306.

Zitat von Rainer Daeschler
Die DDR war das Vorbild des finnischen Bildungssystems, auch wenn "Marxismus-Leninismus" als Fach dabei nicht mit übernommen wurde. Für viele Westdeutsche ist diese Erkenntnis schwer verdaulich, leben sie doch in einer Art Siegermentalität, dass man gegen die DDR gewonnen habe, was die Erkenntnis, dass es dort irgend etwas gegeben habe, was besser gewesen sei, kategorisch ausschließt.
Ja, die Ignoranz ist schon auf ein erstaunliches Niveau abgehoben.

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der_mitdenker 01.12.2007, 05:59
307. Bildungsnotstand wer kriegt dafür die Schuld? Teil 1

Nachdem ich mir einige Posts durchgelesen habe, komme ich zu dem Schluss, dass hier sehr viele Standpunkte vertreten sind.

Wir haben hier:
die DDR-Pädagogik Verteidiger (alle schon über 60 :),
diejenigen die sagen, dass es an Geld mangelt,
diejenigen die den Lehrer als den Schuldigen sehen,
die Bayern (klar die dürfen nie fehlen :),
die SPD-Gesamtschulbefürworter,
die CDU-Konservativen die am liebsten im Kindergarten sortieren würden

etc. etc.....

Aber dieser Diskussion trete ich nicht bei, sondern werde Sie mit einer Geschichte zu unterhalten versuchen, meiner Eigenen.

Am Satzbau werden Sie erkennen, dass ich Gymnasialschüler war, aber soweit bin ich noch nicht.

Ich kam nach Deutschland als ich 9 J. alt war, also 1995. Und das mit einem Wortschatz, der sich auf die Wörter hier in diesen Klammern beschränkt ( .....?).

In der Türkei (da komme ich her), hatte ich gerade die 3. Klasse beendet. Man konnte sagen, dass wir mit einer Eigentumswohnung, einem Auto und einer Werkstatt zu den besser Situierten gehörten, nicht reich aber schon besser gestellt als der Rest.

Als Asylanten wurden wir nach Halberstadt geschickt.
(ja genau, dahin wo Nazis letztens eine Theatergruppe mitten am Tag mitten in der Stadt ungestört vermöbelt haben) Dort haben sich auch meine Eltern getrennt, ich blieb bei meiner Mutter und wir zogen in eine andere Stadt in Sachsen Anhalt.

Ich wurde dort in eine Realschule eingeschult und kann den Herren der in seinem Post die Gewalt an Schulen bemängelt nur allzugut nachvollziehen. Nach 2 Jahren, nach der 6. Klasse, hat meine Mutter für mich entschieden, dass ich auf das Gymnasium soll, mit relativ schlechten Deutschkenntnissen und einer 5 in Geschichte (ich war einfach zu faul).

Kein wunder also, dass alle die meine Mutter kannten ihr sagten, dass ich es NIEMALS schaffen würde. Ich wurde kein zwar kein Musterschüler, weil ich auf einmal auf einem Gymnasium war, aber ich passte mein Lernverhalten so an, dass ich im ersten Halbjahr 7. Klasse mit 8x dreien und 5x vieren durchkam.
Ich sehe mein Zeugnis grad zum ersten mal seit langer Zeit, oh mein Gott mein Zeugnis ist sooo miserabel, das hatte ich nicht so in Erinnerung. :D
Ein Tipp an alle: Bevor ihr anfangt zu meckern, holt eure Zeugnisse raus und schaut sie euch an.

(*ich muss dieses Zeugnis später vor meinen Kindern verstecken*)

*Teil 2 lesen....*

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der_mitdenker 01.12.2007, 06:06
308. Bildungsnotstand wer kriegt dafür die Schuld? Teil 2

Meine Noten in der 8. Kl: 1x1 in Chemie (wohoo meine erste 1 in Deutschland) und eine 4 in Französisch,
der Rest 8x 2 und 6x 3
p.s. ich nehme zur Zeit Französischkurse, da hat mich der Ehrgeiz gepackt

Mein Deutsch verbesserte sich, aber die Noten nicht wirklich, in der 9. Kl wurden meine Noten sogar schlechter.

Als Jugendlicher war ich nicht sehr hilfreich für meine Mutter, im Nachhinein im nachhinein tut es einem Leid, aber es ist zu spät.
Bei uns hatte man ALLES im Angebot: Migrantenkind, Scheidungskind, Alleinerziehend, Ausländer im Osten, Mutter auf Sozialhilfe (als Asylbewerber), Halbgeschwister/Patchworkfamilie....

ALSO DER SUPER-GAU DER CDU-FAMILIENPOLITIK :D

Eine Verbesserung erfolgte in der 10. Klasse mit 5 einsen !!!! und nur noch einer 4 (Frazösisch :p) Ich kann es nicht ganz nachvollziehen warum so ein Riesensprung kam, aber es lag hauptsächlich an meinem Berufswunsch der sich zu dieser Zeit langsam verfestigte: Arzt

Ich belegte Latein (völlig umsonst wie ich heute weiß), legte mir einen Schwerpunkt: Naturwissenschaften, und begann tatsächlich zu lernen, die anderen Fächer folgten den Naturwissenschaften, einfach nur aus dem Grund dass ich wusste dass es machbar ist.
Zur Leistungssteigerung trugen auch Lehrerwechsel bei: Ich kam besser mit unserer neuen Klassenlehrerin klar, nicht weil sie besser war als die andere, sondern weil ich ein neues Gesicht für sie war und meinen Ruf völlig neu aufbauen konnte. Ich lernte gute Lehrer besser schätzen ...(weil ich vorher bei schlechteren war). Und es wurde mir auch klar, dass ich einen Lehrer nicht mögen muss, um Interesse an einem Fach zu zeigen, als Kind/Jugendlicher ist einem das nicht vollkommen klar.

Ich nenne meine Noten aus der Elften: 4 Einsen und nur noch 2 Dreien (Französisch ist wieder dabei, *grins*) alles andere Zweien.

Der Grund für DIESE Steigerung war ehrlich gesagt einzig und allein mein Sommerjob: Ich nahm in Köln bei McDonalds einen Sommerjob als Kassierer an, und mir wurde der Ernst des Lebens schlagartig klar (im Osten, hamwa keene Sommerjobs, wie auch sonst keene Oarbeet). 8 Stunden am Tag an einer Kasse zu stehen hatte für mich, einem 16 jährigen eine neue Qualität, ja sogar eine neue Dimension. Nach einem Monat voller Arbeit und "vom-Chef-angeschnauzt-werden", hatte ich mir wie noch nie den Beginn des Schuljahres gewünscht.
Ich bin Gott/dem Zufall im Nachhinein so dankbar, dass er mich für dieses Arschloch von Chef arbeiten ließ, nichts sonst hätte mich so sehr dafür sensibilisiert, wie es ist später keine Perspektive zu haben.
Meine Noten im 12. und 13. Schuljahr: konstant 8x 1 und 2x zwei

Mein Abitur habe ich in S-A mit 1,2 bestanden und wurde sofort zum Medizinstudium zugelassen, was ich heute studiere. Ich bin somit, wie Herr Andreas Schleicher, der auch keine Gymnasiallaufbahnempfehlung erhielt, ein Beispiel dafür, dass das Schulsystem wie sie heute existiert, sehr viele Fehler enthält.
Diese sind nicht bei den Lehrern zu suchen, ganz im Gegenteil, Lehrer sind nicht das intakteste Teil des Systems.
Die Fehler liegen zum einen in der Politik, unsere Politiker sollten sich klar werden dass es keine rechte und linke Schulpolitik gibt, sondern nur gute und schlechte.
Die größere Schuld trifft die Eltern, die an der Schullaufbahn ihrer Kinder erst Interesse zeigen, wenn es zu spät ist. Hier im Forum wird man diese eher seltener treffen, aber es gibt sie zur Genüge.

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portole 01.12.2007, 06:33
309. Bildungseklat Schavan contra Schleicher

Frau Schavan kann man nach ihren letzten Äußerungen nur antworten: Nicht Herr Schleicher schadet der OECD (Frau Schavan meint wohl: uns und unseren Kindern), sondern unsere Bildungspolitiker, die angesichts erdrückender Datenlage den Kopf in den Sand stecken. Nicht Herr Schleicher müßte zurücktreten, sondern alle Bildungs- und anderen Politiker, die umfassende Bildungsreformen blockieren.

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